Russland-Ukraine-Konflikt - So abhängig ist die Region von Energierohstoffen aus Russland

Mi 16.02.22 | 17:49 Uhr | Von Helena Daehler
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Überschüssige Gase werden an einer Fackel im Werk der PCK Raffinerie GmbH in Schwedt am 26.03.2019 abgebrannt. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Abendschau | 17.02.2022 | Helena Daehler | Bild: dpa/Patrick Pleul

Sanktionen gegen Russland sind eine immer wieder diskutierte Option, um auf russische Aggression zu reagieren. Das Problem: Deutschland bezieht große Teile seiner Energie aus dem Land. Das gilt besonders für die Region Berlin-Brandenburg. Von Helena Daehler

Wer auf die nackten Zahlen schaut, dem wird klar: Die Abhängigkeit besteht, und sie ist ziemlich hoch: 34 Prozent des Rohöls bezieht Deutschland aus der Russischen Föderation, beim Erdgas liegt der Anteil sogar bei 50 Prozent, wie Martin Pein, Erdöl- und Erdgas-Experte der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), sagt.

"Beim Erdgas muss man dazu sagen, dass Deutschland zwar einer der größten Importeure weltweit ist, wir aber dieses Erdgas nicht vollständig verbrauchen", betont Pein. Zur Hälfte werde es in europäische Nachbarstaaten weitergeleitet. Neben Gas und Öl dürfe aber auch die Steinkohle nicht vergessen werden, ergänzt Pein, denn auch hier stammen 45 Prozent aus Russland.

Raffinerie in Brandenburg in russischer Hand

Für Berlin und Brandenburg rückt bei der Frage nach der Herkunft der Energierohstoffe auch die Weiterverarbeitung in den Fokus. Die Schwedter PCK-Raffinerie ist eine der größten Raffinerien in Deutschland und bezieht ihr Rohöl über die Druschba Pipeline direkt von den russischen Ölfeldern. Die Raffinerie produziert Rohölprodukte wie Benzin, Diesel und Heizöl und versorgt nach eigenen Angaben mehr als 95 Prozent der Region mit Treibstoff.

Der russische Ölgigant Rosneft hatte Shell im November ein Aktienpaket abgekauft und hält nun mehr als 90 Prozent der Anteile.

Umstellung auf andere Lieferanten würde dauern

Ein Lieferstopp der Energierohstoffe aus Russland hätte aufgrund der Abhängigkeit drastische Konsequenzen, sagt BGR-Experte Martin Pein: "Russland hat eine derartige Marktstellung in Deutschland und auch in Europa, dass es relativ schwierig ist, diese kurzfristig zu ersetzen." Andere Länder, die ebenfalls Öl oder Gas liefern, könnten ihre Liefermengen auch nicht von heute auf morgen erhöhen.

Norwegen ist nach Russland der zweitgrößte EU-Gaslieferant und könnte nicht einspringen, so Pein: "Norwegen produziert bereits weitgehend am Maximum, da ist es nicht wahrscheinlich, dass größere Mengen nach Deutschland geliefert werden könnten."

Gespeichertes Erdgas und Erdöl

Die Energierohstoffe können allerdings gebunkert werden. Die Bevorratung von Öl in Tanklagern entspricht der durchschnittlichen Vebrauchsmenge von 90 Tagen. Das berechne sich jedes Jahr neu und richtet sich nach dem Vorjahresverbrauch. Auch Erdgas wird in sogenannten Kavernen, das sind Salzstöcke, in die Hohlräume gespült wurden, gespeichert. In Deutschland beträgt die Kapazität rund 24 Milliarden Kubikmeter, das ist knapp ein Drittel des jährlichen Verbrauchs.

Doch im Gegensatz zum Öl sehe es beim Erdgasvorrat knapper aus, sagt Martin Pein: "Gegenwärtig sind die Deutschen Erdgasspeicher zu 32 Prozent gefüllt, das ist unterdurchschnittlich, in den letzten Jahren waren es einige Prozentpunkte höher." Der Verbrauch sei im bisherigen Winter 2021/2022 allerdings aufgrund des milden Temperaturen deutlich geringer.

So abhängig ist die Region von Energierohstoffen aus Russland (Quelle: rbb)

Endverbraucher merken es als letzte

Sollten aufgrund der Ukraine-Krise aber tatsächlich weniger Energierohstoffe aus Russland nach Deutschland geliefert werden, wären die Endverbraucher allerdings die letzten, die es mitkriegen würden. Der Großverbraucher sei die Industrie, betont Pein. "Da würde man vermutlich eher den Firmen Bescheid geben, den Erdgasverbrauch zu drosseln, als die Bürger einen möglichen Mangel spüren zu lassen", so seine Einschätzung. Eine langfristige Lösung wäre das natürlich nicht.

Sendung: Inforadio, 16.02.2022, 16.20 Uhr

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Beitrag von Helena Daehler

49 Kommentare

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  1. 48.

    Ach Sie meinen so wie die russisch ukrainischen Verträge zur Anerkennung der Souveränität und terretorialen Integrität der Ukraine durch Russland.

    Ach stimmt, hat Russland bzw. zumindest Putin einfach nicht interessiert. Soviel zur Vertragstreue. Pech für die Ukraine auf die Atomwaffen verzichtet zu haben....

  2. 47.

    Zu den Gaslagern in D sollten Sie die Politik fragen, warum , wieso, weshalb alles verscherbelt werden musste. Warum gehören die Raffinerien ausländischen Eigentümern? Selbst Herr Kohl hat eine Raffinerie für EINE DM an die Franzosen verscherbelt. Den Rest hat dann seine Nachfolgerin erledigt. Wie jemand solch sensible Bereiche verkaufen kann erschließt sich mir bis heute nicht. Und keiner von den jetzigen Eigentümern wird das wieder hergeben. Da kann Herr Habeck locker im Dreieck springen. D hat sich selber erpressbar gemacht.

  3. 46.

    Danke Tram88 ich verzichte auf ihre "Bildung".

    Ich kenne aus meiner Zeit in Tschechien und Polen auch noch genügend Ukrainer.

    Das die soziale Ungleichheit in der Ukraine groß, praktisch riesig ist, will ich gar nicht bezweifeln. Ist in Polen und Tschechien aber auch schon so und in Rumänien und Bulgarien noch krasser, fast so krass wie in der Ukraine.

    Ändert aber nichts daran, dass die Ukraine eine halbwegs vernünftige Demokratie ist. Da sind Ungarn (EU Mitglied) oder Serbien übler dran....

    Aber was solls, Sie und andere wähnen sich in DE ja schon in der Diktatur, während Putin als Macher für sein Volk gefeiert wird....

  4. 45.

    Die Amis treiben sogar weiter regen Handel mit Russland. Sogar Treibstoffe ( Diesel ).Da muss in den Staaten irgend eine Störung aufgetreten sein.

  5. 44.

    Zur Annektion 2014 gibt es eine Vorgeschichte. 1944 hat Stalin von Chrustschow, der damals Regierungschef in der Ukraine war, 100000 Arbeiter für den Wiederaufbau verlangt. Chrustschow hat dafür die Krim verlangt. Nur er bekam sie von Stalin nicht. Als Chrustschow dann Regierungschef in Moskau war, hat er der Ukraine die Krim und Gebiete Donezk und Lugansk geschenkt. Alle Gebiete waren sehr lange (ca. 170 Jahre) im Besitz von Russland. Und ich kann Sie beruhigen, diese Fakten stammen nicht von RT. Und gab es auf der Krim 2014 eine Volksabstimmung?

  6. 43.

    Abgesehen von den USA sind doch die Natomitgliedsstaaten alle in der EU. Da gibt es für die ärmeren Mitglieder immer was zu holen. Sie kennen bestimmt die nennenswerten Beträge an diese Länder. Deutschland ist da stets Zahlmeister. - Auch ohne EU-Mitgliedschaft ist die Ukraine Schluckspecht. Obwohl es reiche Oligarchen gibt.

  7. 42.

    Zb Flugabwehrraketen. Oder Panzerabwehrraketen.

    Panzerabwehr ala Javelin kann zwar auch von vortückender Infanterie gegen befestigte Stellungen eingesetzt werden, aber das ist relativ ineffektiv.

    Kampfhubschrauber, Mehrzweckkampfflugzeuge, Kampfpanzer sind dagegen eher Offensivwaffen.

    Ich denke keiner traut der Ukraine zu Russland anzugreifen. Insofern ist bei der Ukraine ALLES defensiv.

  8. 41.

    U-Boote der Bundeswehr sind schon seit Jahren mit Brennstoffzellen ausgestattet. Bei Militär gibt es dazu auch weitere Überlegungen unabhängig von Akkus aus der von Ihnen sogenannten Fremdlandbude, z.B.
    https://efahrer.chip.de/news/militaer-tueftelt-an-mobiler-wasserstoffherstellung-jetzt-kommt-urin-ins-gespraech_107184
    https://www.autodino.de/autonews/2020/10/28/kia-motors-plant-kugelsichere-5-tonnen-fahrzeuge/

  9. 40.

    Ich will lediglich Diversifikation. Es ist immer schlecht sich von 1 Lieferanten so extrem abhängig zu machen. Das macht einen extrem erpressbar.

    Auch gehören die strategischen Gasreserben in DE nicht in Russische Hände,sollte klar sein oder?

  10. 39.

    Die Ukraine ist ein demokratisches Land ? Es darf gelacht werden. Die Oligarchen sind alle mit ihrem Privatflieger geflohen- zu ihrem geparkten Geld im Ausland. Der arme Ukrainer arbeitet für einen Hungerlohn. Gäbe es da keinen Schwarztauschmarkt würden viele verhungern. Ich kenne da eine Schnapsbrennerin. Zwar indirekt aber eben. Ihnen fehlt die Bildung, die wir haben.

  11. 38.

    Lassen wir das mal so stehen. Womit werden demnächst Panzer und das andere motorisierte Kriegsgerät angetrieben ? Sagen Sie nicht mit Akkus von Tesla oder gar H 2.

  12. 37.

    Ein Verteidigungsbündnis!??? Ich glaube Sie können entweder schlecht lesen oder noch schlechter Zusammenhänge verstehen oder haben Sie nicht alles gelesen??

  13. 36.

    Da sind ein paar Tassen im Schrank zur Bruch gegangen, daher zum piepen, und nicht zum ernst nehmen.

  14. 35.

    Ein Verteidigungsbündnis kann eine Bedrohung sein(1999).
    Ich weiß auch nicht was Defensivwaffen sind, funktionieren die nicht wenn man angreift?

  15. 34.

    Wie ein Verteidigungsbündnis eine Bedrohung sein kann, muss ich nicht verstehen.

    Russland hat Raketen in Kaliningrad stationiert. Wenn dann gleiches Recht für alle, zb Sperrzone für Raketen in Abstand von den Grenzen, AUF BEIDEN Seiten.

    Vielleicht kommt es nach den russischen Drohungen ja zu umfangreichen Abrüstungsvereinbarungen. Fände ich gut, Militär ist sinnlos rausgeschmissenes Geld.

  16. 33.

    ..weil Mandant mit den Amerikanern z.B. einen Krieg im Irak Oder Afghanistan führen kann.

  17. 32.

    Am Text und den Kommentaren erkennt man leicht: der Energiemix ist der Königsweg.

    P.S. Die "russische Seele" ist leicht zu verstehen: auf Augenhöhe begegnet, stehen die, bis zur Selbstaufopferung zu ihrem einmal gegebenen Wort. Dabei verträgt Putin die Sprache des Geldes und Verhandlungshärte. Was er nicht "verträgt" ist "verar...e". So ist er halt...

  18. 31.

    Sie wissen aber schon, dass das Gas bisher aus bestehenden Pipelines nach D. kommt, oder? Bei NS2 sind neben politischen Diskussion auch die EU-Gasrichtlinie zu beachten, die eine Trennung von Betrieb der Leitung und Vertrieb des Gases vorschreibt.
    https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Nord-Stream-2-Tochter-erwirbt-Pipeline-Teile-Wirbel-um-Posten,nordstream662.html

  19. 30.

    Kein Mensch bedroht Russland, aber dafür die NATO nebst ihren sogenannten Verbündeten und natürlich die USA. Gerade letztere haben doch wohl genug Kriege angezettelt. Oder haben Sie Irak schon vergessen. Oder Vietnam? Wer hat denn die NATO-Osterweiterung vorangetrieben? Wer hat denn dort neue Raketen stationiert? Also lassen Sie mal schön die Kirche im Dorf. Damit will ich nicht sagen das die Russen Heilige sind, aber Putin ist kein Jelzin den man verarschen konnte.

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