Berliner Finanzämter - Einkommensmillionäre müssen mehr als sechs Millionen Euro nachzahlen

Fr 11.02.22 | 18:11 Uhr
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"Gegen die Stadt der Reichen" - Schriftzug an einem Hauseingang in der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg (Bild: imago/Seeliger)
Audio: Inforadio | 11.02.2022 | Boris Hermel | Bild: imago stock&people

Für manche wirkt sich die Pandemie finanziell nicht negativ aus, im Gegenteil: Die Nachzahlungen von sogenannten Einkommensmillionären an die Finanzämter haben sich 2021 mehr als verdoppelt. Dabei sticht vor allem ein Bezirk hervor.

Bei Außenprüfungen von sogenannten Einkommensmillionären haben die Berliner Finanzämter im vergangenen Jahr mehr als sechs Millionen Euro an Steuernachzahlungen eingenommen. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg hervor, die dem rbb exklusiv vorliegt.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Summe der Nachzahlungen damit fast verdoppelt. Auch die Zahl der Außenprüfungen konnte von 63 im Jahr 2020 auf 103 im vergangenen Jahr deutlich gesteigert werden. Mehr als die Hälfte der Nachzahlungen ergaben sich allein im Ortsteil Zehlendorf. Hier konnte das zuständige Finanzamt bei 13 Außenprüfungen allein 3,3 Millionen Euro an zusätzlichen Steuern einnehmen.

Zehlendorf ist Millionärs-Spitzenreiter

In Zehlendorf leben mit 174 sogenannten Einkommensmillionären die mit Abstand meisten der Stadt, gefolgt von Wilmersdorf mit 106 und Charlottenburg mit 103. Die geringste Millionärsdichte haben Lichtenberg und Wedding. Die Zahlen stammen aus der letzten Erhebung aus dem Jahr 2019, die nächste Aktualisierung erfolgt im Januar 2024.

Der Linken-Abgeordnete Schlüsselburg bezeichnete die deutliche Steigerung der Außenprüfungen gerade in einem Pandemiejahr als "hervorragende Leistung und einen wichtigen Beitrag für die Steuergerechtigkeit". Dass bei jeder Prüfung durchschnittlich 60.000 Euro mehr Steuern eingenommen werden konnten, sei ermutigend. Die Koalition strebe an, die Zahl der Prüfungen bis Ende 2023 zu verdoppeln.

Der Begriff "Einkommensmillionäre", so wie ihn Finanzbehörden verwenden, stammt noch aus D-Mark-Zeiten. Damit gemeint sind Steuerpflichtige mit einem Einkommen von mehr als 500.000 Euro brutto im Jahr.

Sendung: Inforadio, 11.02.2022, 17:55 Uhr

34 Kommentare

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  1. 34.

    Sie schreiben: „Und die Anstrengungen und die Chancennutzung weichen schon sehr stark voneinander ab.“
    Leider übersehen Sie, dass nicht alle in gleichem Maß Zugang zu Chancen haben, und auch große Anstrengungen daher oft vergeblich bleiben.

  2. 33.

    Was ist denn das für ein Mathe? Wenn ich nur 80% der ortsüblichen Miete nehme, habe ich doch trotzdem die 100% Kosten und Aufwendungen. Also soviel "Durchblick" im Leben verschlägt einem glatt die Sprache. Ergo müssen nach Ihrer Logik Vermieter doch nehmen, was irgend möglich ist ?!
    @15: das hat sehr wohl etwas mit Arbeit zu tun, dass die Reichen reich sind. Die wissen, wie es geht und was man wann machen, lassen oder wen "fragen" muss. Haben ein Gespür, was Kunden nachfragen und bieten dies zur richtigen Zeit an. Hat jemand damit Erfolg, kommen die Neider aus den Löchern, aber bei den vielen wo es schiefgeht, kräht kein Hahn. Apple fing in der Garage an, genau wie Microsoft, die haben gekämpft, waren unter Entbehrungen flexibel. Auch Aldi hatte einst nur ein paar Geschäfte. Diese Verbitterung über den Erfolg anderer und das eigene Versagen/Nichtstun is irgendwie nur daneben.

  3. 32.

    Und jetzt stehen wir wieder am Anfang ;-(
    Eine Nachzahlung ist keine Steuerhinterziehung.
    Die Außenprüfungen müssen gerechtfertigt werden und vermischen da die Hinterziehung missverständlich aus taktischen Gründen? Normale Nachzahlungen sich als Erfolg anzurechnen ist schon ein Witz. Lesen Sie mal #8 von „Heidekind“ wie absurd auch der kleinsten Sache nachgegangen wird. Hier geht es um Einkommensmillionäre. Da greifen die gleichen Mechanismen und sind besser mit KI und weniger Personal zu erreichen.

  4. 31.

    Steuerhinterziehung und Steuerflucht gehören zu einem Thema, denn dieses Geld gehört der Gesellschaft und sollte für soziale Projekte eingesetzt werden. Aber wie sollen Sie das verstehen, dazu müssten Sie es ja verstehen wollen.

  5. 30.

    Ihre nicht nachvollziehbare Rechnung „dieser Herrschaften“ sagt etwas über Denkweisen aus, nichts aber darüber wie man Gehälter/Einnahmen „am Fiskus“ vorbei bekommt, was man bezweifeln kann. Warum Sie der Diskussion nicht folgen, manches nicht lesen oder aber „vermengen“ lässt nur den Schluss zu, dass Sie Ihre Meinung platzieren wollen.
    Ansonsten ignorieren/vermischen Sie ganz einfach die Begriffe „harte Arbeit“, „hohe Anstrengungen“, worunter jahrelange entbehrungsreiche Bildungsanstrengungen gehören, die Zurückverdient werden müssen, um aufzuholen (Jahresverdienst, Lebensarbeitszeit), um nach 45 Jahren ... ist ein weites Feld
    Aber das ist nicht das Thema, wohl aber, dass Sie das alles auch machen können, um Einzahler zu sein... siehe Verlauf der Kommentare und auch bestimmten Erfolgsdruck aushalten können, der bei manchen krank macht. Und was normal ist bestimmt „Lieschen“?

  6. 29.

    Die können mir überhaupt nicht leid tun. Ich als Rentner muss jeden Cent meiner ,, STEUERSCHULD" zahlen. Tue ich es nicht könnte es sein, dass ich im Knast lande. Gleiches Recht für alle? Zweifelhaft.

  7. 27.

    Es hat sicher gutgetan sich da zu zu äußern.

    Kann mal passieren, wenn das Auge und Licht nicht mitspielen. Ich habe es erst nachher gesehen, das kommt davon, wenn man sein Text nicht auf Fehler überprüft, zumal als Nichtdeutsche.

  8. 26.

    @dagmar Pfliftige und Millionn habe ich übersehen. Man wird alt. Eine stolze Leistung in einem Satz!

  9. 24.

    Machen wir doch mal ein einfaches Rechenbeispiel: Ein Ehepaar, zusammen veranlagt, Jahreseinkommen 116.000 €
    Mit dem Spitzensteuersatz von 42 % müssten sie 48.720 € ESt. zahlen. Mit einer Nachzahlung von fiktiven 60.000 € wären das insgesamt 108.720 € ESt., woraus man auf ein Gesamteinkommen von 258.857 € hochrechnen kann. Folglich haben diese Herrschaften 142.857 €, mehr als die Hälfte ihres Jahreseinkommens, am Fiskus vorbei manovriert. Ein gewöhnlicher Arrbeitnehmer kann das gar nicht, weil die LSt. automatisch ans FA gemeldet wird!
    Soviel zur Aussage "Wer arbeitet, Risiken eingeht, ... , der generiert auch mehr Einnahmen und soll auch mehr haben ...".
    Die können auch nicht mehr arbeiten, als Otto Normalverbraucher, der mit Überstunden 10 h auf'm Baugerüst schindert. Und die einzigen Risiken sind doch nur, von Geschäftspartnern des gleichen Kalibers nicht bezahlt und vom FA erwischt zu werden.
    Ick muss schon wieder heulen wegen des Elends der ach so armen Reichen ...

  10. 23.

    Die Geschäftsmodelle dieser "Einkommensmillionäre" scheinen ja erfolgreich zu sein.
    Ich frage mich, wie diese aussehen. Kann man da was lernen?

  11. 22.

    Gerne „kreuzt man die Klingen“ zur unsolidarischen „Hängematte“ wie Grundrente für R64 u.a. aber auch zu einer Transaktionssteuer (die auch Verluste berücksichtigen muss!), nur gehört das nicht zum Artikel. Aber es wird sich schon noch ergeben...

  12. 21.

    Lässt sich Ihr Menschenbild noch reparieren?
    Möchten Sie, statt Falschbehauptungen aufzustellen, nicht doch lieber die Diskussion „nach vorne“ bringen?
    Z.B. so: Wieviel Prozent vom Einkommen sollte man abgeben, um nicht „das Weite zu suchen“?

  13. 20.

    In Deutschland gehen im Jahr 100 Milliarden am Fiskus vorbei, das hier sind „ peanuts“. Dabei müsste nur die Transaktionssteuer in richtiger Form eingeführt werden und auch die Geldwäsche würde nicht mehr funktionieren. Herr Scholz hat bereits einen Entwurf vorgestellt, Frau Merkel hat ihn auf Eis gelegt. Die Finanzwelt, das Kapital, hat bisher die Einführung einer richtigen Transaktionssteuer verhindert. Wer hat die Macht im Land, das Kapital oder die Politik? Die Transaktionssteuer verhindert Geldwäsche, verhindert Armut, weil man eigentlich vorsah, die Einnahmen für die Grundrente einzusetzen.

  14. 19.

    Jaja die armen Millionäre, arbeiten nur um die Allgemeinheit zu finanzieren. Diese abgenudelte FDP Platte hat noch nie gestimmt. Kann man wissen wenn man vorher sich informiert.

  15. 18.

    Mit der Rechtvertigung liegen Sie falsch.
    Jeder der Einkommen, das den Grundfreibetrag übesteigt, muss sich vor den Finazamt durch eine Erklärung rechtfertigen.
    Ja, selbst HatzIV - Bezieher sind den Job-Center verpflichtet, und auch Mini - Jobs sind meldepflichtig.
    Ergo, Niemand der Einnahmen hat, geneßt hierzulande Narrenfreiheit, obwohl es manch Einer meint.

  16. 17.

    Das schöne an Deutschland ist, dass man sehr aufwendige Anstrengungen unternehmen darf, um dann auch gut belohnt zu werden, z.B. mit Verdienst. Und die Anstrengungen und die Chancennutzung weichen schon sehr stark voneinander ab. So stark, dass manche sagen: dafür lohnt es sich aber jetzt nicht.... was fatal ist.
    P.S. Versuchen Sie mal den Widerspruch zwischen Gleichmacherei und Diversität zu verstehen. Da ist der Abend aber schnell rum...;-)

  17. 16.

    Stellen Sie sich vor, Sie sind Bürgermeister einer Kleinstadt und wollen für hohe Einkommen attraktiv sein, weil...
    Da fällt Ihnen bestimmt eine Menge ein...und auch dumme Botschaften wie auf dem Bild bekämpfen...
    P.S. Einige gehen hier von unlauteren Verhalten aus, wenn man nachzahlen muss. Dabei ist das eher schlau, weil man dann nicht in Vorleistung gegangen ist und für den Staat „Bank“ gespielt hat. Was genau die machen, die eine Rückerstattung gut finden :-(
    Da kann man nur den kleinen Gestaltungsspielraum, der einem bleibt bei regelmäßigen Einkommen, und nur darum geht es ja im Artikel, (aus)nutzen und die Wahl der Steuerklassen überdenken oder noch besser das Faktorverfahren beantragen...

  18. 15.

    Beim einschlägigen Straftatbestand dürfte es sich weniger um Betrug als vielmehr um Steuerhinterziehung handeln. Interessant, dass gerade viele sog. rechtschaffenen Bürger mit hohem Einkommen da wenig Skrupel haben. Und mit Arbeitsleistung haben derart hohe Einkommen nichts mehr zu tun, denn auch und gerade Personen im Niedriglohnbereich müssen hart arbeiten und haben dennoch weder Zeit noch Geld um in „Clubs und Bars abzuhängen“. Die Einkommensmillionäre schon. Da viele Reiche versuchen, sich nach Möglichkeit den Steuerzahlungen zu entziehen, fällt es schwer, hier irgendetwas zu „würdigen“.

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