Nach Corona-Pause - Exotikmesse "Bazaar" soll Comeback der Messe Berlin einläuten

Mi 03.11.21 | 09:52 Uhr
  4
Buddhafiguren an einem Messestand, auf der Bazaar unter dem Funkturm in Berlin. 26.11.2016. (Quelle: dpa/Rolf Kremming)
Video: Abendschau | 03.11.2021 | Ulli Zelle | Bild: dpa/Rolf Kremming

Die duftende Blumenhalle mitten im Winter, Konzerte im Sommergarten: Mit der "Bazaar" startet in der Messe Berlin wieder der Betrieb, nach langer Corona-Zwangspause. 2022 soll alles fast wieder normal werden. Von Johannes Frewel

Mitten in der Pandemiekrise hatte Martin Ecknig den Chefposten bei der Berliner Messegesellschaft übernommen. Aus dem einstigen Goldesel Messe Berlin hat das Virus einen Sanierungsfall mit zweistelligen Millionenverlusten gemacht. Nun muss es wieder besser werden: Bis Sonntag findet die Shoppingmesse "Bazaar" mit Produkten aus exotischen Ländern statt. Sie ist ein Probelauf für das Comeback im kommenden Jahr.

Das Covid-Notkrankenhaus in der Messe unter dem Berliner Funkturm ist geräumt, der Messebetrieb kann unter den üblichen Corona-Auflagen wieder starten. "Wir haben in unseren Planungen alle großen Veranstaltungen für das nächste Jahr voll drin", sagt Messechef Ecknig. Die Grüne Woche (Ende Januar 2022, als 2G-Veranstaltung), die Fruit Logistica, ITB, die IFA, Bus2Bus oder die Bahnmesse Innotrans sollen wieder stattfinden. Geplant wird hybrid als Messe vor Ort und zugleich im Internet.

Längerer Weg aus der Krise

Bis die Berliner Messe wieder aus der Krise kommt, dürfte es allerdings dauern. Jörn Holtmeier, Chef des Messe-Bundesverbands AUMA, rechnet mit Anlaufproblemen. Die größte Hürde: Internationale Aussteller und Besucher kämpfen in ihren Heimatländern weiterhin mit Pandemieauflagen, die Geschäftsreisen schwierig machen. "In der Tat hat keiner die Erwartung, dass wir von heute auf morgen dort wieder ansetzen, was wir von 2019 oder Anfang 2020 in Erinnerung haben", sagt Holtmeier.

In guten Jahren vor der Pandemie war die Messe Berlin ein Gewinn für Berlin. 66 eigene, 60 Gast-Messen, mehr als 36.000 ausstellende Unternehmen und gut zwei Millionen Besucher: 2019 setzte die Messegesellschaft fast 300 Millionen Euro um und schrieb schwarze Zahlen. Das änderte sich mit Corona: Zahlreiche internationale Leitmessen, die Geld in die Kasse bringen, mussten abgesagt werden. Aus der Umsatzmaschine Messe wurde ein Sanierungsfall. Eigentümer Berlin musste wegen zweistelliger Millionenverluste einspringen. Messechef Martin Ecknig hofft auf die Trendwende im nächsten Jahr.

Sind Berlins Hotels bereit für den Messe-Neustart?

Die wirtschaftliche Bedeutung der Messe geht weit über das Vermietungsgeschäft von Standflächen hinaus. Standbauer, Hoteliers, Gastronomen, Einzelhandel, regionale Handwerker: Sie alle profitieren vom Zusatzgeschäft durch die Messe. Etwa zwei Drittel aller globalen Messen finden in Deutschland statt. Nach einer ifo-Analyse geben Aussteller und Messebesucher pro Jahr etwa 14,5 Milliarden Euro aus. Davon landen Schätzungen zufolge gut zwei Milliarden Euro in Berlin. Messe- und Kongressbesucher gaben vor der Pandemie nach Angaben der Tourismusförderung Visit Berlin täglich 240 Euro bei Reisen in die Bundeshauptstadt aus.

Investoren vertrauen dem Messe- und Tourismusstandort Berlin. Seit 1992 hat sich die Zahl der Hotelbetten in Berlin vervierfacht. Etwa 60 Häuser mit 11.000 weiteren Zimmern sind in Bau oder Planung. Das wieder anlaufende Messegeschäft wird dennoch zum Stresstest für die Branche. Selbst namhafte Berliner Hotels haben während der Corona-Schließungen im Einzelfall deutlich mehr als 100 Mitarbeiter verloren. Da die Ausbildung von Nachwuchs auf Tiefstand ist, steht die Branche vor einem Problem. "Die Branche hat in Berlin durch den fehlenden Messetourismus und die fehlenden Großveranstaltungen in den vergangenen zwei Jahren besonders gelitten", erklärt Monika Schröder, Chefin der regionalen Arbeitsagentur. Sollten Hotels wieder öffnen und neue Hotels dazukommen, wird nicht nur spannend, ob die Nachfrage mitzieht, sondern auch, ob genügend Mitarbeiter zurückkehren.

Sendung: Abendschau, 03.11.2021, 19:30 Uhr

4 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 4.

    Einfach schön - wenn Sexismus nicht diskriminiert ;-) sondern für Heiterkeit sorgt...

  2. 1.

    Hallo liebes RBB-Team,

    vielen herzlichen Dank für den Lacher, dass es sich bei der Bazaar um eine Erotikmesse handeln soll :)

Nächster Artikel