ARD-Recherche - Berliner Senat geht Bericht zu Neuware-Vernichtung durch Nike nach

Do 11.11.21 | 17:50 Uhr
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Symbolbild: Kundin beim Anprobieren von Nike-Sportschuhen in einem Sportgeschäft. (Quelle: dpa/J. Keystone)
Bild: dpa/Keystone

Nike soll systemantisch Neuware vernichten. Das belegen Recherchen des ARD-Politimagazins "Panorama" und der "Zeit". Der Berliner Senat will dem jetzt nachgehen, weil sich die Nike-Zentrale in Deutschland in Berlin befindet.

Die Berliner Senatsverwaltung geht einem Bericht nach, dem zufolge der Sportartikel-Hersteller Nike systematisch Neuware etwa aus Retouren zerstören soll. Reporterinnen und Reporter des ARD-Politmagazins "Panorama" [ndr.de] und der Wochenzeitung "Die Zeit" hatten mit Hilfe von GPS-Trackern den Weg von Rücksendungen in eine Recyclinganlage verfolgt. Auf eine Anfrage vom Donnerstag hat sich Nike bislang nicht dazu geäußert.

Nach der Veröffentlichung des Berichts versucht die Senatsverwaltung für Umwelt nach Angaben eines Sprechers, mit Nike Kontakt aufzunehmen, um die aufgeworfenen Fragen zu klären. "Ziel ist, den Sachverhalt zu analysieren und zu bewerten."

Vernichtung könnte gegen deutsches Recht verstoßen

Das ARD-Politmagazin "Panorama" berichtet, dass das Vernichten von Neuware unter Berufung auf das Bundesumweltministerium gegen deutsches Recht verstoße. Laut Bundesumweltministerium ist das Vernichten von gebrauchstüchtigen Retouren für Waren, die in Deutschland in den Verkehr gebracht werden, verboten. Ein Sprecher bezeichnet den Sachverhalt als möglichen Verstoß gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz. "Gemäß der Abfallhierarchie hat die Abfallvermeidung oberste Priorität und Vorrang vor allen anderen Entsorgungsmaßnahmen, wie beispielsweise Recycling." Die zuständige Landesbehörde müsse tätig werden, es drohe ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro.

Der Bundestag hatte Händler im vergangenen Jahr gesetzlich dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass zurückgesandte Waren gebrauchstauglich bleibt und nicht zu Abfall wird. Die deutsche Nike-Landesgesellschaft hat ihren Sitz in Berlin.

Der ARD und der "Zeit" sagte eine Nike-Sprecherin nach deren Angaben, dass zumindest Retouren, "die Anzeichen von einer möglichen Beschädigung oder Gebrauchsspuren aufweisen", zerstört und dann recycelt würden. "Ungetragene und makellose Artikel werden zum Wiederverkauf in die Regale zurückgestellt", wird die Sprecherin zitiert.

26 Kommentare

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  1. 26.

    Wer gestern Abend den hier zitieren Bericht gesehen hat, fragt sich, was das ganze hier soll.
    Nike wird damit zitiert, dass man aus den recycelten Produkten Beläge für Sportanlagen macht.
    Leider ist in Summe in diesem, zur Empörung aufstachelnden, Beitrag nichts mehr zu hören.
    Zudem verpflichtet die Bundesregierung die Händler (!!), und nicht den Produzenten, "dafür zu sorgen, dass zurückgesandte Waren gebrauchstauglich bleibt und nicht zu Abfall wird."
    Und der daraus entstehende Bodenbelag ist bei Leibe kein Abfall.
    Einzig der aufbauschende Bericht und die daraus gezüchtete Empörung ist Abfall.
    Mehr nicht.

  2. 25.

    Wer gestern Abend den hier zitieren Bericht gesehen hat, fragt sich, was das ganze hier soll.
    Nike wird damit zitiert, dass man aus den recycelten Produkten Beläge für Sportanlagen macht.
    Leider ist in Summe in diesem, zur Empörung aufstachelnden, Beitrag nichts mehr zu hören.
    Zudem verpflichtet die Bundesregierung die Händler (!!), und nicht den Produzenten, "dafür zu sorgen, dass zurückgesandte Waren gebrauchstauglich bleibt und nicht zu Abfall wird."
    Und der daraus entstehende Bodenbelag ist bei Leibe kein Abfall.
    Einzig der aufbauschende Bericht und die daraus gezüchtete Empörung ist Abfall.
    Mehr nicht.

  3. 24.

    Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass man NUR durch Ausbeutung anderer reich werden kann. Ich empfehle dort "Das Kapital" als Lektüre...

  4. 23.

    Wieso am Schuh? Der Schuh wird ja nicht einzeln verladen.
    Schuhe in Transportkiste, Tracker rein, Transportgebinde zu - fertig ist die Laube.

  5. 22.

    Na wenn der tägliche Bedarf gedeckt ist, ist doch alles gut. Wie oft müssen Sie denn los um das nicht tägliche zu kaufen? Kann man doch ganz altmodisch notieren und dann geht's los. Also bei mir reicht da alle 6 bis 8 Wochen. Aber das ist das Problem heute. Alles immer sofort und möglichst billig. Der Wohlstandsmüll und die Ausbeutung interessieren nicht.

  6. 20.

    Wenn ich für alle Berliner Probleme einen Euro bekommen würde dann müsste ich mir keine finanziellen Sorgen mehr machen und das für eine ziemlich lange Zeit.

  7. 19.

    Und wie wieder alle geiern und am besten kostenlose Markenprodukte für sich selber wittern oder ihren Alltagsfrust ablassen. Macht euch doch mal locker.
    Kauft die Schuhe, dann werden sie auch nicht weggeworfen. Wir, die "Käufer" sind doch die, die die Schuhe zurücksenden. Nicht Nike oder Amazon oder wer auch immer. Lasst euren Frust bei den Bestellzombies ab.

  8. 18.

    Was interessiert einen Konzern dessen Geschäftsmodell auf Arbeiterausbeutung und Steuervermeidung aufgebaut ist die Umwelt? Es zählt Profitmaximierung. Und den Kunden ist es egal.

  9. 17.

    Sie müssen hier in Berlin aber echt weit vom Schuß wohnen. Wie versorgen Sie sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs wenn es schon mit den paar Schuhen im Jahr hapert. Gorilla und Co. werden sicherlich bei Ihnen auch nicht aktiv sein.

  10. 16.

    Was heißt hier ahnungslos?
    2017 und 2018 und 2019 gab es im Fernsehen ARD und ZDF und Deutschlandfunk und Handelsblatt und Wirtschaftswoche zahlreiche Berichte über die internationalen Sportschuhhersteller. Die Sportschuhe werden überwiegend im asiatisch-pazifischen Raum hergestellt. Ein Schuh kostet fertig verpackt ca. 4 - 12 US-Dollar. Auch die Sport- uns Wanderstiefel die hier für 199 Euro verkauft werden. Durch die niedrigen Löhne und schlechten Arbeitsbedingungen verbleibt nach Versand und Vertrieb noch eine riesige Gewinnmarge in Milliardenhöhe für Nike und Co. p.a. übrig. Solange die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und die Gesundheit anderer Menschen Millionen Konsumenten egal sind wird sich daran nichts ändern. Durch fleißige Arbeit und eine gute Geschäftsidee kann man eventuell wohlhabend werden. Reich kann man fast nur noch durch Ausbeutung anderer werden.

  11. 15.

    Wie wurde dieser Tracker befestigt? Der sollte ja nicht an mögliche Kunden weitergehen, oder? Also, hat Nike ihn gefunden? Ist der Schuh dadurch beschädigt gewesen?

  12. 14.

    Nix Bußgeld! Dass vielen Berliner, aber auch bei der ARD im Allgemeinen und auch dem RBB im Speziellen unbekannte Magazin Kontraste hatte vor ein paar Monaten aus Anfragen von Abgeordneten recherchiert, dass die Umweltministerin es bisher versäumt hat, dem Gesetz mit einer Rechtsverordnung Schlagkraft zu geben. So ist es nur ein Papiertiger.
    https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/kreislaufwirtschaftsgesetz-101.html

  13. 13.

    "Der stationäre Einzelhandel ist vielen egal, weil das Mausklicken am Computer zu jeder Tages- und Nachtzeit bequemer ist." Blödsinn... Ich kann nicht so einfach mal zu einem Laden fahren, weil das Zeit kostet. Und Parkgebühren. Kommen Sie mir nicht mit der BVG... Die Fahrtzeiten sind mir zu lang.

  14. 12.

    100.000 Euro Bußgeld wird Nike sicherlich zum Umdenken bewegen … wer‘s glaubt, wird selig!

  15. 11.

    Haben Sie sich einmal Gedanken gemacht, werden die Ware an Nike und andere zurück sendet? Da liegt der grosse Fehler. Die Kunden sollen durch das Fernabsatzgesetz geschützt werden, also preisen die Versender ein, dass insbesondere Kleidung retourniert wird. Der stationäre Einzelhandel ist vielen egal, weil das Mausklicken am Computer zu jeder Tages- und Nachtzeit bequemer ist.

  16. 10.

    "Alessia – die lagerfähige Aroma-Birne mit der roten Schale"
    https://www.obstzentrum.de/obstsorten/alessia-die-lagerfahige-aroma-birne-mit-der-roten-schale/
    Sorry - musste sein ;-).

  17. 9.

    Auch eine blöde Obstmetapher täuscht nicht darüber hinweg, dass ein Konzern wie Nike durch Kinderarbeit Profit macht, solange es ahnungslose Kunden gibt...

  18. 8.

    Ich kann der Sprecherin nur beipflichten. Außerdem, für mich sind Schuhe ein Hygieneartikel. Niemand weiß was und wie lange sie getragen wurden. Ich würde das auch nicht mehr kaufen. Für den Preis erwarte ich ein 1A niete nagelneues unbenutztes Produkt. Selbst wenn es nur die Hälfte kostet.
    Die Zurücksender zahlen 0 und die Gebrauchtkäufer zahlen weniger.
    Und jetzt kommts: meine Schuhe kosten selten mehr als 20 € Nike würde ich nie kaufen, auch wenn sie schön aussehen. Aber das ist jedem seine Sache. Markenklamotten, iPhone, reisen... oder die Eigenen 4 Wände finanzieren.

  19. 7.

    Nike und der Senat sind Äpfel und Birnen. Und die Birne wird bekanntlich schneller matschig.

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