Berlin und Brandenburg - Studie rechnet mit deutlich erhöhtem Strombedarf bis 2030

Do 28.04.22 | 17:46 Uhr | Von Anja Dobrodinsky
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Symbolbild: Windräder stehen hinter einem Dorf in Brandenburg. (Quelle: dpa/Seifert)
Video: Brandenburg Aktuell | 28.04.2022 | M. Ruzicka | Bild: dpa/Seifert

Die Beliebtheit der Region bei großen Konzernen dürfte den Strombedarf massiv ansteigen lassen. Dass Ökostrom dies bedienen wird, scheint fraglich. Der Ausbau von Windenergie etwa verlief zuletzt sehr zäh. Von Anja Dobrodinsky

17 Terrawattstunden mehr Strom werden die Haushalte und Unternehmen in Berlin und Brandenburg im Jahr 2030 wohl benötigen. Das sind knapp 60 Prozent mehr als jetzt und deutlich mehr als zum Beispiel in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern. Ergeben hat das eine Studie, die das Unternehmen 50Hertz in Auftrag gegeben hat.

50Hertz betreibt die Übertragungsstromnetze im Norden und Osten Deutschlands. Sprecherin Kerstin Maria Rippel rechnet vor: "In genauen Zahlen sehen wir im Jahr 2030 21 Terrawattstunden Strombedarf in Berlin und 25 Terrawattstunden Strombedarf in Brandenburg."

Neuansiedlungen mit hohem Strombedarf

Der Hauptgrund für den steigenden Bedarf sind schon geplante oder erwartete Neuansiedlungen von Unternehmen, vor allem stromintensive wie Batteriehersteller oder Rechenzentren. Dazu gehören Tesla, Microsoft, Amazon und Google genauso wie die Firma RockTech. Sie will ab 2024 in Guben in Brandenburg Lithium für E-Auto-Batterien aufbereiten.

Auf die Neuansiedlungen entfallen laut der Studie etwa 11 Terrawattstunden. Mehr Strom wird aber für die Umstellung des Verkehrs von Verbrennern auf E-Antriebe benötigt und für die Wärmeversorgung der Hauptstadtregion. Hier kommen weitere sechs Terrawattstunden zusammen.

Brandenburg kann großen Teil des Bedarfs decken

Die Region wird also bald eine Menge mehr Strom brauchen, und zwar grünen Strom. Denn der Anteil von Ökostrom im 50Hertz-Netz soll von heute 60 Prozent auf hundert Prozent im Jahr 2032 steigen. Das würde für Berlin und Brandenburg bedeuten, dass 2030 fast doppelt so viel Ökostrom benötigt wird wie heute. Einer der wichtigsten Lieferanten von grünem Strom ist Brandenburg. Im vergangenen Jahr wurden hier 104 neue Windkraftanlagen mit einer Leistung von 412 Megawatt gebaut - hier wurde von allen Bundesländern am meisten gebaut.

Bei den Genehmigung hakt es

In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind die Zahlen allerdings leicht zurückgegangen: Es wurden nur noch 21 neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen. Die haben einen Leistung von gut 90 Megawatt. Und wenn Jan Hinrich Glahr, Landesvorstand des Branchenverbands Windenergie Berlin/Brandenburg, auf die Genehmigungen im ersten Quartal blickt, sieht es noch schlechter aus. Nur 13 Anlagen wurden genehmigt, mit einer Leistung von etwa 65 Megawatt.

"Wir haben da einen Rückgang um ungefähr 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das passt natürlich überhaupt nicht zur politischen Ankündigung." Als Grund vermutet Glahr, dass nicht genügend Flächen ausgewiesen wurden. Die Bundesregierung hat gerade ein Gesetzespaket beschlossen, dass den Ausbau der Erneuerbaren beschleunigen soll. Das begrüßt Jan Hinrich Glahr. Er gibt aber auch zu Bedenken, dass schnell etwas passieren muss. An die Brandenburger Landesregierung appelliert er: "Wir können uns nicht leisten, jetzt langsam zu machen."

Die Region dürfe sich nicht auf der hohen Zahl neuer Windräder ausruhen und auf das Aufholpotenzial anderer Bundesländer mit weniger Windrädern verweisen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 28.04.2022, 16:05 Uhr

Beitrag von Anja Dobrodinsky

39 Kommentare

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  1. 39.

    Ich habe mich nicht gegen Klimaschutz ausgesprochen, ich habe nur geschrieben das in Deutschland noch viele Regionen hinterherhinken und das Brandenburg schon sehr viel getan hat in punkto EE. Aber mit den Stromkosten kann ich Ihnen nicht ganz zustimmen. Hatte ca. 10 Jahre einen Stromtarif 100% Naturstrom und sollte Ende des Jahres als er auslief für den gleichen Vertrag 12 Cent mehr bezahlen pro kWh. Bin dann zu einem regionalen Anbieter gewechselt bei dem ich einen Vertrag habe der aus einem Energiemix besteht und bezahle gegenüber meinem alten Vertrag nur 3 Cent mehr also habe ich 9 Cent gespart. Es ist alles eine Frage des Geldes einer kann sich das leisten, ich aber nicht auf Dauer. Und wo die Preise hingehen weiß auch noch niemand ,aber bestimmt nicht mehr nach unten und ewig wird der Staat seine Bürger auch nicht entlasten . Also ist Klimaschutz doch viel mit Geld zu tun .

  2. 38.

    „Es ist klar, dass man nicht neben einer Windkraftanlage schlafen soll." - Anwälte lieben das Aufkündigen von Kompromissen bzw. dehnbare Begriffe. Ob Herr Habeck da eine listige Förderung, für die Advoctenbranche, sieht und die Energiewende noch verzögern will? Wunderbar .... Vorgarten .... köstlich....

  3. 37.

    Also ob meine Meinung hier in der Kommentarspalte von RBB24 dazu beiträgt: "dass Verzögerungen durch Aufweichen von Kompromissen die Energiewende behinder(n)" wage ich jetzt mal zu bezweifeln.
    Mein Strombedarf ist jedenfalls konstant niedrig bzw. gesunken und ob ein Stromboiler dies derart signifikant ändern würde, um ein Windrad im "Vorgarten" erforderlich zu machen, vermag ich nicht einzuschätzen. Meine Meinung bleibt deshalb: "(Nachhaltiges) Wirtschaftswachstum" - für mich nicht um den Preis der extensiven Landschaftszerstörung.
    Zugegeben kenne ich mich mit den Auswirkungen von Windkraftanlagen und welcher Abstand (1km, 10h, etc.) den besten Kompromiss darstellt auch nicht aus. Input erwünscht. (bitte nicht wieder hinter einer Bezahlsperre)

  4. 36.

    Das ist einfach eine Fehlinformation, zumindest bezüglich Tesla:

    https://teslamag.de/news/deutsche-tesla-fabrik-erste-gut-1000-photovoltaik-module-48008

  5. 35.

    ... das Klima nicht zu schützen kostet noch mehr Geld als Klimaschutz... Sprich je eher wir mit dem Klimaschutz anfangen, desto günstiger wird es am Ende. Aber das Menschen verständlich zu machen, die Glauben, dass erneuerbare Energie ihre Stromkosten in die Höhe treibt, ist wohl hoffnungslos.

  6. 34.

    Noch nicht Teil des "Osterpakets" sind Maßnahmen, um das von der Bundesregierung angestrebte Ziel zu erreichen, Windkraft auf zwei Prozent der Fläche zu produzieren. Habeck will dazu den Konsens mit den Ländern suchen, aber Konflikten dabei nicht aus dem Weg gehen: "Wenn in Zeiten wie diesen Windkraftplanung politisch verhindert wird, dann passt das nicht in die politische Landschaft. Und entsprechend werden wir eine Verhinderungsplanung abstellen", sagt Habeck, wobei der Schutz berechtigter Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern gewahrt bleibe: "Es ist klar, dass man nicht neben einer Windkraftanlage schlafen soll."
    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/osterpaket-energie-101.html

  7. 33.

    "augenscheinlich alles in Ordnung" sicher wenn man die Erderhitzung leugnet und die Wissenschaft ignoriert. Nur....im Kopf stimmt dann ganz bestimmt etwas nicht. Kenne aber kein Betroffenen der das zugibt.

  8. 32.

    "Ordne dich gefälligst unter" ist in einer Demokratie keine akzeptable Antwort. Davon ganz abgesehen ist die Begründung all dessen eine Farce.

    1. Gibt es keinen "Klimanotstand"; es ist augenscheinlich alles in Ordnung mit dem Klima
    2. Selbst wenn es einen "Klimanotstand" gäbe, könnte das Aufstellen von Windrädern daran exakt nichts ändern. Allein deswegen ist die Begründung für den ganzen Schmonzes unbrauchbar, und
    3. Windräder sind volkswirtschaftlich kompletter Unsinn und schaden nur.

    Wie gesagt "Schluckt das gefälligst und mault nicht dagegen" kommt nicht in die Tüte.

  9. 31.

    Lesen Sie mal Kommentar #8 und schauen auch hier mal vorbei:
    https://www.maz-online.de/Brandenburg/Windkraft-Brandenburgs-geplanter-Mindestabstand-bei-Windraedern-vor-dem-Aus

    Darum wird es noch länger dauern (Klagen jedes einzelnen Betroffenen kann man nicht verhindern, Ablehnungen kosten Zeit, Widersprüche auch)... Auch Ihre Meinung trägt dazu bei, dass Verzögerungen durch Aufweichen von Kompromissen die Energiewende behindert.

  10. 30.

    Schauen Sie mal hier:
    https://www.maz-online.de/Brandenburg/Windkraft-Brandenburgs-geplanter-Mindestabstand-bei-Windraedern-vor-dem-Aus

  11. 28.

    Wenn es ausgewiesene Flächen und Pläne gibt sollten diese schnellstmöglich umgesetzt werden.
    An den Abstandsregeln zu Wohnhäusern halte ich aber fest.
    Auch um den Preis, dass nicht das ganze wirtschaftliche Potenzial der Region "ausgeschöpft" wird.
    Dann müssen manche Unternehmen sich halt wo anders ansiedeln.
    "Nachhaltiges Wirtschaftswachstum" - für mich nicht um den Preis der extensiven Landschaftszerstörung.

  12. 27.

    Die Neuansiedlungen z.Bsp. Tesla zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie über keine Solardächer verfügen !

  13. 26.

    Werter Hr.Neumann, dass ist eine politische Feinheit. Wenn im Gesetz steht, dass Maßnahmen im überwiegend öffentlichen Interesse sind, haben alle anderen Befindlichkeiten des Individuums, Verbände und Initiativen zurückzutreten. Da Klimaschutz- und erneuerbare Energiemaßnahmen seit neuesten diesen Status bekommen haben, könnten z.B. Abstandsregeln fallen oder Einsprüche dagegen leichter, als bisher, abgewiesen werden. Offen sagt dem Wahlvolk keiner: hört mal her die Abstände werden abgeschafft

  14. 25.

    Nach einem Bericht ist Brandenburg eines der Bundesländer mit den meisten WKA. Würden alle BL ungefähr die gleiche Anzahl haben wäre DE schon viel weiter. Schauen wir nach Bayern oder Baden-Württemberg (Grün regiert )Da streuben sich die Landesregierungen wie die Ziege am Strick beim Ausbau von WKA,besonders in der Nähe von Ortschaften. Und wenn hier über die Abstandsregel von WKA zu Ortschaften diskutiert wird, jeder von ihnen kann sich eine vor sein Fenster bauen lassen, mal sehen wie lange sie das dann noch lustig finden. Es ist schon komisch die Menschen in der Stadt fordern wir müssen mehr machen und die Menschen auf dem Land sollen sehen wie sie damit klar kommen. An die Berliner in der Runde wo ist Berlins Beitrag zur Energiewende? Baut ihr jetzt auf dem Tempelhofer Feld auch WKA und PV Anlagen, der Strom wird nicht in der Steckdose produziert . Also nicht immer nur fordern sondern selbst anpacken, auch Berlin hat die Flächen für EE . Klimaschutz kostet Geld viel Geld .

  15. 23.

    "Passt nicht zum Straßenbild" und "Denkmalschutz" sind zwei enorme Bremsen der Energiewende, die man mit einem einfachen Federstrich abschaffen könnte. Mal sehn ob die Politik sich das traut.

  16. 22.

    Sie hatten vor ein paar Wichen schon mal wahrheitwidrig behauptet, dass die Abstandsregel abgeschafft werden soll. Können Sie diesmal Ihre Aussage für Brandenburg belegen?

  17. 21.

    Und wenn dann ein demokratisch verabschiedeter Bürokratiebeschleunigungsparagraph wie der §8a aus dem BImSchG gezogen wird, regen sich NIMBYs wie Sie sich auf und lamentieren, dass die Unterlagen für die Zulassung nicht ausreichend ausreichend seien. Gegen Windkraftanlagen haben Sie auch schon gehetzt. Der 8a wurde in Brandenburg jedenfalls bekanntlich zigfach schon für WKA gezogen. Es fehlt dazu jedoch der mediale Hype.

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