BER-Terminal 2 in Betrieb - Silberhäutiger Funktionsbau für die Massenabfertigung

Do 24.03.22 | 16:56 Uhr | Von Thomas Rautenberg
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Das Gebäude des BER Terminal 2 von außen. Bild: dpa / Patrick Pleul
Audio: rbb24 | 24.03.2022 | Bild: dpa / Patrick Pleul

In seinen ersten anderthalb Jahren war am BER coronabedingt wenig Betrieb. Das ändert sich langsam, die Lust am Reisen kehrt zurück. Deshalb wurde am Donnerstag das neue Terminal T2 in Betrieb genommen. Thomas Rautenberg hat es sich angesehen.

Wer eine Kathedrale des Luftverkehrs, wie im benachbarten BER-Hauptterminal T1, erwartet, der wird von der neuen Abfertigungshalle ganz sicher enttäuscht sein: Das Terminal T2 ist ein schlichter Funktionsbau, außen mit einer Silberhaut überzogen und im Inneren mit dem Charme einer modernen Industriehalle.

Doch wer als Passagier schnell abgefertigt werden will und ansonsten auf jeden Pomp verzichten kann, der ist im so genannten Low-Cost-Terminal T2 des BER genau richtig. Sechs Millionen Fluggäste pro Jahr können hier zusätzlich einchecken oder ihr Gepäck abholen.

Geplant ist ein Terminal der kurzen Wege

Im Erdgeschoss von Terminal 2 erwartet die Passagiere ein gutes Dutzend Self-Check-in-Stationen für das Gepäck. Wer ohne Gepäck fliegt, kann gleich in das Obergeschoss zur Sicherheitskontrolle gehen. Von dort aus geht es über Fußgängerbrücken weiter ins so genannte Nordpier, und damit zu den eigentlichen Gates.

Acht Sicherheits-Kontrollspuren gibt es im Gebäude. Sie seien räumlich viel großzügiger eingerichtet als im Hauptterminal nebenan, sagt Robin Zuch, Polizeioberrat und verantwortlicher Bundespolizei-Vizechef für den Flughafen BER. Sicherheit, so Zuch, brauche manchmal auch etwas Platz: "Hier haben wir den Platz und konnten ihn optimal für den Einbau moderner Sicherheitspuren nutzen."

Bodyscanner, mehrere Punkte für die aufwendige Nachkontrolle und die Möglichkeit, andere Passagiere bei der Sicherheitskontrolle zu überholen, haben das System spürbar durchlässiger gemacht. Die Abfertigungskapazität pro Kontrollspur wurde auf rund 200 Passagiere pro Stunde verdoppelt.

Die Self-Service-Gepäckaufgabe am Terminal 2 soll Zeit sparen.

Wegen Corona: Erst schnell gebaut, dann schnell eingemottet

Flughafenchefin Aletta von Massenbach erwartet für dieses Jahr rund 17 Millionen Passagiere. Damit würden sich die BER-Fluggastzahlen bei etwa 50 Prozent des Vor-Corona-Niveaus stabilisieren. "Das Terminal T2 ist damit Teil unserer Vorbereitungen auf die Normalisierung des Luftverkehrs", sagt von Massenbach. Beim ersten echten Test für den neuen Hauptstadtflughafen in den vergangenen Herbstferien hatte der Passagierstau vor der Sicherheitskontrolle zu teils chaotischen Verhältnissen auf dem BER geführt. Diese Erfahrung, sagt die Flughafengeschäftsführerin von Massenbach, dürfte sich mit Blick auf die bevorstehenden Osterferien nicht wiederholen.

Bereits im Jahr 2017 wurden die ersten Pläne zum Bau eines Low-Cost-Terminals zur Erhöhung der Kapazität gemacht. Unter der Bezeichnung T1E sollte es als bauliche Ergänzung des BER-Hauptterminals entstehen. Ein Jahr später wurde das Projekt ausgeschrieben, gebaut und pünktlich zur BER-Eröffnung im Herbst 2020 fertiggestellt. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte die Corona-Krise den internationalen Luftverkehr schon schwer gebeutelt. Aus Kostengründen wurde der Terminalneubau also damals erstmal eingemottet.

Ryanair zieht als erstes in "T2" ein

Jetzt geht es aber los. Zunächst wird nur die irische Billigairline "Ryanair" in das neue Terminal T2 umziehen. Pünktlich um 14.00 Uhr startete am Donnerstag der erste Flug nach London Stansted. Weitere 14 Ryanair-Starts sollten im Laufe des Tages folgen. Die ankommenden Passagiere werden zunächst noch im BER-Hauptterminal abgefertigt. Ab April sollen dann sowohl die Starts als auch die Landungen am neuen Terminal T2 abgewickelt werden.

 

Sendung: Inforadio, 23.03.2022, 15.50 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

27 Kommentare

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  1. 27.

    Ich habe gerade gehört, dass Warnstreiks an Ostern sehr wahrscheinlich sind, weil es diese Woche wieder keine Einigung bei den Tarifverhandlungen für das Sicherheitspersonal gab. Da hilft auch kein T2. Ein Traum.

  2. 26.

    Easyjet fliegt von Berlin direkt nach Santorini und Mykonos, Ryanair und Easyjet fliegen beide auf fast jede der Kanarischen Inseln. In der Lockdown-Zeit wurde manches gestrichen, aber die Angebote sind jetzt wieder fast alle da.

  3. 25.

    Die Flüchtlinge wissen dieses Gebäude sehr zu schätzen. Und danach startet dann ja die Tegel Projekt GmbH: https://www.tegelprojekt.de/index.html

  4. 24.

    Dafür gibt es doch eine sehr große Anzahl an Lounges am BER. Die meisten sind sehr schön und man kann die Wartezeit gut dort verbringen.

  5. 22.

    Wer wenig fürs Reisen zahlen möchte, bekommt halt auch alles low cost. Ist doch nur logisch und machvollziehbar.

  6. 21.

    Ich liebe den schönen Willy Brandt Flughafen. Das Terminal 2 ist sicherlich keine Kathedrale des Luftverkehrs, muss es aber auch nicht, da man diese ja bereits mit dem riesigen T1 schon hat. Für Low -cost Passagiere völlig ausreichend. Schade ist nuir, dass man z.B. nicht den gleichen Bodenbelag wie im dazugehörigen Nordpier verwendet hat. Na ja... Terminal1 schafft (natürlich nicht unter Corona Bedingungen) durch ein paar Optimierungen ca. 27/28 Mio. Passagiere/Jahr. Zusammen mit dem für 6Mio. Pax/Jahr ausgelegten T2 ist der BER für die nächsten Jahre gut aufgestellt. Und dann gibt es ja immer noch das T5 (SXF alt), wo vor der Pandemie 12,9Mio Pax/Jahr abgefertigt wurden. Der schicke BER hat also (übrigens auch ohne Corona!!!) mehr als ausreichend Kapazitätsreserven...

  7. 20.

    Ich finde den BER auch wunderschön und sehr modern. An der Bestuhlung wird gerade noch gearbeitet. Auf dem Marktplatz im Terminal 1 sieht man schon die ersten Ergebnisse. Aktuell werden im Check-in Bereich die Airline Service Counter ausgebaut, um so noch mehr Platz für zusätzliche Self-check in Automaten und eben jede Menge Sitzplätze zu schaffen...

  8. 19.

    Terminal C von TXL war architektonisch und auch von der Ausstattung her wesentlich attraktiver. BER ist eben eine totale Fehlkonstruktion.

  9. 18.

    Richtig, es gibt kaum noch Flüge ab Berlin zu den Feriengebieten. Erst haben Ryanair und easyJet die Flüge von Air Berlin übernommen und nun bieten sie nicht mehr viel davon an. Eurowings fliegt auch kaum noch, fliegt lieber von Frankfurt und München. Eventuell kann hier der RBB recherchieren. Sind die Flughafengebühren zu teuer? Ist die Nachfrage nicht da? Oder haben die Mängel die Fluggesellschaften vergrault, z.B. Personalmangel an der Abfertigung?

  10. 17.

    Klomief ist auch Materie. Da trinken Sie Wasser ? Das Beispiel aus Irland für 1 € gefällt mir. So etwas geht hier nicht ? Typisch für Deutschland.

  11. 16.

    Wofür braucht man für einen Carrier, der seine Philosophie vermutlich bei Viehtransporten abgeschaut hat, ein schönes Abfertigungsgebäude? Da hätte es doch auch ein einfaches Gatter um den Acker getan, ohne das Niveau des Fluges selbst zu unterbieten.

  12. 15.

    Genauso machen es sicher auch viele, jedenfalls wenn sie auf einen eigens dafür vorgesehenen Wasserhahn verzichten können. :-)
    Mit leerer Flasche durch die Kontrolle, dann in der Toilette auffüllen, fertig.

  13. 14.

    Im Dublin Airport bekommt man überall die 1/2 l Flaschen Mineralwasser für 1 €. Bezahlung, den € in einen Geldkasten stecken und Flasche nehmen. Vorbildlich. Obwohl Irland ein sehr teures Land ist. Geht alles wenn man will...

  14. 12.

    Man muss sich schon wundern über manche Kommentare, die wenigsten Flughafenterminals für Low-Cost-Carrier in Europa sind architektonische Prunkbauten. Man schaue mal an das T2 in Lissabon zum Beispiel. Auch Schönefeld und Tegel hatten solche simplen Zusatzbauten für Billigairlines, das ist nun nichts neues, auch in Berlin nicht. Wer für 15€ von Berlin nach Madrid fliegt, dem ist herzlich egal wie das Terminal nun ausieht, sage ich aus Erfahrung.

  15. 11.

    Was für eine Geldverschwendung. Einfach kurz aufs Klo hinter der Sicherheitskontrolle und den bestehenden Wasserhahn aufdrehen, fertig. Wer teures Wasser kauft ist selber schuld und extra Wasserhähne sind höchstens was für ein subjektives Gefühl

  16. 10.

    Zustimmung, Terminal 1 ist ganz nett geraten. Terminal 2 ist vom Design her aber anders. Man muss es wahrscheinlich erstmal selbst erlebt haben ehe man es beurteilen kann. "Einfach, praktisch, billig" wäre aber durchaus nach meinem Gusto, insofern passt es auch dass RYR da fliegt.

  17. 9.

    Die Überschrift dieses Artikels suggeriert meines Erachtens nach gleich beim ersten Lesen eine starke, jedoch ungerechtfertigte, Abwertung: Dieses Terminal ist billig und erfüllt nicht die an ein Flughafenterminal gestellten Erwartungen an Schönheit, Kreativität, Extravaganz. Jedoch stellt sich doch zunächst die Frage, ob ein Terminal, vornehmlich von Low-Cost-Airlines genutzt, diese Attribute überhaupt benötigt? Zumal die Airlines selbst nur selten Design-Preise für ihr Farbwahlen, Medienprodukte und Sitzschalen-Designs erhalten würden.

    Zur Frage: Ich denke nicht - ein Dacia-Autohaus bietet nun mal auch keine Ledersessel-Warteecke mit Design-Teppichboden, die ein Mercedes-Autohaus möglicherweise haben wird. Trotzdem kann man dort Autos kaufen oder - auf funktional-schlicht gehaltenen, und dennoch bequemen, Stühlen - bis zur Übergabe seines Werkstattfahrzeuges warten. Deshalb: ein "silberner Funktionsbau" muss nicht schlecht sein, dies sollte auch die Überschrift nicht implizieren.

  18. 8.

    Was für ein "BER-Kunde": Ryanair...
    Da fällt einem gleich ein: Leistungsbezogene Gehälter nach gut zahlenden Kunden...

    P.S. Alle Flughafengebäude sollten zu geringen Kosten betrieben werden können und eine schnelle Abfertigung gewährleisten. Eine Selbstverständlichkeit fast überall. Am BER auch? Nicht unbedingt. Ja wenn er neu wäre... aber so 10 Jahre alt, da muss man mit Kompromissen leben?

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