Neue Siegel für Lebensmittel - Mindestens 90 Prozent Brandenburg

Mi 26.01.22 | 16:29 Uhr | Von Amelie Ernst
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Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Brandenburger Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz, stellt die neuen Qualitätszeichen für Brandenburgische Lebensmittel vor © dpa/Soeren Stache
Audio: Inforadio | 26.01.2022 | Amelie Ernst | Bild: dpa/Soeren Stache

Kartoffeln, Eier, Äpfel und Wurst - all das am liebsten frisch und aus der Region. Doch ob die Produkte wirklich aus der Region stammen, ist oft schwer zu erkennen. Zwei neue Brandenburger Qualitätszeichen sollen das ändern. Von Amelie Ernst

"Gesicherte Qualität Brandenburg" steht in weißer Schrift auf rotem Grund auf dem Siegel, das regionale Produkte aus konventionellem Anbau kennzeichnen soll. Für regionale Produkte aus ökologischer Erzeugung steht zusätzlich das Wort "Bio" auf dem Siegel.

Das bedeutet in beiden Fällen: Wenn es sich um ein verarbeitetes Produkt wie beispielsweise Joghurt, Wurst oder Suppe handelt, dann müssen mindestens 90 Prozent der Zutaten aus Brandenburg kommen. Bei nicht verarbeiteten Lebensmitteln wie Kartoffeln, Milch oder Eiern müssen es sogar 100 Prozent Brandenburg-Herkunft sein.

Siegel sollen anspornen

Der Natur-Joghurt aus der Lobetaler Bio-Molkerei in Biesenthal erfülle die Kriterien für das neue Regional-Siegel schon, der Erdbeer-Joghurt dagegen noch nicht, sagt Bereichsleiter Reinhard Manger. "Da sind 20 Prozent Fruchtzubereitung drin, also Erdbeeren aus Europa und Zucker aus Deutschland. Und 80 Prozent Milch aus Brandenburg." Doch 90 Prozent Brandenburg müssen mindestens drin sein im Becher, sonst gibt’s kein Siegel. Deshalb wolle er versuchen, künftig auch Erdbeeren und Zucker aus der Region zu bekommen, so Manger. Und zwar in Bio-Qualität – denn die Lobetaler Molkerei bewirbt sich um das regionale Bio-Siegel. 60 Prozent der Milchprodukte erfüllten bereits alle Kriterien und könnten das regionale Bio-Siegel quasi über Nacht bekommen.

Der Trend geht zum Regionalprodukt

Der Brandenburger Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) hofft, dass Verbraucherinnen und Verbraucher künftig beim Einkaufen immer öfter auf die beiden neuen Zeichen treffen – egal ob regional erzeugt aus konventionellem Anbau oder aus Bio-Anbau. Sechs Millionen Menschen und 10.000 gastronomische Einrichtungen in Berlin und Brandenburg seien ein riesiger Markt. Und gerade während der Corona-Pandemie sei die Nachfrage nach regional produzierten Lebensmitteln gestiegen, so Vogel. Beispielsweise würden auch immer mehr Abo-Kisten nachgefragt: "Das zeigt: Regionalität liegt im Trend - und im Bewusstsein der Konsumenten sogar noch vor Bio und Saisonalität."

Neue Kriterien sollen kontrolliert werden

Doch nicht nur Supermarkt-Kundinnen und -Kunden sollen die beiden neuen rot-weißen Siegel erreichen. Gerald Köhler von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau (FÖL) hat noch einen weiteren großen Markt im Blick - speziell in Berlin. Der größte Nutzen des Siegels und auch der größte Bedarf liege in der Gemeinschaftsverpflegung: Großküchen, Caterer, Schulkantinen und andere könnten Regional-Vorgaben bei Ausschreibungen mit den neuen Siegeln leichter erfüllen.

Mit großen Mehrkosten für Abnehmer und Erzeuger rechnet Köhler dabei nicht. Sein Verband und der Verein Pro Agro sollen kontrollieren, ob Betriebe die Kriterien auch wirklich erfüllen. "Wir werden die ohnehin schon bestehenden Öko-Kontrollen dazu nutzen und dabei weitere Prüfkriterien abfragen. Deshalb ist da der Aufwand vergleichsweise gering."

Das neue Siegel ist kein Selbstläufer

Reine Selbstläufer seien die neuen Siegel dennoch nicht, ergänzt Kai Rückewold vom Verein Pro Agro, der vor allem die konventionell wirtschaftenden Betriebe vertritt. Man werde Erzeuger und Verarbeiter suchen müssen, die das Siegel unterstützten und sich prüfen ließen. "Und wir brauchen Abnehmer, die bereit sind, das Siegel mit aufzunehmen und entsprechende Preise an die Erzeuger zu zahlen."

Das könne zumindest vorübergehend auch für die Kundinnen und Kunden etwas höhere Preise bedeuten; diese würden aber idealerweise durch mehr Absatz später auch wieder sinken, vermutet Rückewold. Denn nur, wenn die neuen Qualitätszeichen ein echter Mehrwert seien für die 4.500 landwirtschaftlichen Erzeuger in Brandenburg, würden sie sich auch langfristig durchsetzen.

Sendung: Radioeins, 26.01.2022, 13:10 Uhr

Beitrag von Amelie Ernst

19 Kommentare

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  1. 19.

    Das sehen aber selbst einheimische Bauern etwas differenzierter.
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/01/regional-obst-gemuese-brandenburg-berlin-melone-kiwi-aubergine-paprika.html
    Nur zum Verständnis, eine grundsätzliche Allgemeingültigkeit Aussage gibt es dazu nicht. Es kommt auf die Jahreszeit und die Obstsorte an.
    Erdbeerjoghurt im März hergestellt mit frischen Erdbeeren aus Marokko oder den über 8-9 Monaten im Kühlhaus eingelagerten? Da kann man schonmal genau nachrechnen. Gefriertrocknung könnte evtl. besser sein.
    Ich bin Freund des regionalen, möchte nur vermeiden, dass jemand glaubt regional ist grundsätzlich umweltfreundlicher als importiert. Überwiegend sicher aber eben nicht 100%.

  2. 18.

    Es geht überhaupt um den Gedankengang, dass sich möglichst jeder Mensch mit derlei Zusammenhängen beschäftigt und dann das, was er oder sie in den Zusammenhängen tun kann, dann auch für sich umsetzt. Da kann es kein Hineinschauen von außen in den Einkaufskorb geben, sondern gerade bei denen, denen es finanziell besser geht, um Freude, an der "richtigen Stellschraube" gedreht zu haben. Für die anderen ist es eine Begründung, weshalb Sozialleistungen sich erhöhen müssen und der zugrundegelegte Warenkorb den Standard aufweist, der mittlerweile angepriesen wird.

    Es ist der Einstieg in einen positiven Kreislauf, das Entrinnen aus einem negativen Kreislauf, sich gegenseitig (nicht) die Butter auf dem Brot zu gönnen.

    Was das Erdbeerjoghurt angeht, so gab es vor über 10 Jahren einmal eine wiss. Arbeit dazu. Werdegang eines Erdbeerjoghurts. Das Netz der Lieferbeziehungen spannte sich über halb Europa.

  3. 17.

    Stimmt, ich gebe Ihnen recht, dieser gesellschaftskritische Einwurf muss erlaubt sein. Wovon denn nehmen, wenn nichts da ist und das was ist, immer weniger wird. Mittlerweile wissen wir, dass die Armen das schlechteste Essen konsumieren und Ihnen immer noch unterstellt wird, sie hätten sich weder um eine ordentliche Berufung bemüht, noch könnten sie mit Geld umgehen und es für sinnlosen Kram ausgeben. In nächster Zeit wird vieles teurer und alles wird mit Bio und Öko begründet. Leider wissen wir, dass das teure Leben sich nicht jeder leisten kann. Da lob ich mir meine Apfelbäume und meine Hühner, regional und ganz ohne Gütesiegel.

  4. 16.

    Stimmt, ich gebe Ihnen recht, dieser gesellschaftskritische Einwurf muss erlaubt sein. Wovon denn nehmen, wenn nichts da ist und das was ist, immer weniger wird. Mittlerweile wissen wir, dass die Armen das schlechteste Essen konsumieren und Ihnen immer noch unterstellt wird, sie hätten sich weder um eine ordentliche Berufung bemüht, noch könnten sie mit Geld umgehen und es für sinnlosen Kram ausgeben. In nächster Zeit wird vieles teurer und alles wird mit Bio und Öko begründet. Leider wissen wir, dass das teure Leben sich nicht jeder leisten kann. Da lob ich mir meine Apfelbäume und meine Hühner, regional und ganz ohne Gütesiegel.

  5. 15.

    Bezweifel das importierte Ware teilweise nachhaltiger und umweltfreundlicher sein kann. Frisches Obst was importiert wird, muss auch gekühlt werden, d.h. es wird immer eine schlechtere Umweltbilanz haben.

  6. 14.

    Wenn es meine Rente hergibt und die Preise dazu passen, kaufe ich sehr gerne regionale Lebensmittel. Ansonsten das, was ich mir leisten kann, Weintrauben aus Südafrika, Birnen aus Türkei oder Italien oder Paprika aus Marokko, ganz einfach!

  7. 13.

    Na, diese Solidarität hätte ich mir für meine Arbeit auch gewünscht. Super. Aber im Prinzip haben Sie ja völlig Recht. Logos über Güte von Lebensmittel sind doch voll in Ordnung.
    Und wenn wir die Chemie noch anderswo auch rauskriegen würden, wäre noch mehr in Ordnung.
    Aber warum bei einem Qualitäts-Joghurtprodukt Erdbeeren und (!) Zucker (!!!) zugegeben werden müssen? Das ist für mich unklar. In einem Qualitäts-Produkt hätte selbiges bei mir keine Chance.
    Aber vielleicht kommen wir ja noch einmal dahin, dass eben Milch Milch ist und sonst gar nichts, dass Brote weder mit Zucker noch mit Malzextrakten angereichert werden. Da wäre viel gewonnen. Beim Bier (Reinheitsgebot) geht es ja auch. Also her damit für andere Lebensmittel.

  8. 12.

    Bio Siegel sind nur Abzocke.
    Ein Bekannter der Nebenerwerbslandwird ist ,wollte sich Zertifizieren lassen.
    Er betreibt seine Landwirtschaft aus überzeugung.
    Weil er nicht bereit war viel Geld für ein Scheinzertifikat aus zugeben.
    Vermarktet er seine Produckte ohne Biosiegel.
    Den Kunden ist das egal.
    Die Qualität stimmt.Der Preis stimmt.Jeder ist zufrieden. Und das weil ,seine Kunden den Hof kennen.

  9. 11.

    Hartz IV Bezieher sind jetzt auch nicht die Zielgruppe für regionale Produkte. Der Landwirt/Bauer soll ja auch von seiner Arbeit leben können.
    Man müsste bei ihnen ein Zuschuss erheben, der dann aber auch nur für diese Nahrungsmittel gilt.

  10. 10.

    Leider ist regional nicht immer zwingend nachhaltiger oder umweltfreundlicher als importiert.
    Die Bilanz von Frischem Obst aus dem Kühlhaus ist derzeit kaum besser als frischer Importware.
    Da muss der Strom fürs Kühlhaus erst noch sauberer als der verbrannte Diesel sein. Kann also im Einzelfall durchaus besser sein importiertes zu sich zu nehmen. Bei der lokalen Wertschöpfung ist eher unstrittig was besser ist.
    Bei verarbeiteten Lebensmitteln dürfte es regional sicher besser sein.

  11. 9.

    Wieso Tesla kaufen müssen? Weil die Fahrzeuge bald regional sind, aber wohl kaum ausreichend für das 90% Siegel?
    Wenn’s Geld nicht reicht, gibt es ja Alternativen z.b. aus Rumänien. Dann aber nicht mehr regional.

  12. 8.

    Ich habe eine 2 1/2 jährige Ausbildung im öffentlichen Dienst absolviert, danach 20 Jahre im erlernten beruf gearbeitet. Allerdings habe ich mich dann darauf besinnt, dass es für meine fast blinde, schwerbehinderte Mutter doch schöner ist, zu Hause ihren Lebensabend zu verbringen. Somit bin ich jetzt auf Hartz IV angewiesen.
    Ein Tesla brauche ich zwar nicht, aber ob es mir (trotz 3€ Erhöhung) möglich sein wird, nachhaltige Lebensmittel in meinen gesamten Speiseplan einzuplanen, wage ich zu bezweifeln.
    Nein, ich rauche nicht, trinke nicht, kaufe keine unnützen Sachen und meine letzte Shoppingtour liegt Jahre zurück

  13. 7.

    Wow, das hätte ich meinen Arbeitgebern in puncto gerechter Bezahlung, wenigstens den damals aufkommenden Mindestlohn, "an die Birne schmettern sollen". Da ich zu keinem Zeitpunkt dem ALG II unterliegen musste und das immer verhindern konnte, habe ich derzeit die A-Karte. Merke, auch qualifizierte Arbeit sollte in diesem Lande gerecht bezahlt werden!!! Damals konnte man nicht aufmucken, man hätte den nächsten getroffen, der an meine Stelle getreten wäre und vielleicht für noch weniger Entgelt gearbeitet hätte. Bitte das Leben differenzierter betrachten. Nicht alle, die heute nicht viel Geld haben, lagen früher in der Hängematte oder haben sich mit Buntkram die kleine Wohnung vollgestopft! Als Frau scheinen Sie ja in sehr privilegierter Stellung zu sein, man kann da aber auch runterfallen! Recht haben Sie insofern: Aufs Rauchen und Alkohol trinken, sowie regelmäßig Steaks & Co. kann man wirklich verzichten!

  14. 6.

    Keiner soll Tesla's kaufen, aber regionale Lebensmittel kann man von dem Geld kaufen, mit dem man ständig Krimskrams und anderen Blunder kauft. Hätte zwei positive Effekte, es wird weniger Müll aus China produziert und man unterstützt die regionalen Bauern.

  15. 5.

    Rationiertes, gönnerhaft verteiltes Trinkwasser nach (grünlichen) Moralvorstellungen haben im Geldbeutel genau die Wirkung, die Sie sich vorstellen...
    P.S. Das Siegel ist per se nicht schlecht, aber die (Schreibtisch-)Prioritäten eines grünen UM sind schon deutlich.. und festigt den Ruf des „Zuteilers“ a la Mangel“konzept“...

  16. 4.

    Eine wirklich sensationelle Initiative, um die lokalen Landwirte und Genossenschaften zu stärken! Lokale Produkt zu verwenden ist ein sinnvoller Ansatz für NAchhaltigkeit und Umweltschutz. Ich möchte an dieser Stelle übrigens betonen, dass die meisten Zutaten in einer ja ach so HIPPEN "Avocado-Quinoa-Goji-Linsen-PowerBowl" NICHT aus der Region, bzw. nicht mal vom gleichen Kontinent kommen.

  17. 3.

    Im Hinblick auf die Nahrungsmittel sehr einfach: von dem Geld, dass Sie sparen, wenn Sie seltener Fleisch essen und weniger Lebensmittel wegwerfen. Trifft auf die meisten zu.

    Bei Autos halte ich mich bedeckt

  18. 2.

    Qualifizierter Arbeiten nachgehen! Und nicht alles für Fastfashion, unnützen Chinakram, Alkohol und Zigaretten verballern. Auch Kinder sind eher nicht so gut fürs Portemonnaie. Viel zu teuer und es gibt schon genug.

  19. 1.

    Wir sollen Tesla kaufen und teuere Lebensmittel. Wovon denn?

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