Arbeitsmarkt in Berlin und Brandenburg - Zahl der Arbeitslosen im Juni leicht gestiegen

Do 30.06.22 | 10:16 Uhr
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Arbeiter:innen in der Produktion der Berliner Eismanufaktur Florida. (Quelle: imago/A.Schaap)
Audio: rbb24 Inforadio | 30.06.2022 | Thomas Weber | Bild: imago/A.Schaap

Die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine machen sich im Juni offenbar erstmals auch auf dem Arbeitsmarkt in der Region bemerkbar. Es gibt etwas mehr Arbeitslose als im Mai – aber gleichzeitig deutlich weniger als vor einem Jahr.

Die Zahl der Menschen ohne Arbeit ist in Berlin und Brandenburg im Juni leicht gestiegen, liegt aber deutlich unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Das hat die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Donnerstag mitgeteilt.

Demnach waren im Juni in Berlin 175.967 Personen arbeitslos. Das sind 2.869 mehr als im Mai, aber auch 23.378 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 8,7 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte höher als im Mai sowie um 1,1 Prozentpunkte unter der des Juni 2021.

In Brandenburg stieg die Arbeitslosigkeit im Juni um 2.697 auf 72.016. Das sind zugleich 5.569 weniger als im Juni 2021. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,4 Prozent und damit so wie in Berlin um 0,2 Prozentpunkte höher als im Mai. Im Jahresvergleich sank die Arbeitslosenquote in Brandenburg um 0,4 Prozentpunkte.

Fluchtbewegungen machen sich bemerkbar

Die Regionaldirektion der Arbeitsagentur führt die moderaten Anstiege der Arbeitslosenzahlen in Berlin und Brandenburg auf mehrere Gründe zurück. Dazu zählen Unwägbarkeiten wie Materialknappheit beim Bau, Verzögerungen in einigen Lieferketten sowie die deutlichen Preissteigerungen. Allerdings hätten diese Faktoren bislang "die Erholung am Arbeitsmarkt nicht massiv aufgehalten", betonte Agenturchefin Ramona Schröder.

Gleichwohl machten sich im Juni die Auswirkungen der Fluchtbewegungen aus der Ukraine aufgrund des russischen Angriffskrieges "schon deutlich sichtbar", so Schröder weiter: "Zum Beispiel beim Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Frauen, welche die Hauptgruppe der Geflüchteten darstellt."

Schröder äußerte sich zugleich erfreut über die Zunahme der Beschäftigung in Berlin und Brandenbrg. Im Juni habe sie in Berlin um 4,5 Prozent zugenommen und liege damit 2,5 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. "In Brandenburg sind es 1,7 Prozent. Das ist eine spürbare Verbesserung“, so Schröder.

Arbeitslosenzahlen bundesweit angestiegen

Auch bundesweit stieg die Arbeitslosigkeit im Juni - erstmals seit Monaten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im ablaufenden Monat 2,36 Millionen Menschen ohne Job. Das sind 103.000 mehr als im Mai, aber 251.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Punkte auf 5,2 Prozent.

Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) begründet dies mit der Lage in der Ukraine.
"Der Arbeitsmarkt insgesamt ist weiterhin stabil", hieß es von BA-Chef Detlef Scheele. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung hätten zwar im Juni kräftig zugenommen. "Diese Anstiege gehen aber darauf zurück, dass die ukrainischen Geflüchteten nun in den Jobcentern erfasst und dadurch in der Arbeitsmarktstatistik sichtbar werden", so Scheele.

Sendung: rbb24 Inforadio, 30. Juni 2022, 10 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Ich wünschte, die ÖR würden endlich aufhören, diese dusseligen Arbeitslosenquoten zu zitieren. Jeder weiß, dass diese Zahlen nur die halbe Wahrheit sind. (Langzeit-)Arbeitslose, die in irgendwelchen sinnfreien "Maßnahmen" hängen, werden herausgerechnet. Nur 42% der Hartz4-Empfänger werden als Arbeitslose gezählt. Menschen in Unterbeschäftigung (Aufstocker, Minijobber, Ein-Euro-Jobber) werden ebenfalls herausgerechnet. Die einzige Datenquelle ist die Bundesagentur, die auch alle Definitionen festlegt. Was soll das?
    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/hg-arbeitslosenzahlen-101.html

  2. 9.

    Seit Jahren beklagen sich auf der einen Seite viele Firmen über den Fachkräftemangel "
    Es scheint einfacher zu sein, über die inkompetente Regierung und die faulen Sozialhilfeempfänger zu schimpfen-macht man ja schließlich schon seit Jahrzehnten-als sich einmal zu fragen, ob der Fachkräftemangel auch mit anderen Dingen zusammenhängen könnte.
    z.B. grottenschlechter Bezahlung, schlechten Arbeitsbedingungen und der mangelnden Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in den letzten Jahrzehnten.

  3. 8.

    Na irgendjemand muß dann schon auf die Hometrainer mit Generator klettern und strampeln um uns den Strom zu erzeugen.

  4. 7.

    Dem stimme ich vollkommen zu. Man sollte hier die Motivation steigern, indem man staatliche Unterstützung über 12 Monate schrittweise zurückfährt, damit die Menschen den Hintern aus dem Park oder vom Sofa zur Arbeit bewegen. Leider scheint die eigene Ehre, anderen Menschen nicht auf der Tasche zu liegen, sondern etwas für die Gesellschaft mit seiner eigenen Arbeit, verloren gegangen zu sein...

  5. 6.

    Ich mag unser Deutschland/Berlin! Wird nie langweilig.
    Wenn eigentlich nichts mehr klappt, dann wird es hoffentlich im Winter kalt und dunkel.
    Ob da auch noch einige Arbeiter aus der "Umgebung" helfen können?


  6. 5.

    Da kann ich nur zustimmen.
    Seit Jahren beklagen sich auf der einen Seite viele Firmen über den Fachkräftemangel und was tut unsere Regierung in Zeiten von Inflation? Sie überlegen, wie sie die HartzIV Empfänger unterstützen können, anstatt zu überlegen wie man sie in Lohn und Brot bekommt.

    Und jetzt holen wir uns auch noch Leute von außen?

    Unsere Gesellschaft ist so im Eimer....keine Invest in Bildung und Ausbildung.....lieber weiter verblöden

    Inkompetenz unserer Regierung vom Feinsten

  7. 4.

    "Wir haben in Deutschland reichlich Arbeitslose, holen aber aus dem Ausland für viel Geld, Personal für die Flughäfen....."
    Ich frage mich, wo die alle Wohnen wollen/sollen?
    Deutschland ist wohl nur noch auch die Probleme von jetzt auf gleich eingerichtet.
    Zahlt ja alles nur der Steuerzahler, ohne Sinn und Verstand.

  8. 3.

    Wir haben in Deutschland reichlich Arbeitslose, holen aber aus dem Ausland für viel Geld, Personal für die Flughäfen, wo der Großteil nicht unsere Sprache spricht. So bescheuert ist unsere Land. Bequemlichkeit steht eben hoch im Kurs.

  9. 2.

    "Anstieg unter Nichtfachkräften?" eher wohl nicht....
    Wenn die Bezahlung und die Rahmenbedingungen nicht stimmen, steht man sich u. U. mit ALG besser und wenn es nur für die Wartezeit auf ein besseres Angebot ist.

  10. 1.

    Verkehrte Welt

    Fachkräftemangel, aber Arbeitslosenquote steigt.

    Also Anstieg unter Nichtfachkräften?

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