Berlins erster Lebensmittelladen ohne Verpackungen - "Original Unverpackt" nach Insolvenz auf Suche nach Investoren

Mo 27.06.22 | 14:03 Uhr
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Kunden gehen am 19.09.2014 in Berlin in den Supermarkt "Original unverpackt" in der Wiener Straße in Kreuzberg hinein. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

Die Linsen und Nudeln direkt im Supermarkt ins mitgebrachte Glas füllen - Müll vermeiden ist die Grundidee des Ladens Original Unverpackt. Doch nun ist der Händler in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Der Berliner Alternativ-Händler "Original Unverpackt" hat Insolvenz angemeldet und sucht derzeit nach einem Käufer oder neuen Investoren. Das hat Geschäftsführerin Milena Glimbowski rbb|24 bestätigt. Schon in der Corona-Pandemie sei es zu deutlichen Umsatzeinbußen gekommen. Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine und die steigende Inflation habe sich die Lage derart zugespitzt, dass sie sich nun entschlossen habe, rechtzeitig Insolvenz anzumelden, so Glimbowski.

"Original Unverpackt" wurde 2014 von Glimbowski in Berlin gegründet. Das Geschäftsmodell galt damals in mehrfacher Hinsicht als innovativ: "Original unverpackt" wollte als einer der ersten in Deutschland im Verkauf gänzlich auf Verpackungsmüll verzichten - Kund:innen stattdessen ihre eigenen Behältnisse mitbringen oder Pfandgläser mieten, um Produkte wie Nudeln, Müsli oder Getreide abzufüllen.

Ihr sei es damals nicht so sehr darum gegangen, finanziell erfolgreich zu sein, sondern eine Idee von einem alternativen Konsum voranzutreiben, sagt Glimbowski im Gespräch mit rbb|24. Die Idee kam 2014 so erfolgreich an, dass Hunderte Menschen mehr als 100.000 Euro in einer Crowdfunding-Kampagne sammelten, um Glimbowski den Start mit "Original Unverpackt" zu ermöglichen. Mit Online-Kursen habe sie zudem andere Gründer:innen dazu bewegen können, ihr Geschäftsmodell aufzugreifen.

"Ich muss einsehen, dass mich die Krisen überfordern"

Betriebswirtschaftliche Expertise, gibt Glimbowski im Gespräch mit rbb|24 zu, hatte sie damals nicht. Nur eine Vision. 2018 wurde sie dennoch als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet. In den vergangenen zwei Jahren sei es nach der Corona-Pandemie und dem Krieg aber zu schwierig für sie geworden. "In Zeiten von steigender Inflation muss ich einsehen, dass eine Idee alleine nicht mehr reicht, und die aktuelle Krise mich schlichtweg überfordert", bedauert Glimbowski die aktuelle Lage im Gespräch mit rbb|24. Gemeinsam mit einem Insolvenzverwalter hoffe sie nun auf einen Neustart für ihren Laden und die 13 Mitarbeitenden. Optimistisch sei sie aber. Allein am vergangenen Wochenende hätten sich drei Interessenten bei ihr gemeldet.

 

Sendung: rbb24, 27.06.2022, 16 Uhr

46 Kommentare

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  1. 46.

    Was ist das denn für ein Quatsch?

    Investoren investieren mit einem gewissen Risiko - Eine Garantie für Erstattung gibt es genau so wenig, wie eine Garantie auf Gewinn. Saach ma...Beamter hä..

  2. 45.

    Eine Gegenrede: Es ist nicht verboten es in Bln./Brg. genauso wie in Bayern zu machen... Wenn man schaffenden Erfolg will. Egal ob mit "industriell-konventionell" statt scheiternden Startups. Die schaffende Lebensqualität sagt viel aus... und macht mehr Freude als die zuteilend Umverteilende...

  3. 44.

    Der Markt ist eben kein geheimnisvolle Wesen, und ein Halbwissen ist allmal besser als ideologische Konstrukte und Unterstellungen, siehe Ausführungen zu Bayern..
    Übrigens, Bayern hat kaum, oder besser gesagt überhaupt nicht Großflächenlandwirtschaft, damit kann eher Niedersachsen aufwarten.

  4. 43.

    Wo Häme, selbstzufriedene Halbbildung und tief eingepflanztes "so ist halt der Markt" (das geheimnisvolle Wesen, als sei es eine handelnde Person...)fröhliche Urtständ feiert, eine Gegenrede:

    Folgte man den Argumenten vieler Kommentare hier im Verlauf, so wäre Automobilindustrie, Energiewirtschaft (...) und vor allem Landwirtschaft sofort in die Insolvenz zu führen. Schönstes Beispiel Bayern. Ewiger Lügner in Sachen "Wir finanzieren Berlin durch Länderausgleich" Das Land mit den höchsten Subventionen schlechthin für industriell-konventionelle Grossflächenlandwirtschaft, hochsubventionierte Automobil- und Rüstungsindustrie.
    Es regelt also keineswegs "der Markt", es regelt eine Ordnungspolitik welches wirtschaften "sich rechnet"
    Klar, ich schmeiss´ jede Woche 20 Liter Erdöl in den Verpackungsmüll. Sage aber dem unter dem Durchschnitt-Verdiener (absolute Mehrheit der Bevölkerung) er müsse halt mal den Strickpulli in der winterlichen Wohnung anziehen, damit "wir" den Putin besiegen.

  5. 42.
    Antwort auf [Peter 3] vom 27.06.2022 um 23:14

    Es ist doch immer wieder rührend zu lesen, wie mitfühlend die Mitmenschen sein können. *Sarkasmus Ende *

  6. 41.

    War wohl eine Idee, die nicht so durchgeschlagen hat. Das geht wohl den meisten Gründern so. Vielleicht werden die Unternehmer bei der nächsten Idee Erfolgreicher, bloß nicht Aufgeben.

  7. 40.

    Wenn Sie Wahrheit als Verhöhnung bezeichnen, ist das Ihr Problem.

  8. 39.
    Antwort auf [Peter 3] vom 27.06.2022 um 23:14

    Was soll die Häme? Es kann ja nicht jeder Grüne dieser Welt ständig zum Einkaufen nach Kreuzberg fahren. Wär auch nicnt wirklich ökologisch.

  9. 38.

    Ansgar, ein Großteil des Verpackungsmaterials ist aus hygienischen Gründen oder aus Gründen der besseren Haltbarkeit oder Präsentation erforderlich.

    Was nicht notwendig ist, muss weggelassen werden. Was notwendig ist. muss eingesetzt werden.

  10. 37.

    "Wir" wollen ja nicht nur ökologisch wertvoll und umweltschonend sein, sondern zusätzlich auch noch "faire" Löhne zahlen und Arbeitsplätze schaffen ...
    Alles auf einmal geht nun mal nicht, irgendwer muss die hohen Preise zahlen, um all die hohen ethischen Ansprüche ans Geschäft umsetzen zu können ...
    Hat hier anscheinend nicht funktioniert, wie so vieles im Umfeld von Ökologie, "fairer Bezahlung" und Klimaschutz.
    Am Ende muss sich das Ganze auch noch rechnen...

  11. 36.

    Merkwürdig, wenn ein „Immobilienhai“ dasselbe macht fallen solche Kommentare emphatischer aus. Ihre „Verhöhnung“ Betroffener ist schon dreist...

  12. 35.

    So ist es, mir fallen auch einige nützliche Dinge ein, aber das zu finanzieren und wirtschaftlich laufen zu lassen ist was für reiche Idealisten.

  13. 34.

    Ja, nee, is' klar...
    Wollen Sie tatsächlich leugnen, dass ein Großteil des Verpackungsmülls nicht notwendig wäre?!?

  14. 32.

    Diese Gruppen können ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden.

    Das ist der gesetzliche Weg

    Jeder Unternehmer trägt ein gewisses Risiko. Gleiches gilt für Mitarbeiter.

    Der Insolvenzverwalter bedient die Gläubiger nach der gesetzlichen Reihenfolge und ermittelt dann Quote zur Entschädigung der restlichen Gläubiger

    Kleiner Tipp: es gibt die Möglichkeit, sich gegen Forderungsausfälle zu versichern

  15. 30.

    Verpackungen sind kein Müll, sondern notwendig, die Lebensmittel sauber, hygienisch und zumindest vorübergehend haltbar zum Endverbraucher zu befördern.

  16. 28.

    Tja, eine Geschäftsidee zu haben und Begeisterte zu finden, die 100 000 Euro beisteuern, dann eine GmbH zu gründen, die nur mit 25 000 Euro haftet, reicht trotz Berliner- Unternehmerin des Jahres - Auszeichnung nicht aus, um auf dem Markt zu bestehen.
    Wieder ein Lehrstück, dass "Träume" nicht ausreichen und schnell zerplatzen, und nur ein schlauer Schelm denkt darüber seins.
    Ja, Theorie ist einfach, und die Praxis doch so schwer.

  17. 27.

    Lassen Sie Ihre pauschalen und nicht zur Sache gehörenden Verunglimpfungen einfach mal sein. Gegen die Energiewende schreibe ich nicht an, wohl aber gegen Einseitigkeit und Schwarz/Weiß Denken. Energiemix heißt der schlaue Königsweg. Und Nachhaltigkeit ist mir so wichtig, dass jede Vergeudung von Lebensmitteln von mir angegriffen wird. Aber auch die Vernichtung von Geld unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit, wie in diesem Fall.

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