Studie des Verkehrsverbunds - Verlängerung der Siemensbahn über die Havel hinaus machbar

Di 11.01.22 | 17:20 Uhr
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Archivbild: Der geschlossene Bahnhof Siemensstadt. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
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Audio: Inforadio | 11.01.2022 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/J. Kalaene

Die Reaktivierung der Berliner Siemensbahn ist beschlossene Sache - zumindest zwischen Jungfernheide und Gartenfeld. Doch eine Verlängerung der S-Bahnstrecke bis über die Havel hinaus wäre technisch möglich, zeigt eine jetzt vorgestellte Studie.

Die Siemensbahn, eine seit Jahrzehnten brach liegende Berliner S-Bahnstrecke, könnte nach ihrer Reaktivierung über die Havel hinaus verlängert werden. Das hat eine technische Machbarkeitsstudie ergeben, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg [i2030.de] am Dienstag vorgestellt hat.

Demnach wurden drei mögliche Strecken in verschiedenen Bauweisen ab dem bisher geplanten Endbahnhof Gartenfeld geprüft. Sie führen durch die Wasserstadt Oberhavel bis zum Spandauer Stadtteil Hakenfelde.

Drei mögliche Strecken über oder unter der Havel

Die beiden südlicheren Strecken müssten der Machbarkeitsstudie zufolge als Tunnel gebaut werden - und zwar sowohl unter der Havel als auch der nördlichen Spandauer Innenstadt hindurch. Diese beiden Trassen seien relativ kostenintensiv, so die Studie, würden dafür aber deutlich weniger in Umwelt und Stadtbild eingreifen.

Die nördlichste der drei Strecken wäre zu einem großen Teil oberirdisch und damit günstiger umsetzbar. Allerdings müsste eine neue Brücke über die Havel gebaut werden. Die Planer der Studie schlagen vor, dabei die Insel Großer Wall einzubeziehen.

Nur die nördliche Variante wäre laut der Studie mit einer Brücke umsetzbar. Außerdem würde sich die Lage der S-Bahnhöfe je nach Variante unterscheiden, allerdings meist nur um wenige hundert Meter.

Grafik: S-Bahn-Netz in Berlin, Erweiterungspläne. (Quelle: i2030/VBB)Die möglichen Streckenführungen

Die Studie zeigt auch mehrere Herausforderungen für die mögliche Verlängerung der Siemensbahn auf. Neben der Über- beziehungsweise Unterquerung der Havel müsse auch im Bereich westlich der Insel Gartenfeld mit Altlasten gerechnet werden. Tunnelbohrungen seien zudem mit Blick auf das Grundwasser schwierig. Außerdem schlagen die Experten vor, den bisher stillgelegten, historischen S-Bahnhof Gartenfeld vom Saatwinkler Damm in Richtung Nordwesten zu verschieben, um Zugänge von beiden Seiten des alten Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal möglich zu machen.

Schon historische Pläne sahen Verlängerung vor

Die in den 1920er Jahren gebaute Siemensbahn zwischen Jungfernheide und Gartenfeld soll bis 2030 wieder reaktiviert werden, um das geplante neue Stadtquartier auf dem Siemenscampus anzubinden. Die Strecke wird seit den 1980er Jahren nicht mehr befahren, die denkmalgeschützte Hochtrasse ist allerdings noch vorhanden und soll erneuert werden. Entsprechende Arbeiten werden von der Deutschen Bahn vorbereitet.

Die historischen Pläne für die Siemensbahn vom Anfang des 20. Jahrhunderts sahen einst einen Streckenverlauf bis weit nach Brandenburg vor, der aber nie realisiert wurde. Bei einer Verlängerung der Siemensbahn könne auch diese historische Lücke geschlossen werden, so die VBB-Studie: Im Stadtteil Hakenfelde könne man die S-Bahn an existierende Gleisanlagen anschließen, die aktuell von der Havelländischen Eisenbahn AG für den Güterverkehr genutzt werden.

Sendung: Abendschau, 11.01.2022, 19:30 Uhr

46 Kommentare

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  1. 46.

    "Was bitte ist ein Nuck?"
    Der Blick auf die Tastatur offenbart es .... ein Nick mit dicken Fingern geschrieben ;-).

  2. 45.

    Ach egal. Hauptsache keinen Tunnel oder Trog. Einfach beim S-Bahn fahren entspannt mit offenen Augen aus dem Fenster linsen - manchmal sieht man einfach "unbezahlbare" Momente - selbst wenn es zweimal am Tag die gleiche Linie war.

  3. 44.

    Mal abgesehen davon dass das exakt ihr Verhalten beschreibt wird meine Antwort wiederholt nicht veröffentlicht.

    Was bitte ist ein Nuck? Ihre Lügen sind belegbar und sind fern vom Thema. Hauptsache sie können gegen Günther, Grüne und die Linken hetzen. Das Thema lautet Siemensbahn und sie versuchen auf ihr Lieblingsthema hin abzulenken.

    Der Kompromiss der Straßenbahn in der Wasserstadt statt des zügigen Ausbau im Westteil hat(te) Alibifunktion und mußte der cDU unter Diepgen mühselig und mit großen Widerstand (!) der Autopartei abgerungen werden. Fragen sie doch mal Thomas Scheunemann.

    Das ist Stückwerk und was Lompscher damit zu tun haben soll wird ihr Geheimnis bleiben.

  4. 43.

    "Think big" ist aber notwendig, wenn man wie Frau Jarasch den MIV überflüssig machen will. Das KNV spielt hier auch eine Rolle wie auch der Bund seine Schatulle geöffnet hat. Anders als bei der Z5-Verlängerung vom Hauptbahnhof nach Jungfernheide muss man sich hier nicht sofort mit der kleinen Billig-Lösung zufrieden geben, um dann von hinten durchs Auge doch wieder die U-Bahn zu untersuchen. Rund um die UTR hat der Senat erkannt, dass die Tram zu klein ist, versucht aber das Gesicht zur deren Verlängerung zu wahren. Dabei wäre die U-Bahn dort die volkswirtschaftlich wessentlich attraktiver Lösung gewesen. Der Kas ist aber leider gegessen.

  5. 42.

    Ich will mich etwas korrigieren. Die Siemensstadt-S-Bahn muss nicht in Gartenfeld enden, sondern kann selbstredend bis zur östlichen Wasserstadt Spandau führen. Genau dort gibt es (sogar bis in Richtung Haselhorst) bauliche Vorleistungen für die Tram. Das gilt auch für die Wasserstadt-Brücke, die sowohl von der Tragfähigkeit als auch von ihrer Gestaltung her die Tram berücksichtigt.

    Insofern handelt es sich um die sinnvolle Verwendung von Haushaltsmitteln, dies auch zu nutzen. Wenn das dann zu einem späteren Zeitpunkt immer noch nicht ausreicht, kann immer noch über großformatigere Lösungen debattiert werden, als sie umgekehrt von vornherein anzustreben, was dann nur die billige Parole "think big" auf sehr technische Weisung widerspiegeln würde.

  6. 41.

    Die Untere Spreebrücke bej der Schleuse hatte ich vorhin nicht auf den Schirm gehabt. Die alte wurde 1997 abgerissen, der Neubau bedarf wohl der Planfeststellung, obwohl an der alten Strecke liegend.

  7. 40.

    Über die Gewichtung können wir uns gern unterhalten. Jedoch dürfte klar sein, dass diejenigen aus der "Boomtown" Falkensee, die ins Berliner Zentrum wollen, nicht unbedingt den Weg über das Falkenhagener Feld nehmen. Vielmehr sind das Menschen, die in Richtung Spandauer Zentrum wollen und nur bei dene Bewohnern im Falkenhagener Feld ist das ersichtlich anders.

    Nacheinander wird dann eben nur die Tram in Spandau und ggf. erst danach geprüft werden, ob es weitere hochkarätigere Verkehrsmittel (überhaupt noch) braucht.

    Ich meine, die besagte Studie sollte deshalb nicht zu hoch angesetzt werden. Sie wird sich ggf. einreihen in die unendliche Folge von Projektideen, die zu 90 % für die Akten geschrieben worden sind und 10 % einen plausiblen Grund für die Realisierung fanden.

  8. 39.

    Sehr groß scheint Ihre Langeweile zu sein, dass Sie immer wieder stereotyp reagieren ohne etwas zum Thema sagen zu haben.

  9. 38.

    Mein Gedächtnis hat mich nicht getäuscht: "600 Millionen Euro will der Weltkonzern in seinen Campus stecken. Zum Dank spendierte das Land Berlin im Jahr 2018 den Wiederaufbau der Siemensbahn.
    ...
    In internen Unterlagen der Bahn werden nun erstmals die Kosten beziffert.
    ...
    Zahlen muss das alles das Land"
    https://m.tagesspiegel.de/berlin/der-preis-der-wiederbelebung-wiederaufbau-der-berliner-siemensbahn-soll-500-millionen-euro-kosten/27520840.html

  10. 37.

    Was auch bemerkenswert ist, alles was viel Geld kostet wird geplant. Für das Geld der U Bahnverlängerung der U 7 in Spandau oder der S Bahn nach Hackenfelde, könnte man wahrscheinlich die Straßenbahn sogar schon über den Br. Spandau hinaus verlängern. Dazu kommt, die Erderhitzung ist schon jetzt. Wenn man etwas dagegen tun will, muß man den ÖPNV jetzt verbessern, nicht ab 2035. Und die Tram könnte in 5 bis max.10 Jahren wieder bis Hakenfelde fahren, U Bahn und S Bahn mit Sicherheit nicht.

  11. 36.

    Ach welche Erkenntnis. Dass ein Weiterbau der Sirmensbahn möglich ist, ist ja nicht gerade neu. Ob er sinnvoll ist, wird mit dieser Feststellung nicht gesagt. Aber man kann planen statt bauen.Ob S Bahn oder Verlängerung der U 7 in Spandau, solange man daran plant, kann man natürlich die Straßenbahn von Tegel über die Wasserstadt nach Rathaus Spandau nicht planen.Dabei könnte der TramBau Turmstraße Tegel Spandau, einschließlich Betriebshof in der derzeitigen Legislaturperiode zumindest beginnen.

  12. 35.

    In unserer Stadt dauert es länger als 1 Jahr (!) zwei Fahrstühle in eine bestehende U-Bahn-Station einzubauen … Und 6 Jahre (!) eine (Elsen-)Brücke zu bauen … Das hier ist für Berlin eine Jahrhundert-Herausforderung … An Lahmarschigkeit (pardon) in der Planung und Erstellung solch wichtiger Infrastruktur sind wir weltweit nicht zu übertreffen !

  13. 34.

    Sie haben keine Ahnung, Siemens bezahlt den größten Teil der Trasse ,der Steuerzahler auch das ist richtig, Diese Trasse hat Siemens gebaut, also bißchen nachlesen

  14. 33.

    Ihre Ein Mann Show "ich weiß alles besser" und an allem sind Grüne und Linke schuld langweilt. Wie schrieb letzten einer?

    "Das kann so nicht sein, sonst würden die ellenlangen Antwort-Arien bestimmter User hier nicht dauernd freigeschaltet, die zu wahren Battles führen, wer mehr Raum in den Kommentaren einnimmt oder das letzte Wort hat. "

    Tja...

  15. 31.

    Wie kommen Sie auf eine Seilbahn?
    In der Wasserstadt wartet seit Ewigkeiten eine sehr sehr breite Havelbrücke darauf, dass in ihrer Mitte endlich Tramgleise verlegt werden!

  16. 30.

    Und die Seilbahn aus Marzahn wäre auch ein (Havelüberquerungs-)Weg?

  17. 29.

    Teil 2 von 2

    Die angebliche sog. "Verkehrswende" in Berlin ist einfach nur deprimierend. Wenn selbst das Spandauer Tramnetz - wir reden hier von der Tram, die Hexenwerk ist - erst jenseits von 2030 kommt, kann man sich über solche Studien vielleicht in 20, 25 Jahren wieder unterhalten. Spandau erstickt im Busverkehr und der Aufbau eines Tramnetzes ist kein Hexenwerk. Ohne Siemens im Nacken wäre der Senat gar nicht erst auf die Idee gekommen die Siemensbahn zu reaktivieren! Der massive Wohnungsbau auf der Insel Gartenfeld und in der Wasserstadt steht aber schon etwas länger als das Siemens-Projekt auf der Agenda. So langsam, aber bloß nicht zu schnell, dämmert es einigen Verantwortlichen, dass noch mehr Busverkehr in Spandau irgendwie ja auch nicht die Lösung sein kann. Eine alte bestehende und nie entwidmete S-Bahnstrecke an stark boomende Neubaugebiete anzubinden, das ist bzw. war viel zu viel Logik für Berlin, nehme ich an.

  18. 28.

    Teil 1 von 2

    Tolle Studie. Ich sehe hierin schon eine "willkommene Begründung", mit der die bereits auf jenseits von 2030 verschobenen Spandauer Tramstrecken noch viel weiter in die Zukunft totdiskutiert werden. Was sich im boomenden Hakenfelde/Wasserstadt ÖPNV-mäßig abspielt bzw. nicht tut ist eine bilderbuchhafte Bankrotterklärung. Ein Musterbeispiel wie Stadtentwicklung i.V.m. ÖPNV-Ausbau nicht passieren sollte.
    An die bisherige Endhaltestelle der Siemensbahn, Gartenfeld, wird sich niemand mehr so schnell heranwagen, um den Zeitplan des Projektes nicht zu gefährden. Und eine Verlängerung ab Gartenfeld Richtung Wasserstadt/Hakenfelde - puhhh, also ich lebe im Hier und Jetzt, bin Anwohner und möchte hier jetzt einfach nur endlich baulichen Fortschritt sehen.

  19. 27.

    Auch laut diesem Artikel word die Wiederinbetriebmahme weiter voran getrieben. Seit einigen Monaten hat die SenUVK aber auch eine erste Machbarkeitsstudie für eine *spätere* Verlängerung vorliegen.

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