Seit 1945 nicht in Betrieb - Stammbahn zwischen Potsdam und Berlin soll für Regionalzüge reaktiviert werden

Mo 23.05.22 | 14:03 Uhr
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Gleis in der Nähe des S-Bahnhof Zehlendorf an der stillgelegten Strecke der Stammbahn (Bild: imago images/Martin Müller)
Video: rbb|24 | 24.05.2022 | Material: rbb24 Brandenburg aktuell | Bild: imago images/Martin Müller

Nach jahrelanger Debatte gibt es eine Entscheidung zur Stammbahn: Künftig sollen wieder Regionalzüge zwischen Berlin und Potsdam über die verwaiste Strecke fahren. Das gilt allerdings nicht für S-Bahnen.

Auf der lange verwaisten Stammbahn zwischen Potsdam und Berlin sollen künftig wieder Regionalzüge fahren. Das verkündeten die Berliner Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) und der Brandenburger Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) am Montag. Demnach sollen auf der Trasse aber keine S-Bahnen unterwegs sein.

Es hatte jahrelange ergebnislose Debatten um die Reaktivierung der Stammbahn gegeben. Berlin hatte eher den S-Bahn-Verkehr favorisiert, Brandenburg immer eine leistungsfähige Regionalbahnanbindung für die Pendler aus der Region. Die Stammbahn ist Teil des Infrastrukturprojekts "i2030" beider Länder.

Seit Ende des Krieges außer Betrieb

Als Stammbahn bezeichnet wird die fast geradeaus führende Bahnverbindung von Berlin-Potsdamer Platz über Zehlendorf, Kleinmachnow und Griebnitzsee bis Potsdam. 1838 war diese Strecke als erste preußische Eisenbahnstrecke in Betrieb genommen und einige Jahre später bis nach Magdeburg verlängert worden. Durch Zerstörungen im Krieg wurde diese Bahnverbindung unterbrochen - und ist es bis heute.

Erste Pläne für eine Reaktivierung nach der Wende verliefen im Sande. Der Bevölkerungszuwachs im Berliner Speckgürtel und stark steigende Pendlerzahlen haben die Stammbahn aber wieder in den Fokus gerückt. Bisher fahren Regionalbahnen von Potsdam in einem Bogen von Westen in die Berliner Innenstadt und nutzen damit zusätzlich die bereits stark ausgelastete Ost-West-Route. Für die Wiederbelebung der Stammbahn gab es mehrere Vorschläge.

Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) liegt direkt an der Trasse. Die Anwohner fürchteten bereits vor der nun angekündigten Reaktivierung der Strecke, dass künftig nicht nur Regionalbahnen, sondern auch ICE-Züge durch den Ort fahren könnten. Für über 800 Millionen Euro könne es sich die Bahn nicht leisten, die Stammbahnstrecke nur für die Regionalzüge auszubauen, argumentierten die Kritiker.

Darüber hinaus wurde am Montag verkündet, dass der Prignitz-Express zwischen Velten (Oberhavel) und Neruppin (Ostprignitz-Ruppin) ausgebaut werden soll.

Grafik: Die Stammbahn zwischen Potsdam und Berlin soll für Regionalzüge reaktiviert werden. (Quelle: rbb/Andreas Schulz)

Sendung: rbb24 Abendschau, 23.05.2022, 19:30 Uhr

86 Kommentare

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  1. 86.

    Die Sprengkraft geht von Menschen wie Sie aus, die wie hier Diskussion etwas aus dem Hut zaubern, um von der "donnendern ICE"-Behauptung der NIMBYs wortreich abzulenken.

    Das große Ganze wie den D-Talt wollen Sie dabei gar nicht sehen, sondern setzen lieber auf bremsendes Klein-Klein wie Ihre U-Bahn-Trasse. Sonst hätten Sie sich besser über i2030 samt dessen Vorgeschichte informiert. Die U-Bahn hatte sebst die BVG nie auf dem Schirm. Es ist auch nur eine Ihrer vielen Nebelkerzen.

  2. 85.

    Auch an dieser Stelle will ich das GroßeGanze sehen. Sie dürfen aber nicht darauf setzen, dass die Entscheidungsprozesse weiter so kritiklos hingenommen werden. Auch wenn Verwaltungen es dürfen. Es wird sich jemand finden, der da mit „eisernen Besen“ durchgeht, wenn das Maß ständig und arrogant überzogen wird.

  3. 84.

    Sie können Klagen nie verhindern. Aber es geht schneller, wenn vorher Regeln erstritten wurde, z.B. 10H oder auch 8H. Wieder führen Sie ein Beleg dafür an, dass die Aufhebung von Regeln es nur verschlimmert. Lassen Sie uns die Zahl der gebauten (!) WKA nach einiger Zeit vergleichen, mit und ohne Regeln?

  4. 83.

    Wenn etwas nicht belegt ist, gibt es das nicht? Die Trasse in der Ginsterheide kann man vom Schreibtisch aus, auf Maps, sehen. Das „Pferd auf das geritten wird“ ist da, man muss nur die Augen auf machen wollen. Man kann aber auch so tun, als wenn es „das Pferd“ nicht gibt. Wissen Sie was dann passiert? Unzählige Gerichtsverfahren im VR, welche dann, so wie immer, von nicht Fehler machenden Verwaltungen gewonnen werden. Muss das denn so sein? Die Disziplinierungsversuche, mit Hilfe der Gebührenordnungen, rufen so, eine immer arroganter agierende Verwaltung hervor, Sie werden das, weil sie es dürfen. Erkennen Sie die „Sprengkraft“?

  5. 82.

    Ach ja, und dann wäre da nach noch der Deutschland-Takt, der auch gegen einen Ausbau der Stammbahn für die S-Bahn oder gar ein völlig neue Trasse für Ihre U-Bahn spricht. Man muss den Blick schon etwas weiten und darf sich nicht im Klein-Klein verlieren, weil man dann nicht ans Ziel kommt. Genau das scheint aber Ihr Ziel zu sein.

  6. 81.

    Komisch, dass sie zwar bei WKA Wert auf die 1.00 m Abstand zur Befriedung der Klagewut legen, zur geschlossenen Wohnbebauung es aber bei Werder sogar 1.200 m sind es eben auch Klagen gegen über 2.000 m entfernte WKA gibt.

  7. 80.

    Es sei nicht belegt, dass die Trasse für eine U-Bahn freigehalten wurde. Dafür sei auch die Einwohnerdichte in der ausgedehnten EFH-Siedlung zu gering. Denkbar sei deshalb auch eine Straßenbahn, schreiben Alexander Seefeldt und BVG-Archivar Axel Mauruszat in einem Ende 2018 erschienenen Buch zur U3. Nach den Plänen aus den 70ern sollte die U-Bahn die letzten wenigen Hundert Meter bis zum stillgelegten S-Bahnhof Düppel oberirdisch fahren. Damit wäre ein Weiterbau nach Kleinmachnow nicht möglich. Mit Ihre Idee sind Sie viel zu spät dran und reiten weiterhin als Späteinsteiger im Projekt i2030 ein spätestens seit 1933 mausetotes Pferd.

  8. 79.

    Und jetzt bringen Sie es auf den Punkt: Man hat doch nicht etwa Naheliegendes schlicht vergessen? Verstehen Sie jetzt meine ständigen Kritikpunkte bezüglich Entscheidungen „vom Schreibtisch aus, nach Aktenlage, ohne Ortskenntnisse“? Trotz ungerechtem Verwaltungsrecht und NIMBY-Verunglimpfungen traut sich doch mal jemand „um die Ecke“. Sehr unangenehm, wenn man erwischt wird? Nein, denn es ist noch Zeit...noch. Ich jedenfalls hatte schon öfter das Gefühl, dass Sie Ortskenntnisse nicht so mögen. Siehe auch die 250m WKA vor Werder. Woher kommt das nur? Und glauben Sie es ruhig, miteinander ist besser. Gilt übrigens auch für die Avis-Anwohner. Die wurden auch arrogant abgekapselt. Jetzt fehlt der Platz...

  9. 78.

    @Matze P.(52)+ Volker Sievers (57)
    Was ist das?
    Eine Entschuldigung für das Bauversagen in dieser Stadt, in diesem Land? Flughafen, Stuttgart 21, Autobahn, Brücken, Großprojeke im Allgemeinen.
    Die U-Bahn in London, wäre in Berlin, wo es vorrangig um Fahrradstraßen, Gendertoiletten u.a. geht, ein Jahrtausrndprojekt.

  10. 77.

    Donnernde ICE??? wo soll der denn da hin wollen XD etwa nach Brandenburg (Havel) oder Dessau? Die ICE Achsen von/nach Berlin liegen nördlicher(Lehrter Bahn) sowie südlicher (Anhalter Bahn). Hier wird nie (plannäßig) ein ICE fahren, genau so wie auf der Strecke durch den Grunewald… ganz ehrlich wer so wenig Ahnung von den Umständen halt sollte sich mit die betreffenden Argumentationen doch bitte zurückhalten.

  11. 76.

    Die Stammbahngegner verschweigen geflissentlich, dass zwischen Griebnitzsee und Nikolassee nur zwei Gleise für Fern- und Regionalbahn zur Verfügung stehen. Dieses mehrere Kilometer lange Nadelöhr bliebe also bei einer Nutzung der Wannseebahn bestehen. Auf letzterer wären außerdem umfangreiche Baumaßnahmen auch dann notwendig, wenn nur ein Gleis saniert und natürlich elektrifiziert würde: Kilometerlang Schallschutzwände mitten durch Wohngebiete - anders als auf der Stammbahn zwischen Düppel und Kohlhasenbrück, wo die Strecke AM RAND VON KLEINMACHNOW VORBEI führt.

    Ergebnis bei einem Verzicht auf die Stammbahn: Zwischen Berlin-Mitte und Potsdam stünden über weite Strecken weiter nur zwei bis drei Gleise zur Verfügung. Bei einem Wiederaufbau der Stammbahn wären es DURCHGÄNGIG vier. Aber klar: Einige wenige Anwohner und ein paar Kleingärtner hätten Nachteile. Also warum nicht lieber viele Anwohner und noch mehr Fahrgäste belasten?

  12. 75.

    Sie haben immer noch nicht verstanden, um was es hier geht, nämlich um eine Empfehlung an den i2030-Lenkungsausschuß, die Reaktivierung der Stammbahn nur noch für RB weiter zu untersuchen. Ob und falls ja, wann die tatsächlich wieder in Betrieb gehen soll, ist völlig offen. Bekanntlich ziehen immer mehr Berliner uns Umland. Der Entscheidungsprozess dauert bereits mehrere Jahre. Dessen einzelne Schritte waren dabei immer wieder Thema in den Medien wie man die bei Interesse auch auf i2030.de verfolgen kann.

  13. 74.

    In der Kleinmachnower Ginsterheide wurden seit Jahrzehnten deshalb die Trasse bis zur Ernst-Thälmann-Str. freigehalten. Die Anlieger durften pflegen, aber nicht kaufen. Jahrzehnte ist für Sie „jetzt um die Ecke kommen“? Wenn man die Verkehrswende will, ist es gut möglich, länderübergreifend zu denken. Und glauben Sie es, die Kleinmachnower und Zehlendorfer unterstützen Sinnvolles eher als „Schreibtisch-NIMBYs“ (das Wort sollte man sich merken) ohne Ortskenntnisse. Und „erpressbar“ sind sie auch...;-)

    P.S. Sie mögen keine privaten Ideen?

  14. 73.

    Mit der der U-Bahn haben *Sie* hier ein paar Jahre nach Projektstart am Dienstag, 24.05.2022 | 11:21 Uhr den Traum einen privaten Immobilienentwicklers aus den 30ern aufgegriffen. Ihnen scheint entgangen zu sein, dass es schon schwierig genug gewesen ist, die divergierenden Interessen von B. und Bbg. unter einen Hut zu bringen und kommen mit dem nächsten Verkehrsmittel um die Ecke,

  15. 72.

    Das wäre dann auch i.O. wenn es Belastbares für Ihre Aussage gibt. Das man dieses anmahnt haben Sie auch so verstanden. Es muss belastbar statt einseitig sein, bevor es wieder mal zu spät ist für Einsichten was falsche Standortentscheidungen sind. Oder gibt es die nur in Brandenburg nicht?

  16. 71.

    "Also wenn man es mit der Verkehrswende wirklich ernst meint" - sollte man die Verkehrsströme kennen, sind sie auch noch so klein... Und ist es nicht fahrlässig gegenüber der "Verkehrswende", diesen Begriff so inflationär, für eigene Interessen, zu benutzen? "

    Also ich bilde mir ein den Begriff " Verkehrswende " nicht zu missbrauchen aber da kann jeder sicher seine eigene Meinung bilden . Ich finde vielmehr das dieser Begriff von der Politik regelmäßig missbraucht wird denn würden wir genauso viel in den Ausbau des ÖPNV investieren wie in den Ausbau der Straßen dann gäbe es längst die ein oder andere neue Schienenverbindung . Und was die Verkehrsströme angeht gibt es sowohl für die U3 Argumente die dann Klm. Richtung Zehlendorf und City West anschließen würde als auch für eine zusätzliche RE Verbindung aus Richtung Brandenburg / Potsdam Richtung Südkreuz und weiter zum Potsdamer Platz denn das der RE 1 heute schon sehr gut ausgelastet ist ja kein Geheimnis.

  17. 70.

    Suggerieren Sie jetzt, dass, statt der Stammbahn, auch die Variante "Wannseebahn/U3" verfolgt werden könnte? Wenn ja, kann das Ergebnis für Akzeptanz sorgen, in beide Richtungen. Wenn nein, wird wohl die Gegenwehr, das verzögerte Aufholen von Unterlassenem, kundig und wehrhaft, eingefordert werden. Dann aber sitzen die wirklichen "Schreibtisch-NIMBYS" auf der Verzögerungsseite. So gesehen hat der diskriminierende NIMBY-Begriff ein schönes Bumerangergebnis für die Verursacher...

  18. 69.

    In der Tat werden hier keine Ansätze wie Ihr Neuauflebenlassen der Bahnversprechen eines privaten Investors aus grauer Vorzeit verfolgt. Nochmal: Die Ausgangsvarianten für i2030 sind vor langer Zeit festgelegt worden. Sie konnten sich nichtmals an einen fleißig von Ihnen kommentierten Artikel vom Februar diesen Jahres erinnern. Hier wird nur über einen Schritt von vielen für eine der Varianten berichtet. Ob und wann die tatsächlich realisiert wird, ist völlig unklar.

  19. 68.

    "Wer jetzt noch neue Varianten ins Spiel bringt, hat eher wenig Interesse, das zu einem Ende zu bringen, sondern will die Verfahren nur mit immer neuen Variablen verkomplizieren und verzögern."
    Dies trifft aber eher auf solche "Verwaltungsfachleute" zu, die sehr gute und alte U-Bahn Vorschläge (seit Mitte der 30iger Jahre!) übergehen und einfach nicht sehen wollen. Hier im Artikel werden keine guten (alten) Ansätze verfolgt. "Immer Neue" kann ich in keinem Kommentar erkennen; Sie aber aus taktischen Gründen? Wenn Ignoranz ein "Verzögerungsgrund" ist, ja dann haben Sie recht. Schuld daran sind die Ignoranten. Wo wollen Sie wem einordnen, einschließlich sich selber? Vielleicht aber ist die Auseinandersetzung unnötig, wenn es Informationen gibt, die genau diese Abwägung längst getroffen hat. Befürchten muss man was anderes...

  20. 67.

    Die Verkehrswende ist in der Tat mehr als nur die Stammbahn. Die ist nur eins von vielen für i2030 vor einiger Zeit gesammelten Projektideen, die schrittweise untersucht werden, um am Ende Entscheidungen treffen zu können, was wann wie realisiert wird. Dazu kommen noch andere Maßnahmen jenseits der Eisenbahn. Sie wollen eine solche Entscheidung offensichtlich nicht, sondern erhöhen die Variantenzahl in einem späten Untersuchungsstadium erneut anstelle wie hier thematisiert die zu reduzieren.

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