Reaktivierung von Bahnstrecken - Gegner und Befürworter der Stammbahn fordern schnelle Entscheidung

So 13.02.22 | 08:18 Uhr | Von Thomas Rautenberg
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Blick auf die ehemaligen Gleise der Stammbahn in Berlin-Zehlendorf (Foto: rbb/N. Donath)
Audio: Inforadio | 07.02.2022 | Thomas Rautenberg | Bild: rbb/N.Donath

Viele Regionalbahn-Strecken in der Region sind ausgelastet. Die Begehrlichkeiten, die vor Jahren stillgelegte Stammbahn-Strecke wieder in Betrieb zu nehmen, werden größer. Doch die Meinungen über das Projekt sind geteilt. Von Thomas Rautenberg

Im Jahr 1838 fuhr der allererste Zug in Preußen vom Potsdamer Bahnhof in Berlin über Zehlendorf nach Potsdam. Eine Stunde dauerte die Fahrt, eine Revolution im Vergleich zu den Pferdekutschen, die deutlich länger unterwegs waren. Die sogenannte Stammbahn war geboren.

Nach dem Krieg und der deutschen Teilung verlor die Zugtrasse allerdings ihre Bedeutung. Die Gleise waren als Reparationsleistungen zum Teil demontiert worden. Der spätere Ost-West-Verkehr verlagerte sich auf die Stadtbahntrasse Potsdam, Wannsee, Grunewald bis hin zum Hauptbahnhof.

Enge Taktung lässt keinen zusätzlichen Verkehr zu

Die aktuelle Regionalbahnstrecke des RE1 zwischen Magdeburg, Berlin und Frankfurt (Oder) ist praktisch ausgelastet. Im Jahr 2017 hatte die DB Netz für die Stadtbahngleise zwischen Charlottenburg und Ostkreuz sogar eine Überlastungsanzeige geschrieben, sprich mehr Zugverkehr auf der Strecke ist kaum möglich. Es fehlen einfach die Kapazitäten.

Revitalisierung der Stammbahn-Strecke

Seit vielen Jahren wird bereits eine Alternative diskutiert: Die Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme der historischen Stammbahn-Strecke. Über Potsdam, Griebnitzsee, Kleinmachnow, Zehlendorf, Potsdamer Platz und dem Hauptbahnhof könnte eine neue Verbindung entstehen. Jens Klocksin von der Bürgerinitiative "Stammbahn" ärgert sich über die Unentschlossenheit der Politik. "Reden wir von Verkehrswende, reden wir vom Klimaschutz oder wollen wir es weiterhin darauf ankommen lassen?", fragt Klocksin.

Bahngleis der ehemaligen Stammbahn in Berlin-Zehlendorf im Januar 2020. (Quelle: rbb|24/Friederike Steinberg)Brachliegender Bahnsteig der früheren Stammbahn in Zehlendorf

Furcht vor ICE-Zügen

Mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, ist auch eine Forderung der "Schutzgemeinschaft Stammbahn", einer Bürgerinitiative aus Kleinmachnow. Allerdings gilt das nicht für einen möglichen Ausbau der Stammbahn-Strecke. Die Anwohner fürchten, dass künftig nicht nur Regionalbahnen, sondern auch ICE-Züge durch den Ort donnern könnten. Für über 800 Millionen Euro könne es sich die Bahn nicht leisten, die Stammbahnstrecke nur für die Regionalzüge auszubauen, befürchten die Kritiker.

Wie das dann ausgehen könne, habe man bei der Dresdner Bahn gesehen, sagt Hartwig. "Den Anwohnern ist von der Politik eine Tunnel-Lösung versprochen worden und heute zerschneidet die ICE-Strecke den ganzen Ort." Außerdem gibt es für Hartwig eine Alternative, die viel schneller und viel preiswerter umzusetzen wäre: Die sogenannte Wannseebahn, auf der vor zwei Jahren noch Güterzüge gefahren sind mit Anschluss in die Berliner Mitte.

S-Bahn oder Regionalbahnbetrieb

So gegensätzlich die Interessen mancher Akteure in der Region sind - in einem Punkt sind sie sich einig: Es müsse Klarheit her, ob und wie es mit der Stammbahn-Strecke weitergehen soll. In diesem Jahr will die Berliner Landesregierung entscheiden, ob sie beim möglichen Ausbau der alten Stammbahnstrecke auf die S-Bahn oder den Regionalbahnbetrieb setzen will. Das hat Rot-Grün-Rot im Koalitionsvertrag festgelegt.

Brandenburg favorisiert eine leistungsfähige Regionalbahnanbindung für die Pendler aus der Region. Rückhalt gab es dafür von prominenter Seite: "Als dann direkt gewählter Abgeordneter würde ich mich für dieses wichtige Schieneninfrastrukturprojekt in meinem Wahlkreis einsetzen", hatte der spätere Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im August des vergangenen Jahres erklärt.

Bahngipfel Ende März

Jens Klocksin von der Bürgerinitiative "Stammbahn" fordert, die Entscheidung über die Wiederbelebung des Stammbahn nicht weiter auf die lange Bank zu schieben. Am 29. März planen die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) den nächsten, gemeinsamen Bahngipfel abzuhalten. "Wir sollten endlich wissen, woran wir sind. Wir müssen nun entscheiden, denn geprüft wurde lange genug", so Klocksin.

Sendung: Inforadio, 07.02.2022, 6:08 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

93 Kommentare

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  1. 93.

    Mehrmals viel der Begriff e c h t e Fehler. Sie sprechen von „Pillepalle“ Argumenten und Suppenkasper, obwohl Sie wissen müssten, wann eine Klage überhaupt angenommen wird und wann nicht.
    Wollen Sie sich mal auf den Kern der Aussage zum Verwaltungsrecht und deren gerechter Veränderungen zur Abkürzung konzentrieren, damit es nicht so sinnlos mit Selbstverständlichkeiten weitergeht....

    Sie müssen aber auch nicht und dann lassen wir es so stehen..

  2. 92.

    Wir als die Zukunft der sozialistischen Luftfahrtindustrie sollten natürlich nicht über Teltow und Westberlin am WE und Mo fahren. Bequem war ja der Sputnik und Werkbus ab Halle 9 und Prüfstand aber ab und an war es sogar Tempelhof. Die Super-Conti war mein Lieblingsflieger, Man stand ja fast am Ende der Startbahn. Es kribbelte regelrecht. Der AR müsste Zukunft haben.

  3. 91.

    Netter Versuch. Der Abschnitt Griebnitzsee muss für RE und Fernbahn nicht ausgebaut werden. Zwischen Wannsee und Zehlendorf liegt ein Gleis. Die Kurven auf der Wannseebahn merkt man heutzutage nicht mehr. Also keine Angst vor der Bahn Krankheit!
    Die Zeitersparnis liegt evtl. bei 3 Minuten, dafür den Umstieg auf die U3. Natürlich können Sie auch sitzen bleiben und Richtung Nord fahren. Der zweigl. Ausbau der S Bahn Wannsee Potsdam, dann benötigt man keine weiteren Diskussionen.

  4. 90.

    Weil man vom Ausbau einer Bahnstrecke betroffen ist, da die z.B. in Hörweite des eigenen Haus entlang führt, ist das eben noch kein Grund zu Klage. Die Genehmigung muss auch mutmaßliche Fehler aufweisen, mit denen man seine Klage zu begründen versucht - und sei es eben nur der erwähnte Zweifel am Vorhandensein der ursprünglichen Genehmigung von 1843. Nur den Suppenkasper zu geben, reicht in einem Rechtsstaat nicht aus. Man muss dem Koch schon sagen, warum man die Suppe nicht essen will.

  5. 89.

    Auf dem Außenring fahren durchaus Züge. Die RB13, RB14, RB20, RB21, RB22, RB23, FEX

  6. 88.

    Ich bin darüber nicht überrascht, deshalb einfacher. Ihr Stundentakt-Regio erfreut nur Autofahrer als Ausrede weiter zu MIVen, Deutschlandtakt Fernverkehr auch noch kommt hinzu. Gehen Sie zurück auf Los mit Ihren Überlegungen und gucken vorher auch auf einen Bahnhof, dessen 280 zusätzliche Parkplätze nach Taktverdichtung des RE1 sehr gut angenommen worden sind - obwohl es dort nur eine Bruchteil der nach B. Auspendelnden gibt im Vergleich zu Kleinmachnow gibt und der Bahnhof auch weit abseits der Ortslage zu finden ist.

  7. 87.

    Aber genau da setzt die konstruktive Kritik an: Beschleunigung ja, mit nur einem Verfahren, ja, aber bitte in beide (!) Richtungen(!) und nicht alles so wie gehabt im Verwaltungsrecht: nämlich so, dass Fehler addierbar (!) werden dürfen, auch wenn man rein persönlich nicht betroffen ist bzw. zumindest mit einem Punkt betroffen sein muss. Das bedeutet: Man hat einen berechtigten Grund u n d es können noch weitere (Planungs-)Fehler mit dazu kommen, die auch eindeutig Fehler sind. Bis jetzt ist es so, das ein persönliches Anliegen fast immer chancenlos ist...;-(

  8. 86.

    Verstehe: Sie meinen also, der Abschnitt Griebnitzsee - Wannsee benötigt keinen Ausbau, auf Dauer genügen zwischen Berlin und Potsdam zwei Gleise für Fern- und Regionalverkehr und ein S-Bahn-Gleis. Und von Nikolassee bis Zehlendorf könnte man doch eigentlich das eine alte Gleis durch ein neues ersetzen, am besten in der vorhandenen Lage? Und vielleicht auch noch auf unabsehbare Zeit ohne Fahrdraht? (Eingleisige Strecken sind ja sehr leistungsfähig und tragen immens zur Fahrplanstabilität und damit zur Attraktivität der Bahn bei.) Andernfalls braucht es nämlich Planfeststellungsverfahren, Verbreiterung des Bahndamms (Bäume ade), neue Brücken, Lärmschutzwände und andere Dinge, die Sie gern nicht im Wald und auf den sandigen Brachflächen (Ex-Todesstreifen) am Rande Kleinmachnows sehen wollen.

    Und sicher: Wer wollte schon auf geradem Weg von Potsdam nach Berlin rauschen, wenn er am Mexikoplatz in die U-Bahn umsteigen kann und mit dieser ins Berliner Zentrum zockeln?

  9. 85.

    Der Bürger muss sein Anliegen nur sauber begründen und nicht wie hier mit "donnernden ICE" versuchen, Panik zu schüren. Die Idee, die Verfahren zu beschleunigen, ist dabei nichtmals neu: Die alte Bundesregierung wollte bereits Ende 2018 das Thema angehen - s. auch zur Stammbahn und anderen D-Takt-Planungen für Berlin:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/deutschland-takt-bis-2030-der-bahnknoten-berlin-wird-weiter-ausgebaut/23225852.html

  10. 84.

    Hr. A. Neumann, man fragt sich bei Ihrem Kommentar, was will er den Menschen wohl mit seinem Kommentar sagen.
    Empfehle einfach erst ins Unreine schreiben und dann diesen unter Nachricht einpflegen.

  11. 83.

    Herzklappenfehler ist bestimmt sorgfältig operiert. Als Kind mit Diabetes eine große Einschränkung. Aber Sie haben heute absolut die Chance viel älter zu werden. Alles Gute von mir.

  12. 82.

    Die Langsamfahrt in der Kurve Nähe Wuhlheide bot aber die Möglichkeit des "Schnellausstiegs". Sprung auf die toll begraste Böschung war kein Wagnis für einen sportlichen Menschen. Man rutschte auf den Rücken runter. Unten war das Straßenbahngleis nicht fern. Haltestelle auch nicht. Schwupps war man in Friedrichshagen. Karower Kreuz war ja halbe Berlinumbuddelei.

  13. 81.

    Dort wo früher der alte Rüdersdorfer Bahnhof war stehen die Zementtransportzüge und auch die Loks der MAG. Der Bahnhof liegt so weit draußen; Ortsteil Tasdorf. Man würde bestimmt nur die Gleisführung Nähe B1 benutzen. Unterquerung der Thälmannstr. Nähe Autohaus und Weiterführung am ehem. Phosphatwerk vorbei letztlich über Herzfelde zum Teslawerk. Eine S-Bahn hierher zentrumsnah allenfalls bis zur Autobahn. Die TRAM nach Friedrichshagen ist so zuverlässig und nur in Spitzenzeiten halbwegs ausgelastet. Viel wichtiger wäre ein Radweg nach Woltersdorf.

  14. 80.

    Nee, "Von Frankfurt ... bzw. zur NBS Hannover-Würzburg" ist schon richtig. D-Takt gen Rhein habe ich aktuell nicht so auf dem Schirm.

  15. 79.

    " zur NBS Hannover-Würzburg "

    Ist die NBS Hannover-Würzburg nicht schon lange fertig ??

    Meinten Sie vielleicht die NBS Hannover - Bielefeld ??

  16. 78.

    "das deutsche Baurecht dringend entschlackt" - GERECHT schneller werden kann man nur, wenn man dann auch das Verwaltungsrecht so anpasst, dass nicht immer die Behörden gewinnen: nämlich so, dass Fehler addierbar (!) werden dürfen, auch wenn man rein persönlich nicht betroffen ist. Dann hat der Bürger auch mal eine Chance und es reicht 1 (Widerspruchsverfahren-)Verfahren aus...

  17. 77.

    Bögel würde sich freuen. Verfolgen Sie aber mal die Diskussion rund um die Y-Trasse, den Ausbau von Frankfurt nach Mannheim bzw. zur NBS Hannover-Würzburg, den Ausbau der Rheinschiene, die Anbindung des Fehmarn-Belt-Tunnels oder hier in der Region den Umbau des Karower Kreuzes, den Ausbau der Dresdener Bahn, on topic die Reaktivierung der Stammbahn, die Heidekrautbahn und anderer i2030-Projekte. Ihre sechs Jahre sind hierzulande vollkommen surreal - und dann noch ein Verkehrsmittel, das komplett inkompatibel zu vorhandenen Systemen ist. Dabei war Wowi zudem eh der falsche Ansprechpartner, endete sein Einflussbereich doch an der Grenze zu Brandenburg.

  18. 76.

    Der Stundentakt ist unattraktiv. KLein Wunder, dass es dann nur ein geringes Fahrgastpotential geben würde. Wer wirklich eine Verkehrswende will, muss einen dichteren Takt anbieten - s. der erwähnte R+R-Parkplatz am RE1. Dass die Strecke auch ggf. für den Deutschlandtakt benötigt wird, hatte ich ja schon erwähnt und begründet die Ängste vor "donnernden" ICE.. Damit ist die autofahrerfreundliche Zugfolge, den Sie sich vorstellen, aber endgültig Makulatur.

  19. 75.

    Geld ist hier das kleinere Problem, die Zeitspanne bis zur Entscheidungsfindung das größere. Die SenUVK wollte sich bis Ende 2019 entscheiden, jetzt wird auf Giffey gehofft.

  20. 74.

    Ich denke das Sie egoistisch sind sonst würden Sie nicht so reagieren.
    Ich finde halt das kein Mensch ein Auto braucht mit Ausnahmen die gibt es immer .
    Fakt aber ist die meisten rechtfertigen Ihr Auto mit dubiosen Gründen.
    Was ich meist dann widerlegen kann wenn ich die Umstände ergründe.
    Da ich selber mal im Umland lebte weiß ich das es eben auch ohne Auto geht.
    Bin gespannt auf Ihre Antwort.

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