Exklusiv-Umfrage zur ARD-Themenwoche - Fast die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner will umziehen

Mo 08.11.21 | 11:13 Uhr
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Symbolbild: Mehrere Personen tragen Umzugskartons. (Quelle: dpa/Christin Klose)
Video: Super.Markt | 08.11.2021 | 20:30 Uhr | Bild: dpa/Christin Klose

Raus aus Berlin, ab aufs Land: Eine rbb-Umfrage lässt sich auf genau diese sechs Worte reduzieren. Noch kürzer ist die Begründung: Es ist zu teuer. Aber die Schlussfolgerung "Ab nach Brandenburg!" ist auch mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden.

Knapp die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner möchte die Wohnung wechseln. Vier von zehn würden die Hauptstadt sogar verlassen und immer mehr von ihnen würde gerne nach Brandenburg ziehen. Das ist das Ergebnis einer vom rbb- Verbrauchermagazin Super.Markt in Auftrag gegebenen repräsentativen Online- Umfrage unter 1.000 Nutzern. Gefragt worden war: "Sind Sie zufrieden oder möchten Sie gerne umziehen?"

Weg aus Berlin - weil es so teuer ist!

Das Ergebnis: 36 Prozent der Berlinerinnen und Berliner, die an einen Umzug denken, würden der Stadt gerne den Rücken zukehren. Davon wiederum fast die Hälfte, 41 Prozent, zieht es richtig weg, raus aufs Land. Es sind vor allem Frauen und junge Paare mit kleinen Kindern, die an ihrer Wohnsituation etwas ändern wollen.

Die Gründe, warum sich immer mehr Berlinerinnen und Berliner für ein Leben auf dem Land entscheiden, reichen dabei von der Suche nach Ruhe, der "Flucht vor Lärm und Hektik der Großstadt" (56 Prozent) bis hin zur "mangelnden Sicherheit" (41 Prozent), auch "schlechte Luft in Berlin" (31 Prozent) wurde als Grund genannt.

Einer der Hauptgründe für die neue Stadtflucht ist aber definitiv der enge Mietmarkt in Berlin: Mit 59 Prozent wollen mehr als die Hälfte der Befragten wegen hoher Mieten die Stadt verlassen, wie die Umfrage des rbb-Verbrauchermagazins Super.Markt ergab.

Auch vor der Stadt wird es teurer und teurer

Allerdings ist es schon längst auch nicht mehr so einfach, auf dem Land eine passende Immobilie zu finden. Während vor zehn Jahren die Preise im Durchschnitt bei 50 Euro pro Quadratmeter lagen, haben sie sich mittlerweile verdreifacht. In fünf Landkreisen am Rand von Brandenburg gibt es noch Land zum Quadratmeterpreis von weniger als 100 Euro: in der Prignitz, der Uckermark und in den drei Landkreisen ganz im Süden. Aber je näher die Lage Richtung Berlin geht, desto teurer wird es. Märkisch-Oderland, Oberhavel und Barnim führen die Liste an. Mit 300 Euro und aufwärts pro Quadratmeter.

Baufinanzierungsexperte Christian Hanke von Interhyp sieht durchaus die Gefahr einer Immobilienblase, wie er dem Verbrauchermagazin Super.Markt sagte: "Laut unserer aktuellen Studie 2021 sehen wir einen durchschnittlichen Kaufpreis für Immobilien in Brandenburg von 480.000 Euro. Die Frage nach einer Immobilienblase gibt es immer wieder, und je höher die Preise steigen, desto eher wird auch die Frage gestellt, was auch berechtigt ist. An der Stelle können wir unseren Kunden immer nur empfehlen und tun das in der Praxis auch, entsprechend mindestens 20 Prozent Eigenkapital in die Finanzierung einzubringen und die Tilgung auf mindestens drei Prozent zu setzen." Wer bereit ist, etwas weiter von Berlin entfernt zu kaufen, der liegt preislich dann günstiger.

.Sendung: Super.markt, 08.11.2021, 20.15 Uhr.


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74 Kommentare

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  1. 74.

    Mich würde ja mal Interessieren wieviel von den 36% echte Berliner sind.... die hier geboren und aufgewachsen sind. Ich glaube nicht das, das alle echte Berliner sind die Berlin verlassen. Meine Oma sagte schon immer.. einen Berliner Baum kann man nicht umpflanzen.

  2. 73.

    „Eher wird der Abneigung gegen die alten und neuen Senatregierenden freien Lauf gelassen.“

    Verständlich irgendwo muss ja der Frust der Berliner her kommen. Der Senat hat doch in den letztenJahren gezeigt, dass es immer schlimmer wird in den aufgeführten Bereichen laut Bericht.
    - Verwaltung, Sicherheit, Wohnraumschaffung, Mietpreisregulierung, Mobilitätswende, usw..

  3. 72.

    Die Mietentreiber: 6% Grunderwerbsteuer, 0,5% Grundbucheintrag, 1,5% Notar, Makler (macht bei 300.000 Kaufpreis rund 35.000 €). Rund 50% Einkommenssteuer auf die Miete inklusive Nachversteuerung des Gehaltes eines Jobs Monat für Monat wegen der höheren Gesamteinnahmen. Energieeinsparverordnung. Instandhaltungskosten, Grundsteuer. Bald sollen die Vermieter noch die Energiekosten und den Kabelanschluss der Mieter mitbezahlen und im Gespräch eine weitere Steuer auf hohe Mieten. Das verringert ja die Mieten nicht.
    Nicht zu vergessen die Gewinnabführungen der BSR, Wasserbetriebe etc. Konzessionsabgaben an den Senat ( Hausstrom, Gaspreise für Heizung und deren Steuern und Abgaben mal ganz weggelassen) aber das sind ja Betriebskosten. Manche realisieren das zwar nicht und rechnen das zur Miete, die sich der Vermieter einsteckt.
    Beachtet man jetzt noch, dass ca. alle 30/40 Jahre Fenster, Fassade, Dach, Flur, Strang, Heizung gemacht werden muss, was bleibt da noch als Gewinn übrig?

  4. 71.

    Gerade langfristig ist ein diversifiziertes Depot der Immobilie überlegen; seit den 70er hat der DAX +3000% zugelegt, Immobilien im Schnitt um -15% verloren.

    Mit Ausnahme von A-Lage in Großstädten, oder garantierter Weiternutzung innerhalb der Familie (wenn die Kinder da mitspielen), taugt eine Immobilie zur Eigennutzung wenig als Wertanlage. Klumpenrisiko, Verlustaversion und unbestimmbare Zukunft können im Alter richtig teuer werden und dann sind sie auch noch immobil. Es braucht nicht mal einen neuen Flughafen, machnmal reicht auch der "neue Nachbar".

    Wohneigentum kann sinnvoll sein: Die Bank ist der verlässlichere Vermieter und der "Mietzins" ist planbar; wenn alles gut läuft gibt es quasi auch noch ein "Mietkauf" obendrauf. Dafür aber auf Teufel-komm-raus EK aufbrauchen und damit für lange Zeit auf eine gründliche Diversifikation der Kapitalanlage zu verzichten, ist einfach irrational.

  5. 70.

    Rund 41 Prozent der Befragten begründeten ihren Wunsch mit einem Gefühl „mangelnder Sicherheit“.

  6. 69.

    Legen Sie einmal dar, gern mit Quellen, wo die Mietentreiber in Berlin liegen. Wer etwas dagegen tun kann. Mit welchen Mitteln,

  7. 68.

    Mieter, günstige Wohnung in guter Lage, mehrfach in den letzten Jahren umgezogen. Nicht fernab der Wirklichkeit, sondern Erfahrungswerte. Alles eine Frage welche Prioritäten ich setze und wie ich mich verkaufe.

  8. 67.

    Überzeugen Sie uns mit Argumenten, geben Sie Quellen an, so wie es der Artikel vormacht.

  9. 66.

    Eine Diskussion beruhend auf Fakten (nehmen wir hier den Artikel als Grundlage unter dem diskutiert wird) und eben nicht zu spekulieren ohne zu belegen ist m.E. sachlicher und zielführender.

    Es fällt auf, dass hier in vielen Kommentaren nicht am Thema diskutiert wird. Eher wird der Abneigung gegen die alten und neuen Senatregierenden freien Lauf gelassen.

  10. 65.

    Klar, was zählen schon Fakten wenn man sich auch durch "selber Denken" alles so zurechtlegen kann, dass das eigne Weltbild nicht gefährdet ist.

  11. 64.

    "So hoch sind die Zinsen bei Vollfinanzierung auch nicht. ...."
    Zur Zeit nicht. Die dümpeln, eigentlich ungewöhnlich, seit zwei Jahren auf niedrigem, fast gleichbleibenden, Niveau rum. Seit fünf Jahren Nullzinspolitik der EZB. Inflation von 4,5 % - die Höchste seit 28 Jahren. Bleibt das langfristig so? Wie lange geht da eine Vollfinanzierung (also 110%) einer "Hütte" gut? Die Finanzierung wird i.d.R. langfristig ausgelegt. Fünf Jahre sind unter den jetzigen Rahmenbedingungen schon fast "zocken". Das EK liegt warm und trocken im Depot - klar - absolut sicher. Lagarde nimmt das böse "Z-Wort" in den Mund. Immo-Zinsen steigen - der Depotwert sinkt. Treffer Mittschiffs würde ich sagen.

  12. 63.

    Erst alles kaputt machen,die Mieten bis ins unbezahlbare hochtreiben, möglichst alles verbieten, zum Schluß noch die Grünen an die Macht und dann ins Umland ziehen. Hoffentlich passiert da dann nicht wieder das gleiche.

  13. 62.

    Soll mir recht sein, Berlin ist zu voll. Aber dann bitte auch in Brandenburg eine Arbeit suchen! Und nicht hier arbeiten, unsere Straßen kaputtfahren und in Brandenburg Steuern zahlen. Weg mit euch, viel Spaß.

  14. 61.

    Hoffentlich ziehen die ganzen yuppies mit ihren startups auch aus Berlin. Kann mir das Marketing schon vorstellen "Green Area Business Space". WIe sind die überhaupt nach berlin reingekommen?

  15. 59.

    Also zum einen zahle ich Steuern. Ausserdem nutze ich weit mehr als Rewe und Facharzt. Ich nutze den Einzelhandel, online ist für mich ein no go. Ich nutze kulturelle und sportliche Einrichtungen, sowie den ÖPNV.Gott sei Dank kann ja jede/r für sich entscheiden was gefällt.

  16. 57.

    Der Artikel mag das sagen aber wie all zu oft ist das nur die halbe Wahrheit. Und viele mögen nur die Hälfte der Wahrheit hören, lesen, schreiben, die zur Ideologie passt.

  17. 56.

    Der Artikel unter dem Sie kommentieren sagt sehr deutlich, dass es die Mieten sind, weswegen die Leute wegziehen. Sogar in einer der Überschriften...

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