Erhöhtes Passagieraufkommen - BER nutzt jetzt beide Start- und Landebahnen gleichzeitig

Mi 01.12.21 | 06:42 Uhr | Von Thomas Rautenberg
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Ein Schild im Flughafen Berlin Brandenburg (BER) weist auf den Abflug-Bereich in der Haupthalle hin. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Audio: Inforadio | 01.12.2021 | Sylvia Tiegs | Bild: dpa/Fabian Sommer

Nach gut einem Jahr sind die beiden Start- und Landebahnen am Flughafen BER gleichzeitig in Betrieb. Aus Kostengründen wurden die Pisten zuvor nur im monatlichen Wechsel genutzt. Wirklich benötigt wird der teurere Parallelbetrieb nicht. Von Thomas Rautenberg

Nach knapp einem Jahr rollierender Nutzung der beiden Start- und Landebahnen am Flughafen BER werden die Pisten seit Mittwoch wieder gleichzeitig genutzt. Starts und Landungen von Flugzeugen im Parallelbetrieb auf der Nord- und Südbahn des BER hatte es zuletzt vor ziemlich genau einem Jahr gegeben, am 02. Dezember 2020.

Wegen Corona waren die Passagierzahlen eingebrochen, kaum jemand konnte oder wollte noch in den Urlaub fliegen. Für die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) war damit klar: Das Geld für den Betrieb zweier Start- und Landbahnen kann man sparen.

Stilllegung einer Bahn bis Ende 2021 genehmigt

Dabei wäre der Flugverkehr auch künftig mit einer Start- und Landebahn zu gewährleisten. Denn im ersten Quartal 2022 werden am BER rund 8.000 Flugbewegungen erwartet. Das ist zwar doppelt so viel, wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, aber noch keine Größe, die die Kapazität einer Start- und Landebahn an ihre Grenzen bringt.

Die zuständige Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg (LuBB) hatte die "temporäre Befreiung von der Betriebspflicht", wie die Stilllegung einer Bahn offiziell heißt, bereits bis Ende des Jahres genehmigt. Dass die FBB trotzdem vorzeitig zum Normalbetrieb auf beiden Bahnen zurückkehren will, begründet sie mit der Vorbereitung auf winterliche Verhältnisse, unter denen ein stabiler Flugverkehr gewährleistet werden müsse: "Bei Schnee und Eis kann immer eine Bahn geräumt und eine Bahn genutzt werden."

Herbstchaos wirkt immer noch nach

Doch das ist wohl nicht der einzige Grund für die FBB, beide Start- und Landebahnen wieder für den dauerhaften Verkehr freizugeben. Offenbar wirkt das Desaster zum Beginn der Herbstferien auf dem BER nach. An den Check in-Schaltern und vor der Sicherheitskontrolle hatte es damals lange Warteschlagen gegeben. Viele Passagieren verpassten ihre Flüge, weil sie nicht rechtzeitig abgefertigt werden konnten.

Verantwortlich für das Chaos waren neben der Flughafengesellschaft auch die Airlines und Bodenverkehrsdienstleister, die nicht genügend Personal vor Ort hatten.

Bundesverkehrsminister Scheuer macht Druck

Das Debakel rief den amtierenden Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf den Plan. Scheuer verlangte von BER-Chefin Aletta von Massenbach eine schriftliche Zusicherung, dass sich die katastrophalen Zustände auf dem BER nicht wiederholen würden. Später bat er die Geschäftsführerin noch zum persönlichen Rapport.

Der Bund ist, wie Berlin und Brandenburg, Miteigentümer der Flughafengesellschaft. Er hält 26 Prozent an dem Unternehmen. Die Entscheidungen nach dem Treffen sind bekannt: Vor dem Osterreiseverkehr im kommenden Jahr soll das neue Billigflieger-Terminal T2 mit einer zusätzlichen Kapazität von rund sechs Millionen Passagieren eröffnen. Und der Parallelflugbetrieb auf beiden Bahnen wird wieder aufgenommen, ob der Winter kommt oder nicht.

Monatliche Kosten liegen bei mehreren Hunderttausend Euro

Immer mehr Länder machen derzeit ihre Grenzen dicht, um sich vor der neuen Coronavirus-Variante Omikron zu schützen. Immer mehr Menschen sagen ihre geplanten Flugreisen ab, weil die Einreisebeschränkungen und Quarantäneregeln kaum noch zu überschauen sind. Während andere Flughäfen ihr Angebot deshalb erneut einschränken, weil in der Hochphase der Corona-Pandemie weniger geflogen wird, startet der BER den Dauerbetrieb seiner zweiten Rollbahn.

Die zusätzlichen Ausgaben für Technik, Flugsicherung und Personal werden bei der Flughafengesellschaft mit mehreren Hunderttausend Euro pro Monat zu Buche schlagen. Geld, für das am Ende die Flughafeneigentümer und damit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler aufkommen müssen.

Lärmpegel für Anwohner wird zunehmen

Mit Wehmut in den Himmel schauen werden nun aber auch viele Flughafen-Anrainer. Denn mit dem monatlichen Wechsel der Start- und Landebahnen herrschte zumindest zeitweilig Ruhe über den Köpfen der Menschen. Mit diesen Lärmpausen ist es vorbei, wenn künftig wieder auf beiden BER-Bahnen gestartet und gelandet wird.

Sendung: Abendschau, 01.12.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

39 Kommentare

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  1. 39.

    "Dresden hat ja mehr Flugbewegungen wie Frankfurt M und BER" - höchstens mehr modellflugzeugbewegungen, ansonsten formulieren Sie technischen Blödsinn: Frankfurt M hat 4 (in Worten VIER) Start-/Landebahnen > KEIN anderer deutscher Flughafen kann das toppen.

  2. 38.

    Na ja, Dresden hat ja mehr Flugbewegungen wie Frankfurt M und BER, drum können Sie auch Mittagsschlaf.

  3. 37.

    In diese Richtung zielte mein Kommentar. Sie geben nun einmal Erkner an, welches rund 15 km Luftlinie entfernt ist und damit wohl kaum erheblich belastet ist - oder fliegen die Flugzeuge bis Erkner im Tiefflug?. Kollegen von mir wohnen teilweise nur 600-700 m von den Landebahnenden entfernt. Wenn die sich beschweren ok, aber bei 15 km.....naja Sie sind eben durch und durch NIMBY....

  4. 36.

    Stellen Sie sich vor, es gibt Ortschaften,die liegen noch dichter am BER als Erkner. Leider kommt dort kein Jet vorbei.

  5. 35.

    Echt, es zeigt sich Mal wieder, dass Sie überhaupt keine Ahnung haben.
    Erinnern Sie sich bitte an die Standortentscheidung BER. Was sagten damals die Gutachten und was die Politik? Vor der Wahl gab es noch keine Standortentscheidung BER!

  6. 34.

    Echt, es zeigt sich Mal wieder, dass Sie überhaupt keine Ahnung haben. Eben Tal der A......

  7. 33.

    Sie haben unterschlagen, dass die Politiker von der Mehrheit der Bevölkerung gewählt worden sind.

  8. 32.

    Hier mal ein hilfreicher link zum Thema Treibstoffschnellablass : https://www.lba.de/DE/Treibstoffschnellablass/Treibstoffschnellablass_node.html

  9. 31.

    Fueldumping wird sicher nicht beim Fliegen von Warteschleifen bei der Ankunft durchgeführt, da die Maschinen im Kurz-und Mittelstreckenverkehr sowieso nie vollgetankt werden (Weight/Balance/Performance) und durch dieses Dumping Reserven für Flugzeit vernichtet würden, daher ist dieses Argument als obsolet zu betrachten. Außerdem ist Fueldumping zu melden und zu dokumentieren.

  10. 30.

    Lieber Herr Zeschmann, ich finde Ihre Volksnähe im RBB Forum und vor allem Ihre vorbildliche Ausdrucksweise für einen MdL einfach vorbildlich.

    Auch Ihr nachdrücklicher Kampf für die Belange des kleinen Mannes in öffentlichen Ausschusssitzungen und ihre Expertise in Verkehrsfragen macht Sie zu meine YT Highlights....

  11. 29.

    Echt jetzt Erknarer beschweren sich da noch bei knapp 15 km Entfernung? Ich wohne etwa genauso weit von DRE weg in der Einflugschneise. Finde eher cool, dass man die Flieger noch so gut sieht, meist im Steigflug. Besonders geil wenn ein A380 dabei ist aus den EFW.

    Die Flugbewegungen in DRE sind vor allem um 6 und 18 Uhr rum....gut zumindest als Rentner kann man ungestört Mittagsschläfchen....

  12. 28.

    Als Triebwerkstechniker sollten Sie doch wissen, dass moderne Triebwerke doch sehr viel sauberer geworden sind.

    Auch gibt es immer strengere Abgas und Lärmvorschriften für die Triebwerke.

    Die Rauchfahnen diverser UDSSR Modelle sind ja zum Glück passe...

  13. 27.

    Angenommen, Corona würde mal vorbei sein (ich glaube es nicht, aber ich glaubte auch dass der BER niemals funktionsfähig an den Start gehen würde und viele glaubten daran, dass die Berliner Mauer niemals geöffnet würde) - wie dem auch sei - und der BER würde dann mit vollster Kapazität genutztn und nur eine Start-/Landebahn würde zur Vermeidung von "umweltschädlicher Verschwendung von Steuergeldern aus offensichtlichen Unvermögen des Managements" ausschließlich genutzt, dann würde doch aus Iher Sicht viel Geld gspart, ODER etwa nicht? So und die anfliegenden Flieger würden Warteschleifen fliegen und aus Sicherheitsgründen flughafennah Kerosin abkippen, würde doch nicht viel Geld gespart - ODER? Die Flieger müsstedann länger n der Luft bleiben (= mehr Kerosinverbrauch und mehr Kerosinverschwendung durch das Ablassen, ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Gefährdungen der betroffenen Anwohner, di9e dann mit Kerosin quasi geduscht würden.

  14. 26.

    Schon traurig, wenn man als Politiker öffentlich seine Ahnungslosigkeit bzgl. der Entscheidungsbefugnis der Geschäftsführung einer GmbH zur Schau stellt. Doe berichtet dabei übrigens vor allem dem Aufsichtsrat.

  15. 25.

    Vielleicht können Sie als angeblich gelernter Triebwerksmechaniker und späterer Kernfusionist und Mikroelektroniker der DDR ja erklären, wieso der Lärm bei gleicher Zahl an Flugzeugen zunimmt - falls Sie nicht so sehr mit Ihrem Feinbild "Fremdlandbude" beschäftigt sind, dass Sie als überzeugter MIVler und Tram-Meider hier unter verschiedenen Namen den NIMBY raushängen lassen müssen.

  16. 24.

    Nun endlich haben alle Erkneraner wieder was davon. Lärm macht eben halt gesund oder liege ich da falsch?
    Unsere Politiker haben sich bei Flugzeugen, Autos, Bahnverkehr, Waldrodung, Tesla u. v. m. so richtig ins Zeug gelegt, alles wegen der Arbeitsplâtze wohl. Da können wir auch ein Endlager gut gebrauchen. Schafft Arbeitsplätze! Bitte beide Hände heben, wie bei den Flugrouten.

  17. 23.

    " "Bei Schnee und Eis kann immer eine Bahn geräumt und eine Bahn genutzt werden."

    schön und gut, Hamburg hat 2 Runways , eine in Ost-West-Richtung und eine Nord-Süd-Richtung und kommen auch mit Schnee und Eis klar . Der BER hat 2 parallel verlaufende Bahnen wie zB München . Ich frage mich, ob das Argument des BER die hohen Zusatzkosten der 2. Bahn rechtfertigt zumal der Flugverkehr doch deutlich reduziert ist.
    Die zahl der Flugzeugbewegungen, gesamt dürfte in München aber deutlich höher sein als am BER

  18. 21.

    Mehr Bahnen entzerren die Warteschlangen keine Millimeter. Die Abflugzeit für die Passagiere hat nichts mit dem Start-Slot zu tun. Das ist an allen Flughäfen so. Auch in Tegel hoben die 6h00-Maschinen nicht auf einmal ab, die hätten sonst teilweise vom Rasen abheben müssen. ;-) Die Start- und Landebahn langweilt sich am BER. Es ist die mehr als 5-fache Menge der Flugbewegungen von 8000 erwarteten möglich! Auf einer Bahn wohlgemerkt!

  19. 20.

    Yep....aber ohne ausreichend Bodendienstleister wird das nicht. Da können 20 Startbahn eröffnet werden und 50 Maschinen gleichzeitig auf irgendeiner Anzeigetafel stehen, ohne manpower bringt das für nichts. Freu mich auf die Meldungen hierzu in 3- 4 Tagen. Bis dahin, have a good flight

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