EC-Kartendiebstahl - Trotz Sperrung können Diebe noch mehrere Stunden lang Geld abheben

Mo 16.05.22 | 13:13 Uhr
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Symbolbild: Kontaktlose Kartenzahlung in einer Gastronomie. (Quelle: dpa/G. Oliver)
Audio: rbb24 Inforadio | 15.05.2022 | A. Michel | Bild: dpa/G. Oliver

Diebe von Geldkarten können auch mit gesperrten Karten erheblichen Schaden anrichten. Wie man sich vor einem Missbrauch zusätzlich schützen kann, zeigt eine Recherche des rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt.

Wem die Geldkarte gestohlen wird oder wer sie verliert, lässt diese bei der Bank sperren - das schützt aber nicht immer vor Missbrauch. Diebe können oft stunden- oder tagelang weiterhin kontaktlos mit der gestohlenen Karte bezahlen.

Eine Frau, der das passiert ist, wandte sich damit an den rbb. Obwohl sie ihre Karte nur wenige Minuten nach dem Diebstahl sperren ließ, erwarben Diebe mit der gestohlen Karte Waren für mehrere hundert Euro. Nach Aussagen der Polizei ist das kein Einzelfall.

Sabine Burkowski vom Landeskriminalamt Berlin erklärt das gegenüber dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt mit einer möglichen zeitlichen Verzögerung bei der Datenweiterleitung im Banksystem. "Beim kontaktlosen Bezahlen hängt es dann davon ab, ob das Kassensystem der Handelsunternehmen online mit dem Sperrsystem verbunden ist oder ob die Sperrung alle 12 Stunden oder alle 24 Stunden im Rahmen eines Updates mitgeteilt wird", sagt die Polizistin.

Wer diese Möglichkeit des Kartenmissbrauchs ausschließen will, kann von vornherein die Funktion des kontaktlosen Zahlens ohne Pin bei der zuständigen Bank sperren lassen.

Unbekannte Sicherheitslücke: Lastschrift

Doch vor einer den meisten eher unbekannten Sicherheitslücke bei Kartendiebstählen warnt Ulrich Binnebössel vom Deutschen Einzelhandelsverband gegenüber Super.Markt: "Das Lastschriftverfahren funktioniert in jedem Falle, auch wenn die Karte gesperrt ist."

Will man dem Dieb auch diese Möglichkeit nehmen, muss man die Karte zusätzlich bei der Polizei sperren lassen. Beim sogenannten "Kuno-Sperrdienst" – einem freiwilligen Dienst der Polizeibehörden in Bund und Ländern und dem Zusammenschluss großer Handelsketten. Erst dann werden die großen Ketten eine Zahlung mit Unterschrift nicht mehr akzeptieren.

Banken übernehmen Schaden

Der durch Unterschriftenbetrug entstandenen Schaden kann zwar von dem jeweiligen Handelsunternehmen zurückgefordert werden, das ist aber oft sehr aufwändig. Daher lohnt es sich, einen Kartendiebstahl auch bei der Polizei unter dem Stichwort "Kuno" anzuzeigen und dort die Karte auch für das Sepa-Lastschriftverfahren sperren zu lassen.

Wer Dieben zuvor kommt und seine Karte rechtzeitig sperrt, für den übernehmen die Banken in der Regel den entstandenen Schaden.

Sendung: Super.Markt, 16.05.2022, 20:15 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Mit der Problematik muss ich mich als Mastercard/Visa Debit Besitzer nicht rumschlagen. Karte in der App oder 116 117 gesperrt und das war’s.

    Die genannten Probleme sind Probleme der girocard die es z.b bei Sparkasse und Volksbank gibt. Ggf. Zu einer modernen Bank wechseln.

  2. 7.

    Eine seltsame Welt. Ist auf dem Konto kein Geld - funktioniert die Karte nicht. Da ist es möglich alles in Echtzeit zu überprüfen. Ist die Karte gesperrt - funktioniert sie doch, da gibt es plötzlich Schwierigkeiten und Verzögerungen.
    Ehrlich gesagt mit Bargeld gibt es diese Probleme nicht: weg ist weg und noch mehr kann nicht nachgestohlen werden. Zahlen kann man auf diese bequeme und sichere Weise immer. Auch wenn es einen Stromausfall gibt. Und nachhaltig ist z.B. so ne Münze ebenfalls: dient uns Jahrelang, braucht weder Strom noch Gas und produziert kein CO2. .

  3. 6.

    Mir ist das selbst schon einmal passiert:
    Karte verloren, direkt bemerkt und bei der Bank sperren lassen. Habe noch gefragt, ob es damit erledigt sei, Antwort war ja, kann nix passieren. Genau ein Jahr später ist mein Konto plötzlich durch mehrere große Zahlungen leer geräumt, da hatte ich die alte Karte gar nicht mehr auf dem Schirm.... Nach einer ganzen Weile hin und her hat die Bank dann bemerkt, dass es sich um eine "nicht mehr existente Karte" handelt, da könnten sie nichts machen, außer alles zurück buchen, ich bräuchte die Kuno-Sperre. Hab ich dann sofort bei der Polizei machen lassen, und nach ein paar ärgerliche Inkasso-Briefen war auch gut. Trotzdem ärgerlich, dass ich nicht direkt darauf hingewiesen wurde, dass es sowas gibt...

  4. 5.

    Für die Kuno-Sperrung muss man sich ja an die Polizei wenden, dort bekommt man dann - je nach Bundesland - eine Sperrbestätigungsnummer mit der man auf der Website des Kuno-Sperrdiensts die Kartenfolgenummer noch nachmelden (oder die Sperrung wieder löschen) kann.

    https://www.kuno-sperrdienst.de/


  5. 4.

    Der Kuno-Sperrdienst der Polizei hat aber leider auch einen besonderen Hürde: Es wird dazu zwingend auch die sogenannte "Kartenfolgenummer" (nicht nur die Kartennummer!)benötigt, nur kaum ein Benutzer kennt diese Nummer, denn mitgeteilt wird diese nirgends, wenn man seine Karte von der Bank erhält und auf der Karte ist sie auch nicht angegeben. In manchen Fällen taucht diese Nummer auf den Kontoauszug bei der Buchung auf, aber nicht generell.

  6. 3.

    Sorry, ein Händler hat mir grad gesagt das er eine Daten-SIM im Gerät hat, also sind dir Teile wohl doch online…..

  7. 2.

    Und da gibt es ja dann noch diese “Offline”-Kartenterminals für Händler (wird ja viel Werbung dafür gemacht und die Dinger gibts in jedem Eloktronikmarkt). Wann und wie (oder ob überhaupt?) bekommen die das mit und wer hat dann den Ärger?

  8. 1.

    Das ist wirklich mal interessant zu wissen.

    Ja die "schöne" neue Welt, machts möglich, bei EC-Zahlung mit PIN, wird geprüft ob mein Konto ausreichend gedeckt ist, hier ist also eine Onlineverbindung von Nöten. Bei Lastschrift, vertraut man mir das mein Konto ausreichend Guthaben haben wird. Aber eigentlich ist es irgendwo eine Sauerei, das es noch weiterhin möglich ist.

    Aber viel wichtiger ist eigentlich die Frage ab wann ich nicht mehr rechtsverbindlich für die unberechtigten Zahlung haftbar bin?

    Mit Sperren der Karte bei meiner Bank, aka über die 116 116, oder mit Anzeige des Diebstalls bei der Polizei, bzw. ab dem "KUNO" Eintrag?

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