Nordosten Deutschlands stark betroffen - Anhaltende Trockenheit gefährdet zunehmend wichtige Agrarpflanzen

Di 29.03.22 | 11:46 Uhr
  17
Archivbild: Ein Traktor ist auf einem trockenen Acker bei der Feldarbeit im Einsatz. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
Video: Brandenburg aktuell | 29.03.2022 | Diana Azzam | Bild: dpa/J. Kalaene

Kaum Niederschläge in Berlin und Brandenburg: Der ausbleibende Regen könnte schon bald zu Ernteausfällen bei Wintergetreide, Raps und Mais führen, warnen Meteorologen des DWD. Die gängigen Anbaumethoden müssen wohl überdacht werden.

Eine zunehmende Trockenheit im Frühjahr in Deutschland beeinträchtigt Experten zufolge das Wachstum wichtiger landwirtschaftlicher Pflanzen. Am stärksten betroffen sei der Nordosten, wo es mittlerweile von Mitte März bis Mai an etwa 40 Tagen nicht mehr regne, sagte Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst (DWD) bei der Vorstellung des DWD-Klima-Statusberichts am Dienstag.

DWD rechnet mit "erheblichen Beeinträchtigungen"

"Diese Zunahme der Frühjahrstrockenheit ausgerechnet in einem Zeitraum, in dem die Vegetation "erwacht" und einen hohen Bedarf an Wasser hat, führt zu erheblichen Beeinträchtigungen bei der Pflanzenentwicklung", erklärte der Leiter des Geschäftsbereichs "Klima und Umwelt" in Berlin.

Dies gelte etwa für landwirtschaftlich bedeutsame Pflanzenarten wie Wintergetreide, Raps, Mais und Zuckerrüben, die nach der Winterruhe mit dem Wachstum durchstarten oder im Frühjahr ausgesät werden. Anbaumethoden müssten an die veränderten Bedingungen angepasst werden, sagte Fuchs.

"Trockenperioden werden häufiger aufreten"

Die Jahre 2018, 2019 und 2020 waren in Deutschland ausgesprochen trockene Jahre, wie Fuchs sagte. Erst das vergangene Jahr, das deutlich niederschlagsreicher gewesen sei, habe die Situation größtenteils entspannt. Der dreijährige Trockenstress der Böden habe in vielen Regionen zu einem deutlichen Rückgang beim Grünlandertrag geführt, schwere Schäden habe es zudem in den Wäldern gegeben. "Leider müssen wir davon ausgehen, dass solche Trockenperioden mit der zunehmenden Erderwärmung häufiger und vielleicht auch heftiger auftreten werden", so Fuchs.

Aktuelle Daten zur Feuchte der Böden bundesweit biete der seit Mitte 2021 existierende Bodenfeuchteviewer des DWD [dwd.de]. "Über Farbverläufe kann ein Landwirt auf einen Blick erkennen, ob in seiner Region in zum Beispiel 60 cm Tiefe unter Winterweizen extremer Trockenstress besteht oder - ganz im Gegenteil - durch Überversorgung mit Wasser gar Sauerstoffmangel droht." Seine Klimaservices werde der DWD künftig noch weiter ausbauen.

Bilanz für 2021: Erderwärmung hält unvermindert an

Derweil bestätigt die Wetterbilanz für das vergangene Jahr dem DWD zufolge klar den Trend der globalen Erwärmung. Es sei das elfte zu warme Jahr in Folge gewesen, hieß es am Dienstag bei der Vorstellung des Klimastatusberichts des DWD in Berlin. Die Durchschnittstemperatur lag demnach mit 9,2 Grad um knapp ein Grad über dem Wert der Referenzperiode 1961 bis 1990. Ende Dezember 2021 hatte der DWD schon eine vorläufige Jahresbilanz vorgelegt, aus der viele der Daten bereits hervorgingen.

Seit den 1970er-Jahren ist in Deutschland nach DWD-Daten jedes Jahrzehnt wärmer als das vorherige gewesen. Der Anstieg der mittleren Temperatur wird der Klimaforschung zufolge in den kommenden Jahren zu mehr und intensiveren Wetterextremen führen. Hinsichtlich des Niederschlags insgesamt war 2021 ein eher durchschnittliches Jahr. Auf den sehr nassen Sommer sei ein deutlich zu trockener Herbst gefolgt.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 29. März 2022, 19:30 Uhr

17 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 17.

    Schon gut, aber wo das Wasser hernehmen. Wollen Sie sich das Trinkwasser rationiieren lassen?In meiner Jugend gab es keine Bewässerung auf dem Feld. Angebaut wurde, was dem Boden entsprach. Das ging aber nur bei der kleinfeldrigen Wirtschaft.Heute gibt es kaum noch Kleinbauern. Da wird man wohl umdenken müssen. Vielleicht mehr Bio.Das wird aber teuer. Heute gibt's keine Schulkinder mehr, die nach der Schule aufs Feld gingen. Hört sich schlimm an, hat uns aber nicht geschadet.

  2. 15.

    Komisch, früher wurden Felder bewässert... Heute geht das nicht mehr?

  3. 14.

    Wäre ein physikalisches Wunder. Das Salz ist in gelöster Form im Ozean enthalten. Also erst alles schön warm werden lassen, das Wasser verdampft und dann ist aber vll. keiner mehr da, der das Salz aufheben kann. Auch doof.

    "Es ist nicht für alle vorstellbar in Summen und Wirkungen zu denken und eine Zielerreichung zu leben. Stattdessen beruhigt man sein Gewissen. "
    Tja, das sind die, die Topfschlagen mit Klangschalentherapie verwechseln und den Sound auch noch melodisch nennen.


  4. 13.

    Hört sich an wie Futterpflanzen. Wie wäre es, statt zu hungern, einfach auf Fleisch und Treibstoff zu verzichten? Das ist jetzt kein Wunschkonzert. Brandenburg ist übrigens Treibsand Büchse weil die Wälder in Monokultur gehalten wurden und werden. Es verdunstet zu wenig. Und das Wasser auf den Straßen wird munter weiter in die Ozeane geleitet...

  5. 12.

    Sorry, das ist deshalb so nicht richtig:
    Versuche Sie einen Süsswasserozean zu erzeugen idem Sie ein Salzkorn entnehmen. Es gelingt nicht einmal, wenn es viele Salzkörner sind.
    P.S. Es ist nicht für alle vorstellbar in Summen und Wirkungen zu denken und eine Zielerreichung zu leben. Stattdessen beruhigt man sein Gewissen.
    Die Zementindustrie würde sofort etwas bringen... Warum das so ist? Es sind die Mengen.

  6. 11.

    Der Verbraucher zahlt so oder so. Ob nun direkt an der Ladentheke oder mit Steuergeld macht für's Portemonnaie nicht viel Unterschied. Es wird nur schwieriger für Verbraucher zu entscheiden was die wirklich günstigen Produkte sind, weil die Preise weniger transparent sind.

  7. 10.

    Der "Markt" ist der Verbraucher und der will in der Mehrzahl Billig und nochmal Billig. Würde ein Landwirt, völlig unsubventioniert, seine Erzeugnisse zu dem Preis verkaufen, was diese hart erarbeiteten Erzeugnisse wirklich wert sind, würde ein Aufschrei durchs Land gehen bei dem sich der "Lärm" um Treibstoffpreise wie Engelsgesänge anhören würden. Einen "Acht-Stunden-Trallala-Tag" oder eine "Pfirsich-Stunden-Woche" gibt es da z.B. nicht.
    Dieser Subventionsdschungel sollte aber in der Tat ausgelichtet und aufgeräumt werden.

  8. 9.

    Zum "PS": Was "unnütz" ist, mag eher im Auge des Betrachters liegen, aber viele kleine Schritte zum Klimaschutz ergeben in der Summe einen Großen.

  9. 7.

    Das hat mathematische Hintergründe.
    Klimawandel ist ein träger Prozess.
    Wenn man den Trend eines trägen Prozesses erkennen möchte nimmt man Werte über einen längeren Zeitraum, um normale Schwankungen auszugleichen.
    Um die Dynamik eines solchen Trends zu erkennen, guckt man weiter in die Vergangenheit.
    Da reicht der Blick in die letzten 10 oder 20 Jahre nicht aus um echte Trends und deren Dynamik zu erkennen.

  10. 6.

    Wenn man den Markt regeln ließe würden die Bauern sich in der Tat schnell anpassen. Landwirtschaft ist aber durch Subventionen zu verzerrt, als dass man da auf Selbstheilungskräfte der Branche hoffen dürte.

  11. 5.

    Mit der Bildung , wie man sieht, ist das so eine Sache.....
    OHNE Wasser gibt's nichts anzupassen, Problem verstanden?
    Eines wird immer deutlicher, mit rasender Geschwindigkeit vernichtet ein angeblich intelligentes Wesen seine Lebensgrundlagen.

  12. 4.

    Wintergetreide , Mais und Zuckerrüben sind gefährdet, Sommergetreide und Futterrüben nicht? Das müsste mir mal jemand erklären. Ob die in dem trockenen Boden überhaupt keimen? Alles zu bewässern ist wohl kaum möglich. Die Mark heißt nicht umsonst Streusandbüchse.

  13. 3.

    Die Bauern werden die wirklichen und schnellsten Klimaanpasser sein. Denn sie leugnen den Klimawandel nicht... Es gibt Klimawandelleugner, die kleben sich sogar fest, um den Klimawandel aufzuhalten... da hilft nur Bildung.

    P.S. Die Verminderung Geschwindigkeit der Erderwärmung ist etwas ganz anderes... und wie das gelingen kann ist inzwischen Allgemeingut geworden und nicht die Summe unnützer Kleinstmaßnahmen.

  14. 2.

    Wenn deutsche Agrarpflanzen gefährdet sind, kann man die Kartoffeln begießen oder den Entwicklungsländern Getreide abkaufen statt Bio-Soja-Diesel.
    Wer vorher mehr wässert, löscht später weniger Feuer ?

  15. 1.

    Warum wird immer die Referenzperiode von 1961 bis 1990 genommen? Klingt es dann dramatischer, weil der Anstieg zur aktuellen Referenzperiode nicht so deutlich ausfällt? Wäre mal schön wenn einer das beantworten könnte.

Nächster Artikel