Berliner Immobilienmarkt - Landeseigene Unternehmen stecken Milliarden in Wohnungsbau

Do 26.05.22 | 08:06 Uhr
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Zwei Männer arbeiten auf einer Baustelle der Wohnungsbaugesellschaft Howoge. (Bild: dpa/Britta Pedersen)
Audio: rbb|24 Inforadio | 26.05.2022 | Thorsten Gabriel | Bild: dpa/Britta Pedersen

Wenn die rot-grün-rote Koalition in Berlin ihr Neubauziel erfüllen will, braucht sie vor allem auch die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen. Die geben schon seit gut einem Jahrzehnt viel Geld aus, auch auf dem Immobilienmarkt. Von Sebastian Schöbel

Die sechs landeseigenen Berliner Wohnungsbauunternehmen haben seit 2010 rund 4,9 Milliarden Euro in den kommunalen Wohnungsbau investiert. Das geht aus der Antwort der Stadtentwicklungsverwaltung auf eine unveröffentlichte parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Niklas Schenker hervor, die dem rbb vorliegt.

In den vergangenen zwölf Jahren haben die sechs Unternehmen demnach rund 20.000 neue Wohnungen gebaut und etwas mehr als 41.000 Wohnungen angekauft.

Linke lehnen landeseigene Eigentumswohnungen ab

Schenker betonte auf rbb-Nachfrage die Bedeutung der landeseigenen Unternehmen für den Berliner Wohnungsmarkt. "Knapp 90 Prozent der dringend benötigten Sozialwohnungen sind durch die landeseigenen Wohnungsunternehmen entstanden", so Schenker. "Es ist erfreulich, dass die Wohnungsbaugesellschaften in den vergangenen Jahren kontinuierlich mehr Wohnungen fertiggestellt haben."

Gleichzeitig forderte Schenker den Senat auf, weitere Flächen für landeseigene Wohnungen zu erwerben und dabei auch bessere Zugriffsmöglichkeiten auf private Grundstücke zu schaffen.

Den Neubau von Eigentumswohnungen zur Querfinanzierung von geförderten Wohnungen, wie ihn Bausenator Andreas Geisel (SPD) zuletzt ins Gespräch gebracht hat, lehnte Schenker hingegen ab. "Auf den ohnehin knappen Bauflächen müssen die landeseigenen Wohnungsunternehmen auch in Zukunft ausschließlich bezahlbare Mietwohnungen bauen statt Eigentumswohnungen für Besserverdienende", so Schenker.

Außerdem weist das Wohnbauflächen-Informationssystem (Wofis) des Landes Berlin Potenzial für genau 7.193 Wohneinheiten aus, die kurzfristig gebaut werden könnten. Bis 2028 liegt das Baupotenzial der landeseigenen Unternehmen laut Wofis bei weiteren rund 14.500 Wohneinheiten, bis 2033 bei weiteren 8.000.

Zumindest auf dem Papier könnten die landeseigenen Unternehmen Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie WBM in den kommenden zehn Jahren rund 62.000 neue Wohnungen schaffen.

Berliner Wohnungsmarkt: Potenzial vor allem im Osten

Die Wofis-Daten zeigen, dass das Potenzial für neu gebaute landeseigene Wohnungen in Berlin zurzeit sehr ungleich verteilt ist. Lichtenberg und Treptow-Köpenick führen die Rangliste an, mit einem Potenzial von jeweils knapp 11.000 Wohneinheiten, gefolgt von Pankow mit rund 10.000 Einheiten.

Das Schlusslicht bildet Charlottenburg-Wilmersdorf mit knapp 500 Wohneinheiten, die bis 2033 gebaut werden könnten. Insgesamt liegt das Flächenpotenzial laut Wofis vor allem im Osten Berlins.

Die rot-grün-rote Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, die bis 2026 insgesamt 35.000 neue Wohnungen durch die landeseigenen Gesellschaften zu bauen. Ob die angesichts der Energiekrise durch den Krieg in der Ukraine, die steigende Inflation, explodierende Baupreise und Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft zu halten sind, ist allerdings unklar.

Laut der Antwort auf Schenkers parlamentarische Anfrage geben sich allerdings alle landeseigenen Wohnungsunternehmen optimistisch: Alle gaben an, Maßnahmen ergriffen zu haben, um sich langfristig abzusichern.

So seien zum Beispiel Verträge mit Preisgleitklauseln vereinbart und Planungskapazitäten langfristig eingekauft worden. Zudem seien Generalplaner gebunden worden, um Planungssicherheit zu schaffen.

Sendung: rbb|24 Inforadio, 26.05.2022, 07:00 Uhr

26 Kommentare

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  1. 26.

    "Auch sorgt mehr Wohnraum für keine Entlastung. Der Zuzug wird immer stärker als das Angebot sein. " So ist es und so war es schon immer seit Bestehen Berlins als Großstadt. Das wollen die Anhänger der Devise "Bauen, bauen, bauen um jeden Preis aber nicht hören?

    Und warum? Die Herrschaften leben davon dass immer mehr Mieter ausgebeutet werden können. Entweder weil sie selbst auf der Welle der völlig überzogenen Mieten mitschwimmen wollen, sich exorbitante Renditen erhoffen oder mit dem Baugewerbe zu tun haben.

  2. 25.

    Das ist nicht egoistisch sondern ein ökologisch vernünftiges Denken. Sie wollen offensichtlich Betonwüsten wie in chinesischen Metropolen, ohne grün, Hauptsache Wohnraum und jeder Hinterhof zugebaut. Auch sorgt mehr Wohnraum für keine Entlastung. Der Zuzug wird immer stärker als das Angebot sein.

  3. 24.

    Was hat Ihre Frage mit der Sandmafia zu tun vor welcher RRG die Augen verschließt nur um Wohnungen zu bauen? Aber um die Frage zu beantworten, wenn ich im Glashaus sitze schmeiße ich nicht mit Steinen

  4. 23.

    Gehören Sie ggf. auch zu den Zugezogenen (Berlinern), die andere bereits verdrängt haben?

  5. 22.

    Dies ist aber zu Einseitig gedacht und hört sich gerade so toll politisch korrekt an.

    Fakt ist aber, wenn nicht gebaut wird, steigen weiter die Preise bei der Neuvermietung bzw. Neubau stark an.

    Die Preise kann sich die Familie immer schwerer leisten. Die Familie baut sich ein Haus auf dem Land oder zieht in eine günstigere Wohnung außerhalb ist.

    Dieser Wohnraum muss genauso beschaffen werden und kostet Rohstoffe. Dem Klima ist es egal wo der Wohnraum entsteht.

    Mit Mieten- und Bauregulierungen verschafft man nur, das weniger gebaut wird. Kleinere private Vermiete Ihre Wohnungen an größere Konzerne verkaufen und die Preise der Neuvermietungen steigen. Die Vermieter werden gezwungen mit ihrem Eigentum anders umzugehen.

    Aber Menschen benötigen nunmal Platz zum Leben. Mit Ihrer Aussage sind sie sehr egoistisch, denn sie wollen Zugereiste aussperren.

  6. 21.

    Schauen Sie sich die Zahlen von Webansen an, verfolgen Sie die Berichterstattung zu den zurückgehenden Baugenehmigungen (und parallel in Brandenburg steigenden) wie z.B. hier
    https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/weniger-neue-wohnungen-in-berlin-genehmigt-li.217522
    etc.

  7. 20.

    Solange der Berliner Senat die Wohnungsbaugesellschaften nicht dazu verpflichtet mehr Wohnungen für finanziell schwache Personen anzubieten und weiterhin überwiegend der Bau nicht bezahlbarer Wohnungen genehmigt wird, ändert sich an der Wohnungsnot für den Normalbürger nichts.
    Da kann gebaut werden ohne Ende !!!

  8. 19.

    Yipee....alles zubauen, Berlin braucht 6 Millionen Einwohner und keine Grünfläche. Wird eigentlich auch berücksichtigt woher der Sand kommt mit welchen der Zement hergestellt wird? Stichwort Sandmafia. Aber offensichtlich ist das egal, Hauptsache Berlin zieht noch mehr Menschen an

  9. 18.

    Ob und wenn wann sie diese Milliarden je als Miete bei dem politischen Mietniveau, die durch die Ampel- und USpolitik explodierenden Preise und Inflation mit grassierendem Wohlstandsverlust und niedergehender Wirtschaft und steigenden Zinsen, weider reinkriegen?
    Es ist ja nicht so, dass sie nicht schon 10 Milliarden Schulden hätten. Bei einer Zinserhöhung der EZB von 0,5% macht das ZUsätzlich (!) 50 Mio Zinskosten im Jahr. Das Selbe gilt für die Schulden des RRG Senates. Wie gesagt zusätzlich !
    4,16 Mio im Monat. Das sind die Mieten von 8333 Wohnungen (bei 500 kalt) wie gesagt ZUsätzlich. 8333 * Miete umsonst aber mit allen anfallenden Kosten (Instandsetzung Repararuren Modernisierungen etc). Das tragen die übrigen Mieter mit. Oder alle Berliner.
    Habe ich schon darauf hingewiesen, dass dies ZUsätzliche Kosten sind? Ach ja..und das sind NUR die Zinsen, nicht die Tilgung der Schuldensumme.

  10. 17.

    Pfft ich schaffe doch keine Wohnungen mehr, die mir hinterher quasi gar nicht gehören, über die ich kaum noch Entscheidungsgewalt habe, über die andere bestimmen. Ich lediglich Erfüllungsgehilfe für die Wahlergebnisse von RRG bin. Ich bezahle euer Kabelfernsehen, ich soll bald eure CO2 Steuern bezahlen, damit ihr die Heizung sorgenfrei bis zum Anschlag aufdrehen könnt. Als nächstes bezahl ich auch noch euer Internet und die Stromkosten, weil keine Solarzellen auf dem Dach sind bzw muss ich diese bauen, damit Mieter kostenlosen Strom haben. Kann aber die Kosten dafür nur begrenzt umlegen. Man wird gespiegelt, gedeckelt, vom Markt verdrängt oder Enteignet und ja auch erpresst mit Baugenehmigungen oder Vorkaufsrecht gegen Zusagen.
    Wovon träumt ihr Nachts?

  11. 14.

    Schöne Tabellen, nette Texte und große Zahlen. Am Schluss bleiben es 2.000 Wohnungen jährlich, die von den öff. WBG geschafft werden; gebraucht wird jedoch das Zehnfache. Diese Lücke müssten die Privaten schließen, die in den letzten fünf Jahren jedoch systematisch aus dem Markt getrieben wurden. Es wird demnach überhaupt nichts besser, sondern im Gegenteil - die von R2G geschaffene Misere wird immer stärker sichtbar. Es ist zum Heulen.

  12. 13.

    Sie haben auf #11 geantwortet, in #10 habe ich aber auf die Zahlen verwiesen, die eine klaren Trend erkennen lassen und auch Rückschlüsse auf die Vorlaufzeiten zulassen.

    2010 hatte das Land Berlin beschlossen, nach der blutigen Nase, die es sich in den 90ern geholt hatte, wieder in den kommunalen Wohnungsbau zu investieren. Die Früchte dieser Entscheidung sind in den Folgejahren geerntet worden. Doch 2017 warnten dann u.a. die LWU, dass den Versprechen von Lompscher (bereits sie hatte verkündet, im Schnitt den Neubau auf 20.000 auf Wohnungen pro Jahr zu steigern) kontraproduktive Taten entgegen stehen. Die Folgen ihres Handeln sieht man jetzt in den Fertigstellungszahlen, aber auch am Angebot von Bestandswohnungen.

    Berlin allein fehlen die Mittel. Es bedarf privater Investoren wie beim 2014 eingeführten Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung im Großen und wieso nicht auch mit ETW im Kleinen. Man darf die nicht pe se aus ideologischen Gründen für pöse erklären.

  13. 12.

    Sehr nett, belegt nur Ihre Aussage nicht, die sich wohl auch nicht auf einen Post von Webansen bezogen hat.

  14. 11.

    Ach ja, und nicht nur mir ist aufgefallen, dass die Linke sich weit aus dem Fenster lehnt, wenn die per se ETW zur Finanzierung des Wohnungsbaus durch die LWU ablehnt. Man kann hier, nicht nur um der Verfassung des Landes genüge zu tun, mit einer entsprechenden Ausgestaltung mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:
    - Finanzierung des Baus geförderten Wohnraums
    - Durchmischung
    - ETW für den "Mittelstand"

  15. 10.

    Webansen war um 12:26 Uhr so nett und hat weiteres Zahlenmaterial heraus gesucht, welches Ihre Frage beantwortet. Vermutlich war der Kommentar aber noch nicht veröffentlicht als Sie den Ihren schrieben. Auch empfehle ich gerne lokale und regionale Medien, die über einzelne Verfahren und deren (Nicht-)Fortschritt berichten, insbesondere einen Kreuzberger Verlag.

  16. 9.

    So sieht's aus. Zu den 10000 Euro, die man durch den nicht vollzogenen Umzug spart, kommen noch der Vorteil eines alten Mietvertrages mit meist noch erträglicher Miete und ein gewohntes Wohnumfeld. Warum sollte jemand von einer 100m2-Wohnung mit Altvertrag in eine 65m2-Wohnung umziehen und dabei noch mehr Miete zahlen?

  17. 8.

    Die Hälfte der Wohnungen der HOWOGE werden für 6,50 pro Quadratmeter vermietet, das kann sich sehr wohl ein Berliner mit geringem Einkommen leisten. Die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften schaffen die günstigsten Wohnungen, insofern sind die Neubauprojekte auch in Form von Nachverdichtung nur zu begrüßen!

  18. 7.

    Es muss attraktiver werden Wohnraum insbesondere öffentlich Geförderter effektiv zu nutzen. Das Problem ist das es noch immer günstiger ist eine "zu große" Wohnung über ein langen Zeitraum zu bezahlen als den Umzug in eine Kleinere. Nicht nur die Kosten 10.000 € + sondern auch der Streß um die Formalitäten etc. ist enorm. Es sollte attraktiver werden aus dem Kinderzimmer das Oma/Opa Zimmer zu machen. Als Gegenstück zum Pflegeheim. In Jedem Aufgang Wohnungen für Ältere gesetzl. vorsehen. usw.

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