Freitag fuhr der erste Zug - Neue Nachtzugverbindung für Berliner Wintersportler in die Alpen

Mi 02.02.22 | 18:18 Uhr
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Ein Zug des Unternehmens Train4you im Berliner Bahnhof Zoo. Bild: Train4you
Bild: Train4you

Berlin hat eine neue Nachtzugverbindung in die Alpen. Zumindest im Winter fährt der private "Urlaubs-Express" von Hamburg nach St. Anton über den Bahnhof Zoo. Auch Sommer-Verbindungen könnten folgen, allerdings nicht zeitnah.

Abends mit den Ski-Sachen in Berlin zum Bahnhof und am nächsten Vormittag schon in Kitzbühel auf der Piste: Diese praktische Reiseplanung per Nachtzug gibt es in der Hauptstadt jetzt wieder. Am Freitag, um 23 Uhr hielt zum ersten Mal einer der "Urlaubs-Express" genannten Züge des privaten Anbieters "train4you" in Berlin. Zunächst hatte die "Berliner Zeitung" berichtet.

Start der Zuglinie ist in Hamburg, Endstation in St. Anton, auf dem Weg liegen unter anderem München und Innsbruck. Etwa 200 Personen stiegen nach Angaben des Betreibers bei der Premiere in Berlin zu, ein Teil am Bahnhof Zoo, einige am Hauptbahnhof.

Waggons aus den 80er Jahren

Die Rückkehr eines Nachtzug-Angebots in die Alpen weckt möglicherweise beim ein oder anderen Bahn-Enthusiasten Hoffnung auf neue Linien auch im Sommer. Nachtzug-Reisen vom Bahnhof Zoo, das alleine hat ja schon jede Menge Retro-Flair. Gesteigert wird das für echte Zug-Nostalgiker durch die Waggons des Zugbetreibers "train4you". Geschäftsführer Niko Maegde kaufte vor fast zehn Jahren in den Niederlanden alte Auto-, Schlaf- und Liegewagen aus den 80er Jahren, etwa 70 Stück. Die Züge stammen also aus einer Zeit, in der Autoreisezüge ein großes Ding waren.

Und die Mitnahme des fahrbaren Untersatzes ist auch heute die Nische des Unternehmens: Vor allem die Autozug-Nutzer finanzieren die Fahrten, erläutert Firmensprecher Christian Oeynhausen auf Anfrage von rbb|24. Das Klientel bestehe zum Beispiel aus Familien mit Kindern, Oldtimerfahrern oder Motorradfahrern - Menschen, die vielleicht genervt sind von den Staus auf den Autobahnen in der Ferienzeit, aber ihr Fahrzeug am Urlaubsort trotzdem nutzen wollen.

Der kleine Anbieter sieht das Nischenprodukt als Vorteil

Eine Nische, aus der sich die Deutsche Bahn vor einigen Jahren immer mehr verabschiedet hatte. Damals hieß es, das Geschäftsmodell mit den Auto- und Nachtzügen sei auf vielen Strecken nicht lukrativ. Dem kleinen Unternehmen, das erst seit 2017 am Markt aktiv ist, macht das keine Sorge: "Wir haben den großen Vorteil, dass wir das als Nischenprodukt machen. Wir haben nur diese Fahrzeuge, die gewartet werden müssen und nur dieses eine Produkt", sagt Firmensprecher Christian Oeynhausen. Die Spezialisierung erleichtere Planung und Kalkulation.

Seine Strecken-Slots kriegt "train4you" wie alle Anbieter über die Deutsche Bahn, die Vergabe vom quasi-Konkurrenten verlaufe aber problemlos. Allerdings müssen sie mit einigem Vorlauf beantragt werden. Bis April diesen Jahres beispielsweise schon für das Jahr 2023. Deshalb ist auch schon jetzt absehbar, dass Berlin in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich nur im Winter-Fahrplan des Unternehmens auftauchen wird.

Zeitnah kein Autozug-Start in Berlin möglich

Der Grund dafür ist das Auto-Terminal des früher für diese Art von Zügen genutzten Bahnhof Wannsee. Dieses ist "train4you" zufolge derzeit nicht nutzbar und deshalb komme Berlin im Sommer diesen Jahres und wohl auch im nächsten Jahr noch nicht als Abfahrtsort für die Urlaubs-Nachtzüge in den Süden in Frage.

Im Sommer sind die Strecken von Hamburg nämlich länger, bis nach Verona in Italien. Der Umweg über Berlin würde bedeuten, dass die Züge einige Stunden länger unterwegs wären und deshalb erst am Mittag in Italien ankommen würden - das ist nicht attraktiv und könnte Kunden verschrecken. Eine eigene Linie mit Abfahrt aus Berlin scheitert aber am nicht nutzbaren Auto-Terminal in Wannsee. Die wichtigsten Kunden für die Züge würden dann fehlen - das ist also nicht lukrativ genug.

So bleibt der neue Nachtzug in Berlin erstmal ein Angebot für Wintersportler. Die können in diesem Winter noch zwei Mal über Nacht vom Bahnhof Zoo in die Alpen fahren: In gut einer Woche und im März gibt es jeweils noch eine Fahrt. Im kommenden Winter soll die neue Verbindung dann häufiger angeboten werden.

16 Kommentare

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  1. 16.

    Den größten Einfluss hat der Kunde selbst: Wie setzt man einen Anbieter unter Druck?

    Mit einem Aufzrag/Buchung...

  2. 15.

    Es besteht bereits ein Terminal in Berlin-Wannsee, was die Deutsche Bahn allerdings nicht zur Nutzung anbietet. Ob es sich dann für train4you lohnen würde, ein eigenes Terminal, wie auch immer das zu realisieren sein soll, lohnen würde, stelle ich mal in Frage... Es müsste das Terminal einfach nur wieder in Betrieb genommen und von der DB zur Nutzung freigegeben werden. Vorhandene Infrastruktur soll also nicht genutzt werden und ein verhältnismäßig kleines Unternehmen soll eine hohe Investition in ein neues Terminal - und wo dann eigentlich - wagen?
    Vielleicht gäbe es ja dann auch andere Interessenten...

    Wo werden denn alle fünf Jahre die Trassen im großen Umfang verplant?
    Nachtzüge haben und hatten schon immer das Problem, nachts mit Güterzügen zu kollidieren und nicht vorrangig behandelt werden...

    Alles in allem ist es doch schön, dass Nachtzüge wieder aufleben und vielleicht könnte es hier pol. Unterstützung geben...

  3. 14.

    Die Vindobonas fahren im 2h-Takt Prag - Brno - Breclav - Wien - Graz. @13: Die ÖBB ist weiblich und heißt die Östereichische Bundesbahn. Von/nach D besteht Anschluß mit der EC-Linie 27 Hamburg - Berlin - Dresden - Prag im 2h-Takt.

  4. 13.

    Und den Pannonia-Express nach Sofia / Varna nicht vergessen. Das waren echt Abenteuer. Der ÖBB macht das richtig mit den Nachtzügen und dort werden sie auch angenommen. Bin letzten Sommer mit Nightjet nach Wien und weiter nach Salzburg gefahren. Kann ich nur Empfehlen

  5. 12.

    Leider lässt sich Ironie schriftlich oft nicht so gut darstellen, sonst hätten Sie den Zwinker-Smiley von Huhu am Ende vielleicht als solches Zeichen gedeutet? Ich jedenfalls habe es genau so verstanden.

  6. 11.

    Vor 5 Jahren sah ich mal am Südkreuz einen Nachtzug nach Wien angezeigt? Und zu DDR Zeiten gab es einen " Vindobona" über Prag. Was ist damit?

  7. 10.

    Wobei ich ja schön fände, wenn denn wenigstens die deutsche Sprache vom Textschreiber ordentlich verwendet worden wäre. Es heißt nicht "im Sommer diesen Jahres", sondern "dieses Jahres". Dieses ist ein Demonstrativpronomen und nicht zu verwechseln mit "im Sommer nächsten Jahres".

  8. 8.

    Ihr lernt nichts dazu also wenn ungeimpfte nach Italien, aber mit einen neg. Test und dieser 2 Tage alt ist, dann kann man sich also in 48 Std. nicht mit Korona anstecken?

  9. 7.

    Wenn Sie das so sehr stört, dann sollten sie auch auf Ihre Floskel: "das macht Sinn" verzichten. Diese wurde ebenfalls aus dem Englischen übernommen. Von to make Sense. Im Deutschen würde man richtig sagen: "das ergibt Sinn".
    Also vllt nicht immer gleich loskritisieren, wenn man anscheinend selbst nicht so perfekt ist wie man glaubt.
    Sprache entwickelt sich nun Mal, niemand spricht mehr so wie vor 50 Jahren noch und da eben alles internationaler geworden ist, geht das auch an der Sprache nicht vorüber.

  10. 6.

    Das wird bestimmt eine feine Sache - wenn die Seuche mal weg ist.
    Zur Zeit weiß man ja leider nicht, was einem am Reiseziel und nach der Rückkehr erwartet. Da bleib ich lieber zu Hause

    Bin selbst mal in den 90ern mit dem Auto im Reisezug nach Verona gefahren - das ging allerdings schon damals nur von Hannover aus. Ich fand das sehr entspannt, wenn auch nicht gerade billig.

  11. 5.

    … ja, das macht wirklich keinen Sinn und lässt einen am Ende des Tages ratlos zurück … ;-)

  12. 4.

    Coole Sache mit dem neuen Zug. Den Auto-Terminal in Wannsee kann man doch reaktivieren.

  13. 3.

    Andere vom RBB gefeierte DB -Konkurrenten haben derweil wie z.B. Flixtrain unbemerkt von der Redaktion das Angebot eingekürzt, Fahrplantrassen wieder zurück gegeben und nur die Rosinen behalten. Allzu sicher scheknt auch train4you sich seiner Sache nicht zu sein. Sonst würden die sich ein eigenes Verladeterminal bauen. Das lohnt sich aber zudem eh nicht für die paar Züge im Jahr.

    Die Trassen werden alle fünf Jahre in großem Umfang verplant. Ansonsten muss man die Reste aus dem Jahresfahrplan nehmen, der jährlich neu aufgelegt wird. Nachts gibt es aber selten Engpässe für den PV, insbesondere, wenn kurze Reisezeiten unwichtig sind. Da tun es oft auch alte Wagen, die ggf. nur für 140 km/h zugelassen sind.

  14. 2.

    Die Dominanz der englischen Sprache ist allgegenwärtig.
    Anscheinend hat man "it's a big thing" allzu oft wortwörtlich übersetzt, und so hat sich diese Floskel nun auch in den hiesigen Wortschatz eingeschlichen.
    Wobei ich das eher akzeptieren kann, als die heutige Unart ohne Not wahllos Anglizismen in den Sprachfluss einzuwerfen.

  15. 1.

    "Die Züge stammen also aus einer Zeit, in der Autoreisezüge ein großes Ding waren."
    Was für eine Sprache wieder.

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