Klimafreundlich bauen in Berlin - Wenn Holz den Beton ersetzt

Di 16.11.21 | 09:00 Uhr | Von Wolf Siebert
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Ulrich Schiller vor Holz-Hybrid-Gebäuden der Howoge. (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 15.11.2021 | Wolf Siebert | Bild: rbb

Beim Wohnungsbau werden viele Treibhausgase freigesetzt - vor allem Beton gilt als Klimakiller. zugleich werden in Berlin dringend neue Wohnungen benötigt. Umweltfreundliche Alternativen sind also gefragt. Die Howoge setzt auf Holz. Von Wolf Siebert

Vierstöckige Häuser mit viel Platz und Grün dazwischen gibt es im Neubauquartier in Berlin-Johannisthal. Autos sind hier tabu, deshalb hört man vor allem Kinderstimmen durch die Gegend schallen. 314 Wohnungen mit Balkons oder Terrassen gibt es, sie haben sehr günstige Werte, was Energieverbrauch und Wärmeverlust angeht.

Und sie sind überwiegend aus Holz. "Holzhybrid" heißt das genau, sagt Howoge-Geschäftsführer Ulrich Schiller. "Das bedeutet, dass sie einen Stahlbeton-Kern haben, meistens den Treppenhauskern oder auch den Fahrstuhlschacht. Das heißt, die konstruktiven oder die Fassadenelemente sind aus Holz."

Holz: Baustoff der Zukunft für die Howoge

Herkömmliche Bauten sind oft aus Beton, und der enthält Zement. Bei der Herstellung einer Tonne Zement entsteht aber so viel CO2 wie bei fünf Autofahrten von Berlin nach München. Deshalb setzt die Howoge bei Neubauten auf Holz: "Holz ist für uns der Baustoff der Zukunft. Er ist regional verfügbar. Anders als bei anderen Baustoffen wird bei seiner Herstellung kaum CO2 verwendet, und er ist dann ein CO2-Speicher. Holz ist also ein sehr ökologischer Baustoff, den wir sehr gern verwenden."

Holz speichert also Kohlenstoff - aber wie funktioniert das genau? Ein Baum absorbiert CO2. Während der Photosynthese trennt er Kohlenstoff (C) und Sauerstoff (O) voneinander. Der Sauerstoff wird wieder freigesetzt, der Kohlenstoff bleibt im Baum - sogar wenn der gefällt wird - und wird nicht in die Atmosphäre freigesetzt. Ein Kubikmeter Holz speichert das Äquivalent von einer Tonne CO2 an Kohlenstoff (340 Kilogramm).

Holzbau ist teurer als herkömmliche Bauarten

Die Gebäude in den Johannisgärten bestehen bis zu 60 Prozent aus Holz, Schaukeln und Bänke im Quartier auch. Die Howoge würde gern noch mehr Häuser in Holzbauweise errichten, sagt Ulrich Schiller, doch die sind aktuell noch fünf bis zehn Prozent teurer als herkömmliche Bauarten: "Wenn wir mit klassischen Bauarten in Ausschreibungen gehen, bekommen wir viel mehr Angebote als mit holzhybrider Bauweise."

Im Holzhandwerk fehle es zudem an Personal. Ungünstig sei auch, dass die Holzpreise weltweit in die Höhe gegangen sind. Auf den Mietpreis wirke sich das Bauen mit Holz bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Howoge jedoch nicht aus. Sie müsse Wohnungen zu bezahlbaren Preisen anbieten, egal ob sie aus Holz oder Beton gebaut sind, sagt Ulrich Schiller.

Die Howoge hat sich hohe Ziele gesetzt

In den vergangenen Jahren hat die Howoge 5.000 Wohnungen gebaut, davon 330 in Holzhybrid-Bauweise. 500 weitere sind nach Angaben des Geschäftsführers im Bau, noch einmal 500 in Planung. Insgesamt hat sich die Wohnungsbaugesellschaft hohe Ziele gesetzt: Beim Neubau wolle man klimaneutral werden, sagt Ulrich Schiller: "Dann muss man natürlich beim Bauen darauf achten, dass die Baustoffe CO2-neutral sind. Von daher gehen wir mal davon aus, dass wir fast ausschließlich in Holz bauen werden, wenn das geht."

Holz nicht nur beim Neubau interessant

In Deutschland werden aktuell 20 Prozent aller Neubauten mit Holz gebaut. Auf 50 Prozent ließe sich das steigern, sagt Sabine Djahanschah von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die innovative und modellhafte Vorhaben zum Schutz der Umwelt fördert. Für Djahanschah ist Holz nicht nur beim Neubau interessant. Großes Potenzial sehe sie bei der Sanierung von Fassaden, beim Aufstocken bestehender Häuser und bei der sogenannten "Nachverdichtung", wenn zum Beispiel Freiflächen zwischen bestehenden Häusern mit Wohnungen bebaut werden.

Holz ist nicht zuletzt ein guter Baustoff, wenn es in die Höhe geht. In Hamburg wird gerade ein 65 Meter hohes Wohnprojekt realisiert. Das trägt den Namen "Roots" – "Wurzeln". Nach seiner Fertigstellung wird es das höchste deutsche Haus aus Holz sein. Rund 30 Prozent der Wohnungen sind öffentlich gefördert, der Rest sind Eigentumswohnungen.

Sendung: Abendschau, 16.11.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Wolf Siebert

41 Kommentare

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  1. 41.

    Das war "hohe" Mathematik für Kinder. Aber das Erfordernis ist immer eine Nasenlänge voraus zu sein-mit den Nachpflanzungen und der Pflege des Waldes; des Baumbestandes.

  2. 40.

    Jo, ein paar Jahrzehnte bis klein dreistellig, je nach Baumart. Das ist in geologischen Zeiträumen halt nix und lässt sich mit angemessenem Forstmanagement ganz leicht nachhaltig machen. Wenn man 100 Jahre alte Bäume will darf man jedes Jahr 1% der Waldfläche roden und wieder aufforsten.

  3. 39.

    Dass von den Grünen betriebene Glyphosat-Verbot ist schlecht für das Klima, aber das ist denen dann auch egal. Die Pestizide der Bio-Bauern dürfen aber weiter die Natur vergiften.

  4. 38.

    Die Wälder werden eben dem Borkenkäfer preisgegeben was nebenbei für sehr viel CO2 sorgt, weil nicht gespritzt werden darf.

  5. 37.

    Die Brandenburger Wälder werden durch Umbau der Grünen unrentabel und viel Holz ist da auch nicht mehr zu erwarten. Die ideologischen Dogmen gehen eben bei den Grünen vor.

  6. 36.

    Wo kommt nur das ganze Holz her. In Rumänien werden Menschen wegen Holz ermordet und die EU schaut wieder weg.

  7. 35.

    Kennen Sie nicht den Begriff "zu Buche schlagen"? Da wird nichts geschlagen, es bedeutet so viel wie "kosten".
    Vielleicht lesen Sie den betreffenden Satz nochmal laut, das hilft manchmal beim Verständnis.

  8. 34.

    Wenn Kalkfugen oder Kalkputz abbindet wird CO2 aus der Luft benötigt. Aus Ca (OH)2 wird wieder CaCO3. Zement benötigt zur Aushärtung kein CO2. Früher hat man eben klimafreundlicher gebaut. In Thüringen habe ich mal ein Lehmhaus mit Weidenrutengeflecht gesehen. Völlig CO2-neutral. Womit wird man die Fassaden der hier genannten Häuser nun geschützt haben ? Terrasssenhölzer sind nach thermischer Behandlung so 20 Jahre haltbar. Fakt: Man kann doch nicht alle paar Jahre diese Gebäude einrüsten zur Werterhaltung. Mein Gartenhaus habe ich stets mit XYLA-Dekor gestrichen. Ist heute mit der Wirksamkeit gar nicht mehr zugelassen. Man könnte diesen Bericht um den Erhaltungsaufwand vervollständigen.

  9. 33.

    Wer viel in den USA unterwegs ist, kennt die dort vielfach übliche Bauweise mit Holz. Ok, die Dämmung etc. ist sehr verbesserungsfähig. Aber in Europa und speziell in Deutschland oder gar Berlin sollte msn nicht so tun, als ob man nun etwas völlig Neues macht.

  10. 32.

    "Windkraftanlagen und Solarflächen werden möglicherweise die Waldflächen reduzieren. "

    Fehlt nur noch das Märchen vom Insektenkiller Windrad und weiteren AfD Blödsinn.

  11. 31.

    Zehn Jahre Haltbarkeit von Holz? Abhängig von Material und Witterung müssen Lasuren in der Regel jährlich, Dünnschicht-Lasuren alle zwei bis drei Jahre, Dickschicht-Lasuren alle drei bis fünf Jahre und deckende Beschichtungen alle fünf bis sieben Jahre erneuert werden. Da muss es schon Red Meranti oder Sipo-Mahagoni sein. Das ist inzwischen unbezahlbar.

    Auf gut deutsch, mit Holz im Aussenbereich haben Sie immer gut zu tun.
    Übrigens, Ziegelsteine mit dem üblichen Kalkmörtel, wo schon wegen der Plastizität wenig Zement dabei ist, ist natürlich CO2-mäßig besser als Beton. Die Industrie arbeitet an der Herstellung von CO2-negativen Ziegelsteinen. Das sind Ziegel, die mehr CO2 absorbieren, als bei der Produktion emittiert wird.

  12. 30.

    Aus Johannisgärten wird später "Schwedisches Viertel" So rot mit weiß abgesetzt sieht doch toll aus. Ganz schnell tolle Bäume pflanzen und die gut pflegen.

  13. 29.

    Wo stammt das Holz eigentlich her ? Aus der Ukraine ? Da sind enorme Kahlstellen entstanden ?

  14. 28.

    RBB aktuell zeigte die Fassaden ganz nahe. Eher kaum eingefärbte Lasur o.ä. Man erkannte gut die Holzmaserung.

  15. 27.

    Stimmt. Alles klassisches Tonziegelmauerwerk oder gar Kalksandstein dabei. Putz war damals immer Kalkputz mit ein wenig Zement dabei. Kalk bindet beim aushärten aber wieder CO2. Deshalb doppelt falsch vom RBB. Nun; wir sind ja da und korrigieren wenn es sein muss.

  16. 26.

    "Ziegel schlagen"?
    ;-)

    Ziegel werden hauptsächlich aus Ton und Lehm hergestellt. Sie werden nicht geschlagen (aus einem Bergbau) sondern gebrannt!
    Ein Naturprodukt also.

  17. 25.

    Alles ganz schön und gut. Aber spätestens nach 8 bis 10 Jahren muss das Holz komplett mit einer Dickschichtlasur wieder wetterfest gemacht werden. Schwedens Häuser z. B. werden so immer wieder behandelt.

  18. 24.

    Es ist nun naheliegend und verständlich, dass der Bürger sich die Frage stellt wie viele t CO2 uns der Betonbau in Grünheide-Freienbrink "produziert" hat. ? Wie weit - oder in km - könnte man mit einem Durchschnitts-PKW fahren ? Man muss nun noch Stahl und Zement trennen und alles richtig beantworten. Ob das der Herr Neumann bringt ?

  19. 23.

    Nicht nur klimefreundlich, sondern auch viel schneller hochzuziehen. Weiter so, vorallem im Berliner Speckgürtel kann man hier schnell die Kapazitäten hochziehen.

  20. 22.

    Hast du eine Ahnung wie lange so ein Baum wachsen muss um einen vernünftigen Balken draus machen zu können? (Bei unseren Bauvorschriften/Statik)

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