Lieferprobleme im Handel - Kommt das Weihnachtsgeschenk rechtzeitig?

Sa 11.12.21 | 10:26 Uhr
  20
Schilder mit dem Hinweis auf Rabatt zeichnen sich ab an einem Shopping-Center auf der Schlossstrasse in Berlin, 29.11.2021 (Quelle: dpa / Florian Gaertner / Photothek).
Bild: PHOTOTHEK

Seit Monaten klagen Handel und Industrie über Lieferprobleme, die Corona-Pandemie hat die weltweiten Lieferketten schwer getroffen. Das kann auch Folgen für manche Weihnachtswünsche haben - aber auch dafür gibt es Ideen. Von Sebastian Schneider

Die Garantie, dass das bestellte Geschenk auch wirklich rechtzeitig zum Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum liegt, gab es auch vor der Pandemie nicht immer. Aber in diesem Jahr hat sich die Lage bei manchen Produkten durchaus verschärft, beispielsweise bei Spielzeug, Fahrrädern, Unterhaltungselektronik, Möbeln oder Sportschuhen. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg warnt gerade zu Weihnachten vor möglichen Lieferengpässen im Einzelhandel. Die Händler hätten die Ware zwar rechtzeitig bestellt, bekämen sie aufgrund der Liefersituation aber nicht, sagt Christine Minkley vom Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) dem rbb.

Dass sie Geschenke nicht mehr rechtzeitig vor dem Fest bekommen könnten, darüber machen sich laut einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auch 32 Prozent der befragten Konsumenten Sorgen. Das gelte vor allem für Menschen mit Kindern. 37 Prozent aller Verbraucher haben den Kauf der Weihnachtsgeschenke vorgezogen, um Lieferprobleme zu umgehen, so die Umfrage.

Ein Mann geht an einer Weihnachtsdekoration in einem Shopping-Center auf der Schlossstrasse in Berlin vorbei, 29.11.2021 (Quelle: dpa / Florian Gaertner / Photothek).
Bild: PHOTOTHEK

Umfrage: Fast 80 Prozent der Händler stellen Verzögerungen fest

"Manche Stelle im Regal wird zu Weihnachten wohl leer bleiben", sagte der Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen: 96 Prozent der befragten Fahrradhändler sagten, sie seien von Lieferengpässen betroffen, bei Computer- und Software-Händlern waren es 91 Prozent. Lebensmittel- und Modehändler hingegen hatten deutlich weniger Probleme.

Die Lieferprobleme werden sich nach Angaben der Einzelhändlerinnen und -händler wohl noch Monate hinziehen. Die Fahrradhändler sind am pessimistischsten, sie erwarten 18 Monate Lieferprobleme, die Möbelhändler 12,5 Monate. Die Spielzeugeinzelhändler gehen von rund 11 Monaten aus, die Baumärkte von 10,3 Monaten. Wie sieht es momentan bei den beliebtesten Geschenken aus?

Spielzeug

Der Spielwarenbranche ging es in den vergangenen Jahren gut, der Umsatz stieg Jahr um Jahr, 2020 erneut um neun Prozent. Das lag auch an Corona und der vielen Zeit, die die Menschen deswegen zuhause verbringen. Doch dieser Erfolg brachte auch Probleme. "Das Thema Lieferschwierigkeiten beschäftigt uns schon seit Ende September. Die Lieferprobleme in manchen Bereichen treffen in unserer Branche auf eine stark erhöhte Nachfrage nach Spielen Gesellschaftsspielen, Puzzles. Das liegt ganz klar an den Lebensumständen während der Pandemie", sagt Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie (DSVI) in Nürnberg, rbb|24.

Etwa drei Viertel aller Spielwaren, die in Deutschland verkauft werden, werden in China hergestellt. Das lohnte sich, weil die Rohstoffpreise und Löhne niedriger sind, auch die Transportkosten waren günstig. Doch inzwischen hat sich der Preis für den Transport eines Containers fast verzehnfacht.

Und auch bei den Rohstoffen hat sich die Sache geändert: Holz, Kautschuk, alles schwieriger, weil auch Kunststoffgranulat fehlt, werden Spielzeuge aus Plastik knapp, seien es Puppen oder Tierfiguren. Es mangelt auch an Computerchips für Elektronikspielzeug, aber auch an Holz und Papier. Bei manchen großen Plüschtieren zum Beispiel übersteigen die Transportkosten inzwischen den Warenwert - die Händler nehmen sie dann einfach eine Zeitlang aus den Regalen, in der Hoffnung, dass die Preise wieder fallen.

Archivfoto: Ein Fünfjähriger spielt auf der Spielwarenmesse in Nürnberg am 27.01.2011 mit einer Modelleisenbahn von Märklin (Quelle: dpa / Daniel Karmann).
Bild: dpa

"Seit 40 Jahren nicht erlebt"

"Wir haben eine Situation, wie ich sie seit 40 Jahren in dieser Branche noch nie erlebt habe", sagte Uwe Weiler, der bei Deutschlands größtem Spielwarenhersteller Simba Dickie das operative Geschäft leitet, Ende Oktober der "Süddeutschen Zeitung". Zur Gruppe gehören unter anderem Märklin-Modelleisenbahnen und das "Bobby Car". Normalerweise kommt die Ware aus Asien für das Weihnachtsgeschäft in Europa zwischen Juni und August an, dieses Jahr war es August bis Oktober.

Was lernt man daraus? Mehrere Hersteller haben angekündigt, die Abhängigkeit von globalen Lieferketten verringern und wieder näher am Unternehmensstandort produzieren lassen zu wollen - die höheren Preise dafür aber können die Firmen im Wettbewerb nur bedingt an die Kunden weitergeben. In vielen Branchen wäre eine vorwiegend regionale Herstellung schlicht nicht rentabel, der Lohnkostenanteil an den Produkten wäre zu hoch, um im Weltmarkt konkurrieren zu können.

Ulrich Brobeil vom DSVI sieht die Situation wenige Wochen vor Heiligabend inzwischen etwas entspannter. "Man muss noch etwas abwarten, unser Jahresgeschäft wird auf den letzten Metern entschieden. Für manche Unternehmen macht das Weihnachtsgeschäft bis zur Hälfte ihres Jahresumsatzes aus. Aber insgesamt sieht die Liefersituation besser aus, auch wenn ich das jetzt nicht herunterspielen will. Ich gehe davon aus, dass es bis Mitte 2022 dauern wird, bis sich die Lieferkette wieder normalisiert hat", sagt Brobeil.

Sportschuhe

Vietnam ist der wichtigste Schuhproduzent der großen Sportkonzerne, Nike, Adidas, Reebok, alle lassen sie in dem Niedriglohnland nähen und kleben. Allerdings hat die Pandemie die Textilwirtschaft im Land hart getroffen: Weil die Impfquote extrem niedrig ist, bleiben der Regierung als Werkzeug nur harte Lockdown-Maßnahmen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Bei nur wenigen Infektionsfällen wurden Fabriken monatelang dicht gemacht. Dadurch haben Giganten wie Nike plötzlich Lieferschwierigkeiten, wie sie sie noch nie zuvor kannten.

Unterhaltungselektronik

Laut Statistischem Bundesamt machen die Händler von Produkten wie Fernsehern, Smartphones, Tablets knapp ein Viertel ihres Jahresumsatzes im Weihnachtsgeschäft. Sie trifft der Mangel an Mikrochips, wie sie in all diesen Geräten verbaut werden - und diese Chips kommen fast ausschließlich aus China. "Es sind bei einzelnen Sortimenten Lücken möglich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, der dpa in Berlin. Besonders Spielekonsolen sind begehrt.

Parfum

"Generell stellen wir stärkere Unterlieferungen bei unseren Aufträgen fest, dies ist auch über alle Kategorien hinweg zu spüren", sagt Katalin Genius, Sprecherin der Parfümerie-Filialkette Douglas, rbb|24. Mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft sei Douglas "natürlich darum bemüht" dass jedes Produkt zur gewünschten Zeit vorhanden sei.

Ein Mitarbeiter hält eine Ausgabe des Buches „Xi Jinping - Der mächtigste Mann der Welt“, von den Autoren Adrian Geiges und Stefan Aust, in der Hand im Kulturkaufhaus Dussmann (Quelle: dpa / Carsten Koall).
Bild: dpa

Bücher

Druckereien müssen wegen des Rohstoffmangels statt wie zuvor etwa vier Wochen nun bis zu vier Monate auf ihre Bestellungen warten. Die Kosten für Papier sind allein von August bis September um 147 Prozent gestiegen. Der Hauptgrund ist der Onlinehandel: Während der Coronapandemie ist dessen Anteil deutlich gestiegen, dadurch wird mehr Papier für Verpackungsmaterial verwendet. Inzwischen gibt es in Deutschland keine Fabrik mehr, die sogenanntes Werkdruckpapier herstellt, das Ausgangsmaterial für die Seiten in den meisten Büchern.

Grafisches Papier, das für Bücher verwendet wird, wird nun im Weihnachtsgeschäft stärker nachgefragt. Der Großteil der dafür verwendeten Zellstoffe kommt wiederum aus Asien - mit den bekannten Problemen der Lieferkette. Das kann längere Lieferzeiten in Buchhandlungen bedeuten, als gewohnt. Dass bestimmte Bücher an Weihnachten knapp werden, hält der Branchenverband allerdings für ausgeschlossen.

Fahrräder

Die Lieferprobleme bei Fahrradhändlern sind schon lange vor dem Weihnachtsgeschenk ein Problem gewesen: Fast alle Hersteller lassen mindestens Teile ihrer Räder in China herstellen, die Zulieferer sind mindestens bis 2023 ausgebucht. Die Komponenten kommen aus mehreren verschiedenen asiatischen Ländern. Fehlt die Bremse oder die Gangschaltung, hält das logischerweise die Montage des ganzen Fahrrads auf.

In Asien stand die Produktion von Fahrradteilen in diesem Jahr wegen der Corona-Einschränkungen drei Monate lang still. Gleichzeitig ist die Nachfrage während der Pandemie enorm gestiegen. Ein ganz bestimmtes Modell neben den Weihnachtsbaum stellen zu können, wird daher sehr schwierig – aber wohl auch noch zu den folgenden Weihnachtsfesten.

Die Lieferkette

Wer neu kauft, kommt schwer daran vorbei: Fast alles, was man mit ein paar Klicks beim Händler bestellt oder dieser bei seinen Lieferanten, muss auf riesigen Containerschiffen um die halbe Welt gebracht werden, bevor der Beschenkte es am Ende der langen Lieferkette schließlich auspackt. Dass alles rechtzeitig da ist, daran haben sich die meisten in Zeiten der Marktmacht von Konsumgiganten wie Amazon schlichtweg gewöhnt. Doch Corona hat diese Gewissheit ein Stück weit erschüttert. Die Pandemie zeigt, dass diese Lieferketten fragiler sind, als erwartet. Gibt es an einer Stelle ein Problem, gerät die gesamte Kette ins Wanken.

"Während der Pandemie kam immer weniger Ware auf dem Seeweg, weil weniger produziert worden ist. Dann lagen viele Container in Asien oder sie lagen leer zum Beispiel in Europa - und die müssen dann ja wieder zurück", sagt Thomas Scherer vom Verband der Einzelhändler (VDE) dem rbb.

China ist nach wie vor Deutschlands wichtigster Handelspartner, aus keinem Land importiert die deutsche Wirtschaft mehr Waren als aus der Volksrepublik. Die zehn umschlagstärksten Häfen der Welt liegen allesamt in der Volksrepublik. 44 Millionen Container wurden 2020 in Shanghai umgeschlagen, in Hamburg waren es 8,75 Millionen, nicht mal ein Fünftel. Die strikte Corona-Politik der Regierung hatte deutliche Folgen, ein Dominoeffekt: Mehrere chinesische Häfen blieben wegen jeweils nur weniger Coronafälle wochenlang geschlossen.

"Die Staus vor den Häfen in China, Europa und Amerika werden nur mühsam abgebaut. Industrieverlader, Groß- und Außenhändler und Speditionshäuser kämpfen geradezu um jeden Container. Die knappen maritimen Ressourcen treffen jetzt auf ein allgemeines Nachfragewachstum nach Gütern und Waren, das sich auch im Bereich Konsumgüter im längst angelaufenen Beschaffungswesen für das Weihnachtsgeschäft zusätzlich verstärkt", sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, rbb|24.

Ikea chartert eigene Schiffe

Einen Container aus Asien in die USA zu verschiffen kostete 2021 zwischenzeitlich fast zehnmal so viel wie noch vor Beginn der Pandemie. Großkonzerne versuchen, sich von den Logistikproblemen unabhängig zu machen: Ikea beispielsweise transportiert seit September Ware auf eigens gecharterten Schiffen, weil der Platz auf Containerfrachtern so knapp ist. Amazon betreibt längst eine eigene Flugzeugflotte. Der Luftverkehr aber kann die Probleme auf Containerschiffen nicht ausgleichen: Die Zahl der interkontinentalen Linienflüge liegt deutlich unter dem Niveau der Zeit vor der Corona-Pandemie. Im Laderaum der Passagierflugzeuge werden auch Güter transportiert.

Schon 2020 war die Menge der eingeführten Waren, die via Schiff in deutschen Häfen gelöscht worden im Vergleich zum Vorjahr gesunken. In der ersten Jahreshälfte 2021 wiederholte sich dieses Bild. Nicht nur Corona ist dafür verantwortlich, das Problem ist komplexer: An Standorten in den USA, Asien sowie in Europa etwa in Großbritannien fehlen Hafenarbeiter oder Lkw-Fahrer zum Abtransport der Container. Als im Frühjahr das Containerschiff Ever Given im Suezkanal auf Grund lief, blockierte es sechs Tage lang den Schiffsverkehr, auf einem der wichtigsten Wasserwege zwischen Europa und Asien. Die Containerriesen stauten sich und das merkten Verbraucher auch in Deutschland. Das extrem effiziente System aus minimaler Lagerhaltung, Herstellung exakt auf den Zeitpunkt genau, bis auf wenige Cent optimierte Preise, es zeigte sich verwundbar.

Doch langsam scheint sich die Lage zu entspannen. Das spiegelt sich im Containerumschlag-Index des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) wider, der 60 Prozent des weltweiten Aufkommens abbildet. Im Oktober ist der Index erneut leicht gestiegen. US-Präsident Biden hat vor wenigen Wochen angekündigt, den Hafen von Los Angeles in Dauerbetrieb zu versetzen, im größten der USA sollen nun rund um die Uhr Container verladen werden. Im zweitgrößten, im nicht weit entfernten Long Beach, ist das schon der Fall. Derzeit produzieren Chinas Hersteller rund dreimal so viele Container wie in einem durchschnittlichen Monat, zeigen Zahlen der Datenplattform Macrobond.

Einzelhändler: Weihnachtsgeschäft bisher schleppend

Doch ob und wann sich der Anstieg der Frachtkosten bremst, ist offen. Die höheren Preise müssen die Händler bezahlen - und sie irgendwann auch an ihre Kunden weitergeben. Gleichzeitig belasten andere steigende Kosten die Verbraucherinnen und Verbraucher. "Fast die Hälfte der Bevölkerung hat wegen steigender Preise für Strom, Benzin, Gas und Lebenshaltung ein geringeres Weihnachtsbudget als sonst", sagt Petra Süptitz, Consumer Insights-Expertin der GfK.

Sieht man sich repräsentative Umfragen zum Thema an, nennen Befragte dennoch ein Geschenkebudget von jeweils mehreren Hundert Euro. Die jährliche Umfrage "VerhaltensRadar" der Essener Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) im November zum Beispiel ergab: Durchschnittlich 522 Euro wollten die Befragten in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgeben, das wären 20 Euro mehr als vergangenes Jahr. Am beliebtesten sind Gutscheine, gefolgt von Büchern, Spielwaren und Kosmetik.

Der deutsche Einzelhandel rechnet für das Weihnachtsgeschäft laut Aussagen von Branchenvertretern mit einem Rekordumsatz von 112 Milliarden Euro. Bisher aber scheinen sich diese Hoffnungen nicht zu erfüllen: Nach einer Umfrage des Handelsverbandes war nur jeder fünfte Händler mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft zufrieden. Auch das zweite Wochenende enttäuschte die Erwartungen vieler Händler, so schilderte es der Handelsverband Deutschland und machte dafür vor allem die strengeren 2G-Regeln in den Geschäften verantwortlich.

"Wenn die Frequenzen ausbleiben, ist wurscht, ob die Ware da ist", sagt Günter Päts, stellvertretender Geschäftsführer des Handelsverband Berlin-Brandenburg, rbb|24. Zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts war auf Berlins Einkaufsstraßen etwas mehr los als 2020 - was allerdings auch am damaligen Lockdown lag. Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 aber waren es deutlich weniger Passanten. In der Woche Anfang Dezember 2019 flanierten auf dem Ku’damm mehr als 225.000 Menschen, Anfang Dezember 2021 waren es 145.000. Das zeigen Daten des Unternehmens Hystreet, das mit Lasermessgeräten die Kundenströme auf Einkaufsstraßen erhebt.

Zwei Drittel kaufen Geschenke hauptsächlich online

Günter Päts kritisiert die Ungleichbehandlung zwischen großen Supermärkten ohne 2G-Regelung und Fachhändlern mit dieser Regelung: "Die großen Märkte haben ein riesiges Nonfood-Sortiment. Da kriegen Sie genau das gleiche Lego-Spielzeug wie beim Fachhändler. Wenn die Beratung beim Fachhändler durch 2G unattraktiver gemacht wird, denkt sich der Kunde vielleicht: Wenn ich schon ein Brot kaufe, kann ich ja gleich auch das Spielzeug mitnehmen."

Vor allem aber bestellt der Kunde inzwischen im Internet. Der niedergelassene Handel hat auch aber nicht erst durch die Corona-Beschränkungen viele Kundinnen und Kunden an die Online-Konkurrenz verloren. Und das wird nach Einschätzung vieler Bürgermeisterinnen und Bürgermeister auch so bleiben. Die Mehrheit der befragten Kommunen in der deutschlandweit durchgeführten Studie "Zukunftsfeste Innenstädte" erwartet, dass die Besucherzahlen in den Innenstädten dauerhaft zurückgehen werden [dstgb.de].

Dazu passt auch das Ergebnis einer GfK-Umfrage unter Verbrauchern im November: Fast zwei Drittel der Befragten (62 Prozent) gaben an, Geschenke hauptsächlich online einzukaufen. In der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren waren es 73 Prozent. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) dagegen erwartet den Angaben seiner Kommunikationsabteilung zufolge keine größeren Probleme im Weihnachtsgeschäft. Die meisten Onlinehändler hätten ihre Lager längst gefüllt, sagte ein Sprecher. "Das erklärt, warum die Versorgung für das Weihnachtsgeschäft mit Ausnahme absoluter Trendartikel weiterhin sichergestellt erscheint."

Kunde kann bei Verzögerungen vom Vertrag zurücktreten

Was aber können Verbraucher machen, wenn der Händler trotz Zusicherung nicht rechtzeitig liefert? "Setzen Sie erst einmal eine Nachfrist, das heißt, Sie fordern den Anbieter auf innerhalb der von Ihnen gesetzten Frist zu liefern. Dabei können Sie sich einfach an die vorherige Lieferfrist halten: Wenn Sie vorher eine einwöchige Lieferfrist gesetzt haben, reicht es, wenn Sie eine weitere Woche setzen. Wenn das Produkt dann immer noch nicht geliefert werden kann, können Sie vom Vertrag zurücktreten, wenn Sie schon gezahlt haben, das Geld zurückverlangen", rät Maximilian Heitkämper von der Verbraucherzentrale. Kunden müssten weder Ersatzprodukte noch Gutscheine akzeptieren, wenn die Lieferfrist nicht eingehalten wird.

Jeder wird ein Weihnachtsgeschenk bekommen und wenn es am Ende vielleicht doch nicht das eine auf dem Wunschzettel ist, dann eben etwas anderes.

Günter Päts, stellvertretender Geschäftsführer des Handelsverband Berlin-Brandenburg

Oder aber: Nicht neu kaufen

Günter Päts vom Handelsverband hält die Berichte über Lieferprobleme seinen Worten zufolge für übertrieben. Engpässe seien die Ausnahme. "Wissen Sie, wir haben doch wenn man ehrlich ist einen Überfluss: Jeder wird ein Weihnachtsgeschenk bekommen und wenn es am Ende vielleicht doch nicht das eine auf dem Wunschzettel ist, dann eben etwas anderes", sagt der Brandenburger rbb|24. Er empfiehlt im Zweifelsfall einen Gutschein.

Eine weitere Möglichkeit: Nicht jedes Geschenk muss erst extra neu produziert werden, um jemand anderem Freude zu machen. Plattformen für gebrauchte Produkte boomen gerade, nicht nur, weil viele Menschen während der Pandemie kräftig ausgemistet haben. Laut des Sprechers von "ebay Kleinanzeigen" ist die Zahl der Inserate in Deutschland stark gestiegen - von März 2020 bis Dezember 2021 um 39 Prozent. Bei Spielzeug ist es eine Steigerung von 60 Prozent, mehr als vier Millionen Anzeigen von Menschen, die Spielsachen anbieten oder suchen, sind laut des Sprechers momentan online.

Laut einer aktuellen Studie zur Kreislaufwirtschaft und dem Kauf von Gebrauchtwaren im Auftrag des Berliner Senats sagten 43 Prozent der Befragten in der Hauptstadt, dass sie mindestens zweimal im Jahr etwas Gebrauchtes kaufen. Damit liegt Berlin leicht über dem Bundesdurchschnitt, was wohl auch am großen Angebot in der Metropole liegt. Die genannten Gründe: Geld sparen, aber auch die Umwelt schonen.

Doch egal ob neu oder gebraucht, wer nach all dem Konsumterror wie in jeder Weihnachtszeit kurz vor knapp nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht, darf durchatmen: Gemeinsame Zeit zu verschenken kostet nichts und macht die Beschenkten - meistens - glücklich.

20 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 19.

    Richtig erkannt; man bekommt doch laufend mails vom Versandhandel oder Anrufe ( da schützt aber der AB ) Man lockt z.B. mit "Versandkostenfrei" oder Preisnachlass, der eigentlich keiner ist. Die Lager sind voll; oft mit unverkaufbaren Textilien, die man dann aber irgendwann irgendwo in der Welt ablagert. ( Artikel kürzlich bei t-o. ) Was wirklich fehlt sind ca. 5000 Medikamente! Sagt sogar unser Apotheker; kann man aber selbst erlesen. Einen kleinen Reiber habe ich gemacht: Brauchte neuen Laptop; 599,- statt 699-€. 17", Laufwerk RJ-45. war Bedingung. i-5 proz. etc alles bestens für das Geld. Die sinnvollsten Geschenke macht man sich selbst. Bleibt alle gesund und ein frohes Weihnachten.

  2. 18.

    So kommt es mir auch vor.

    Den Artikel hätte man sich sparen können.,

  3. 17.

    Oh du fröhliche
    Skischuhe, oh Piste 2G
    Taucherbrille, oh 2G
    Basketball, oh 2G
    Bowlingkugel, oh 2G
    Gutschein shoppen, oh 2G
    Paar Tanzschuhe, oh 2G
    .
    .
    .
    LEBEN, oh sorry 2G

    Ho ho ho

  4. 16.

    "Günter Pätz vom Handelsverband .... "Wissen Sie, wir haben doch wenn man ehrlich ist einen Überfluss: ..."
    Völlig ehrlich gemeint! Der Mann ist mir voll sympathisch.

  5. 15.

    Ich bin ganz Ihrer Meinung.Lieben Menschen etwas schönes schenken,gerade in dieser Zeit,macht einfach nur Freude.

  6. 14.

    Merry Shopping. Ihr habt Probleme…. Aber mal ehrlich. Niemand vermiest hier etwas. Es geht wohl mehr darum, dass diese Sache dem RBB einen großen Aufmacher wert wahr.

  7. 13.

    Es sind nicht nur die aufgeführten Gebiete, es sind vor allem auch Arzneimittel, die fehlen. Bundesweit sollen es ca. 5.000 (!!)Produkte sein, bei uns in der Apotheke sind es allein ca. 400 Lagerartikel, und Woche für Woche kommen neue hinzu.
    Neulich musste eine Pat. fast 2 Wochen auf ihr Krebsmittel warten, weil es auch von anderen Firmen nichts gab . Das ist nicht mehr normal.
    Woher kommen die Arzneimittel größtenteils: aus Asien! So geht es nicht weiter.

  8. 12.

    Ich beschenke meine Geschwister, Nichten, Neffen und Eltern gerne, sowohl zum Geburtstag als auch zu Weihnachten. Es macht mir Spaß wenn ich etwas gefunden habe, das ihnen gefällt. Wenn das Kosum und Kapitalismus pur sind, dann ist das halt so. Aber ich lasse mir meine Freude am Verschenken nicht madig reden. Ich habe mittlerweile alles zusammen; 90% davon online bestellt. Hat super geklappt, keine Lieferprobleme bei mir. Ich freue mich auf Weihnachten mit der Familie - und mit Geschenken.

  9. 11.

    Wenn ich mir so ab und zu einmal hier die Kommentare bei RBB anschaue.
    Die können eigentlich nur depressiv machen!
    Ich habe in den letzten Jahren keinen Unterschied bei Weihnachtsgeschenken festgestellt. Ist wie immer, Weihnachten kommt unverhofft...
    Alle Läden sind offen, online wie gehabt - aber das Meckern geht weiter seinen Gang!

    Es kommt mir vor, als wenn sich alle, die Probleme mit dem normal Leben haben - HIER treffen.
    Tolles Weihnachtsfest und ein super neues Jahr!





  10. 10.

    An alle Kommentare vor mir. Euch hat bestimmt Weihnachten nie was geschenkt sonst würdet ihr so etwas nicht schreiben. Ich mache mir nichts aus Geschenken aber verschenke gerne und mache anderen Menschen eine Freude. Seit 2 Jahren werden wir in unseren Leben eingeschränkt da ist das verschenken zu Weihnachten schon ein Highlight. Irgendwie muss das Geld auch unter die Leute gebracht werden wenn man schon nicht ausschweifend wegfahren kann oder ohne Einschränkung Gastronomie besuchen kann

  11. 9.

    Der Beitrag zeigt mir das wir hier nur ein Luxusproblem haben.
    Waren, die man zum Leben braucht, sind genug vorhanden. Keiner muss hungern, Klamotten gibt's auch und sogar Klopapier ist massig vorhanden.
    Alles andere ist verschiebbar und Weihnachten ist eh nur ein Datum im Kalender.

  12. 8.

    Solange die Probleme des Handels beim Kunden nicht erkennbar sind, ist doch alles in Ordnung.
    Ich kenne keinen einzigen Kunden, der über Probleme bei seinen Bestellungen klagen würde. M.E. ist das eine Meldung, die den Kunden zu schnellen Bestellungen verleiten soll, weil das Geschäft einfach nicht wie gewohnt brummt.

  13. 7.

    Da ich eh ein neues Handy (wirklich)brauchte, bestellt und in 2 Tagen geliefert. Ohne Stress, ohne Kontrollen, ohne Maskenmuffel und das zum guten Preis und für den Paketzusteller 2 Euro, Dankeschön! Der rote Riese hatte es ja eh nicht, sorry.

  14. 6.

    Mich nervt das Besinnlichkeitsgetue ein wenig. Ich muss immer lachen wenn Menschen in der Adventszeit alles gemütlich herrichten und dann hektisch durch die Welt rennen. Zu Weihnachten bloß keine Geschenke sondern mehr Liebe schenken und vergeben und verzeihen. Aber die restlichen 360 Tage im Jahr mit angewinkelten Ellenbogen, egoistisch und unfreundlich die Umwelt beglücken. Frohes Fest kann man da nur wünschen.

  15. 5.

    Wir sollten in den vergangenen zwei Jahren erkannt haben, was wirklich wichtig ist, im Leben. Gesundheit ; Liebe ; Freundschaft ; gemeinsame Zeit miteinander verbringen; sich zuhören und offen reden ; sich Fehler und Verletzungen vergeben... Das ist echtes Leben . Übermäßige Geschenke und Konsumieren-Konsumieren-Konsumieren, und manch Anderes, gehören nicht zu. Dadurch versuchen wohl viele Menschen nur, ihre Leere zu füllen. Vergeblich. Übrigens: An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu.

  16. 4.

    Jaja ... immer diese Besinnlichkeitsbeschwörer des Weihnachstfestes. Wer glaubt man soll sich zun Fest endlich mal auf christliche Tradition, Glaube und das große Fressen konzentrieren und weniger kaufen und verschenken, liegt wohl einem schon seit Jahrzehnten laufendem Irrglauben auf. Kaufen, konsumieren, verschenken ist num mal in dieser dunklen Jahreszeit DIE Ablenkung schlecht hin und für viele ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

  17. 3.

    Es gibt eine ganz einfache Lösung: Nichts schenken oder erst um Januar bestellen. Als wenn Konsum genau zu dieser Zeit so wichtig ist...

  18. 2.

    Als wenn es nichts wichtigeres gäbe als Weihnachtsgeschenke.
    Kauft sie schon im Oktober dann muss man sich auch nicht fragen ob sie rechtzeitig ankommen.
    Oder gehen sie ins Geschäft.
    Bezahlen sie mit Bargeld, dann haben sie ihr Geschenk sicher in den Händen.
    Frohe Weihnachten allen

  19. 1.

    Immer wieder dasselbe, wenn Weihnachten aufs Schenken beschränkt wird. Das ist also das große Problem dieses Weihnachten? Ob das Geschenk rechtzeitig geliefert wird? Na Danke für die aufwändige Recherche lieber RBB. Schön, dass Ihr mal die wichtigen Themen so intensiv angeht,

    Ironie off

Nächster Artikel