Lohnlücke kleiner als im Bund - Frauen in Brandenburg verdienen weniger als Männer - aber nicht viel weniger

Mo 07.03.22 | 12:46 Uhr | Von Götz Gringmuth-Dallmer
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Betrieb in einem Sortierzentrum. (Quelle: dpa/Ondrej Deml)
Video: Brandenburg Aktuell | 07.03.2022 | Theresa Majerowitsch | Bild: dpa-Symbolbild/Ondrej Deml

Frauen haben im Jahr 2021 in Deutschland 18 Prozent weniger verdient als Männer. Etwas besser sieht es in Brandenburg aus. Dort ist die Lohnlücke geringer als im Bundesschnitt. Teilweise verdienen Frauen hier sogar mehr als Männer.

Frauen haben 2021 in Brandenburg pro Stunde durchschnittlich 17,79 Euro brutto verdient - und damit rund fünf Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, die im Schnitt 18,73 Euro erhielten. Berlinerinnen erzielten einen durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienst von 20,91 Euro. Sie erhielten rund zehn Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen mit 23,25 Euro. Das zeigen neue Zahlen vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

Das Amt hat aus Anlass des Equal Pay Day (Tag des gleichen Lohns) am 7. März die Brutto-Stundenverdienste ausgewertet, die in der Region gezahlt werden. In diese Berechnung fließen auch die Einkommen von Menschen ein, die Teilzeit arbeiten. Das gezahlte Kurzarbeitergeld fließt allerdings nicht in diese Statistik mit ein.

Größere Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern hat das Amt für Statistik vor allem im früheren Bundesgebiet beobachtet. In den östlichen Bundesländern bleibt der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied hingegen relativ gering. Im deutschlandweiten Vergleich weisen neben Brandenburg Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern demnach mit fünf Prozent die geringste Lohnlücke auf, dicht gefolgt von Sachsen mit sechs und Sachsen-Anhalt mit sieben Prozent.

Unterschiedliche Berufswahl spielt eine Rolle

Michaela Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erklärte dem rbb die Verdienstunterschiede damit, dass grundsätzlich die unterschiedliche Berufswahl von Frauen und Männern eine große Rolle dafür spiele, warum Frauen in Deutschland weniger Lohn erhielten als Männer. "Frauen arbeiten nach wie vor eher in Dienstleistungs-, Gesundheits- und Sozialberufen, Männer hingegen eher in Produktions- und Fertigungsberufen. Die Nachfrage nach diesen Berufen unterscheidet sich aber sehr stark auf der regionalen Ebene", so Fuchs. Die regionalen Unterschiede wären jedoch recht konstant.

Fuchs erklärte darüber hinaus, dass Frauen mehr als Männer von einem starken Dienstleistungssektor profitieren würden, zu dem auch die öffentliche Verwaltung und Bildungseinrichtungen gehörten. "Männer profitieren dagegen eher, wenn eine Region eine starke industrielle Basis besitzt", so Fuchs. "Diese Besonderheiten bestimmen auch maßgeblich die Einkommensunterschiede zwischen den Kreisen Brandenburgs", so Fuchs weiter.

Frauen mit einem Vollzeitjob verdienen in Brandenburg mehr als Männer

In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch eine weitere Auffälligkeit bei der Einkommensstatistik: In den drei Bundesländern verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen im Median mehr als Männer. In Brandenburg ist die Differenz im Jahr 2020 sogar noch gewachsen und mit 127 Euro im Monat am größten, 2019 waren es noch 103 Euro. So erhielten Frauen mit einem sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob in Brandenburg im Jahr 2020 im Median 2.861 Euro gegenüber 2.779 Euro im Vorjahr, Männer erhielten 2.734 Euro (2019: 2.676 Euro). Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit [Statistik Arbeitsagentur] für das Jahr 2020, die rbbI24 anlässlich des Equal Pay Day ausgewertet hat.

Größte Lücke in Baden-Württemberg

In Berlin erhalten demnach vollzeitbeschäftigte Männer im Median 98 Euro (2019: 112 Euro) mehr als Frauen, bundesweit sind es 394 Euro gegenüber 443 Euro im Jahr 2019. Die größte Lücke gibt es weiterhin in Baden-Württemberg. Dort liegt der Median für Männer mit 709 Euro (782 Euro) über dem der Frauen.

In Sachsen-Anhalt erhalten Frauen 58 Euro (38 Euro) mehr als die Männer, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 30 Euro (2019: sieben). Median bedeutet: Eine Hälfte liegt über dem Wert, die andere darunter. Die beiden Auswertungen sind nicht unmittelbar miteinander vergleichbar, weil beide Statistiken unterschiedliche Berechnungsgrundlagen haben. So sind zum Beispiel in den Zahlen der Arbeitsagentur im Gegensatz zu den Daten der statistischen Ämter auch Berufe in der öffentlichen Verwaltung und der Sozialversicherung enthalten, dafür aber keine Teilzeit-Tätigkeiten.

Große Unterschiede in Brandenburg

Den größten Abstand beim Medianeinkommmen zwischen Frauen und Männern gibt es in Brandenburg in Cottbus. Hier beträgt die Differenz 370 Euro. Im Jahr 2019 lag noch Frankfurt (Oder) mit 388 Euro an der Spitze. In insgesamt elf Landkreisen und kreisfreien Städten lag 2020 das Medianeinkommen der vollzeitbeschäftigten Frauen über dem Männer. Im Landkreis Havelland war es mit ca. 2.500 Euro etwa gleich.

Umgekehrt erhielten Männer im Landkreis Teltow-Fläming bei einem Medianeinkommen von 2.764 Euro im vorletzten Jahr 211 Euro mehr als Frauen (2.554 Euro).

In Berlin betrug die Differenz zwischen Männern (3.534 Euro) und Frauen (3.436 Euro) 98 Euro.

Verdienstunterschiede haben strukturelle Gründe

Der Großteil (71 Prozent) des Verdienstunterschieds zwischen den Geschlechtern hat nach Angaben des Statistischen Bundesamtes strukturelle Gründe: Frauen arbeiten zum Beispiel häufiger als Männer in Branchen und Berufen, in denen schlechter bezahlt wird und in denen sie seltener Führungspositionen erreichen.

Zudem haben Frauen häufiger als Männer Teilzeitstellen oder Minijobs. Doch selbst bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation bekommen Frauen pro Stunde sechs Prozent weniger Geld als ihre Kollegen, wie Berechnungen des Bundesamtes anhand von Zahlen für das Jahr 2018 zeigen.

Politikerinnen äußern Kritik

Die Berliner Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) hat die große Lohnlücke zwischen Männern und Frauen kritisiert. Frauen leisteten hochwertige Arbeit in ihren Berufen und in der oft unbezahlten Sorgearbeit zu Hause, erklärte die Politikerin in der vergangenen Woche. Es seien auch zumeist Frauen, die in Pflegeberufen arbeiteten, unter schwierigen Arbeitsbedingungen und mit schlechter Bezahlung, so die Sozialsenatorin weiter.

"Sie werden unterbezahlt, weil sie Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern, Pflegerinnen oder Verkäuferinnen sind oder weil sie wegen der Familie in Teilzeit arbeiten oder weil ihre Karriere häufig an die ''gläserne Decke stößt", sagte Kipping. Auch Bundesfrauenministerin Anne Spiegel (Grüne) äußerte zuletzt Kritik: Noch immer werde in klassischen Frauenberufen deutlich weniger verdient als in solchen mit traditionell vielen Männern.

Mehr Frauen als Männer in Teilzeit

Allerdings darf bei der Betrachtung der oben genannten Zahlen nicht vergessen werden, dass es sich dabei ausschließlich um sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze handelt. In beiden Bundesländern arbeiten deutlich mehr Frauen als Männer in Teilzeit. Laut Regionalstatistik.de haben zum Stichtag 30.06.2020 im Land Brandenburg 50,3 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit gearbeitet.

In Berlin betrug dieser Anteil 44,5 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 71 Prozent des Verdienstunterschieds [destatis.de] zwischen Männern und Frauen strukturbedingt erklärbar – also unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird und sie seltener Führungspositionen erreichen.

Sendung: Inforadio, 07.03.2022, 10.30 Uhr

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

6 Kommentare

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  1. 6.

    Also,
    meine Nichte erhält mehr Geld als mein Neffe,
    meine Schwiegertochter erhält mehr als mein Sohn,
    mein Schwiegersohn erhält mehr als meine Tochter,
    ich verdiene genug und meine Frau muss nicht arbeiten.
    Alle sind glücklich.
    Ergo: Klopapier und Statistik ergänzen sich.

  2. 5.

    Die verdienen nicht nur weniger. Sie bekommen auch weniger (Satire)

  3. 4.

    Ich kann mich nicht beklagen, ich bin in Baden-Württemberg als Frau beim selben Arbeitgeber und mit denselben Voraussetzungen auf den Cent genauso bezahlt worden wie ein Mann.

  4. 3.

    Vielleicht beschweren sich die baden-würtembergischen "Innen" endlich mal lautstark bei ihren Müttern und Großmüttern. Diese mach(t)en die Hälfte der Gesellschaft aus, hatten auch dort seit 1919 das Wahlrecht, es nicht gegen frauenverachtende Politik genutzt und sich zeitgleich von ihren Männern lebenslang finanzieren lassen.
    Diese aktuellen Missstände hat "de Mudder" vererbt!

  5. 2.

    Na, das wäre doch mal eine Aufgabe für SPD und Grüne.

  6. 1.

    Auch Vollzeit kann Teilzeit sein, je nachdem man es betrachtet: Nur 35 Stunden/Woche, 6 Wochen Urlaub, und nur 5 Tage ohne Sonnabend bedeutet auch: soviel übrige (Frei-)Zeit muss finanziert werden, weil Freizeit Geld kostet...
    Natürlich kann man, um wettbewerbsfähig zu sein, nicht (Frauen-)Teilzeitgehälter = Vollzeitgehälter machen. Sonst kommen alle Carearbeit Verrichtende auch daher und verlangen Geld für das Ehrenamt, Feuerwehr oder politische Komunalarbeit...
    P.S. Wenn man glaubt, dass eine Lohnsumme X nur neu verteilt werden muss, zu Lasten wem(?), dann muss man auch sagen, wer abgeben soll, warum, gut begründen und mit Widerstand rechnen. In Brandenburg fallen besonders linke Arbeitgeber mit zu wenig Lohnzahlungen auf, wie die verlorenen Prozesse bei Lehrern, Polizei, Pflege, Ärzte gezeigt haben. Wer da geblieben ist, merkt es an der Rente schmerzvoll...

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