Streiks offenbar abgewendet - Einigung im Tarifstreit: Mehr Geld und freie Tage für Kita-Erzieher

Do 19.05.22 | 06:34 Uhr
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Kita Erziher
Audio: rbb24 Inforadio | 19.05.2022 | Detlef Löschmann | Bild: dpa-Zentralbild

Seit Montag hat die Gewerkschaft Verdi mit den kommunalen Arbeitgebern und Vertretern des Beamtenbundes DBB verhandelt - über Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Seit dem späten Mittwochabend sind sich beide Seiten einig.

In den Tarifverhandlungen für rund 330.000 kommunale Kita-Erziehungskräfte und andere Beschäftigte in sozialen Berufen hat es einen Durchbruch gegeben. Die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund DBB verständigten sich am Mittwochabend mit den kommunalen Arbeitgebern auf zusätzliche Entlastungstage und monatliche Zulagen für die Beschäftigten. Das teilten die Tarifpartner nach rund zwölfstündigen Beratungen in Berlin mit.

Demnach erhalten die Beschäftigten zunächst pro Jahr pauschal zwei zusätzliche freie Tage sowie die Option, Teile ihres Gehalts in maximal zwei weitere Entlastungstage umzuwandeln. Neben den zusätzlichen freien Tagen bekommen Erzieherinnen und Erzieher im kommunalen öffentlichen Dienst zum 1. Juli monatlich 130 Euro mehr. Für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gibt es ebenfalls ab Juli 180 Euro zusätzlich.

Gehälter steigen schneller

Darüber hinaus sieht die Vereinbarung vor, dass die Berufserfahrung im Sozial- und Erziehungsdienst künftig genauso honoriert werden soll wie bei den übrigen Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die Zeit, die die Beschäftigten in einer Gehaltsstufe bleiben, bevor sie in die nächste aufsteigen, soll zum 1. Oktober 2024 an die allgemeinen Stufen im öffentlichen Dienst angepasst werden. Damit steigen die Gehälter künftig schneller als bisher.

Vereinbarung gilt bundesweit - außer für Berlin

Das Tarifergebnis hat eine Laufzeit von fünf Jahren bis zum 31. Dezember 2026. Mit dem Durchbruch, der zunächst als unwahrscheinlich galt, sind weitere Warnstreiks im kommunalen öffentlichen Sozial-und Erziehungsdienst vorerst abgewendet.

Von der neuen Vereinbarung profitieren Beschäftigte in allen Bundesländern - außer in Berlin. In der Hauptstadt haben nach Verdi-Angaben andere Tarifregelungen Vorrang. Die Gewerkschaften gehen aber davon aus, dass die Ergebnisse auch auf Beschäftigte anderer Bereiche "ausstrahlen" dürften.

Verhandlungsteilnehmer zeigen sich zufrieden

"Das ist den Kolleginnen und Kollegen in den Sozial- und Erziehungsdiensten zu verdanken, die in den vergangenen Tagen und Wochen gekämpft und gestreikt haben", sagte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke am Mittwochabend. Die Einigung sei "gegen die erheblichen Widerstände der kommunalen Arbeitgeber gelungen", sagte er. Sie sei "ein weiterer maßgeblicher Schritt, um die Berufe im Sozial- und Erziehungswesen attraktiver zu machen und wirksam gegen Fachkräftemangel vorzugehen."

Auch DBB-Verhandlungsführer Andreas Hemsing äußerte sich zufrieden mit dem Ergebnis: "Mit diesem Abschluss haben wir das Berufsfeld aufgewertet, das werden die Kolleginnen und Kollegen direkt im Geldbeutel spüren."

Die Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Karin Welge, bezeichnete das Ergebnis als "Herausforderung für die kommunalen Arbeitgeber". Die VKA geht davon aus, dass sich allein durch die neuen Zulagen die Personalkosten der kommunalen Arbeitgeber um jährlich rund 3,7 Prozent erhöhen werden. Dennoch äußerte sich Welge erleichtert über den Abschluss. Er sei "ein eindeutiges Zeichen dafür, dass wir die oft herausragende Leistung unserer Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst durch eine faire und wertschätzende Vergütung würdigen", sagte Welge.

Harte Verhandlungen an drei Tagen

Auf die nun erzielte Einigung hatten die Gewerkschaften wochenlang hingearbeitet. Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden im Februar und März hatten sich die Tarifpartner am Montag erneut an einen Tisch gesetzt. Am Dienstagnachmittag waren die Gespräche aus logistischen Gründen von Potsdam nach Berlin verlegt worden.

Sie sollten eigentlich schon am Mittwochnachmittag enden - zogen sich aber noch für mehrere Stunden bis in den späten Abend. Aus Teilnehmerkreisen hieß es, es habe auch am letzten Tag noch viel Gesprächsbedarf gegeben.

Verdi drohte mit "massiven Streiks"

Verdi hatte bereits zum Verhandlungsauftakt mit einer "massiven Ausweitung von Streiks" gedroht, für den Fall, dass auch bis zu diesem Mittwoch keine Einigung gelingen sollte. In den vergangenen Wochen hatte es in weiten Teilen Deutschlands bereits Warnstreiks gegeben.

Sendung: Inforadio, 18.05.22, 23:40 Uhr

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