Wegen unbezahlter Rechnungen - Versorger drehen weniger Haushalten den Strom ab

Do 10.02.22 | 09:53 Uhr
Ein Stromzähler zeigt in einem Mietshaus die verbrauchten Kilowattstunden an. (Quelle: dpa/Jan Woitas)
Bild: dpa/Jan Woitas

Bundesweit haben Stromanbieter weniger Haushalten den Strom abgedreht, weil Rechnungen nicht bezahlt wurden, so auch in Berlin und Brandenburg. Grund dafür ist nicht die verringerte Zahl unbezahlter Rechnungen, sondern die Pandemie.

In Berlin und Brandenburg haben Versorger entsprechend dem Bundestrend zuletzt weniger Haushalten wegen unbezahlter Rechnungen den Strom abgestellt. Die Zahl der Stromsperren in Berlin sank von rund 18.200 im Jahr 2019 deutlich auf 12.548 im Jahr 2020. In Brandenburg gab es noch 6.780 Sperren im Jahr 2019 und 2020 nur noch 5.590. Das geht aus einer Antwort der Bundesnetzagentur auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Von 2017 bis 2018 war die Zahl in Berlin demnach noch gestiegen - von 15.800 auf fast 19.000 Stromsperren. In Brandenburg hält der absinkende Trend schon länger an, da waren es 2017 noch 7.900 Stromsperren. Bundesweit ging die Zahl der Stromsperren von rund 330.000 Fällen im Jahr 2017 auf mehr als 230.000 im Jahr 2020 zurück.

Pandemie mitverantwortlich für weniger Stromsperren

Einen Grund für die geringere Anzahl sieht die Bundesnetzagentur im sogenannten Leistungsverweigerungsrecht im ersten Halbjahr 2020: Durch Corona in finanzielle Nöte geratene Bürger konnten damit ihre Zahlungen für Strom und andere Leistungen der Daseinsvorsorge stunden.

Außerdem hätten mehr als 70 Prozent der bundesweit im Monitoring befragten Lieferanten angegeben, 2020 zumindest zeitweise freiwillig auf Sperrungen ihrer Kunden verzichtet zu haben. Ein Grundversorger darf derzeit ab einem Zahlungsverzug von mindestens 100 Euro den Strom sperren. Im Jahr 2020 sei eine Sperrung bei einem Rückstand von durchschnittlich rund 121 Euro angedroht worden.

Sendung: Radioeins, 10.02.2022, 05:01 Uhr

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