"Wir haben es satt" - Landwirte protestieren in Berlin für bessere Preise

Sa 22.01.22 | 15:38 Uhr
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Aktivisten der Protestaktion des "Wir haben es satt!"-Bündnisses unter dem Motto «Neustart Agrarpolitik!» protestieren vor dem Landwirtschaftsministerium mit Traktoren und Schildern. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Audio: Inforadio | 22.01.2022 | Hans-Joachim Vieweger | Bild: dpa/Fabian Sommer

In Berlin haben Bauern für eine andere Agrarpolitik demonstriert. Sie zogen am Samstagvormittag mit Traktoren durchs Regierungsviertel. Angemeldet waren 25 Fahrzeuge.

Zu der Aktion aufgerufen hatte das Bündnis "Wir haben es satt", dem etwa 60 Organisationen angehören. Eine ursprünglich geplante große Demonstration wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben. In der Vergangenheit hatte das Bündnis in Berlin bereits Proteste mit mehreren zehntausend Teilnehmern und hunderten Traktoren initiiert.

Özdemir: Landwirtschaft ersetzt keine Sozialpolitik

Bei einer Kundgebung vor dem Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft am Samstag wurden Minister Cem Özdemir (Grüne) einige konkrete Forderungen übergeben. Dazu gehören ein schneller Umbau der Landwirtschaft hin zu artgerechter Tierhaltung und faire Erzeugerpreise, um das Höfesterben zu stoppen.

Die Sprecherin des Bündnisses, Saskia Richartz, erklärte am Samstag, Özdemir müsse jetzt das Feld für die Agrarwende bestellen. Umweltfreundliche Bewirtschaftung, artgerechte Haltung und Klimaschutz auf Acker und Teller müssten sich für die Landwirte wieder lohnen. Für den Klimaschutz müssten die Tierzahlen reduziert werden.

Özdemir müsse der Agrarindustrie die Stirn bieten, forderte Richartz: "Weder Chemie-, Milch- und Fleischkonzerne noch Bodenspekulanten dürfen in Zukunft die Agrarpolitik bestimmen." Der Grünen-Politiker sagte zur Diskussion über höhere Preise für Lebensmittel, Landwirtschaft müsse sozial sein, sie ersetze aber keine Sozialpolitik. Nötig sei unter anderem, die Hartz-IV-Sätze zu erhöhen.

Landwirte fordern politische Kursänderungen

Auch im Vorjahr war es in der Region zu Protesten dieser Art gekommen, unter anderem zogen Bauern mit rund 100 Traktoren in Berlin vor mehrere Bundesministerien. Sie verlangten Regelungen für kostendeckende Preise für ihre Erzeugnisse und mehr heimische Nahrungsmittel im Handel. Strengere Vorgaben, wie etwa beim Düngen, sollten ausgesetzt werden, Corona- und Schweinepest-Hilfen sofort fließen.

Auch in Brandenburg gab es Proteste. Unter anderem fuhren Demonstranten mit Traktoren vor Büros von SPD-Bundestagsabgeordneten in Spremberg (Spree-Neiße), Lübben (Dahme-Spreewald), Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) und Prenzlau (Uckermark) vor. Der Protest richtete sich in dem Fall auch gegen das geplante Insektenschutz-Gesetz des damals noch SPD-geführten Bundesumweltministeriums.

Sendung: Inforadio, 22.01.2022, 10 Uhr

18 Kommentare

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  1. 18.

    Das weiß ich doch. Lesen Sie mal bitte weiter unten, dann brauch ich es nicht noch einmal schreiben:
    Lieschen M.BlnSamstag, 22.01.2022 | 18:59 Uhr
    Antwort auf [Karl] vom 22.01.2022 um 17:58
    Und "... wir konventionelle Landwirtschaft automatisch der Agrarindustrie zuordnen und das sind die meisten Betriebe eben nicht. ..." Deshalb kaufe ich Obst und Gemüse gern auf Wochenmärkten, wo es Händler gibt, die ihre Ware direkt vom Erzeuger beziehen. Das spart dann auch noch Plastikmüll.

  2. 17.

    Naja, das mit dem nicht mehr akzeptieren ist schwierig wenn der finanzielle Spielraum, sprich das Guthaben auf dem Bankkonto gering ist. Viele Betriebe kämpfen schon heute ums nackte Überleben und die europäischen Nachbarn springen sicher gern ein.
    Ich bin mir sicher das auch das Label Regional umgangen werden kann, ähnlich wie die Krtoffeln aus Ägypten, die deutsch werden, weil in Hamburg in Säcke abgefüllt...

  3. 16.

    Es gibt in der Tat zahlreiche Verbände, die die Interessen der Mitglieder vertreten und der DBV ist nur der "bekannteste" unter ihnen. Leider vertritt der auch am stärksten die Interessen der Agrarindustrie und zeigt am wenigsten Dialogbereitschaft.
    Als Verbraucher machen wir allerdings den Fehler das wir konventionelle Landwirtschaft automatisch der Agrarindustrie zuordnen und das sind die meisten Betriebe eben nicht. Die sind nicht per se schlechter... werden nur schlechter entlohnt

  4. 15.

    Schade um den verfahrenden Diesel! Was hat es letztendlich gebracht?

  5. 14.

    Ihren sinnfreien Kommentar entnehme ich folgendes. Es scheint Ihnen vollkommen schnuppe zu sein wie und woher Sie ihre Lebensmittel beziehen. Hauptsache es kommt was auf den Tisch. Und dabei ganz nebenbei mal etwas über den Klimawandel Posten. Kopfschüttel.
    Da halte ich es ganz ehrlich eher mit Kommentar (8) von der Userin @ Lieschen M. Denn insbesondere letzter Absatz i.Kommentar von ihr scheint auch mir ein sehr vernünftiger Ansatz zu sein.

  6. 13.

    Bauern zahlen für harte Bauernarbeit mehr als HarzIV ... also ran, der Spargel wartet?
    „Roland“ unter #5 hat es mit nur einem Satz verstanden...was hilft. Manche Jobs muss man eben selber machen.

  7. 12.

    Jawoll!
    Liebe Bauern macht weiter so !

    @claudia
    Nichts begriffen,aber auch gar nichts !

  8. 11.

    Hallo Lukas, hallo Lieschen M,
    einem Teil der Bauern ist es völlig egal wie es den Tieren geht, ob das Grundwasser verseucht wird oder die Luft verpestet. Hauptsache die Subventionen fließen. Wir hoffen jetzt alle, dass diese Bundesregierung umsteuert und vor allem den Brandenburger Fleisch-Großfabriken keine weiteren Gelder mehr zufließen, dass die völkisch gesinnten Bauern in ihren Dörfern bleiben und kein Gehör mehr für ihre "Blut und Boden Ideologie" finden und endlich anfangen sich an Gesetze zu halten und die Umwelt zu respektieren. Dann dürfen sie auch mehr Geld für ihre Produkte verlangen.

  9. 10.

    SIE haben es satt usw. Hauptsache im Supermarkt gibt's genug industriell hergestellte Lebensmittel. Wie es den Bauern geht ist Leuten wie ich ihnen doch völlig schnuppe. Solche Leute wie sie haben nichts begriffen.

  10. 9.

    Und ICH habe es satt, dass die Bauern regelmäßig mit in Ihren Dreckschleudern durch ganz Deutschland reisen, Staus verursachen und die Luft verpesten!!! Wer will das wissen? Kein Mensch, ich weiß, aber KLIMASCHUTZ sieht anders aus.

  11. 8.

    "... Schon mal darüber nachgedacht? ..." Ja, schon mehr als Sie.
    Bauernverbände gibt es in jedem Bundesland und einen Dachverband, den DBV. Den können Sie als Interessenvertreter von bäuerlichen Betrieben mit traditioneller und ökologischer Landwirtschaft vergessen, Der vertritt nur die Interessen der Agrarriesen und dessen Lobbyisten haben bei der Klöckner dafür gesorgt, dass nwv das Breitbandherbizid Roundup (siehe Bienensterben) eingesetzt wird und Schweine in Kastennständen gehalten werden dürfen. Lesen Sie mal hier Punkt 3:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernverband
    Was den Bauern helfen würde, sind z. B. kleine bäuerliche Genossenschaften, mit denen sie ihre Produkte selbst vertreiben könnten. Aber das ist in unserem Land schwierig, weil zwischen Produzenten und Endverbrauchern nur wenige große Handelsketten stehen, die eben auch und gerade bei regionalen Erzeugern die Preise diktieren und wenn einer nicht einverstanden ist, gehen sie zum nächsten.

  12. 6.

    >>Meine Güte, in welcher Traumzeit leben Sie denn? Die Erzeugerpreise werden von den großen Handelsketten diktiert: Friss oder stirb! <<

    Ach ja? Was passiert denn wenn die Bauern das nicht mehr akzeptieren?
    Schon mal darüber nachgedacht? Grade jetzt ist die Zeit das zu ändern, wollen ja fast alle regional haben.
    Müssten die Bauern sich halt nur einig sein. Gibt es denn keinen Bauernverband?

    >>Was glauben denn Sie, auf wen das Geld der Steuerzahler abgewälzt wird? <<
    Na ja, ist doch überall so. Die großen bekommen eben das Meiste. Um das zu änder bräuchte es einen Bauernverband.

  13. 5.

    Schliesst Euch zusammen, dann könnt Ihr auch ordentlich verhandeln.

  14. 4.

    Meine Güte, in welcher Traumzeit leben Sie denn? Die Erzeugerpreise werden von den großen Handelsketten diktiert: Friss oder stirb!
    "... Oder wollt ihr nur die Kosten auf den Steuerzahler abwälzen?" Apropos Steuerzahler: Was glauben denn Sie, auf wen das Geld der Steuerzahler abgewälzt wird?
    Zitat Wiki: ".... Von den Milliarden an Agrarsubventionen in der EU profitieren Stand 2021 auch Spekulanten, Multinationale Nahrungsmittelunternehmen und Großgrundbesitzer bzw. solche, die zwar Land besitzen, es aber selten aktiv bewirtschaften. ..."

  15. 3.

    Top Karriere vom Sozialpädagogen zum BELMini. Kein Wunder, was der Herr zu den Forderungen der Bauern faselt:
    "... Landwirtschaft müsse sozial sein, sie ersetze aber keine Sozialpolitik. ...". Richtig, Landwirtschaft muss auch für die (Klein-)Bauern sozial sein. Was das andere betrifft: Wäre jetzt die Gelegenheit für Grüne und Sozen, Verursacher der unsozialen Agenda 2010, den angerichteten Schaden zu korrigieren und nicht die Sätze zu erhöhen, sondern Hartz-VI endlich abzuschaffen zugunsten sozialerer Modelle.
    Wenn die Ärmsten mehr Geld im Portemmonaie haben, können auch die höhere Preise für Grundnahrungsmittel bezahlen.

  16. 2.

    Liebe Bauern, Marktwirtschaft nicht verstanden?
    Ihr unterschreibt doch die Verträge mit den Preisen. Da kann man dann vom Staat hinterher nicht verlangen dass er das Korrigiert. Wenn zu viel Lebensmittel produziert werden ist der Preis eben niedrig.

    Wer hindert euch eigentlich daran artgerechte Tierhaltung und faire Erzeugerpreise selbst durch zu setzen?
    Oder wollt ihr nur die Kosten auf den Steuerzahler abwälzen?

  17. 1.

    "Nötig sei unter anderem, die Hartz-IV-Sätze zu erhöhen." Bitte machen. Hier im Stadtzentrum kramen Menschen immer noch in den Mülltonnen nach Lebensmitteln. Wer hatte Hartz 4 eingeführt ;)

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