"Zur Zeit keine fairen Konditionen möglich" - Gasag bietet vorerst keine langfristigen Neuverträge für Strom und Gas an

Do 10.03.22 | 12:16 Uhr
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Symbolbild: Gasag Firmenlogo. (Quelle: imago images)
Audio: rbb 88,8 | 10.03.22 | Anke Michel | Bild: imago images

Der Krieg in der Ukraine hat Auswirkungen bis nach Berlin: Nachdem die Gasag zu Beginn der Woche ihre Preise deutlich angehoben hat, nimmt sie nun vorerst keine Neukunden mehr auf. Die Grundversorgung ist laut Gasag aber nicht betroffen.

Die Berliner Gasag nimmt vorerst keine Neukunden mehr für Strom- und Gaslieferungen an.

Durch den Ukraine-Konflikt würden die Einkaufspreise stark steigen, daher sei es aktuell nicht möglich, Angebote mit fairen Konditionen anzubieten, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Dies betrifft die sonst üblichen längerfristigen Verträge über beispielsweise 12 oder 24 Monate. Die Grund- und Ersatzversorgung ist laut einer Gasag-Sprecherin aber nicht betroffen.

Die Preise in der Grundversorgung sind nach Angaben der Verbraucherzentrale in der Regel hoch und wer in einen in einen sogenannten Sondervertrag wechselt, spart meistens Geld.

Bereits am Montag hatte die Gasag angekündigt, dass die Gaspreise für Bestandskunden in der Grundversorgung zum 1. Mai um 26 Prozent steigen. Das Unternehmen will Kunden mit Zahlungsschwierigkeiten Ratenzahlungen oder Stundungen anbieten.

Der Gasag zufolge ist der Großhandelspreis verglichen mit März 2021 um mehr als 500 Prozent gestiegen. Man habe aber frühzeitig große Gasmengen zu niedrigeren Preisen sichern können, daher müssten diese Steigerungen nicht komplett an die Kunden weitergegeben werden. Deutschland bezieht einen großen Teil seines Erdgases aus Russland. Die Preise dafür steigen seit Monaten, besonders seit dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Die Gasag beliefert rund 400.000 Berliner Privathaushalte mit Gas, mehr als 200.000 versorgt sie mit Strom.

Sendung: Inforadio, 10.03.22, 11:00 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Pleite oder Preise erhöhen. So landen die Tankpreise letztendlich auch bei Fahrradfahrern. Unser Wettbewerb ist so eng gestrickt, der kann solche Bedingungen nicht lange verkraften. Ich sehe, wie wir nach außen noch versuchen Stärke zu demonstrieren, aber guckt man sich die Entscheidungen an, dann muss man wohl eher sagen, es bröckelt mit jedem Tag.
    Ob ÖL oder Gas Embargo, EU Beitritt und ich sehe gerade Tagesschau, da gehts um Getreide, Lebensmittel, Preise und Hunger.
    In den USA sind die Preise um 7,8% gestiegen, wie lange die Amerikaner das wohl noch mitmachen.

  2. 21.

    Was machen eigentlich jetzt die Taxifahrer, Lieferdienste, BVG, Transportunternehmen, DHL, BSR.. man liest ja kaum etwas über deren Probleme.
    Sollte man jetzt um Energie zu sparen die BVG reduzieren? Stundentakt oder so? Busslinien einstellen? Tourilinien oder Express?

  3. 20.

    "Deswegen ist die Entscheidung so richtig."
    Im Interesse der Bestandskunden ist sie das natürlich. Dagegen bin ich auch nicht. Ich bin gegen die Stigmatisierung der durch Versorgerpleiten zwangsweise in die Grundversorgung geratenen Leute als Schnäppchenjäger und Zocker. Das trifft eben auf viele nicht zu. Beschäftigten Sie sich doch erstmal mit den unterschiedlichen Versorgern, bevor Sie alle voller Vorurteile gleichsetzen.

  4. 19.

    Ich möchte auch nicht für die billig billig Wechsler jetzt mein Portemonnaie aufmachen. Die sollen ihre Suppe selber auslöffeln. Ich habe meine Entscheidung sorgsam getroffen, andere nicht. Jeder hat dieselben Informationsmöglichkeiten wie ich, das ist ja keine Zauberei. Dass Anbieter für 3,50 unseriös sind, kann man als allgemein bekannt voraussetzen. Wer trotzdem da hingeht.. selbst Schuld. Es gab doch schon genug Pleiten und Gejammer, seit vielen Jahren. Manche lernen es nie. Die Versorger planen ihr Kontingent nach den Kunden, wenn jetzt plötzlich 1000de über ihn herfallen, dann stimmt die Kalkulation nicht mehr. Deswegen ist die Entscheidung so richtig.

  5. 18.

    Nur weil Sie und ich bei einem Versorger sind, bei dem aufgrund gesetzlich gesicherter Margen des Netzbetriebes und Quersubventionen der Vertrieb nicht pleitegehen kann, gehören wir doch keinem exklusiven Club an. Der Wechsel zu einem anderen Versorger und in einen anderen Tarif war bisher nie strittig, eine ganze Industrie hat sich hierum entwickelt, auch die Grundversorger waren und sind mit ihren Sonderverträgen in diversen Vergleichsportalen gelistet, zu ähnlichen Konditionen und mit den gleichen, nicht nachhaltigen Lockangeboten wie die Konkurrenz. Der einzige Unterschied ist wohl die Beschaffungsstrategie der einzelnen Versorger, die für den Endkunden jedoch nicht ersichtlich ist und ihm nun auch nicht zum Vorwurf gemacht werden sollte.

  6. 17.

    Sie scheinen den Unterschied zwischen Grundversorger und Grundversorgungstarif nicht zu verstehen. Die Gasag als Grundversorger hat diverse andere Tarife. Nun kommen Neukunden jetzt nicht mehr in diese Tarife zu diesen Bedingungen und das ist gerecht. Die Verträge sind gemacht, das Gas bezahlt. Jeder neue Nutzer erhöht den kalkulierten Bedarf und macht diese Kalkulation kaputt und verteuert den Preis für alle, die schon da sind und waren. Ob jemand wechselwillig ist, weil es bei der Gasag billiger ist, kann nicht das Problem der Bestandskunden sein. Wir Bestandskunden warten nicht als kostenlose Notfallversicherung für Sparfüchse. Und auch kein Sozialamt für Neukunden. Die Warnungen von Experten und Verbraucherzentralen laufen seit Jahren durch alle Sender von Tenhagen bis Kämpfert.

  7. 16.

    Fragen Sie doch jetzt mal als langjähriger Gasag-Grundversorgungstarif-Kunde nach einem Sondertarif oder als nach Berlin Zugezogener. Es betrifft alle Wechselwilligen, nicht nur die zwangsweise in die Grundversorgung geratenen.
    Hinterher ist man natürlich immer (ober)schlauer. Ich habe übrigens auch beim Grundversorger einen Tarif, eben weil er nicht der teuerste ist, aber nicht, weil ich Angst vor Insolvenz eines anderen hatte. Damit konnte der Durchschnittsbürger nicht rechnen, oder kennen Sie viele, die privat nebenbei die Preise an den Rohstoffbörsen verfolgen und daraus dann (Fehl)Kalkulationen ihrer Lieferanten ableiten können?

  8. 15.

    Da stimme ich Ihnen grundsätzlich zu. Liberalisierung ist aber keine Einbahnstraße. Soweit mir bekannt, wurde niemand gezwungen einen anderen Anbieter zu wählen. Die ehem. Anbieter wie Gasag, Bewag, Post boten nach Marktöffnung auch verschiedene Vertragsmodelle an, die z.T. zwar etwas über denen der neuen Anbieter lagen, unterm Strich aber nur eine moderatere Preiserhöhung bei gleichbleibender Leistung durchmachten. Zur Leistung gehört für mich nicht nur die Nutzung vorhandener (fremder) Infrastruktur sondern auch Vertragsgestaltung, Kontinuiät und das Verhalten im Havariefall - und hier haben sehr viele der "Neuen" einfach nur gepatzt. Aber billig waren sie schon - was sonst noch?

  9. 14.

    "Üblich" und "politisch gewünscht" sind natürlich treffende Argumente für wirtschaftliches Handeln. Ja, da gibt es echte Vorbilder.

  10. 13.

    Zwischen Grundversorger und Grundversorgung ist ein Riesenunterschied. Die Gasag ist Grundversorger, aber hat auch Tarife außerhalb der Grundversorgung und die waren nicht die teuersten. Trotzdem haben wohl einige lieber das Risiko mit Firmen mit billigeren Preisen gesucht, deren Kalkulation auf heiße Kante und Spekulation genäht waren. Nun gabs die Quittung. Und jetzt sollen die auch die Suppe auslöffeln. Jahrelang gespart und nun "nachzahlen"

  11. 12.

    Durch die Coronahysterie.., ähm -maßnahmen wurden erst die Lieferketten geschreddert, dann durch die weltweit gleichzeitig wieder anziehende Wirtschaft die vorher gerade heruntergefahrenen Energien plötzlich wieder nachgefragt, sich gegenseitig abgekauft und nun fallen ganze Förderregionen zusätzlich weg und der Meistbietende bekommt den Rest.
    Deutschland gehört zum Glück dazu und Sie haben sich doch hoffentlich die noch vor einem halben Jahr günstigen Preise für Ihren Privatverbrauch für die nächsten 1-2 Jahre gesichert. Nicht? Tja...

  12. 11.

    Die Energieförderer, -händler und -konzerne und die Termin-Börse-Spekulanten wollen uns wirklich weiß machen, dass es quasi von heute auf morgen nur noch ganz wenig Gas, Öl oder Kohle auf der Welt gibt ?! … Anstatt jetzt erst mal in Ruhe die Weltmärkte abzuklopfen haben sie lahmarschig, fahrlässig oder bewusst alle herkömmlichen Preis-Ermittlung-Mechanismen wirken lassen … Wie kann man so blöd bzw. so frech sein ?! … Aber erst mal abzocken, oder was ?! … Weil man es gerade mal kann, ja ?! … Weil wir ja nicht gerade dabei sind uns (auch für sie) über viel wichtigere Dinge den Kopf zu zerbrechen, ja ?! … Macht gefälligst professionelle Vorschläge, wie man die Preise im Zaum hält … Oder macht es einfach ... Aber ganz fix !

  13. 10.

    Mich würde als Verbraucher eher interessieren, wer Schuld ist an der dramatischen Preissteigerung in Deutschland. Wird das Erdgas zum Tagespreis von Rußland eingekauft oder gibt es hier auch langfristige Verträge? Bekommt dann der russische Lieferant 500% mehr oder der nur der Großhändler?

  14. 9.

    Das liegt aber nicht an den Rohstoffpreisen sondern an den Steuern und Abgaben darauf, die der Staat obendrauf legt. Das sind rund 2/3 ob Strom oder Treibstoffe. Steigt der Rohstoff/Strom Preis um 1 Cent, schlägt der Staat 2 obendrauf und bei uns kommen dann 3 im Portemonnaie an. Da gibt es keinen Steuerdeckel oder Steuerbremse. Das ist die Realität. Die Kosten für unseren weltweit beispiellosen Sozialstaat in dem jeder seine Hände aufhält müssen irgendwo herkommen. Ich habe gerade einen anderen Artikel verfolgt über 66 neue BVG Aufsichten, da werden bei den Kommentaren auch wieder Forderungen und Ansprüche formuliert, da kann man nur staunen.
    Dass unsere Produkte durch hohe Produktionskosten/Energie dabei keine Nachteile auf dem Weltmarkt erleiden kommt noch dazu auf die Rechnung des Einzelnen.

  15. 8.

    JAAAA das gehört zu diesem Spielchen dazu. Wer zockt kann auch verlieren. Warum sollen die treuen Bestandskunden jetzt dafür aufkommen.

  16. 7.

    Ich halte die Liberalisierung der Grundversorgung mit Gas, Strom und Wasser etc. für einen der größten Fehler der Politik. Gerade beim Strom haben wir europaweit mit die höchsten Preise.

    Solche Dinge sollten in der öffentlichen Hand bleiben und nicht gewinnorientiert sein.

    Es gibt immer mehr Menschen denen Gas oder Strom abgedreht werden, da sie die hohen Kosten nicht mehr stemmen können. Dabei sollte die Befriedigung solcher Grundbedürfnisse für alle sichergestellt sein.

  17. 6.

    Sich außerhalb der Grundversorgung einen Vertrag zu suchen hat eher wenig mit "Schnäppchen" zu tun, sondern war in den letzten mindestens 10 Jahren üblich und von der Politik ausdrücklich erwünscht. Dass die Grundversorger nun nicht alle zurückkommenden Kunden in ihre (noch günstigen) Sondertarife lassen können, ist mir bewusst. Mir ging es um die Art, wie diese Menschen hier dargestellt werden.

  18. 5.

    Also wer Schnäppchen sucht, geht auch ein Risiko ein. Das gilt bei Gebrauchsgütern genau so wie bei Versorgungsverträgen. Sollte eigentlich jedem mündigen Verbraucher klar sein. Liberalisierung ist natürlich toll, aber wer denkt, diese bringe nur Vorteile, glaubt vermutlich auch an den Weihnachtsmann.

  19. 4.

    Aha, wer sich im Sinne der Liberalisierung an die immer wieder vorgetragenen Aufforderungen gehalten und sich einen günstigeren Anbieter gesucht hat, soll jetzt extra hohe Preise zahlen. Gleicht sich dann ja wieder aus, oder wie meinen Sie das?

  20. 3.

    Dann hört vielleicht auch das unangenehme Wirken der Drückerkolonnen auf, die mit Halbwahrheiten und Verunsicherung versuchen, Verträge abzuschliessen.

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