IG Metall kündigt Widerspruch an - Alstom kündigt Stellenabbau in Berlin und Brandenburg an

Fr 10.12.21 | 21:42 Uhr
  24
Auf dem Werksgelände von Alstom in Görlitz demonstrieren Mitarbeiter gegen den Abbau von Arbeitsplätzen. Der französische Zug- und Bahntechnik-Hersteller Alstom will an mehreren Standorten in Deutschland Stellen abbauen. (Quelle: dpa/Danilo Dittrich)
Audio: Antenne Brandenburg | 10.12.2021 | Jörg Steinbach | Bild: dpa/Danilo Dittrich

Alstom will in Deutschland insgesamt bis zu 1.300 Stellen abbauen. Die Standorte in Berlin und Brandenburg sind davon besonders betroffen. Die Gewerkschaft IG Metall will das aber nicht ohne Widerspruch hinnehmen.

Der französische Zug- und Bahntechnik-Hersteller Alstom will an mehreren Standorten in Deutschland Stellen abbauen. Entsprechende Pläne gab das französische Unternehmen am Freitag bekannt.

Demnach müsse man eine "Anpassung der Positionen in der Fertigung" vornehmen. Dafür sei eine Spanne von 900 bis 1.300 Stellen im Gespräch. Über die Pläne wurde am Freitag betriebsintern diskutiert.

Laut Gewerkschaft IG Metall sind die Standorte in Berlin, Brandenburg und Sachsen am stärksten vom geplanten Personalabbau betroffen. So sollen in Hennigsdorf im Brandenburger Landkreis Oberhavel 350 bis 450 Stellen gestrichen werden. Im Alstom-Headquarter in Berlin fallen laut Gewerkschaft 50 bis 100 Stellen weg.

Neue Jobs in den Arbeitsbereichen Software und Digtalisierung

Personalabbau bedeute immer auch Know-how-Verlust, kritisierte Birgit Dietze, Bezirksleiterin der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen, die Alstom-Pläne am Freitag. Für eine Mobilitätswende auf der Schiene werde aber qualifiziertes Personal gebraucht. Zugleich kündigte sie Beratungen mit den Betriebsräten an. Die geplanten Stellenstreichungen werde man nicht widerspruchslos hinnehmen.

Der Hersteller hat darauf verwiesen, dass man um Einsparungen in der klassischen Produktion nicht herumkomme. Ziel sei es, wettbewerbsfähiger zu werden. Alstom starte dazu einen "kompakten Transformationsplan".

Gleichzeitig hat Alstom bekanntgegeben, dass in anderen Arbeitsbereichen wie Software und Digtalisierung bis zu 700 neue Stellen geschaffen werden sollen - unter anderen in Berlin, Braunschweig und Mannheim. Derzeit arbeiten an allen deutschen Alstom-Standorten rund 9.400 Beschäftigte.

Wirtschaftsminister Steinbach warnt vor Einschnitten

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) äußerte sein Bedauern über
die bekannt gegebene Absicht von Alstom, auch in Hennigsdorf Stellen abzubauen. "In der Gesamtschau ist es zwar richtig, dass Alstom maßgeblich in die Digitalisierung und damit Modernisierung investiert", sagte er. Dabei dürfe die Fertigung jedoch nicht hinten runterfallen.

"Aus meiner Sicht kommt es maßgeblich auf die Kombination aus Ingenieurskunst, Fertigung und IT an", sagte der Minister. Das schaffe die nötigen Innovationen, um auch die Bahntechnik fit zu machen. Hennigsdorf sei ein traditionsreicher Standort und profitiere von dem jahrzehntelangen, exzellenten Know-how der Mitarbeiter. "Das darf nicht verspielt werden", sagte Steinbach. Er erwarte, dass Hennigsdorf ein produzierender Standort von Alstom bleibe.

Geschäftslage bei Alstom schwierig

Die Geschäftslage bei Alstom war in den vergangenen Jahren wiederholt schwierig. Ende Januar schlossen die Franzosen ihre Fusion mit der Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns ab - so entstand die zweitgrößte Firma der Branche. Zuvor war ein Zusammengehen mit der Zugtechnik von Siemens am Widerstand der EU-Kommission gescheitert.

Auch die Corona-Krise hatte für der Konzern Folgen. In der zweiten Hälfte des vorigen Geschäftsjahres 2020/2021 (Ende März) waren der Auftragseingang und der aus eigener Kraft erzielte Umsatz - ohne Zu- und Verkäufe sowie Währungseffekte - bei Alstom insgesamt rückläufig. Der Nettogewinn ging auf 247 Millionen Euro zurück, nachdem ein Jahr zuvor ein Plus von 467 Millionen Euro in der Bilanz gestanden hatte.

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.12.2021, 14 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 11.12.2021 um 19:00 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

24 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 24.

    Na Mensch Tram, ich hab doch nur gefragt. Bin nächste Woche auch wieder auf Tourismusbesuch in Brandenburg. Und in dem ein oder anderen Brandenburger Kiessee war ich auch schon baden ;)

    Schön dass Sie immer ökologischer Denken, nur so geht es voran. Scheinbar fahren Sie ja jetzt auch mit der Tram.....

  2. 23.

    Ihnen ist schon klar, dass die Zugsparte von Henschel in Kassel dann in Bombardier bzw jetzt eben Alstom aufgegangen ist?

    Können Sie gerne nachschauen, Daimler hat in der Truck Sparte die Marke Henschel aufgegeben, dass Werk Daimler Trucks existiert immernoch, direkt daneben dann Alstom und nicht zu vergessen Rheinmetall.

    Ein riesen Industriepark mitten neben Wohnbebauung mitten in der Stadt...In Brandenburg wird sich schon beschwert wenn 1,5 km weit entfernt ein Werk entsteht.

  3. 22.

    Ohne "Dominik" wäre es viel ausgeglichener hier im Forum. Brandenburg kann mit dem was es von Natur aus hat ganz gut leben. Maisfelder sind ja verordnet worden. Im fruchtbaren Oderbruch wachsen auch andere Dinge. Sogar Spargel können wir bieten und unsere Kiefer ist auch für den Hausbau gut und heizen kann man mit den Abfällen auch. Frieren muss also keiner. Wasser reicht ohne Tesla auch und mit Vernunft lässt sich viel Wasser sparen. Wer hat eigentlich die vielen PPools produziert, die so kritikwürdig sind ? Es gibt ärmere Länder, die in die EU wollen. Warum wohl ? Wer beutet unseren Kalksteintagebau aus ? Die bauen damit sinnlose Büroturmwolkenkratzer . Braucht man so etwas ? Berlin baut man immer größer und wundert sich, dass stets Wohnungen fehlen. Hatte mal einen Beitrag über NY gesehen: "Was bleibt sind Ratten". Ist das das Vorbild für Berlin ? Ich denke übrigens immer ökologischer. :=)

  4. 21.

    Hatte ein Verkehrsminister der CSU je eine andere Aufgabe als die Förderung der Autoindustrie? Da muss man bei der Bahn und ÖPNV eben sparen....

    Der neue FDPler macht wahrscheinlich gleich weiter so...

  5. 20.

    Das Werk von Henschel in Kassel gibt es allerdings weiterhin und das Stadler-Werk hier in Berlin ursprünglich auch eine Adtranz-Beteiligung war. Generell hat eine Marktbereinigung stattgefunden, bei der viele kleine Firmen in größeren aufgegangen sind oder abgewickelt worden sind. Hierfür aber einseitig die Automobilindustrie verantwortlich zu machen, bedarf etwas mehr Substanz als eine kurze Eigentumsphase.

  6. 19.

    Es gibt natürlich noch wenige große Hersteller, wie die Schweizer Stadler Gruppe oder Siemens.
    Aber es wurden neben der MAN auch viele von der Automobilndustrie, erstlinig Daimler Benz abgewickelt, wie z. B. Henschel oder auch das äEisenbahnausbesserungswerk Stuttgart -Bad Cannstadt. Und es redete kaum jemand über die Verkehrswende, aber z. B. Güter auf die Bahn ist weit über 30 Jahre alt, aber man hat trotzdem gerade im Osten nach der DDR Zeit, fast alle Güter von der.Bahn genommen.

  7. 18.

    Ende November machte die Runde, dass die spanischen CAF Teile von Hennigsdorf und ein Werk im Elsass vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung übernehmen werde.

  8. 17.

    Sozialismus wollte keiner mehr. Nun wirkt der Kapitalismus und es wird wieder gemeckert.
    Mit der Zerstörung der Umwelt kann es jedenfalls so nicht weitergehen.
    Kann es sein das eine neue Gesellschaftsform gebraucht wird?

  9. 16.

    Was wurde eigentlich aus dem Teilverkauf Standortes? Wird jetzt der Teil der nur Mist abliefert hat einfach dicht gemacht, weil den keiner kaufen will?

  10. 15.

    Den EUp gibt es nicht mehr. Ich empfehle den Renault TwingoElectric.

    Leider wird dass mit Kleinstwagen wie auch Klasse L7e nix mehr. Die Grünen haben ja lieber Frau Baerbock im Außenministerium haben wollen. Schön die Verkehrswende (mit individueller elektrischen Mobilität) geopfert. Keine Förderung von L7e Fahrzeugen, keine Lastenrad Förderung.....keine ökologische EAuto Förderung. Ein Audi Q4etron oder Tesla MY braucht keine Förderung!

  11. 14.

    Was wäre eigentlich Brandenburg ohne Berlin? Ein großes Maisfeld mit Kiefernforsten und großen Braunkohlegruben?

  12. 13.

    Was reden Sie da? Es gibt noch mehrere großen Produktionsstandorte für Schinenfahrzeuge in DE.

    Dass nun gerade Produkte aus dem Werk oft durch Qualitätsmängel auffielen war bestimmt nicht hilfreich.

  13. 12.

    Nicht nur entlang der Stammbahn entdecken die NIMBYs die Umwelt für sich, um wirkungsvoll den Ausbau des Schienenverkehrs einzubremsen. So viel Zeit hat aber kein Unternehmer.

  14. 11.

    Das sind genau die Aussagen so mancher Gegner grösserer Industrieansiedlung. Warum wohl konnten Sie hier unter wechselnden Namen über so viele Leute aus Ihrer Nachbarschaft berichten, die nach Berlin pendeln? Ihnen scheint auch entgangen zu sein, dass Daimler die Adtranz bereits 2001 an Bombardier verkauft hatte. Die Verkehrswende war damals nur Thema bei wenigen Verkehrsplanern und kam erst später im Mainstream an. Sie sind noch heute groß im Erfinden von Ausreden, dass Sie an der nicht teilnehmen. Wer keine Ahnung von der Geschichte der Mark hat und Sellerie nicht von Zierrasen unterscheiden kann, ...

    Dafür fordern Sie im Stil des ZK, dass man sich nur noch Kleinstwagen kaufe dürfe, während Sie sich gerne alle paar Jahre einen grösseren Verbrenner gönnen. Dabei würde für Ihr behaupteten Fahrprofil ein e.Go oder ein e-Up mit erster Batterie-Generation reichen. Nur kann man mit denen halt nicht entsprechend Ihren Anforderungen nonstop zum Bratkartoffel-Essen an die Ostsee fahren.

  15. 10.

    Die Manager waren alle beim gleichen Lehrer und die lehren Mal in Frage zu stellen, wäre zu anstrengend.

  16. 9.

    Sie und ihre Brandenburgische Kiefer-Psychose ! Berlin wäre ein Dorf aus Mumpe gäbe es die fleißigen Umlandlieferer nicht.

  17. 8.

    Die Schuldigen sind erkannt. Beiben wir mal dabei. Warum gehen die straffrei aus ? Es war ja kein gefundener Pfandbon bei ALDI. Mächtige Leute dürfen fast alles in diesem Land. Wo endet das mal ?

  18. 7.

    Im Zeichen der Verkehrswende hat Daimler Benz natürlich kein Interesse, daß Schienenfahrzeughersteller aus Deutschland ihnen Konkurenz machen. So muß Hennigsdorf als fast letzter großer Hersteller noch schnell geschleift werden.

  19. 6.

    Die Probleme begannen, als der Omnibus und Kraftfahrzeughersteller Daimler Benz den Schienenfahrzeugbau Hennigsdorf, wie übrigens auch den Hersteller der ersten Berliner Niederflurstraßenbahnen, die MAN zur Abwicklung übernahm.DB wollte nie Schienenfahrzeuge bauen,sondern wie einst schon die Maschinenfabrik Eßlingen alles nur zu Gunsten von Bussen und Autos für Politiker abwickeln.
    Die MAN wurde abgerissen Hennigsdorf werbewirksam nach Kanada verkauft. Und gerade im Zeichen der Verkehrswende

  20. 5.

    "Betriebswirtschaftliche Verantwortung schliesst Personalabbau nicht aus" wird an den Hochschulen gelehrt.

Nächster Artikel