Tarifstreit beim Sicherheitspersonal - Fast 100 Abflüge und 50 Ankünfte wegen Warnstreik am BER gestrichen

Di 22.03.22 | 11:54 Uhr
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Reisende stehen am Flughafen am Security Check. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)I
Video: Abendschau | 22.03.2022 | T. Jaeger | Bild: dpa/Fabian Sommer

Im festgefahrenen Tarifstreit des Sicherheitspersonals an Flughäfen legen Beschäftigte am Dienstag auch am BER-Airport einen ganztägigen Warnstreik ein - mit schon jetzt absehbar schwerwiegenden Folgen für Passagiere.

Wegen eines Warnstreiks des Sicherheitspersonals am Flughafen BER fallen am Dienstag zahlreiche Flüge aus. Der Flugverkehr sei deutlich eingeschränkt, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Helge Biering am Dienstagvormittag. Von den 150 Starts an diesem Tag seien 95 gestrichen worden, teilte die Flughafengesellschaft FBB mit. Von den 150 geplanten Ankünften fielen demnach 50 aus.

Nach Verdi-Angaben zufolge versammelten sich rund 210 Sicherheitsleute nach Beginn des Ausstandes um 4 Uhr im Flughafengebäude und auf dem Willy-Brand-Platz. Der Warnstreik soll bis Mitternacht dauern.

Passagiere werden gebeten, sich rechtzeitig auf der Abflugs- und Ankunftsübersicht der Internetseite des BER-Flughafens [ber-airport-berlin.de] sowie bei den jeweiligen Airlines über ihre Flüge zu informieren. Auch an den Flughäfen Frankfurt, Bremen, Hamburg, Hannover, Stuttgart, Düsseldorf und Köln/Bonn hatte Verdi die Kontrolleure dazu aufgerufen, den ganzen Tag die Arbeit niederzulegen.

Flughafenbetreiber sieht "ruhige Lage"

Die Gewerkschaft Verdi hatte für den Vormittag zu einer Demonstration durch das Flughafenterminal mit anschließender Kundgebung vor dem Gebäude aufgerufen. "Sicherheit gibt's nicht umsonst", hieß es auf einem Plakat.

Dem BER-Betreiber FBB zufolge blieb die Lage trotz des Warnstreiks ruhig. Die meisten Passagiere hätten sich rechtzeitig über ihre Verbindungen informiert und seien nicht zum Flughafen gekommen, sagte eine Sprecherin.

Arbeitgeber und Verbände kritisierten die Aktionen. "Obwohl weder die Flughäfen noch die Fluggesellschaften mit Verdi im Tarifkonflikt stehen, trifft dieser Streik in erster Linie den Luftverkehr und viele Tausende Reisende", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow. "Das ist unfair und erschwert den Luftverkehrsunternehmen und ihren Beschäftigten die wirtschaftliche Wiederbelebung nach dem pandemiebedingten Zusammenbruch." Die Arbeitgeberseite, der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS), hatte die Warnstreiks bereits am Montagabend als "ausufernd und unverhältnismäßig" kritisiert.

Ein Euro mehr pro Stunde gefordert

Verdi verhandelt mit dem BDLS über den Tarifvertrag für rund 25.000 Beschäftigte im Bereich der Luftsicherheit. Sie sind etwa in der Kontrolle für Fluggäste, aber auch für Fracht sowie bei der Bewachung von Flugzeugen tätig.

Vor einer Woche führte ein Warnstreik des Sicherheitspersonals unter anderem am BER bereits zum Ausfall von rund zwei Dritteln aller Flüge. Die von diesen Warnstreiks begleiteten Tarifgespräche blieben ohne Ergebnis. Der BDLS kritisierte daraufhin am Freitag, Verdi verhalte sich nicht "konstruktiv". Ein erneuter Verhandlungstermin ist für Donnerstag vereinbart.

Verdi fordert unter anderem, den Stundenlohn für die Luftsicherheitsdienste um mindestens einen Euro zu erhöhen sowie die Löhne regional anzugleichen. Der BDLS hatte Anfang März hingegen erklärt, er habe bereits zwei Angebote zu Erhöhungen unterbreitet. Doch Verdi erhebe nach jeder Annäherung neue Forderungen. Die verlangte Veränderung der Tarifstruktur hätte enorme finanzielle Auswirkungen.

Sendung: Inforadio, 22. März 2022, 11 Uhr

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26 Kommentare

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  1. 26.

    Das ist alles nur, weil die meisten Menschen geizig sind und zu Schleuderpreisen fliegen wollen. Billigflüge müssen abgeschafft werden.

  2. 25.

    Ja, manchmal muß es auf die harte Tour sein! Blöd für die Betroffenen, aber wenn es keine Auswirkungen hätte, gäbe es keinen Druck auf die Arbeitgeber! Ich kenne Leute aus meinem Umfeld, die sich nicht organisieren, natürlich auch nicht streiken, aber die erkämpften Ergebnisse gerne mitnehmen! Wie nennt man die?
    So gut gemeint ein Mindestlohn auch sein mag, so wenig reicht er zum Leben. Die sog. 1-Euro-Jobs: menschenverachtend!
    Ab in die Gewerkschaft! Für ein besseres Arbeitsleben!

  3. 24.

    Haben Sie den Sinn eines Streikes nicht verstanden? Es soll Leute wie Sie treffen. Oder wann würde es Ihnen passen? Sonntags von 13- 14.00 Uhr?

  4. 23.

    Also ich will keinen in Schutz nehmen ab ihre Unterstellung sind vollkommen daneben. Woher wissen sie das der Flug billig war. Es hängt ja viel mehr dran an so einem Flug .Man hat Urlaub den man planen muss und dieser wird dadurch versaut.
    Uns wurde angeboten auf nächste Sonntag umzubuchen da hätten wir nur noch zwei Tage.
    Andere Ersatz Flüge die gingen gibt es zu hohen Preisen.
    Die wir uns die für Mindestlohn arbeiten nicht leisten können. Danke für ih Verständnis.

  5. 21.

    Ist uns ähnlich ergangen. Wir haben extra ein Hotelzimmer in Berlin genommen weil wir rechtzeitig am Flughafen sein wollten heute Morgen .Als wir eingecheckt hatten um 15 .00 die Nachricht . Wenn Streik sollten die Herrn und Damen von Verdi eine solche Entscheidung zum Streik rechtzeitig mindestens 36 Stunden vorher bekannt geben . Dann hat man noch vielleicht was zu organisieren oder zu stornieren.

  6. 20.

    Moment - ich suche mal ein Taschentuch....kann aber keins finden.... Ist schon scheiße mit der Billigheimerei - wa? Und dann wollen die, die Ihnen ihr Ego sicher machen auch noch gerechtere Entlohnung - ja - wirklich - ist wirklich große kaka.....

  7. 19.

    Mein Flug nach Rom hat es heute getroffen .. sollte um 16:20 gehen und man bekommt gestern 17 Uhr die Nachricht das Flüge ausfallen.. auf den Kosten für Hotel bleibt man sitzen… ist mehr als 1 Euro ;) .. ich bin auch dafür das sie mehr Geld bekommen sollen. Aber nicht auf Kosten anderer …:(

  8. 18.

    Vor einem Streik sollte man versuchen am Verhandlungstisch eine Lösung zufinden.
    Jetzt wird sofort gestrekt ohne Rücksicht auf diejenigen, die davon erhebliche Nachteile haben!
    Streik sollte nur noch unter bestimmten Umständen erlaubt sein
    Es sollte eine gesetzliche Verfpflichtung zu Verhandlungen geben.
    Ich lehne den Streik in dieser ausgeuferten Form volumpfänglich ab und habe überhaupt kein Verständnis mehr dafür!!!

  9. 17.

    Ihre Forderungen klingen so: Arbeitskampf so führen, dass es keinen oder mir nicht weh tut. Nur dann ist es ohne Wirkung. Dies ist die einzige Möglichkeit Streit auszutragen. Da gehört er auch hin.
    Die Politik ist nicht für Löhne zuständig... außer in einem längst vergessenen Staat? Wenn Sie aber meinen, dass Herr Heil seinen Job nicht richtig macht, bei der Bekämpfung des Subunternehmertums und anderer Ausbeutung, dann liegen Sie vermutlich richtig.
    P.S. Wo landet heute eigentlich Elon? In Schönhagen haben die Bayern noch einen Wimpel stehen...

  10. 16.

    So kann man Kerosin sparen, besser als autofreier Sonntag.

  11. 15.

    Bravo, ein Streik muß weh tun, sonst bringt er nichts.
    Ohne Streiks würden wir heute noch 48 Stunden an 6 Tagen arbeiten. Das vergessen leider viele, oder sie wissen es nicht, weil sie noch zu jung sind. Jede Verbesserung musste durch oft lange Streiks erkämpft werden.

  12. 14.

    Wo landet Elon? In Schönhagen?

  13. 13.

    Aus persönlichen Gründen fällt mir Verständnis gerade schwer. Da ich nächste Woche nach 2 Jahren Pandemie endlich mal wieder auf Familienbesuch nach Japan will, habe ich gerade die Befürchtung, dass sich der Streik nächste Woche wiederholt. Und ich bin dazu auf einen Flug nach Paris angewiesen.
    Man hat schon genug Stress mit dem PCR Test vorher, und da verzögert sich bei einem Streik mein Flug nicht nur um 1 Tag (Test muss dann wiederholt werden). Find ich nicht Angemessen. Aber ihr gutes Recht

  14. 12.

    Streiks sind ein legitimes Mittel für den Arbeitskampf. Ein Großteil der heutigen Arbeitsbedingungen in Deutschland wurden durch Streiks erkämpft. Übrigens der Mindestlohn gilt für jeden Arbeitnehmer auch ungelernte. Da ist es doch völlig Logik das Menschen mit Berufsausbildung bedeutend mehr verdienen müssen als der Mindestlohn

  15. 11.

    Jaja, Flugreisen machen, aber gegen den Klimakill demonstrieren und denen, die den Billigheimern einen sicheren Flug sichern, keine angemessene Bezahlung gönnen. Hauptsache das kleine dumme Ego ausleben können, is janz wichtich.
    Viel Erfolg für den Streik.

  16. 10.

    Anlerntätigkeit? Was ein grenzenlose Arroganz. Diese Mitarbeitenden, die 365/24/7 in Schichten dafür sorgen, dass Leute wie Sie sicher reisen können, müssen Lehrgänge besuchen, werden staatlich geprüft, benötigen Zuverlässigkeitsüberprüfungen, die regelmäßig erneuert werden müssen und Sie maßen sich diese arrogante Haltung an?
    Ich finde, diese ganze Billigfliegerei ist eine Pestbeule, an der sich Leute wie Sie aufgeilen um auch niemandem irgendwas zu gönnen, um vernünftig von der Arbeit leben zu können - eben auch dem fliegenden Personal bei den Sklavenhaltern wie Ryan usw.

  17. 9.

    Ob ein Streik bei einem jetzigen Verdienst von über 19 €/h die Stunde für eine Anlerntätigkeit gerechtfertigt ist muss jeder selbst entscheiden. Sollte aber allen denken zu geben die mit abgeschlossener qualifizierte Ausbildung noch in Jobs mit hoher Verantwortung, bei 12 - 14 €/h die Stunde tätig sind. In Amerika gibt es seit 2021 die größte Kündigungswelle, die "Great Resignation". Mal schauen ob es diese Welle bis nach Deutschland schafft und wie lange unsere Sozialsysteme und die Mittelschicht dem massiven Druck aushalten werden/wollen.

  18. 8.

    Wollen sie alle Streiks verbieten, wenn die beschäftigen 0,01€ über dem Mindestlohn verdienen? Oder wo ziehen Sie die Grenze?

  19. 7.

    "Das grenzt an Erpressung". Ja natürlich ist es eine Erpressung, was denn sonst? Wenn reden nicht hilft, dann MUSS man die Arbeit niederlegen, anders geht es nicht. Die Arbeitgeber haben das Geschehen durchaus in der Hand. Im Übrigen ist jeder Arbeitsvertrag eine einzige Erpressung seitens des Arbeitgebers!

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