Wahl vollzogen - Berliner Lieferdienst Gorillas hat nun einen Betriebsrat

Mo 29.11.21 | 14:56 Uhr
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Ein Beschäftigter des Lieferdienstes Gorillas trägt einen Rucksack und steht vor den Fahrrädern. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Bild: dpa/Annette Riedl

Die Kuriere des Lieferdienstes Gorillas haben nun eine eigene Vertretung im Unternehmen: Die Betriebsratswahl wurde am Samstag vollzogen, bestätigte eine Gorillas-Sprecherin dem rbb. Das Unternehmen hatte zuletzt versucht, die Wahl gerichtlich zu stoppen.

Das Berliner Start-up Gorillas hat nun einen eigenen Betriebsrat. "Am Samstag wurde die Wahl des Betriebsrats abgeschlossen", erklärte eine Sprecherin des Schnell-Lieferdienstes Gorillas am Montag rbb|24. Zuerst berichtete die "Berliner Zeitung".

Gorillas hatte zuletzt versucht, die vom 22. bis 27. November geplante Wahl zu stoppen. Das Unterhnehmen hatte unter anderen argumentiert, dass der Wahlvorstand angesichts von erst kürzlich erfolgten Umstrukturierungen nicht zuständig sei für die Beschäftigten, die zur Wahl aufgerufen seien.

Gorillas: "Werden Zusammenarbeit mit Betriebsrat aufnehmen"

Auf Nachfrage von rbb|24 beteuerte das Unternehmen, mit der neu gegründeten Vertretung der Gorillas-Fahrer kooperieren zu wollen. "Trotz der bestehenden Zweifel an der Gültigkeit der Wahl werden wir die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat aufnehmen und hoffen, dass wir gemeinsam gute Ergebnisse für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und unser Unternehmen erreichen werden", sagte die Unternehmenssprecherin.

Mitarbeiter protestieren gegen schlechte Arbeitsbedingungen

Gorillas war 2020 von Kagan Sümer in Berlin gegründet worden. Die Fahrradkuriere des Unternehmens liefern in mehr als 20 deutschen Städten Lebensmittel aus. Die Besonderheit ist dabei die Lieferzeit: Lebensmittel werden oft innerhalb von zehn Minuten geliefert. Möglich ist dies durch ein dichtes Netz von Zwischenlagern in den Städten, in denen der Dienst angeboten wird.

In die Schlagzeilen war Gorillas zuletzt vor allem wegen eines seit Monaten andauernden Streits um die Arbeitsbedingungen geraten. Ein Zusammenschluss von Mitarbeitern, das "Gorillas Workers Collective", kritisiert unter anderem befristete Verträge, mangelnde Ausrüstung für Fahrer sowie eine schlechte Dienstplanung. Anfang Oktober wurden mehrere Hundert Kuriere entlassen, nachdem sie sich an Streiks beteiligt hatten.

Sendung: Abendschau, 29.11.2021, 19:30 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    Dann kostet es die Firma eben mehr? Sie meinen wohl, dass es für den Kunden noch teurer wird.

    Wenn die Arbeitsbedingungen in dieser Firma angeblich so schlecht sind, warum findet die Firma immer wieder neue Mitarbeiter? Warum kündigen die Mitarbeiter nicht einfach und suchen sich was neues? Niemand wird gezwungen, dort zu arbeiten

  2. 14.

    Stimme Ihnen komplett zu, denn solche "Firmen" braucht die Welt nicht.
    Das ist übelster Manchesterkapitalismus aus Opas Mottenkiste! Lieferdienste gibts doch genug von Rewe oder Edeka u.a. und man kann auch die Nachbarin fragen, obse vielleicht etwas mitbringt. Was ist eigentlich so verwerflich daran mal die eigenen Füße zu benutzen und selber zum Laden oder Supermarkt zu laufen, frische Luft hat noch keinem geschadet (o.k., Pandemie, aber sonst?)
    Ein Betriebsrat ist allerorts wichtig und gehört lt. Gesetz auch nicht in seiner Ausübung eingeschränkt - die Wahl war wichtig und richtig im Sinne der Arbeitnehmer:Innenrechte. Dann kostets die Firma eben mehr, und?

  3. 13.

    Natürlich wächst das Unternehmen, Amazon wächst immernoch, trotz schlechter Presse. Man muss nur den Kundenwunsch erfüllen, und der heißt möglichst bequem und billig. Der Lieferant zählt da nicht, nur mittel zum Zweck. Guck doch Mal wie es seit Ewigkeiten für Zimmermädchen im Hotel und Reinigungspersonal überhaupt aussieht.

  4. 11.

    Ob die Mitarbeiter sich mit dem Betriebsrat einen Gefallen getan haben, ist fraglich."
    Fraglich ist eher, ob die "Mitarbeiter" sich einen Gefallen tun würden, wenn sie jede Zumutung der Führung so einfach hinnehmen würden.
    Das Betriebsverfassungsgesetz ist schließlich nichts illegales, die ungebremste Gier der Eigner sollte es sein.

  5. 10.

    "Unternehmen, welche nicht in der Lage sind auskömmliche Löhne zu zahlen, sollten vom Markt verschwinden."

    so ist es! Ansonsten finanzieren nicht nur ausgebeutete Mitarbeiter den Firmenerfolg, sondern auch die Gesellschaft durch Sozialabgaben wie aufstockendes H4 und Wohngeld. Oder anders gesagt, man subventioniert eine Firma bzw. ganze Geschäftszweige- es ist aber kein gutes und schon gar nicht marktwirtschaftliches Geschäftskonzept, auf Subventionen als Geschäftsgrundlage zu setzen.
    Und ja, das gibt es leider dennoch oft- glücklicherweise geht man diese Probleme so langsam aber an. Der Mindestlohn war hier der erste wichtige Schritt. Weitere müssen folgen.

  6. 9.

    Das nennt man dann wohl einen Pyrrhussieg."
    Unternehmen, welche nicht in der Lage sind auskömmliche Löhne zu zahlen, sollten vom Markt verschwinden.

  7. 7.

    Sie halten nicht zufällig Anteile einer Lieferdienst-Firma?

    Ich frage, weil Sie den seit zwei Jahrhunderten bekannten erpresserischen Stil von „Union Bustern“ so gut drauf haben: „Wer erträgliche Arbeitsbedingungen und einen angemessenen Lohn will, kann woanders danach suchen. Wenn ihr nicht spurt, mache ich den Laden dicht und eröffne ihn in zwei Wochen wieder unter neuem Namen – aber ohne euch!“

    Man kann sich davon erpressen lassen – oder einen Betriebsrat wählen und einer Gewerkschaft beitreten.

  8. 6.

    Steigende Kosten führen bei der Konkurrenz unter den Lieferbedingungen nicht gerade zur Erhaltung der Arbeitsplätze. Ob die Mitarbeiter sich mit dem Betriebsrat einen Gefallen getan haben, ist fraglich.

  9. 5.

    Das stimmt, aber wenn sich die Arbeitsbedingungen verbessern - dank Betriebsrat - steigen somit auch die Personalkosten.
    Und bei den momentan noch recht kleinen Erträgen und hohen Konkurrenz unter den Lieferdiensten könnte dies dazu führen, dass die Rentabilität einzelner Lieferdienste weiter sinkt und das Geschäftsmodell nicht mehr aufgeht.

    Dann könnte der eine oder andere Lieferdienst sein Geschäft aufgeben und schließen - dann sind die Jobs weg!
    Das nennt man dann wohl einen Pyrrhussieg.

    Auch wenn viele es nicht so schlimm finden, wenn diese prekären Arbeitsverhältnisse wegfallen.

  10. 4.

    Betriebsratsmitglieder genießen allerdings erweiterten Kündigungsschutz, der eingeschränkt schon mit der Kandidatur greift. Der Chef der Berliner Firma hat aber schon angekündigt, ähnlich wie die Metro mit den Media Markt- und Saturn-Fillialen vorzugehen, indem er Einheiten ausgliedert. Es liegt an den Kunden, wie die solche Pläne honorieren - mit Missachtung der Firma oder indem die für weiter steigende Umsätze sorgen.

  11. 3.

    Wie kommen sie darauf? Der Geschäftsbetrieb muss doch weitergehen.der Betriebsrat ist jetzt da und auch neue Mitarbeiter können daran nichts ändern

  12. 1.

    Gratuliere den Beschäftigten!
    "Lebensmittel werden oft innerhalb von zehn Minuten geliefert. Möglich ist dies durch ein dichtes Netz von Zwischenlagern" und einer kreativen Auslegung der StVO durch die Rider.

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