Software-Probleme - Einzelhandel kämpft mit Ausfällen von EC-Kartenlesegeräten

Mi 25.05.22 | 17:20 Uhr
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Ein Kunde bezahlt an einem Kartenlesegerät (Bild: dpa/Robert Kneschke)
Video: rbb24 Abendschau | 25.05.2022 | Max Kell | Bild: dpa/Robert Kneschke

Bundesweit gibt es Probleme beim bargeldlosen Bezahlen im Einzelhandel - auch in Berlin und Brandenburg. Grund dafür ist ein Software-Fehler. Große Supermarkt- und Drogerieketten sind betroffen. Händler sollten die Geräte dennoch nicht vom Strom nehmen.

Die Zahlung per Giro- oder Kreditkarte in Deutschland ist nach Angaben von Zahlungsdienstleistern und Banken aufgrund eines Softwarefehlers seit Dienstagabend teilweise gestört. Laut dem Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) sind in der Region zahlreiche Geschäfte betroffen. Wann die Probleme behoben sein werden, war zunächst unklar.

"Wir verzeichnen, wie auch andere Netzbetreiber, aktuell bundesweit erhebliche Einschränkungen bei der Verarbeitung von Transaktionen bei Kartenzahlungsterminals des Typs H5000 des Herstellers Verifone", teilte der Zahlungsdienstleister Payone am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Ursache sei den ersten Erkenntnissen nach ein Zertifikatsfehler innerhalb bestimmter Versionen der von dem US-Hersteller bereitgestellten Software.

Zahlreiche große Handelsketten betroffen

HBB-Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen sagte dem rbb, es sei schwierig, eine genaue Zahl an betroffenen Einzelhändlern zu nennen. Es seien aber zahlreiche Filialen namhafter Drogerie-, Supermarkt- und Discounter-Ketten darunter. Aldi-Nord, Edeka, Rewe, Penny, Toom-Baumärkte und Rossmann sind unter anderen betroffen.

Busch-Petersen sagte weiter, es bleibe beim Plädoyer, welches der Handelsverband immer wieder nachdrücklich vortrage: "Egal was noch kommen mag, bewahrt euch das Bare." Viele Menschen hätten noch Bargeld bei sich. Deswegen hoffe er, dass es zu keinen großen Einnahmeausfällen komme. Zumal Geldautomaten nicht betroffen seien.

Der Bundesverband deutscher Banken stellte stellvertretend für die Deutsche Kreditwirtschaft klar, dass die betreffenden Terminals zwar komplett für alle Zahlungsarten ausfallen, der entsprechende Typ jedoch nur einen geringen Anteil an allen in Deutschland eingesetzten Geräten ausmache. "Netzbetreiber und technische Dienstleister arbeiten intensiv an einer Fehlerbehebung", hieß es weiter.

Terminals sollten weiterhin mit Strom versorgt werden

Auch der Finanzdienstleister Concardis bestätigte das Problem mit dem Terminal-Typ. Ein Sprecher des Unternehmens machte jedoch deutlich, dass betroffene Händler keinen eigenen Neustart der Geräte vornehmen sollten. Auch sollten die Geräte weiterhin an Strom und Netzwerk angeschlossen bleiben. Nur so könne der Hersteller das Problem lösen. Payone geht davon aus, dass eine neue Software eingespielt werden muss, um den Fehler zu beheben.

Payone und Concardis gaben an, dass sie mit Verifone in Kontakt stünden und an einer Behebung des Problems arbeiteten. Verifone äußerte sich bislang nicht.

Anbieter alternativer Zahlungsmethoden - wie beispielsweise per QR-Code - sehen sich durch den Vorfall gestärkt. Wie das Beratungsunternehmen ZIIB mitteilte, funktionieren QR-Systeme ganz ohne Terminal-Hardware. Daher könne man hierdurch Umsatzausfälle vermeiden. Bankautomaten sind von dem Ausfall nicht betroffen.

Sendung: rbb24 Abendschau, 25.05.2022, 19.30 Uhr

25 Kommentare

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  1. 25.

    Auch von mir ein Danke für's dranbleiben.

    Ich wünsche mir vom rbb-Rechercheteam im Rechercheverbund u.a. über die Hintergründe, warum die Ami's deutschlandweit eine Zahlungsabwicklung mit eigener Software (deren Zertifikat offensichtlich unbemerkt abgelaufen ist) nach dem das Schrems2-Urteil betreiben können.
    Insbesondere steht ja wohl fest, das die Kunden nicht darüber aufgeklärt werden, das die Terminals nicht dem Zahlungsdienstleister gehören, sondern der Hersteller weiterhin vollen Zugriff auf die Terminals hat.

    Interessant dabei finde ich die Message: Trennen Sie es nicht vom Netz und starten sie es nicht neu.
    Ups. Da gibt es wohl eine Fernwartungsfunktion, die unbemerkt und ohne Zutun des Besitzers ausgelöst werden kann?

    Gibt es Infos, was der Bundesdatenschützer oder das BSI dazu sagt?

  2. 24.

    " und vielen anderen Anbietern bekomme ich meine Ware gratis geliefert. " Sie wissen schon, das Sie dank PSD2 jedem damit freien Zugang zu Ihren Umsätzen auf Ihrem Konto gewähren und diese Daten übertragen und dort weiter verarbeitet werden? (Wikipedia gibt unter Schnittstellen dazu Auskunft. Hinweis: Bis zum Ende lesen)
    Eine GratisLieferung verbunden mit einer Kopie meiner Umsätze bei irgendwelchen Lieferdiensten?
    Jeder wie er will.

  3. 22.

    Guten Tag,
    leider gibt es noch kein Update. Sobald es eins gibt, erfahren Sie es bei rbb|24.
    Freundliche Grüße
    Ihr rbb|24-Team

  4. 21.

    @rbb24: Wie sieht es mit einem Update aus? Ist das Problem nun schon behoben worden?

  5. 20.

    Ich bin eine Online Shopperin durch und durch. Mit Bargeld dort zu bezahlen ist etwas schwierig. Aber Dank Amazon Prime und Otto Flat und vielen anderen Anbietern bekomme ich meine Ware gratis geliefert.
    In der Drogerie und Supermarkt wird bevorzugt mit Karte bezahlt, aber Cash ist immer dabei.....so wie gestern.
    Bargeld wird es immer geben..davon bin ich überzeugt. Also machen Sie sich keine Sorgen.

  6. 19.

    Da hatten die Oligarchen doch recht, wenn sie die Häuser in bar bezahlt haben. Dafür wurden sie verfolgt. Was sagt denn Herr Busch-Petersen dazu. Bargeld lacht und kann nicht verfolgt werden. Ausserdem sind nur wenige Ketten betroffen? Ich vermisse eigentlich nur Lidl.

  7. 18.

    "der entsprechende Typ jedoch nur einen geringen Anteil an allen in Deutschland eingesetzten Geräten ausmache. " Dann schaun wa mal, was Verifone dazu sagt:
    "Bestseller - meistgenutztes Terminal in Deutschland - H5000"
    https://www.verifone.com/de/de/devices/stationaer-pin-pad/h5000

    So aggressiv zu leugnen, sollte vielleicht Anstoß sein, genauer zu recherchieren...
    Zumal jetzt rauskommt, das die SW aus Amiland kommt. Achso? Ich dachte es gibt seit Schrems II ein verordnetes Umdenken. Neben den Strafzinsen, ein Grund mehr Bargeld zu bevorzugen.

  8. 17.

    Wie die Praxis jetzt beweist ist man nur mit Bargeld unabhängig."
    Mit der Ergänzung: Mit sehr viel davon. Und wenn man dafür nicht arbeiten muß.

  9. 16.

    Wie die Praxis jetzt beweist ist man nur mit Bargeld unabhängig. Bargeld macht unabhängig von elektronischen und digitalen Systemen, Nachvollziehbarkeit und Überwachung. Bargeld macht unabhängig von steigenden Transaktionsgebühren. Digitales Geld bzw. bequeme elektronische Zahlung ist ein vergifteter Apfel. Es zerstört die noch verbliebenen marktwirtschaftlichen Elemente des Kredit- und Geldsystems, verschafft Konzernen, Regierungen und Staaten mehr Macht und bereitet der Enteignung und Überwachung der Bürger den Boden. Daher muss Bargeld weiterhin uneingeschränkt gesetzliches Zahlungsmittel bleiben.

  10. 15.

    Wer Artikel (zu Ende) lesen kann, ist klar im Vorteil: "
    Andererseits-jede Minute, die man mit lesen verschwendet, geht für die Kommentarzeit verloren.

  11. 14.

    Die USA stopfen das letzte Loch durch das russische Banken noch Geldgeschäfte abwickeln konnten, und urplötzlich ist die Software eines amerikanischen Unternehmens betroffen. So ein Zufall!?

  12. 13.

    Es war vor dem Beitrag schon zu lesen, die Probleme sind nicht erst seit gestern.
    Da er zu lesen, das Barauszahlungen beim Bezahlen nicht möglich war. Genau das war mir Ende vergangener Wochen auch widerfahren.

  13. 12.

    Kann mich nicht kratzen. Ich zahle ausschließlich überall mit Bargeld. Die EC Karte wird nur für die Bargeldabholung in der Bank genutzt. Von bezahlen mit der Uhr, dem Handy oder anderen Kinkerlitzchen rede ich gar nicht erst.

  14. 10.

    Wer Artikel (zu Ende) lesen kann, ist klar im Vorteil: "Bankautomaten sind von dem Ausfall nicht betroffen."

  15. 9.

    Ist zum ersten Mal dass ich höre, dass jemand vom Handelsverband auf "Bares" verweist. Im Gegenteil. Regelmäßig wird Häme über die ausgekippt, die noch an Bargeld festhalten.

  16. 8.

    "Hoffen wir, dass alle wieder an ihr unbar überwiesenes Geld gelangen können, denn Bargeld käme ja ebenfalls nicht aus dem Automaten. " Das ist nach dem Artikel falsch. Im Text heißt es: "Zumal Geldautomaten nicht betroffen seien."

  17. 7.

    "... der von dem US-Hersteller bereitgestellten Software." Gibt es dafür keine deutschen Hersteller? Wozu treibt man denn den Sicherheitsaufwand an anderen Stellen und traut da dem US-Datenschutz nicht - aber bei Kartenterminals scheint das nicht zu gelten.

  18. 6.

    EC-Karten gibt es seit Jahren nicht mehr …

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