Unbezahlte Rechnungen - Berlinern werden häufiger Strom- und Gassperren angedroht

Fr 25.02.22 | 15:51 Uhr
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Symbolbild: Strom- und Gassperre. (Quelle: Roland Weihrauch/dpa)
Audio: Inforadio | 25.02.2022 | Christoph Reinhardt | Bild: Roland Weihrauch/dpa

91.130 Strom-Kundinnen und -Kunden in Berlin wurde im vergangenen Jahr mit der Sperrung des Stromanschlusses gedroht, das sind 27 Prozent mehr solcher Warnschreiben als im Vorjahr.

Die angekündigten Gassperren stiegen 2021 ebenfalls um 17 Prozent auf 100.266. Das geht aus zwei Anfragen des Berliner Grünen-Abgeordneten Stefan Taschner hervor, die die Senatsverwaltung für Wirtschaft beantwortet hat. Dabei stützt sie sich auf Stellungnahmen von Vattenfall, der Stromnetz Berlin und der GASAG.

Anstieg ist teilweise auf Corona-Pandemie zurückzuführen

Die Zahlen für 2021 liegen damit bei den angedrohten Stromsperren immer noch deutlich unter dem Niveau von 2019, dem Vor-Pandemie-Jahr: Damals hatten 104.266 Menschen Sperrandrohungen erhalten. Die angekündigten Gassperren lagen 2021 dagegen höher als 2019, als 92.913 Mahnungen versendet wurden.

Die teils hohen Anstiegsquoten von 2020 zu 2021 sind auch darauf zurückzuführen, dass von April bis Juni 2020 ein sogenanntes Moratorium für pandemiebedingten Zahlungsverzug galt, das der Deutsche Bundestag im März 2020 beschlossen hatte.

Sperrandrohungen aufgrund Zahlungsverzugs

Bei den Sperrandrohungen handelt es sich um Schreiben an Kundinnen und Kunden, die sich in Zahlungsverzug befinden. Ihnen wird dann eine Unterbrechung der Grundversorgung angedroht. Seit dem 1. Dezember 2021 muss der Zahlungsverzug bei mindestens 100 Euro liegen, damit ein sogenanntes Energiesperrverfahren eingeleitet werden kann. Betroffenen wird eine zinsfreie Ratenzahlung mit einer Laufzeit von sechs bis 18 Monaten angeboten.

Tatsächlich "abgedreht" wurde der Strom im vergangenen Jahr bei 23.451 Kundinnen und Kunden. Grund muss hier aber nicht Zahlungsverzug gewesen sein. Die Zahl der Stromsperrungen ist damit gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Dagegen haben die Gassperren deutlich zugenommen: Sie stiegen auf 1.703 im Jahr 2021; ein Plus von fast 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zahlungsrückstände zwischen knapp unter 300 und 480 Euro

Der Zahlungsrückstand der Betroffenen, denen von Vattenfall eine Stromsperrung angekündigt wurde, lag 2021 durchschnittlich bei knapp unter 300 Euro. Die GASAG gibt die Zahlungsrückstände von gesperrten Gaskundinnen und -kunden mit durchschnittlich 480 Euro an.

Der Berliner Senat hat sich selbst zum Ziel gesetzt, die Zahl der Strom- und Gassperren zu verringern und bei sozialen Härten ganz zu vermeiden. Dafür will der Senat die Energieschuldenberatung der Verbraucherzentrale verstetigen.

Haushalte in Berlin können sich an eine Vielzahl an Beratungseinrichtungen wenden – unter anderem beim Caritasverband, der Arbeiterwohlfahrt, der Verbraucherzentrale und den Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen der Bezirke.

Sendung: Abendschau, 25.02.2022, 19:30 Uhr

 

1 Kommentar

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  1. 1.

    Genau das Gleiche wird uns blühen, wenn wir SWIFT kippen und Russland, dass dann im Gegenzug ebenso aber komplett macht und wir unsere Gas und Öllieferungen nicht mehr bezahlen.

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