Absprachen für Berlin sollen bleiben - Vonovia kündigt deutliche Mieterhöhungen an

Mi 01.06.22 | 22:42 Uhr
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Themenfoto Vonovia Berlin (Bild: imago images/Jürgen Ritter)
Video: rbb24 Abendschau | 01.06.2022 | Vanessa Materla | Studiogast Reiner Wildt | Bild: imago images/Jürgen Ritter

Auf Millionen Mieter kommen spürbare Mieterhöhungen zu: Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia will die Preise anheben - und verweist auf die derzeit hohe Inflation. In Berlin wolle man sich aber an Verabredungen halten, heißt es.

Millionen deutscher Mieter müssen sich auf stärker steigende Wohnkosten einstellen: Deutschlands größte Immobilienfirma, der Dax-Konzern Vonovia, bezeichnet angesichts der hohen Inflationsraten deutlichere Mieterhöhungen als unausweichlich.

"Wenn die Inflation dauerhaft bei vier Prozent liegt, müssen auch die Mieten künftig jährlich dementsprechend ansteigen", sagte der Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch dem "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe). Sonst würden viele Vermieter in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. "Wir können nicht so tun, als wenn die Inflation an den Mieten vorbeigeht. Das wird nicht klappen", sagte Buch weiter.

Vonovia verweist auf die hohe Inflation

Der Immobilienriese besitzt rund 565.000 Wohnungen, die meisten davon in Deutschland. In Berlin sind es laut Vonovia rund 42.000 Wohnungen.

Die durchschnittliche Miete bei Vonovia erhöhte sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres im bundesweiten Schnitt auf 7,40 Euro pro Quadratmeter - das waren 3,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dies liegt noch deutlich unter der derzeitigen Inflationsrate von knapp acht Prozent (Mai 2022). In Berlin war die Inflationsrate zuletzt sogar auf über acht Prozent gestiegen und liegt damit so hoch wie seit 1992 nicht mehr. Bislang verteuerten sich vor allem Energie- und Lebensmittelpreise.

Die Geschäftsführerin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), bei dem Vonovia Mitglied ist, ging auf Distanz zur angekündigten Erhöhung: Zwar liege die Inflation im April und Mai in der Tat bei gut acht Prozent. "Die Wohnkosten sind im gleichen Zeitraum aber nur um 2,2 Prozent und somit deutlich langsamer gestiegen. Das zeigt den dämpfenden Effekt des Mietrechts", so Maren Kern.

Vonovia will sich an Berlin-Absprachen halten

Eine Vonovia-Sprecherin betonte inzwischen, das Unternehmen halte sich auch weiter an die Zusage für den eigenen Wohnungsbestand in Berlin. Im vergangenen Jahr hatte Vonovia dem Senat versichert, dass Mieten für die nächsten drei Jahre im Durchschnitt nicht mehr als ein Prozent steigen und danach nicht mehr als die Inflation. Zudem könnten bei Härtefällen gemeinsame Lösungen gefunden werden, ergänzte die Sprecherin.

Grundsätzlich gehe es bei den Äußerungen des Konzernchefs um die wirtschaftliche Entwicklung und nicht um eine konkrete Ankündigung. "Wir sprechen hier über wirtschaftliche Zusammenhänge auf dem Wohnungsmarkt", unterstrich die Sprecherin. Stark gestiegene Baupreise etwa würden sich insbesondere im Neubau bemerkbar machen.

Dass steigende Bau- und Energiepreise die Wohnungsunternehmen belasten, bestätigte Carsten-Michael Röding, Technischer Vorstand der Charlottenburger Baugenossenschaft. "Wir bekommen inzwischen täglich Anpassungsbedarfe der Handwerker", sagte Röding dem rbb. Die Entwicklung der Mieten an die Inflation zu koppeln lehnt Röding allerdings ab. "Diesen Automatismus sehe ich nicht." Preissteigernd seien seiner Ansicht nach auch andere Faktoren, etwa Umwelt- und Klimaschutzauflagen.

Kipping fordert bundesweiten Mietendeckel

In der Ankündigung des Immobilienkonzerns Vonovia, inflationsbedingt die Mieten erhöhen zu müssen, sieht Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) einen Weckruf an die Bundesregierung. Der Bund müsse jetzt dafür sorgen, dass der Mietendeckel bundesweit eingeführt wird, sagte Kipping dem rbb am Mittwochabend.

Das Berliner Modell sei nur gescheitert, weil das Bundesverfassungsgericht das Land Berlin nicht zuständig sah, sondern den Bund, so Kipping. Der Mietendeckel an sich sei nicht verfassungswidrig. Die Vonovia zeige mit ihrer Ankündigung, dass die 59 Prozent, die beim Berliner Volksentscheid für die Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen stimmten, gute Gründe dafür hatten, so Kipping weiter.

Auch der wohnungspolitische Sprecher der Berliner Linksfraktion, Niklas Schenker, kritsierte die Ankündigung für Mieterhöhungen. Das sei "eine Kampfansage" an die Mieter in Berlin und "torpediert das Wohnungsbündnis", das der Senat gegründet hat.

Das Bündnis, das auf Initiative der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey gegründet wurde, soll Wege finden, den Wohnungsneubau anzukurbeln und das Ansteigen der Mieten einzudämmen. Im Gespräch sind dabei auch Vereinbarungen mit der privaten Wohnungswirtschaft. "Die Zweifel, dass man keine freiwilligen Selbstverpflichtungen mit Konzernen wie Vonovia schließen kann, verdichten sich jetzt", sagte Schenker dem rbb.

"Ein Schlag ins Gesicht"

Auch von den Berliner Grünen kam scharfe Kritik. "Die Ankündigung von Vonovia die Preise zu erhöhen ist für die Mieterinnen und Mieter ein Schlag ins Gesicht", teilten die Landesvorsitzenden Susanne Mertens und Philmon Ghirmai mit. Schon von den gestiegenen Energiepreisen seien aktuell sehr viele Menschen betroffen: "Viele werden sich das nicht mehr leisten können."

Vonovia habe in den letzten beiden Jahren hohe Milliardengewinne erwirtschaftet. Die Inflation wirke vor diesem Hintergrund wie ein vorgeschobenes Argument, sagten die Landesvorsitzenden. Mieterhöhungen zur etwaigen Steigerung der Gewinnausschüttung seien in der Krise unsolidarisch: "Statt die Mieterinnen und Mieter für noch höhere Gewinne zu schröpfen, sollte Vonovia Maß und Mitte wahren."

Mieterbund reagiert mit deutlicher Kritik

Der Deutsche Mieterbund (DMB) zeigt sich ebenfalls entsetzt über die Äußerungen des Vonovia-Vorsitzenden Buch. "Dass Mieterinnen und Mieter für den eingebrochenen Aktienkurs von Vonovia und höhere Zinsen am Kapitalmarkt herhalten müssen, zeigt, dass die Geschäftsmodelle börsennotierter Wohnungskonzerne unsozial und spekulativ sind", sagte der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, am Mittwoch in Berlin.

Siebenkotten erinnerte daran, dass Vonovia nach der Übernahme des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen für 19 Milliarden Euro im Oktober vergangenen Jahres verkündet habe, die Bestandsmieten sollten um maximal ein Prozent pro Jahr steigen. "Jetzt zeigt sich, dass Politik und Kartellamt am Nasenring durch die Manege gezogen wurden", kritisierte der Mieterschützer.

Sendung: rbb24 Inforadio, 1. Juni 2022, 13 Uhr

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71 Kommentare

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  1. 71.

    schön das du das system verstehst
    aber der mietspiegel hilft seit jahren nur den vermietern

    Mieten steigen ständig
    Bei Neuvermietung noch mehr
    Der Mietenspiegel dadurch auch
    Und damit werden wieder die nächsten Mieterhöhungen legitimiert
    Eine Endlosspirale nach OBEN

  2. 70.

    Es sind die gleichen notorischen Lügner mit ihren immer gleichen Lügen, die sie hier unentwegt wiederholen. So auch die Lüge von den "im Schnitt 7,40 EUR/qm ist für eine durchschnittliche 50 QM-Wohung gerade mal 370 EUR pro Monat".

    Ja, KALT! Und wir wissen wie Vonovia bei den Nebenkosten draufschlägt.

  3. 69.

    "Das passiert, wenn man Mindestlohn in Zeiten hoher Inflation auch noch anheben will. Da hat der Arbeitsminister wohl nicht zu ende gedacht. Aber im Schnitt 7,40 EUR/qm ist für eine durchschnittliche 50 QM-Wohung gerade mal 370 EUR pro Monat, also auch echt immer noch billig! " Ja, KALT! Und wir wissen wie Vonovia bei den Nebenkosten draufschlägt.

    Das passiert wenn die Freunde der Abzockerbude und notorischen Lügner nicht nachdenken können. Das mit den notorischen Lügen verfestigt sich hier immer mehr. Und es sind immer die gleichen notorischen Lügner!

  4. 68.

    Ist das Geschäftsmodell der „Diese eG“ für Sie eine Alternative?

  5. 67.

    Kleine Korrektur. Es sind nicht 45% sondern mehr, da Erhöhungen sich auf nächste Steigerung auswirken.
    Bsp: 1000 + 15% = 1150
    1150 × 15% = 1322,5 usw.

  6. 66.

    Wieso dürfen sich bestimmte Unternehmen nicht Fremdkapital über Wertpapierbörsen besorgen? Verstehe den Gedankengang nicht. Jeder darf sich seine Geschäftspartner aussuchen! Man muss doch als Mieter nicht bei einem börsennotierten Vermieter wohnen. Es herrscht auch hier Wahlfreiheit beim Geschäftspartner. Oder soll Ihnen jemand vorschreiben, von wem Sie mieten dürfen?

  7. 65.

    Volle Zustimmung.

    Ich glaube, mehr Zuzug tut Berlin sehr gut!

  8. 64.

    Das ist so nicht richtig. Erstens erwartet jeder für Geld das er bzw. sie einsetzt eine Rendite in Form von "Zinszahlungen" (vgl. Guthabenzins) und zweitens sind derartige Käufe meistens fremdfinanziert als z.B. durch Banken, die für ihr geliehenen Geld dann auch noch einmal Zinsen haben möchten. Also kann man Miete nicht gleich Sofort-Gewinn setzen. Nachvollziehbar, sonst vielleicht noch einmal googlen ;-)

  9. 63.

    Ja, das ist korrekt. Danke für die gute Beschreibung und Klarstellung hier im Forum. Interessant, dass es zu diesem Thema immer noch Unwissenheit gibt.

  10. 62.

    Besser kann man es nicht zusammenfassen !!!
    Damit ist alles gesagt. Danke.

  11. 61.

    Falsch! Die Instandhaltung ist NICHT In den Nebenkosten enthalten. Und das ist Material und Handwerkerleistung und die werden ebenfalls laufend teurer. Also bitte beachten.

  12. 60.

    Instandhaltung ist nicht umlegbar sondern Modernisierung, von der die Instandsetzung sogar abgezogen werden muss.
    Ja, der Kaufpreis x ist Geschichte aber eben die Instandhaltungskosten und die Gehälter der Angestellten und deren Büros samt Strom und Heizung nicht bis hin zur schnöden Briefmarke. Das manche es nie zu Eigentum bringen, wundert mich bei vielen Kommentaren hier gar nicht.

  13. 59.

    Es gibt keinen gültigen qualifizierten Mietspiegel mehr in Berlin ! Zum einen, weil der Senat rechtswidrig den alten Spiegel 2x fortgeschrieben hat es aber nur 1x darf, zum anderen, weil der Senat mit dem MietenDECKEL die Voraussetzung für den Spiegel (Spiegel spiegelt nämlich den Markt wieder) beseitigt hat. 15% alle 15 Monate sind möglich und rechtens. Bedankt euch beim Senat für seine Kompetenz. Die Experten haben gewarnt, euer Lieblingssenat hat sich großk**** drüber hinweggesetzt. Den nächsten Mietspiegel kann es erst wieder in ca 4 Jahren geben, wenn man alle Fristen beachtet. Das sind im schlimmsten Fall 45% Miterhöhung (3x15)und ein Spiegel, der dann auf diesen Preisen beruht.
    RRG hat die Karre an die Wand gefahren. Ihr Wohnungsbauprogramm ist auch bereits jetzt gescheitert, weil sie genau die schikanieren, die diese Wohnungen bauen würden. Was muss noch passieren, bevor der Wähler begreift, welche Kompetenz er da wählt.

  14. 58.

    Sie haben durch das Kreuz - sie mögen sich das subjektiv einbilden, ja, keine Verantwortung übernommen, lediglich aktivistisch eine/zwei Sekunden gehandelt.

    Und nochmal - nein, es soll nicht enteignet werden, sondern vergesellschaftet (1 x 1), warum verstehen das nur so wenige der Unterstützer?

    „Solche Miethaie sollte man entschädigungslos enteignen, deswegen wäre ich für eine Gesetzesänderung des § 291 StGB. „

    Verstehe ich auch nicht, Sie sind für die „Enteignung“ (eigentlich gem. DW & Co. Vergesellschaftung) und deswegen soll eine Änderung des 291 StGB her?

    Bitte um Erläuterung, danke.

  15. 57.

    Der vermeintliche Gewinn durch Dividende ist bei weitenm nicht zu hoch wie eine Mieterhöhung.

  16. 56.

    Die Wohnungen, die Vonovia im Bestand hat, sind doch zum Preis X erworben worden. Dieser ändert sich doch nachträglich nicht mehr durch die Inflation. Also ist doch davon auszugehen, dass mit dem bestehendem Mietzins bereits ein Gewinn erwirtschaftet wird. Jetzt auf den fahrenden Zug aufzuspringen ist unseriös. Die Mieter werden schon genug mit den steigenden Nebenkosten, die ja auch Wartung/Instandhaltung beinhaltet, zu kämpfen haben.

  17. 55.

    Nix als Blödsinn was Sie da schreiben - Wahrscheinlich möchten Sie auch die Mauer zurück bzw. helfen beim Aufbau dieser

  18. 53.

    Der Aktienkurs und die Gewinnmarge müssen schließlich weiterhin hoch bleiben. Ist doch klar, das Vonovia künftig kräftige Mieterhöhungen nicht ausschließt. Wohnungsunternehmen gehören nicht an die Börse, Punkt.

  19. 52.

    Sie erheitern mich. Aber bleiben Sie gerne bei Ihren Ansichten und holen sich die Rendite.
    MfG Rael

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