Tarifeinigung in der Gastronomie - Kellner und Köche in Berlin sollen mehr Geld verdienen

Mo 08.11.21 | 20:22 Uhr
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Blick ins Innere von Clärchens Ballhaus. Quelle: dpa/Jörg Carstensen
Bild: dpa/Jörg Carstensen

Für rund 50.000 Beschäftigte im Berliner Hotel- und Gaststättengewerbe wurde am Montag ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Arbeitgeberverband DEHOGA haben sich dabei auf stufenweise Lohnerhöhungen ab Januar und ab Oktober 2022 geeinigt.

Demnach soll der Stundenlohn in den beiden niedrigsten Entgeltgruppen zum Jahresanfang auf zunächst 12 Euro pro Stunde steigen, wie ein NGG-Sprecher am Montag mitteilte. Die Löhne der Entgeltgruppe 4 werden auf 12,50 Euro pro Stunde angehoben. Alle anderen Entgelte werden nach Angaben der NGG um 4 Prozent erhöht. Ab Oktober steigen dann die Löhne und Gehälter aller Entgeltgruppen um weitere 6 Prozent.

NGG-Geschäftsführer: "Das Ziel noch nicht erreicht"

Sebastian Riesner, Geschäftsführer der NGG-Region-Berlin-Brandenburg, bezeichnete die Tarifeinigung am Montag als einen ersten Schritt, "der Weg ist beschritten, aber das Ziel noch nicht erreicht."

Im Oktober hatte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung eine Analyse veröffentlicht, nach der Beschäftigte im Berliner Gastgewerbe - darunter Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte - weit unter dem Durchschnitt verdienen. Demnach erhalten Vollzeitbeschäftigte in der Berliner Gastronomie im Durchschnitt nur 1.988 Euro brutto Lohn im Monat.

Damit liege das Gehalt im Berliner Gastgewerbe ganze 43 Prozent unter dem branchenübergreifenden Durchschnittsgehalt bei Vollzeitstellen in der Hauptstadt, errechnete die Gewerkschaft NGG anhand der Zahlen der Stiftung. Branchenübergreifend verdienen Vollzeitbeschäftigte in Berlin demnach knapp 3.500 Euro brutto im Monat.

Sendung: Inforadio, 08.11.2021, 21 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Unsozial ist wenn einige über 50 Jahre (15-67) einzahlen und die andere mal hier und da Jobben und zudem noch ausschlafen, und dann doch ans Ziel kommen.
    Die ganze Gastronomien würden nicht massenhaft wie Pilze aus dem Boden schießen, wenn auch dort auf eine Berufsausbildung geachtet werden würde, und nicht auf "Suche Hilfskraft". Hier ist wieder einmal Gesetzgeber schuld.

  2. 8.

    Und genau darum sehen manche die Grundrente als unsozial an. In Ihrem Fall ist sie ein Geschenk für...
    Und wieso nach 35 Jahren? Ich muss 45 Jahre ranklotzen damit andere nach 35 Jahren Feierabend haben? Und noch schlimmer: 45 Jahre Vollzeit gegen 35 Jahre Teilzeit vergrößert die Ungerechtigkeiten noch.

  3. 7.

    Normalerweise bekommt man doch jetzt nach 35 Jahren Arbeiten Grundrente, die Rentenpunkte interessieren Jobber sowieso nicht.

  4. 6.

    Machen Sie einen Vorschlag, wie letztlich unsoziale unversteuerte Nebeneinkünfte von z.B. 500€-1500€/Monat endlich auf dem Lohnzettel offiziell erscheinen können. Das ist für die Rentenpunkte der Beschäftigten und die Solidargemeinschaft äußerst wichtig. Wie wichtig ist ein anderes Thema...

  5. 5.

    1998 €/m geteilt durch 176 h/m ergibt 11,35 €/h. Damit liegt der durchschnittliche Stundenlohn deutlich tiefer als der tarifliche Mindestlohn. Das wirft die Frage auf, wieviel Mitarbeiter im der Gastronomie nicht tarifgebunden beschäftigt sind.

  6. 4.

    Ja das habe ich, darum habe ich meinem Freund aus Kindergartenzeiten auch dazu geraten einen anderen Beruf zu ergreifen. Das tat er auch.... die Gründe dürften bekannt sein.

  7. 3.

    Gastronomiepersonale haben deshalb einen niedrigeren Lohn, weil u.a. Trinkgeld und Hohe Verzehrpreise an der Tagesordnung sind. Die sollen nicht jammern. Ich gebe immer 10-20 % Trinkgeld.

    400-500% Aufschlag in der Gastronomie auf die Ware sind keine Seltenheit.
    Der Betreiber ist ein Ausbeuter, wenn er die Gewinnspanne kaum an die Angestellten abgibt.

    Wenn ein besseres Bier normalerweise 90 ct (0,5L) kostet, nehmen sie Locker im Restaurant 3-4 Euro (0,4L).
    Es müsste bei 0,4L ~0,75 ct kosten, tuts aber nicht.
    Und das sind Endpreise. Im Einkauf sind Fassmengen, und Kästen noch viel billiger.

    Ein Restaurant sollte am Essen verdienen und nicht an Wucher-Getränke.

  8. 2.

    Haben Sie sich einmal überlegt, wovon die Mitglieder dieser Berufsgruppen leben sollen? 12 Euro Brutto pro Stunde sind ja nun wahrlich nicht viel.

  9. 1.

    Kellner und Köche sollen nun mehr verdienen bei gleichzeitig weniger Gästen und Regeln die keine Auslastung erlauben. Das klingt doch nach einem Erfolgsrezept..

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