15 Euro Stundenlohn gefordert - Lieferando-Fahrer protestieren gegen Bonussystem beim Lohn

Fr 28.01.22 | 17:44 Uhr
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Lieferando-MitarbeiterInnen protestieren. (Quelle: rbb/A. Dobrodinsky)
Video: Abendschau | 28.01.2022 | M. Castro | Bild: rbb/A. Dobrodinsky

Vor der Unternehmenszentrale des Essenlieferdienstes Lieferando in Berlin-Kreuzberg haben am Freitag rund 30 Beschäftigte für eine bessere Bezahlung demonstriert.

Sie kritisieren unter anderem das Bonussystem, nach dem Lieferando bezahlt: Ab der 26. Lieferung im Monat bekommen die Fahrer 25 Cent pro Bestellung zusätzlich. Das führe dazu, dass die Lieferanten unvorsichtiger fahren, um mehr Lieferungen auszufahren, so die Kritik der Beschäftigten. Zudem würden Teilzeitkräfte benachteiligt. Sie fordern stattdessen einen höheren Standardlohn von 15 Euro pro Stunde. Zu Jahresbeginn hatte Lieferando den Stundensatz von zehn auf elf Euro erhöht, dazu kommen die Boni.

Gewerkschaft: Größere Lieferkreise, weniger Fahrten

Der Landesbezirkssekretär bei der zuständigen Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), Olaf Klenke, kritisiert noch einen anderen Aspekt am Bonussystem. Durch einen neuen Routenzuschnitt wurden demnach die Lieferkreise größer, die Fahrten länger. Dadurch machten die Fahrer weniger Zustellungen, so Klenke.

Lieferando hingegen verteidigt das Bonussystem. Es sei ein Anreiz, nicht nur als Minijobber zu arbeiten, sagte Pressesprecher Oliver Klug. Zudem setze Lieferando auf Sicherheit durch Festanstellung. Und der Basisverdienst liege über dem anderer Servicebereiche.

Nach Angaben des niederländischen Mutterkonzerns Just Eat Takeaway hat die deutsche Lieferando-Tochter ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2021 auf 284 Millionen Euro gesteigert, wie der NGG-Referatsleiter für das Gastgewerbe, Christoph Schink sagte. Das sei ein Plus von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gewinn habe sich von 58 auf 94 Millionen Euro erhöht.

Sendung: Inforadio, 28.01.2022, 15:35 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    In unserem kapitalistischen Land wird alles teurer,Lebensmittel,Mieten,Strom und so weiter.Das einzige was nicht steigt sind die Gehälter.Ich finde es völlig legitim 15€ zu verlangen,die Radkuriere sind bei jedem Wetter unterwegs und in Deutschland ist das nun mal zu 70 Prozent beschissen.Wer sich als gelernte Fachkraft unter Wert verkauft ist selber schuld.Adios!Im europäischen Durchschnitt sind wir im Niedriglohnsektor.Die Kuriere können nichts dafür,daß die deutsche Politik versagt...

  2. 5.

    Gut so, liebe Lieferando-Fahrer. Lasst euch nicht ausnutzen sondern haut mächtig auf die Pauke.

  3. 4.

    Man soll sich nicht nach unten orientieren. Wenn dann ist fre h, dass Fachkräfte so wenig bekommen!

  4. 3.

    Olaf hat doch extra geschrieben, dass es seine persönliche Meinung ist. Wir sind in einem freien Land mit freier Meinungsäußerung, was ist am Kommentar von Olaf also falsch?
    Ich persönlich finde 15 € für ungelernte "Essenslieferanten" übrigens auch zu viel. Aber natürlich haben Sie, Wossi, auch Recht. Man kann es ja versuchen. Jeder ist seines Glückes Schmied...

  5. 2.

    Kann man so sehen. Es ist aber legitim es zu versuchen. Das gilt auch für die Pfleger. Sie müssen selbst für sich organisiert kämpfen, statt ständig die Politiker zu nötigen...Was wir nicht brauchen sind „Schiedsrichter“ die einen erklären wollen, was angemessen ist und was nicht. Denn, wer soll es sein, Kommentartoren?

  6. 1.

    15 Euro??
    Es gibt in Berlin ausgebildete Fachkräfte die weniger als 13 Euro verdienen.
    Ich persönlich finde 15 Euro für ungelernte frech.

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