rbb|24-Datenrecherche - Gas-Neukunden müssen fast doppelt so viel zahlen wie Bestandskunden

Sa 12.03.22 | 08:10 Uhr | Von Götz Gringmuth-Dallmer
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Säulendiagramm zeigt im Hintergrund Hand eines Mannes, der das Thermostatventil eines Heizkörpers auf Null stellt. (Quelle: dpa/M. Bihlmayer)
Audio: Inforadio | 12.03.2022 | Yvonne Krause | Bild: dpa/M. Bihlmayer

Durch ohnehin hohe Weltmarktpreise und den Krieg gegen die Ukraine müssen Verbraucher:innen massive Preissteigerungen bei Gas verkraften. Besonders hart trifft es Neukunden, wie eine Datenauswertung zeigt. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Wer aktuell gezwungen ist, sich als Verbraucher:in einen neuen Gasversorger zu suchen, muss zum Teil bis zu doppelt soviel zahlen wie Bestandskunden. Das ergab eine Stichproben-Recherche von rbb|24 zu aktuellen Gastarifen für Neukunden in der Region.

Wer zum Beispiel in Berlin in der Grundversorgung der Gasag Gas für eine 70 qm-Wohnung beziehen will und einen Verbrauch von 9.800 kWh im Jahr hat, muss als Neukund:in mit monatlichen Kosten von etwa 162 Euro rechnen. Bestandskunden in der Grundversorgung zahlen derzeit für die gleiche Menge knapp 80 Euro.

Zum ersten Mai hat die Gasag eine Angleichung der Tarife für Neu- und Bestandskunden angekündigt. Für Neukunden sollen die Preise dann deutlich sinken, für Bestandskunden werden sie weiter steigen. Bei dem oben genannten Jahresverbrauch werden beide dann knapp 100 Euro im Monat zahlen. Das bedeutet für Menschen mit einem alten Vertrag eine Steigerung von knapp 60 Prozent im Schnitt im Vergleich zum Jahr 2020. Damals waren für diese Menge noch 46 Euro fällig.

Grund für die Preissteigerungen sind die Einkaufspreise auf dem Weltmarkt. Der Gasag zufolge ist der Großhandelspreis verglichen mit März 2021 um mehr als 500 Prozent gestiegen.

Hinweis: Die Gasverbrauchswerte orientieren sich an dieser Liste [gasverbrauch-online.org] Der individuelle Verbrauch hängt von vielen Faktoren ab wie zum Beispiel der Dämmung der Wohnung, dem technischen Zustand der Gastherme oder der Temperatur, auf die Räume geheizt werden. Tipps zum Sparen finden Sie hier.

Angebot wurde eingestellt

Wie unübersichtlich und fragil der Tarifdschungel zur Zeit ist, zeigt das Beispiel der Stadtwerke Oranienburg. Zu Beginn dieser Recherche am 09.03. konnten sich Verbraucher:innen noch bei den Stadtwerken ein vergleichsweise günstiges Angebot online unterbreiten lassen. Wenige Stunden später gab es diese Möglichkeit nicht mehr. Auf Anfrage von rbb|24 hieß es dazu von den Stadtwerken Oranienburg, dass aktuell kein Produkt beim Online-Angebot abgeschlossen werden kann, da die Stadtwerke in einer Preis-Neukalkulation seien.

Bestandskunden im Grundtarif zahlen hier ungefähr so viel wie in Berlin, Neukunden derzeit etwas weniger, ab Mai deutlich mehr als in Berlin. Bei einem Verbrauch von 7.000 kWh pro Jahr werden dafür derzeit in Oranienburg etwa 108 Euro pro Monat im Neukundentarif fällig, in Berlin sind es für diese Gruppe zur Zeit 118 Euro, ab Mai sollen es 73 Euro sein.

Auch in Potsdam zahlen Bestandskunden bei den Stadtwerken deutlich weniger als Neukunden. Wer bis zum 28.02.2022 einen Vertrag abgeschlossen hat, zahlt bei einem Verbrauch von 7.000 kWh etwa 56 Euro im Monat. Alle die später abgeschlossen haben, müssen für die gleiche Menge etwa 97 Euro und somit 72 Prozent mehr berappen. Die Stadtwerke Potsdam weisen jedoch auf rbb|24-Anfrage darauf hin, dass alle auf der Webseite aufgeführten Preise regelmäßig aktualisiert werden. Die Zahlen oben zeigen also den Ist-Stand (11.03.2022).

Gas wird nie mehr so billig wie noch vor einem Jahr

Die genannten Beispiele zeigen, wie schwierig die Situation gerade auf dem Markt ist. Ines Rutschmann, Energieexpertin vom Verbraucherportal Finanztip [finanztip.de] zufolge unterscheiden mehr als die Hälfte der Grundversorger seit kurzem zwischen Bestands- und Neukunden. "Neukunden zahlen oft das Doppelte gegenüber den Bestandskunden." Rutschmann geht auch nicht davon aus, dass es noch einmal so günstige Preise wie Anfang 2021 geben wird. "Gas ist heute ein teurer Brennstoff und er wird es auch in den nächsten Jahren bleiben."

Sendung: Inforadio, 12.03.22, 8 Uhr

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

48 Kommentare

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  1. 48.

    Hmh ich will ja keine Panik machen. Ich lese heute ALDI und andere rationieren Speiseöle, Mehl soll auch betroffen sein und ehrlich.. von den günstigen Nudeln waren SA im Supermarkt auch Spaghetti und Fusili komplett ausverkauft von den günstigen Produkten. Da kommt noch was. Alleine wenn ich bedenke, dass die meisten Waren per LKW transportiert werden, die ja Treibstoff brauchen. Dünger wird knapp und Getreideexporte fallen wegen Krieg weg. Wir reden immer von den wirksamen Sanktionen gegen Russland, irgendwie komme ich mir hinters Licht geführt vor, wenn ich mir die kaum kommunizierten Auswirkungen bei uns zusammensuche(n muss) Energie ist da bei Weitem nicht alles. Es betrifft auch andere wichtige Rohstoffe. Wie gesagt auch Dünger, woran die Ernte hängt. Es ist wohl nicht mit den Ratschlägen getan, die Heizung 1 Grad runter zu drehen.

  2. 47.

    Klar betrifft das auch Bestandskunden. Wurde ja hier schon ausgiebig beschrieben. Bestandskunden zahlen die Zeche für Neukunden mit, weil die sonst noch mehr bezahlen müssten. Wir können nur hoffen, wenn es einen Gott gibt, dass der schnell das Wetter wärmer macht.

  3. 46.

    Nein, anders herum: Wenn man grüne Energie nicht jahrelang ausgebremst hätte, wären wir heute nicht so abhängig von Gas, Öl und Kohle aus Russland. Was wäre Ihre Lösung denn jetzt? Erneuerbare Energien komplett abschaffen und noch mehr aus Russland kaufen? Mehr Atomkraft in Deutschland? Dann aber bitte die Zwischenlager und Endlager genau dort bauen, wo die meisten Atomkraft-Befürworter leben. Z.B. in den deutschen AfD-Hochburgen. Ach so, das wollen die dann plötzlich aber auch nicht haben ... Tja: Die Sonne und der Wind schicken keine Rechnung. Wollte man aber jahrelang nicht wissen. Aus Sturheit, aus politischer Ideologie, weil die Vorschläge von der falschen Seite kamen.

  4. 45.

    Es betrifft inzwischen nicht nur Neukunden. Der Gasanbieter Montana erhöht mir (Bestandskunde seit Jahren!) zum 1.5.22 den Preis von 11,34 Cent auf 18,37 Cent pro Kilowattstunde. Im Dezember 2021 lag der Preis noch bei rund 6 Cent. Das ist also eine Verdreifachung der Kosten. Welcher Haushalt soll das noch bezahlen?

    Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter bringt auch nichts. Die Neuverträge sind dort genauso teuer - oder sogar noch teurer. Gas wird gerade zum Luxusartikel, der noch so machen Verbraucher finanziell ruiniern wird. Glaubt tatsächlich noch jemand, dass die Preise auf absehbare Zeit nennenswert günstiger werden? Bei diesem Anbieter habe ich starke Zweifel.

  5. 43.

    Diese Masche "Gewinne privatisieren, Verluste vergemeinschaften" wirft man doch sonst immer anderen vor. Jeder soll das bezahlen was er verursacht. Ich habe seit Jahren einen Vertrag, die Gasag hat mit meinem Verbrauch geplant und eingekauft, jetzt will ich gefälligst auch das bezahlen und nicht das von den Leuten mit blechen, die sich immer einen schlanken Fuß auf Kosten anderer machen. Niemand war gezwungen zu unbekannten zweifelhaften Anbietern zu wechseln. Ist ja auch nicht das erste mal, dass solche pleite gehen und die Kunden auf der Straße stehen. Wenn ich im Netz ein neues iPhone für 200,- kaufe, dann sollten bei einem mal die Fragezeichen aufploppen statt € Zeichen in den Augen.

  6. 42.

    Haben sie schon jemals im Leben erlebt, dass Sie eine Ware eingekauft haben und andere haben das bezahlt? Würde mich über repräsentative Beispiele freuen.

  7. 41.

    Wir müssen ALLE mehr zahlen, die 40 Euro mehr hat man als arbeitende Bevölkerung. Die Renten steigen auch obwohl manch Rentner nie ansatzweise 45 Jahre gearbeitet hat. Worüber regt man sich auf, über die Preistreiberei?
    Das war doch klar. Genau hier müssten die Medien kritisch schreiben und nicht nur "Berichten". Die deutschen Politiker haben die eigenen Bevölkerung nie gemocht. Es wird von den Politikern ein Eid geleistet, Schaden abzuwenden, und am Ende genau das Gegenteil fabriziert. Mfg. ans Wirtschaftsministerium der Bundesrepublik Deutschland! Mal sehen wann wir 30% Mehrwertsteuer zahlen für den Aufbau, anderer Staaten.

  8. 40.

    Und das hat er auch noch nie. Selbst in der DDR ging es ihm gut und viel besser als manchen Menschen in der Freiheit, die ihnen aus finanziellen Gründen wenig nützt.

  9. 39.

    Wenn der Vermieter sich an den Heizkosten beteiligen muss, muss er auch nicht mehr 100% von den Dämmkosten auf den Mieter umlegen können um seine Investition wieder rein zu bekommen.

  10. 38.

    Sicher wäre es möglich, den Vermieter die Modernisierungskosten bezahlen zu lassen. Für eine Erhöhung der Nettokaltmiete machen die das sogar, Wenn Vermieter eine Wohnung modernisieren, dürfen sie die Jahresmiete um acht Prozent der auf die Wohnung entfallenden Modernisierungskosten erhöhen.

  11. 37.

    Dieses Preismodell der GASAG halte ich auch für sehr fragwürdig. Unser Stadtwerke hier haben von vornherein ihren alt gedienten Bestandskunden zugesichert und das machen die auch: Bestandskunden behalten ihre Vertragstarife bis Ende 2022. Gestrandete Neukunden zahlten eben sowas von drauf, weil dieser Mehrverbrauch in den vorherigen langfristigen Lieferverträgen nicht in diesem Maße mit einkalkuliert war.
    Die GASAG setzt wohl auf ein Solidaritätsmodell, bei dem die langjährigen Kunden, die der GASAG in guten wie in schlechten Tarifzeiten die Stange gehalten haben, jetzt die Zeche der Billig und Geiz ist Geil-Leute mitbezahlen. Na ich hoffe doch, dass dann wieder in besseren Energiezeiten sich die langjährigen Kunden der GASAG auch an dieses Kundenverprellen erinnern.

  12. 36.

    Wärmedämmung aber nur ohne Mieterhöhung, sonst wäre das ja Luxussanierung.

  13. 35.

    Wer halt immer auf der Jagt nach günstig, günstig ist verspekuliert sich halt auch mal. Genau wie privat Krankenversicherte die sich wundern, wen im Alter die Prämien steigen. Sorry, da habe ich nur wenig Mitleid.

  14. 34.

    Entschuldigung aber die Argumentation im Artikel ist schlicht falsch. Die Wirtschaftsmedien berichten übereinstimmend, das Russland all seinen Lieferverpflichtungen in Menge und Preis bislang voll und ganz nachkommt. Bestandskunden mit ihrem gewohnten und in den Verträgen kalkulierten Mengen können daher nicht an den Preiserhöhungen Schuld sein, denn das was sie verbrauchen, ist längst zu günstigen Preisen gekauft und werden jetzt geliefert. Die Gründe liegen also woanders. Ja, der Krieg treibt die Marktpreise, wie auch unsere Sanktionen. Aber eben nicht die, der bestehenden Verträge. Auch sind die Speicher nicht rechtzeitig für den Winter gefüllt worden. Man hat sich verspekuliert.
    Richtig ist doch, dass die Mehrbedarfe, die jetzt zu einer Unzeit nachgeordert werden müssen, die Steigerungen verursachen. Diese Mehrverbräuche kommen durch zu viele Neukunden und leere Speicher. Der Deutsche Wetterdienst berichtet der 11. milde Winter in Folge. Daran liegts also auch nicht

  15. 33.

    ,,Es geht aufwärts mit der deutschen Wirtschaft.." Mit Herrn Habeck noch viel aufwärtser bis am aufwärtsesten.
    Wenn's nicht so traurig wäre könnte man auch drüber lachen....

  16. 32.

    Ja, das könnte ich mir tatsächlich sogar leisten. Blöd nur, dass man dann in Brandenburg aufm Dorf wohnen und jeden Tag zig Kilometer mit dem Auto fahren muss. Wenn das alle Mieter machen sind auch ganz schnell in Brandenburg die billigen Häuser weg und die Zersiedelung der Landschaft mit allen negativen Konsequenzen explodiert. Besser würde es funktionieren wenn auch Vermieter einen Anreiz hätten Bestandsbauten zu sanieren, zum Beispiel indem man einen Teil der Heizkosten, je nach Energieausweis des Gedäudes einen höheren oder niedrigeren Anteil, auf die Vermieter umlegt.

  17. 31.

    Wie hilft man jetzt sofort sachbezogen den Menschen und den Betrieben und Branchen die durch die Corona-Maßnahmen schon lange finanziell schlechter gestellt wurden? Deren Fixkosten werden jetzt durch die steigenden Energiepreise noch höher!

  18. 30.

    Ihre Aussagen zu Anlagen > 5 Kilowatt Peak erscheinen mir in Ihrer Absolutheit nicht richtig. Haben Sie eine Quelle ?

    Und ... kann man Strom nicht auch speichern ?

  19. 29.

    Das ist aber sehr blauäugig gedacht oder unwissend.
    Während die großen Energiekonzerne Ausfallgeld bekommen, wenn nur das Fundament der Anlage fertig ist, müssen die Eigenheimbesitzer ein Unternehmen anmelden, wenn mehr als 5KW/h erzeugt werden können. D.h. es wird Unternehmenssteuer und Gewerbesteuer fällig. Das wird dann teuerer Strom und von den großen Energieversorgern ist man trotzdem noch abhängig, denn Nachts ist die Sonne nicht da. Es gibt auch keine Garantie mehr, dass man überschüssigen Strom ins Netz einspeisen kann.

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