Vergünstigung im ÖPNV - Neun-Euro-Ticket kann in Berlin bereits gekauft werden

Fr 20.05.22 | 17:49 Uhr
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Eine junge Frau hält im U-Bahnhof Potsdamer Platz ein 9-Euro-Monatsticket in der Hand (Quelle: dpa/Kumm)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 20.05.2022 | Ismahan Alboga | Bild: dpa

Den gesamten ÖPNV nutzen - für neun Euro im Monat: Ab Juni gilt dieser Tarif. Die Berliner S-Bahn und die BVG wollen auf vielen Linien Taktungen erhöhen. Unterdessen hat der Verkaufsstart teilweise bereits am Freitag begonnen.

Das Land Berlin reagiert mit einer Ausweitung des ÖPNV-Angebots auf das stark vergünstigte Fahrscheinangebot ab 1. Juni. Wegen der erwarteten stärkeren Nachfrage werden BVG und Berliner S-Bahn auf einigen Linien mehr Fahrten anbieten, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Der Verkauf des Neun-Euro-Tickets hat in Berlin bereits am Freitagmorgen begonnen - noch vor dem endgültigen Bundesratsbeschluss. Ursprünglich wollten BVG und S-Bahn am Samstag mit dem Kauf beginnen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat seine Pläne ebenfalls geändert: Der ursprünglich für Montag angesetzte Verkaufsstart wurde auf Samstag vorgezogen. Bei der Deutschen Bahn ist das Ticket ab Montag erhältlich.

Der Bundestag hatte am Donnerstagabend den Weg für das Ticket freigemacht, am Freitag stimmte der Bundesrat zu.

Mehr Busse, U- und Straßenbahnen

Die BVG plant im Zuge der Ticket-Einführung insbesondere Ausflugsziele anzusteuern. In den Sommerferien sollen erstmals seit Jahrzehnten wieder Busse zum Strandbad Tegelsee unterwegs sein. Vorgesehen ist ein täglicher 40-Minuten-Takt. Ebenfalls angefahren wird das Strandbad Wannsee. Zwischen Wannsee und Glienicker Brücke fahren die Busse in den Sommerferien häufiger.

Auf der Buslinie 124 zwischen Heiligensee und Alt-Tegel soll der Bus häufiger kommen, ebenso auf dem Mariendorfer Damm und dem Lichtenrader Damm. An Samstagen wird es mehr Zubringerfahrten mit dem Bus zur S-Bahnhof Karlshorst und zur U5 am Tierpark geben.

Für Pendler plant die BVG ebenfalls bessere Verbindungen. Die Straßenbahnlinien 18 in Marzahn-Hellersdorf und die M6 entlang der Landsberger Allee werden häufiger fahren. Bei der M6 ist in den Morgenstunden ist ein 5- statt wie bisher 10-Minuten-Takt vorgesehen.

Das U-Bahn-Angebot wird auf zwei Linien etwas aufgestockt. So werden die U6 und die U9 von Montag bis Freitag vormittags einmal mehr pro Stunde unterwegs sein. Diese zusätzlichen Fahrten werden allerdings nur bis zum Beginn der Sommerferien angeboten.

Dichtere S-Bahn-Taktungen

Die S-Bahn plant wegen der erwarteten zusätzlichen Fahrgäste abends zusätzliche Fahrten auf den Linien S1 (Zehlendorf-Potsdamer Platz), S3 (Friedrichshagen-Ostbahnhof) und S5 (Mahlsdorf-Ostbahnhof). Auf der Linie S7 zwischen Westkreuz und Potsdam-Hauptbahnhof wird der 10-Minuten-Takt von Montag bis Samstag bis circa 22 Uhr verlängert, wie auch auf der Linie S1 zwischen Zehlendorf und Wannsee.

Gemeinsam mit Brandenburg weitet Berlin das Angebot auf der Linie S2 an Sonntagen aus. Die von und nach Bernau fahrenden Züge werden von vier auf acht Wagen verstärkt. Ab 25. Juni wird die aus Süden kommende Linie S26 an den Wochenenden über ihren Endpunkt Potsdamer Platz hinaus nach Gesundbrunnen verlängert.

Berlin wünscht sich in der Ferienzeit auch zusätzliche Zugverbindungen in Richtung Ostsee. Man befinde sich über den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg derzeit in intensiven Abstimmungen mit den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, hieß es von der Verkehrsverwaltung. Details dazu würden in Kürze gemeinsam bekannt gegeben.

Verkaufsstart teilweise schon am Samstag

Bei der BVG soll das Sonderticket über die Apps sowie die BVG-Kundenzentren erhältlich sein, wie es auf einer Informationsseite des Verkehrsunternehmens heißt. Die Berliner S-Bahn wiederum will die Monatskarte eigenen Angaben zufolge zunächst nur persönlich in den S-Bahn-Verkaufsstellen anbieten. An den Fahrkartenautomaten sollte das Ticket ursprünglich erst ab Montag zu kaufen sein, stellenweise war es aber in Berlin schon am Freitag erhältlich.

Für Samstag plant der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) den Verkaufsstart. Zu kaufen gibt es das Neun-Euro-Ticket an Fahrausweisautomaten, in den Kundenzentren der Verkehrsunternehmen sowie übers Handy. Auch beim Fahrer im Bus soll der Kauf möglich sein, außer in den Bussen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Wenn an Bahnhöfen kein Automat steht, können Fahrgäste das Monatsticket laut VBB auch im Zug erhalten.

Nach Bundestag stimmt auch Bundesrat für das Ticket

Der Bundestag hatte am Donnerstagabend mit den Stimmen der Ampel-Koalition und der Linken das Neun-Euro-Ticket beschlossen. Das Gesetz regelt die Finanzierung des Vorhabens durch den Bund. Einigen Bundesländern war der geplante Zuschuss von 2,5 Milliarden Euro allerdings nicht weit genug gegangen. Es wurde befürchtet, dass die Zustimmung im Bundesrat womöglich ausbleibt. Am Freitag hat der Bundesrat dem Gesetz zum Ticket letztlich jedoch zugestimmt.

Verbraucherexpertin sieht deutliche Entlastung

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sieht in der Einführung des Neun-Euro-Tickets eine deutliche Entlastung für Familien. Die Teamleiterin "Mobilität" beim VZBV, Marion Jungbluth, sagte im rbb24 Inforadio, Familien mit Kindern könnten mit dem Ticket bis zu 200 Euro pro Person sparen. Auch deutschlandweite Urlaubsreisen im ermäßigten Nahverkehr seien dadurch möglich.

Sendung: Abendschau, 19.05.2022, 19:30 Uhr

105 Kommentare

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  1. 105.

    "Der Abschnitt von Küstrin Kiez auf Brandenburger Seite nach Kostryzn auf Polnischer Seite kostet pro Fahrt 2,10 € und dauert laut Fahrplan ca. 9 Minuten." Und da wird über die hohen Preise in Berlin geklagt???

  2. 104.

    "Woher wollen Sie wissen das der Ausbau der U-Bahn und S-Bahn nicht genutzt wird??" Das geht doch ganz klar aus den Kommentaren hervor, die Mehrzahl hier würde NICHT umsteigen, auch wenn es die Alternativen gäbe. Warum hat man denn Linien ausgedünnt oder eingestellt? Weil sie zu wenig oder nicht genutzt wurden!
    Und: doch, ich nutze die Öffentlichen, mir fehlt da nix und es stört mich wenig.

  3. 103.

    Zitat: "Warum hat man nicht gleich mit dem 9-Euro-Ticket ein Fahrradverbot für diese Monate eingeführt?"

    Gegenfrage: Warum hat man nicht gleich mit dem 9-€-Ticket ein Fahrverbot für den MIV für diese drei Monate eingeführt? Na, bimmelt's, Bella?

  4. 102.

    Zitat: "Na Gerd, ich denke das Gerdi doch vollkommen Recht hat, mit dem was sie schreibt."

    Sie halten es also für eine gerechtfertigte Aussage, wenn Radler allgemein als quasi Parasiten bezeichnet werden, die aus den Städten verbannt gehören? Bitte gehen Sie nochmal in sich und reflektieren Gerdis hanebüchene Wutschnauberei, Sandra.

  5. 101.

    Warum hat man nicht gleich mit dem 9-Euro-Ticket ein Fahrradverbot für diese Monate eingeführt?
    Schließlich sollen die Busse die jetzt wie auf der Perlenkette im Sekundentakt heranrauschen, nicht hinter Hindernissen auf der Bussspur hinterher tuckeln. Übrigens nehme ich öfters auch die Busspur mit dem E-Kfz. Wurde öfter angehalten aber die Polizei war überfragt... konnte dann weiter fahren (hehe).

    www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/info/vorteile-elektroauto-stadt

  6. 100.

    Danke - falsch formuliert: Regios gehören natürlich zur DB. Nur für Fernverbindungen gilt es ebend nicht. Es sei denn, mensch zuckelt mit zigmal umsteigen von Lörrach nach Stralsund.

  7. 99.

    Woher wollen Sie wissen das der Ausbau der U-Bahn und S-Bahn nicht genutzt wird?? Es ist wohl eher ihre persönliche Einstellung. Oder ??
    Ich nutze die S-und U-Bahn nicht weil sie bei mir nicht existent ist. (Kladow, Gatow usw.)

  8. 98.

    Na Gerd, ich denke das Gerdi doch vollkommen Recht hat, mit dem was sie schreibt.
    Und einigen hier muss man schon das Wort "Nassauer" erklären.
    Des weiteren glaube ich nicht das Gerdi diesen Kommentar wutschnaubend verfasst hat. Das weiß man wenn man öfters die Kommentare von Gerdi gelesen hat. Es ist einfach ihre Meinung.
    Aber ich vermute das Sie vielleicht vor Wut geschnaubt haben als Sie den Kommentar gelesen haben.

  9. 97.

    Nun, ich nutze seit geraumer Zeit ein Firmenticket. Allerdings hat sich meine Fahrtzeit zur Arbeit damit deutlich verlängert.
    Mit dem Auto ca 30 Min., Öffis brauchen ca 65 Min. je Strecke. Relativ oft länger weil mal wieder irgendwas nicht funktioniert. So entscheide ich mich dann doch häufig wieder fürs Auto. Grundsätzlich finde ich das 9€ Ticket gut. Ich würde Wünschen, das ab Sep. wieder die 2Std. Begrenzung, je Schein gibt.
    Ein sauberes Umfeld und mehr handeldes Personal wäre wünschenswert.

  10. 95.

    Kann ich dann nun mit meiner BVG Abokarte auch Regionalbahnen fahren und in anderen Städten die Öffis benutzen ? Oder brauch ich ein Extra 9 Euro Ticket ?

  11. 94.

    Ja allerschlimmster Populismus. Wenn den arbeitenden Armen was gutes hätte getan werden sollen, hätte ein Zuschuss gereicht. Das Geld wäre besser in den Ausbau des Nahverkehrs geflossen. Stattdessen wird nun auch noch das Benzin für SUV billiger. Finanziere also mit meinen Steuergeldern Wohlhabende. In Berlin haben überwiegend Haushalte mit guten und hohen Einkommen ein oder mehrere KFZ.

  12. 93.

    Ich habe kein Auto, dafür aber eine Monatskarte. Mir nützt das Ticket etwas. Die Senkung der Spritsteuer dagegen nützt mir überhaupt nichts. Meckere ich wegen der Spritsteuer? Nein. Warum meckern Sie gegen das 9 Euro Ticket?

  13. 92.

    Völlig korrekt, das 9-Euro-Ticket ist in dieser Form volkswirtschaftlich unsinnig.

  14. 91.

    Vernünftig wäre es gewesen, solch ein Ticket für den Bereich eines bestimmten Verkehrsverbunds beschränkt auf Personen, die im Verbundbereich ihren Wohnsitz haben, anzubieten. So nützt das nicht nur den vielen Beschäftigten, die unter den Folgen der pandemiebedingten Einschränkungen besonders zu leiden hatten, sondern eher den Angehörigen der Spass-Generation, die jetzt preisgünstig an die Nordsee fahren können.

  15. 90.

    Auf Klaus Müllers – meiner Ansicht nach – maßlose Übertreibung (oder auf welcher Grundlage soll diese von Ihnen sogenannte „Prognose“ basieren?) habe ich zur Verdeutlichung meiner Meinung lediglich mit einer ebenso maßlosen Übertreibung reagiert. Was stört Sie daran? Messen Sie hier nicht vielleicht doch mit zweierlei Maß?

    Und falls Sie sich ansonsten auf meinen vorherigen Beitrag beziehen: Da habe ich einfach nur argumentativ dargelegt, warum Leute, die in eher ländlichen Regionen leben, eben nicht bloß vom Tankrabatt sondern sehr wohl AUCH vom Neun-Euro-Ticket profitieren können. Bitte, was genau passt Ihnen daran nicht?

  16. 89.

    Nee Erika, eben nicht. Mit dem 9 Euro-Tiket kann jeder in ALLEN existierenden ÖPNV deutschlandweit fahren. Dazu zählen alle Regionalbahnen und auch die S-Bahn ist ja ein DB Unternehmen. Von München bis zur Ostsee (wenn man Zeit hat) für 9 Euro und zwar 31 Tage lang.
    Das ist eine Plünderung der Kassen obwohl es keine steigenden Belastungen gab die hätten ausgeglichen werden müssen.

  17. 88.

    Warum bekommen die einen Rabatt? Die Preise für welche Karte auch immer sind doch anders als Benzinkosten und Energie nicht gestiegen sondern gleich geblieben wie vorher. Da gibt es überhaupt nichts auszugleichen. Ein Klientelgeschenk auf Staatskasse, ohne dass eine Notwendigkeit vorliegt.

  18. 87.

    Freibier für Alle,ich fahr lieber Auto.Das Chaos mit Ansagr

  19. 86.

    Ich fürchte Erika, da haben Sie was falsch verstanden. Sie können mit dem Ticket durch ganz Deutschland fahren. Allerdings nur RE. ICE, IC oder EC gehen nicht.

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