Steigende Energiepreise - Blechen oder Bibbern

Do 13.01.22 | 10:13 Uhr | Von Leonie Schwarzer
  50
Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung. (Bild: dpa)
Audio: Inforadio | 12.01.2022 | Leonie Schwarzer | Bild: dpa

Die Kosten für Strom, Gas und Öl steigen so stark wie nie – auch für Verbraucher aus Berlin und Brandenburg. Energie verteuerte sich im Laufe eines Jahres um 35 Prozent. Doch was bedeutet die Preissteigerung? Von Leonie Schwarzer

Die hohen Energiepreise sorgen für derzeit für viel Stress: So werden beispielsweise viele Kunden aus Billigverträgen von Strom- oder Gasanbietern geschmissen – und landen dann bei den Grundversorgern.

In Bernau haben die Stadtwerke nach eigenen Angaben zuletzt einen sehr hohen Kundenzuwachs erlebt. Wegen der gestiegenen Energiepreise und der gleichzeitig hohen Nachfrage, können neue Kunden aber nur noch mit dem Grundversorgungstarif versorgt werden, der in der Regel deutlich teurer ist als die sonst üblichen Wahltarife.

Warum steigen die Preise?

Für die gestiegenen Energiepreise gibt es unterschiedliche Gründe: Unter anderem hat die Erholung der Weltwirtschaft nach dem corona-bedingten Einbruch 2020 zu einer unerwartet hohen Nachfrage geführt. Zudem steigt der CO2-Preis an - seit diesem Jahr kostet eine Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid statt 25 jetzt 30 Euro.

Wie stark ist die Preissteigerung?

Dem Vergleichsportal Verivox zufolge verteuerte sich Energie im Laufe eines Jahres um 35 Prozent. Und laut Check24 hoben allein im neuen Jahr bereits mehr als 700 Grundversorger ihre Gaspreise an. Die durchschnittliche Preiserhöhung bedeute für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh zusätzliche Kosten von mehr als 1.000 Euro pro Jahr.

Wer ist von den steigenden Energiepreisen besonders betroffen?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark von den steigenden Energiepreisen betroffen. 2020 haben Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.300 Euro demnach insgesamt knapp zehn Prozent ihrer Konsumausgaben für Heizung, Strom und warmes Wasser ausgegeben. Zwar gaben Haushalte mit einem höheren Einkommen in absoluten Zahlen mehr Geld für Energie aus, allerdings ist der Anteil an den gesamten Konsumausgaben deutlich geringer.

Was plant die Politik?

Wegen der hohen Heizkosten plant das neue Bauministerium einen einmaligen Zuschuss für Wohngeldbezieher. Nach einem Gesetzentwurf sollen Singles 135 Euro bekommen, ein Zwei-Personen-Haushalt 175 Euro. Die Summe beruhe auf Berechnungen eines Wirtschaftsinstitutes, so Bundesbauministerin Klara Geywitz in Brandenburg aktuell vom rbb.

Es gibt allerdings auch Kritik: Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin hält den geplanten Zuschlag für unzureichend. "Die Menschen, die Wohngeld beziehen, brauchen wesentlich mehr Geld", sagte die Geschäftsführerin Gabriele Schlimper dem rbb. Außerdem kritisierte sie, dass viele Menschen ausgeschlossen seien. So würden Bezieher von Grundsicherung den Zuschuss nicht bekommen.

Wie können Verbraucher Energie sparen?

80 Prozent der Energie im Haushalt seien im Winter auf die Heizkosten zurückzuführen, sagt Joshua Jahn von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Er rät, die Heizung um ein Grad runterzudrehen – damit könne man etwa sechs Prozent der Energie einsparen. Außerdem die Heizung nicht auf fünf drehen, sondern beispielsweise auf drei. Denn der Raum erwärme sich immer gleich schnell: "Wenn man die Heizung auf drei stellt, hört die Wärmeabgabe irgendwann auf. Bei fünf geht es weiter."

Was tun, wenn der Anbieter kündigt?

Viele Haushalte bekommen derzeit Kündigungsschreiben von ihren Strom- oder Gasanbietern. Wegen der stark gestiegenen Energiepreise stellen Versorger Lieferungen ein und kündigen Verträge. Joshua Jahn von der Verbraucherzentrale Brandenburg rät, dann erst einmal den Vertrag prüfen zu lassen. Manchmal sei eine einseitige Beendung nicht möglich – dann könnten gegebenenfalls Schadenersatzforderungen gestellt werden. Nach einer Kündigung landen Verbraucher automatisch beim Grundversorger.

In Berlin ist der Grundversorger für Strom Beispiel Vattenfall und für Gas GASAG. Betroffenen rät Joshua Jahn, sich den Tarif in der Grundversorgung anzuschauen und zu überlegen, ob sich ein Anbieterwechsel lohnt. In der Grundversorgung gebe es ein Sonderkündigungsrecht von zwei Wochen: "In manchen Regionen ist der Grundversorger der billigste Anbieter, in anderen Regionen sind die aber auch in astronomischen Höhen und da lohnt sich dann ein Anbieterwechsel."

Wird das jetzt ewig so weitergehen?

Eigentlich werden seit Januar die Verbraucher beim Strom entlastet. Denn die sogenannte EEG-Umlage ist von 6,5 Cent pro Kilowattstunde auf 3,7 Cent gefallen. Das liegt unter anderem an dem hohen Strompreis an der Börse: Dadurch ist die Differenz zwischen dem Markt und dem für erneuerbare Energien garantierten Preis gesunken. Die Umlage soll diese Kluft eigentlich schließen und sinkt wegen der Annäherung der beiden Preise jetzt ab.

Allerdings wird der Strom aller Voraussicht nach nicht billiger, da die Umlage nur ein Teil des Preises ist und auf der anderen Seite die Energieversorger beim Einkauf mehr für den Strom zahlen müssen. Gleichzeitig steigt auch der CO2-Preis weiter an. Seit dem 1. Januar 2022 kostet eine Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid 30 statt wie bisher 25 Euro. Das wiederum sorgt dafür, dass Erdgas, Benzin oder Diesel teurer werden – und ist auch klimapolitisch so gewollt.

Tendenziell müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher daher auch weiter eher auf steigende Preise einstellen. Extreme Anstiege, wie wir sie derzeit erleben, sind laut Experten aber eher vorübergehender Natur.

Sendung: Inforadio, 12.01.2022, 17:30 Uhr

Beitrag von Leonie Schwarzer

50 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 50.

    @Nichtbescheuert: Klar, da haben Sie natürlich recht.
    Ich wollte nur Sebastians Behauptung, Hartz IV-Empfänger/innen bekämen ebenfalls einen Heizkostenzuschlag, widersprechen.
    Die 3,- Euro oder 0,76% , die es für diese Menschengruppe seit diesem Monat zusätzlich gibt (nicht alles aufs mal ausgeben!), hat nichts mit den gestiegenen Energiekosten zu tun bzw. sollen sie durch zauberhafte Querfinanzierung sämtliche gestiegenen Lebenshaltungskosten gleichberechtigt auffangen. :-D

  2. 49.

    Hab ich irgendwo etwas von dem behauptet, was Sie mir in den Mund legen? Umweltneutrales Leben gibt es nicht. Unstrittig ist aber, dass die erneuerbaren Energien um Größenordnungen geringeren Schaden anrichten als die fossilen Alternativen.

  3. 48.

    Dem ist allerdings hinzuzufügen, dass der Wohngeldzuschuss einen Ausgleich für die gestiegenen Heizkosten darstellen soll. Insofern wäre ein entsprechender Zuschuss an Empfänger der Grundsicherung für Arbeitsuchende auch nicht zu begründen, da die Heizkosten für diesen Personenkreis im Rahmen des Angemessenen ohnehin vom Jobcenter übernommen werden.

  4. 47.

    Die Vergleichsberechnungen basieren auf völlig abwegigen Annahmen. Welcher Haushalt verbraucht 20.000 kWh im Jahr? Das wäre selbst für einen 10-Personen-Haushalt ein sehr hoher Jahresverbrauch.

  5. 46.

    Ihre Entgegnung fußt auf diversen falschen Annahmen, wie z. B. der Umweltverträglichkeit von Windkraft- (von Kritikern gern liebevoll "Flugtiershreddermaschinen" genannten) und Solaranlagen, die freilich alle klima- und umweltneutral herzustellen, zu warten und zu entsorgen sind.
    Wo der Strom dann in windstillen Nächten herkommen soll, ist mir zwar schleierhaft, doch vertrauen wir diesbezüglich einfach mal auf Annalena Baerbock, die der Überzeugung ist, er würde irgendwie und irgendwo im Netz gespeichert.
    (In Speichern, die freilich eh alle irgendwie total umweltfreundlich herzustellen, zu betreiben und ggfs. zu entsorgen sind.)
    Bepflastern wir daher jede freie Fläche mit derartigen Anlagen (Deutschland ist ja bekanntlich auch in den kälteren Jahreszeiten ein Sonnenstaat und über Windräder [also die mit den dicken Betonsockeln] freuen sich besonders lärmempfindliche Anwohner immer sehr).
    Und wenn Petrus mitspielt, hat Deutschland damit dann ganz bestimmt die Welt gerettet.

  6. 45.

    P.S.: Der einmalige Zuschuss verpufft doch nur und ist völlig ungeeignet!

  7. 44.

    Wann setzt die Regierung endlich temporär die Mehrwertsteuer auf Gas, Öl und Strom aus, damit die Menschen hier spürbar entlastet werden? Das wäre doch ein wirksames und schnelles Mittel.

  8. 43.

    Es wäre interessant wenn Sie uns mitteilen würden, wieviel Abschlag Sie Monatlich nur für die Heizkosten zahlen.
    Nicht das die 332 € Rückerstattungen aus den gesamten Betriebskosten sind.

  9. 42.

    Eine leider recht schwache Argumentation, denn dass Dinge oder Dienstleistungen teurer werden, kann viele Ursachen haben. Gestiegene Rohstoffpreise sind nur EINE davon.
    Und nein: Wir können überhaupt kein Brot mehr backen, sondern müssen nehmen, was wir kriegen können.
    Entweder die Brosamen, die wir bei Mutter Natur auflesen können (wenn das Wetter mitspielt), oder all das, was uns Länder mit zuverlässigerer Energieversorgung abgeben (in der Hoffnung, dass die entsprechenden Verträge einigermaßen fair, finanzierbar und die entsprechenden Vertragspartner absolut zuverlässig sind).
    Grüne Energiepolitik macht uns also in doppelter Hinsicht abhängig und schadet uns wirtschaftlich.
    Aber hey, hauptsache Deutschland rettet mit diesem Alleingang (den alle anderen Länder für idiotisch halten) die Erde.

  10. 41.

    Ach ja, und ein Stromaggregat habe ich auch noch, das mit polnischem Benzin betrieben wird. Die Energiewende kann kommen.

  11. 40.

    Zeigen Sie doch mal Ihre Modellrechnungen, wo rauskommt, dass erneuerbare nicht billiger sind. Die Fachleute sehen das nämlich anders. Wind und Solar Neubau sind heutzutage oft billiger pro kWh als abgeschriebene fossile Kraftwerke. Bei den aktuellen Gaspreisen natürlich umso mehr. Klar kostet die Speicherinfrastruktur nochmal ein paar Cent extra oben drauf, der Klimawandel ist aber auch nicht umsonst. Allein das CO2 für eine kWh Braunkohle kostet ja schon um die 12cent.

  12. 39.

    @Horst
    "Mit erneuerbare Energien kann man diese Abhängigkeiten reduzieren."

    Man schafft nur neue Abhängigkeiten. In diesen Fall sind wir abhängig von China. Wenn unsere neue Außenministerin sich wirklich sich mit der Solarpanel Industrie in China anlegt (so hat sie es angekündigt) bleiben dann nur noch die Windräder. Und auch von diesen Windmühlen werden viele Komponenten in China gefertigt, unter bescheidenen Bedingungen.

    Der Dreck der bei der Produktion entsteht wird nur verlagert. Das ist wie mit den Katalysatoren von Benzinmotoren.
    Die nötigen Edelmetalle werden aus Sibirien importiert. Der Russe verseucht Gebiete so groß wie Deutschland mit Quecksilber was bei der Gewinnung der Edelmetalle frei wird. Da wächst nix mehr. Aber wir, wir haben saubere Luft.
    Genauso ist das jetzt auch. Nur im Energiesektor.
    Deutschland will glänzen, Kosten egal. Der Dreck und Müll ist ja nicht hier.
    Scheinheilig..

  13. 38.

    Ja, Adrian, das ist bestimmt alles möglich. Nur billiger wird’s auf diesem Wege ganz bestimmt nicht und die Sache mit dem Speichern funktioniert leider auch nicht so einfach, wie das Annalena gerne daherredet (Kobolde im Netz etc.). Tja und dann nutzt es natürlich, wenn kein Wind weht und es Nacht ist, wo die Sonne nicht scheint, auch nichts, wenn das ganze Land mit Windkraftindustrieanlagen und Solarpanels zugepflastert ist. Aber das alles wirst Du bald selbst erleben und das wird eine interessante Erfahrung für Dich. Du hättest natürlich auch einfach Deine Großeltern fragen können. Aber die sind ja laut WDR-Kinderchor alte Umweltsäue.

  14. 37.

    Natürlich, wenn ich raus gehe trägt Köpfchen auch Pudel und Schal. Ansonsten ist Köpfchen nicht berufstätig und heizt nur ein Zimmer, weil die Wohnung eingebaut ist. Da reichen dann auch im Winter 18-20 Grad in Bad und Küche., Schlafzimmer noch weniger. Mein Wohnzimmer hat dafür kuschelige 23-24 Grad. Habe übrigens 332,-€ Heizkosten letztes Jahr zurück bekommen.

  15. 36.

    Naja, bei den Zinsen heutzutage ist es durchaus schön mal was zurück zu bekommen, außerdem hat man dann auch nicht sinnfrei den Mief in die Luft geblasen. Ist also gut fürs Karma und die Umwelt.

  16. 35.

    @Sebastian: Vielleicht lindert es Ihren Neid ein wenig, wenn ich Ihnen mitteile, dass Empfänger/innen von Hartz IV und Grundsicherung nach dem derzeitigen Stand keinen Zuschlag bekommen werden, sondern lediglich diejenigen Menschen, welche Wohngeld erhalten.

    Als ich gerade in der Küche saß und mich beim Kochen der Kartoffeln an der Abwärme des Gasherdes und des Topfes gelabt habe, musste ich an die Lebensumstände vieler Menschen in Deutschland vor ungefähr hundert Jahren denken.

    Was es für die Häuser bzw. deren Bausubstanz bedeutet, wenn diese immer häufiger durchgängig kalt bleiben, mag ich mir lieber nicht ausdenken.

    Wohl dem, der unter seiner Wohnstube Nachbarn wohnen hat, die gerne und viel heizen. :-)

  17. 34.

    Wer nicht zahlen kann muss frieren, könnte tatsächlich so kommen. Der Senat sollte schon mal für alle Fälle Notunterkünfte in einem größerem Maßstab sich ansehen. Denn auch Häuslebesitzer können dann evtl. nicht mehr durchgängig die Heizkosten bezahlen.

  18. 33.

    Hoffentlich legt der sogenannte Klimawandel noch ne Schippe drauf. Und man muss nur noch 6 Wochen heizen.. Bin eben leider kein Establishment gruenIn im Villenviertel wos Geld keine Rolle spielt..

  19. 32.

    " die Zutaten dort kaufen, wo diese billig zu haben waren"

    Scheint irgendwie nicht zu funktionieren. Das zeigt die aktuelle Preisentwicklung bei Gas. Oder die bekannten Schwankungen beim Sprit. Oder das unsere Nachbarn mit ihrem "Brotbackautomat" ebenso mehr zahlen müssen.

    Die Zutaten für den neuen "Brotbackautomat" müssen wir übrigens nicht kaufen. Den gibt's für lau. Und auch den Automaten an sich können sich viele leisten; nicht nur die großen Konzerne.

  20. 31.

    2500TWh kann man in Deutschland mit ca 600.000 Hektar Solarfläche erzeugen. Zur Zeit nutzen wir ca 2.4 Million Hektar für Biodiesel und andere "Energiepflanzen"-Monokulturen. Windkraft ist noch ein bisschen flächeneffizienter. Da ist also noch gut Luft nach oben für Effizienzverluste, z.B. durch Stromspeicher, ganz ohne, dass man auf ein einziges Dach ein PV Panel schrauben müsste.

Nächster Artikel