Öffentlicher Dienst - Hunderte Teilnehmer bei Warnstreiks in Berliner Kitas und Bezirksämtern

Di 16.11.21 | 15:10 Uhr
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Teilnehmer an einem Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat, stehen am 16.11.2021 im Lustgarten. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 16.11.2021 | Michael Ernst | Bild: dpa/Paul Zinken

Verdi hat Angestellte mehrerer Bezirksämter sowie Erzieher in Berlin am Dienstag zu Warnstreiks und Protesten aufgerufen. An einem Demonstrationszug vom Berliner Dom zum Brandenburger Tor nahmen der Gewerkschaft zufolge rund 1.000 Streikende teil.

Nach einer ersten Protestaktion von Lehrern und Erziehern in der vergangenen Woche sind am Dienstag erneut Beschäftigte des Berliner öffentlichen Dienstes in einen Warnstreik getreten. Es sei ein sehr erfolgreicher zweiter Warnstreik gewesen, teilte eine Verdi-Sprecherin mit.

Diesmal waren es vor allem Erzieherinnen und Erzieher von öffentlichen Kitas sowie angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von acht Bezirksämtern sowie mehreren Schulen. Zu dem ganztägigen Warnstreik aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi.

Eine zentrale Protestveranstaltung starte am Vormittag am Berliner Dom in Mitte. Anschließend gab es einen Demonstrationszug zum Brandenburger Tor, wo zum Abschluss eine Kundgebung stattfand.

Für die Aktion waren 700 Teilnehmer angemeldet. Wie viele Angestellte insgesamt dem Aufruf tatsächlich nachkamen, konnte Verdi nicht genau sagen. An der Demonstration vom Berliner Dom zum Brandenburger Tor nahmen der Gewerkschaft zufolge rund 1.000 streikende Menschen teil.

Weitere Warnstreiks am Mittwoch

Am Mittwoch soll ein weiterer Warnstreik von Angestellten der Bürger- und Ordnungsämter und der Polizei sowie von angestellten Lehrern und weiteren Erziehern folgen. Den meisten Lehrern sowie den Polizisten ist ein Streik nicht erlaubt, weil sie Beamte sind.

Bedeutend dürfte auch der Donnerstag, 25. November werden, wenn alle Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) gemeinsam zum Warnstreik aufrufen. Dann würde es Kitas, Schulen und Bürgerämter treffen.

Verdi fordert fünf Prozent mehr Gehalt

Mit dem Warnstreik will Verdi in der laufenden Tarifrunde Druck auf die Arbeitgeber machen. Seit dem 8. Oktober verhandeln mehrere Gewerkschaften mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Sie fordern für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder fünf Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 150 Euro monatlich. Außerdem sollen Auszubildende und Praktikanten monatlich 100 Euro mehr bekommen. Die TdL wies die Forderungen bisher als unrealistisch zurück.

Ende November soll weiterverhandelt werden. Bis dahin sind bundesweit weitere Warnstreiks im öffentlichen Dienst zu erwarten.

Unterstützer-Demo für Awo-Streikende

In Berlin ist am Dienstagnachmittag zudem eine Unterstützer-Demo für die seit Tagen streikenden Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Berlin geplant. Die Demonstration sei von "aktiven Eltern bei der Awo" organisiert worden, erklärte Verdi in einer Mitteilung.

Die Demo soll um 16 Uhr am Südstern (Kreuzberg) beginnen und zum Awo-Kreisbüro in der Blücherstraße 62 führen. "Wir freuen uns über diese Solidaritätsaktion für die Streikenden, die mit einer großen Delegation ebenfalls an der Demo teilnehmen werden“, erklärte Verdi-Fachbereichsleiterin Meike Jäger.

Seit dem 10. November befinden sich zahlreiche Beschäftigte von Awo-Einrichtungen auf Initiative von Verdi im Warnstreik, so sind deswegen zahlreiche Kindertagesstätten geschlossen. Der Streik wird bis Freitag fortgeführt, Nachtschichten werden jedoch nicht bestreikt. Rund 5.000 Eltern und Kinder sind in Berlin von dem Streik betroffen.

Sendung: Abendschau, 16.11.2021, 19:30 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Was haben sich alle über die GdL aufgeregt. Meine Meinung ist, wir sind 8 Milliarden Menschen auf der Erde. Das ist definitiv ZU VIEL ! Die müssen Essen, Trinken, Wohnen, wollen Mobil sein, produzieren Müll, verbrauchen Ressourcen und Energie.
    Wenn man wirklich ehrlich ist, müsste man dieses Thema angehen wie auch in Berlin und anderen überfüllten Städten den Zuzug beenden. Für die Erde und das Klima sind wir Menschen das Coronavirus.

  2. 16.

    Die Kinder sind das ganze Jahr über "beschissen" dran, weil auch sie unter dem Personalmangel leiden. Der könnte durch bessere Löhne langristig bekämpt werden. Deshalb sind viele Eltern solidarisch mit dem Streikziel. Auch wenn die akute Situation natürlich für alle Eltern ein großer Kraftakt ist.

  3. 15.

    Ich ziehe „ehrliche“ Erzieher und Lehrer in den Dreck? Verstehe ich nicht, bin ich unehrlich weil ich streike? Ich arbeite seit Jahren als Integrationserzieherin und kann meine Arbeit nicht zu meiner Zufriedenheit durchführen. Wir haben dauerhaft Personalmangel, die Quereinsteiger bekommen nicht die Zeit mit den Mentorin*innen die sie verdient haben. Unser Kopierer/ Drucker wurde vor Ewigkeiten beantragt (wir haben immer noch keinen). Vor - und Nachbereitungszeit, wie zum Beispiel, Abteilungsberatungen, Entwicklungsberichte schreiben, Fallbesprechungen, Feste organisieren gestalten wir teilweise zwischen den Kindern.
    Ich habe selbst Zwei Kinder und arbeite bis zu 43h die Woche.
    Wann dürfen wir denn streiken liebe Jana?
    Sie können ja gerne Ihre Lohnerhöhung an die Kitas jeden Monat spenden. Oder ist ihn die Lohnerhöhung egal weil Sie verbeamtet sind?
    Es geht hier auch um die Rahmenbedingungen. Denken Sie bitte an Ihre Kinder/ Enkelkinder!

  4. 14.

    Wann ist denn ein besserer Zeitpunkt um zu streiken?
    Immerhin ist die Inflation bei über 3% angekommen und ohne die Verdi gäbe es gar keine Erhöhung.
    Auch wenn es wieder nur (wie immer) viel weniger gibt bleibt man mit einem realen Lohnverlust stehen. Ausserdem zahlen andere Arbeitgeber die gleichen Löhne, da die Mitarbeiter sonst ganz schnell wechseln. Eine Bewerbung raus und schon wird man angenommen und hat 150€ mehr im Monat im ÖD. Das ist kein Kraftakt.

  5. 12.

    Man bekommt ja so schon keinen Termin im Bürgeramt und jetzt streiken die... Ich hoffe, dass Rot-Rot-Grün hier aber ganz schnell in die Digitalisierung der Verwaltung investiert, weil es hier noch großes Potenzial zur Leistungssteigerung gibt und PC sowie Roboter nicht krank feiern oder Urlaub machen!

  6. 11.

    Ahnung haben sie aber keine, oder? Und ob sie Erzieherin sind würde ich anhand ihrer merkwürdigen Kommentare stark bezweifeln. Sie ziehen hier die Arbeit aller ehrlichen Erzieher und Lehrer in den Dreck. Natürlich muss es mehr Geld geben, aber doch nicht jetzt und zu dieser Zeit zum Streik aufrufen und den Rattenfängern von Verdi hinterher trotten. Gerade hat sich die Lernlandschaft in unseren Schulen nach 1,7 Jahren etwas stabilisiert, reißen wir mit dem Allerwertesten alle neuen Erfolge wieder ein. Schlimm genug, das teilweise 30 % der Kinder wegen Corona in unseren Einrichtungen fehlen.

  7. 9.

    Wann wäre es Ihnen denn genehm?

    Und Mal ab davon scheinen es diverse Leute noch nicht verstanden zu haben, dass ArbeitnehnerInnen ihre Arbeitskraft auf einem Markt feilbieten. Auf Märkten werden Waren und Dienstleistungen teurer, je begehrter und knapper sie sind. Wann genau sollten also ArbeitnehmerInnen besser für den Preis ihrer Ware kämpfen, als dann, wenn sie am meisten gebraucht wird? Diese Haltung "Streik ja gerne, aber bitte nur, wenn es keiner merkt." ist ja schon ein moralisches Armutszeugnis. Intellektuell ist sie eine Bankrotterklärung.

  8. 8.

    Viel Glück den Streikenden!!!!

  9. 7.

    Hallo RBB,
    damit es nicht wieder heißt, es wird immer nur mehr Geld gefordert: Es geht hier nicht nur um Lohnsteigerungen. Die TdL will an die Eingruppierung ran. Und zwar in dem Sinne, dass man versucht, Stellen und deren (zukünftige) Inhaber herabzugruppieren.

  10. 6.

    Wie die immer streiken, die nicht vom Land Berlin Betriebenen Kitas sollten alle mal streiken, die bekommen nämlich im gegensatz zu den staatlichen kitas keine 150 Euro Bonus jeden Monat . Sind das schlechtere Erzieher*in? Warum haben sie dieses nicht verdient? Und sieht man die streiken? Nein

  11. 4.

    Können die Gewerkschaften eigentlich auch noch was anderes für ihre Mitglieder tun, als immer nur zu Streiks aufrufen???

  12. 3.

    Wichtig ist, dass der Streik schnell kommt. Sonst ist wegen Corona später wieder alles zu, der Streik würde dann nichts bringen.
    Man könnte natürlich auch streiken, wenn die Corona-Zahlen wieder sinken.

  13. 2.

    Ich finde den Streik und damit das Gebaren der TdL und der Gewerkschaft völlig unangemessen. Es trifft am Schluss wieder die Kinder, die eh schon beschissen genug dran sind.

  14. 1.

    Absolut abartige Entscheidung jetzt in dieser Situation die Mitarbeiter zum Streik aufzuhetzen.
    Schlimmer geht,s schon nicht.

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