Discounter senken Fleischpreise - Gute News für die Grillsaison, schlechte für die Landwirtschaft

Di 05.07.22 | 18:33 Uhr | Von Nico Hecht
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Ein Kunde mit Mund-Nasen-Schutz kauft abgepacktes Fleisch in einem Supermarkt ein. (Quelle: dpa/R.Vennenbernd)
Audio: Inforadio | 05.07.2022 | Nico Hecht | Bild: dpa/R.Vennenbernd

Lange stiegen die Preise für Lebensmittel scheinbar endlos weiter. Jetzt scheint der Trend zumindest bei einer ersten Discounterkette gestoppt. Aldi bietet Fleisch und Wurst deutlich billiger an. Was steckt dahinter? Von Nico Hecht

An einer Potsdamer Supermarkt-Fleischtheke prangt ein großer roter Hinweis: "Inflationsstopp". Mit diesem Label bewirbt der Discounter seine Preissenkungen.

Der Handel gebe die wieder günstigeren Einkaufsbedingungen an die Kunden weiter, erklärt ein Unternehmenssprecher von Aldi Nord den Schritt. Die zuletzt gesunkenen Marktpreise trügen dazu bei, dass Aldi so "die Inflation ein Stück weit abschwächen" könne.

Aldi zählt zu den wenigen großen Einzelhandelsketten in Deutschland, deren Preisgestaltung häufig Auswirkungen auf große Teile des Lebensmittel-Einzelhandels hat.

Spürbare Erleichterungen

Viele Supermarktkunden in Berlin und Brandenburg wissen die gesunkenen Preise zu schätzen. "Das kommt für mich schon überraschend", sagt Anna Tern in Potsdam. Aber sie findet das gut. Man müsse bedenken, wie schwierig die Situation gerade ist, gerade für Leute, die weniger Geld haben. Es sei sich kein schönes Gefühl, sich kaum Fleisch leisten zu können.

"Es gehen ja sonst alle Preise nach oben. Gas, Strom, alles", sagt ein anderer Kunde. "Da ist es schön, wenn es beim Fleisch fällt."

Tatsächlich dürften die Preissenkungen die Kunden spürbar entlasten. Aldi zum Beispiel senkt das Pfund Hackfleisch gemischt von 4,59 Euro auf 3,99 Euro, die Minutensteaks vom Schwein (400 Gramm) von 3,99 Euro auf 3,49 Euro, Bratwurst vom Schwein (400 Gramm) von 3,49 auf 2,99 Euro.

Trendumkehr nach langen Verteuerungen

Die Verbraucher mussten aber auch lange immer weiter wachsende Preise hinnehmen. Beim Fleisch sogar noch mehr als in anderen Bereichen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Fleisch im Mai noch 16,5 Prozent teurer als im Vorjahr, doppelt so hoch wie die Inflationsrate insgesamt von 7,9 Prozent. Für Nahrungsmittel generell waren im Mai 11,1 Prozent mehr fällig.

Viele Verbraucher reagierten auf die Teuerung. Eine repräsentative Forsa-Umfrage ergab, dass seit Anfang des Jahres 42 Prozent der Deutschen ihren Fleisch- und Fischkonsum wegen der massiv gestiegenen Preise eingeschränkt haben.

Gründe für Preissenkungen vielfältig

Nach kräftig steigenden Preisen zum Jahresbeginn würden jetzt besonders beim Schweinefleisch die Preise wieder fallen, so der Aldi-Unternehmenssprecher. Das habe auch damit zu tun, dass in Deutschland schon seit Jahren mehr Fleisch produziert als nachgefragt würde.

"Zwar sinkt der Schweinebestand im Land. Doch liegt er nach wie vor über der seit Jahren schwindenden Inlandsnachfrage", so der Sprecher. Zudem hätten sich die Exportmärkte seit Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest noch nicht wieder erholt. "Heißt, was nicht in den Export kommt, landet zusätzlich in deutschen Supermarktregalen."

Sorgen bei Bauern

Was den Kunden Erleichterung verschafft, macht den Bauern große Sorgen. Preissenkungen im Supermarkt bedeuten weitere Einnahmeverluste für die Landwirte, sagt der Vorsitzende der Agrargenossenschaft in Meinsdorf (Fläming), Benny Hecht. Denn während Bauern von den Discountern weniger für ihr Fleisch bekommen, bleiben die Produktions- und Energiekosten weiter hoch.

Dabei haben schon bisher die Einnahmen kaum die Produktionskosten für Fleisch gedeckt. Auch Benny Hecht nennt als Grund dafür einerseits die Überproduktion von Fleisch in Deutschland.

Doch die Situation wäre nun auch noch durch die Afrikanische Schweinepest schwieriger. Der Ausbruch bedeute erhebliche Handelsprobleme. Vor allem der wichtige Export nach China sei eingebrochen. Das heiße auch, dass Fleisch, das eigentlich für den Export bestimmt war, in deutschen Supermarktregalen landet.

Für die Landwirte sei diese Situation existenzbedrohend. Bauer Benny Hecht im Fläming meint, kurzfristig gegensteuern könne man da kaum. Langfristig werde das aber wohl bedeuten, das Bauern Schweineproduktionen aufgeben müssen.

Sendung: Inforadio, 05.07.2022, 18:30 Uhr

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Beitrag von Nico Hecht

36 Kommentare

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  1. 36.

    Mich interessiert es auch nicht, wenn manche Menschen zu Karnickeln mutieren."
    Anscheinend schon.
    Sonst würden Sie wohl nicht so verächtlich von ihnen reden.
    Also den Menschen.
    Nicht den Kaninchen.

  2. 35.

    Schildkröten nehmen auch tierische Kost zu sich ;)

  3. 34.

    Wenn man biologisch/natürlich von der Natur so ausgestattet wurde, äußerst viele verschiedene organische Substanzen wie Fleisch oder Pflanzen verwerten können, hat man Vorteile gegenüber Arten, die auf eine bestimmte Nahrung spezialisiert sind... Sehr viele Vorteile und der Zusammenhang zur Lebenserwartung, bei ausgeglichener statt einseitiger Ernährung, ist bewiesen.

  4. 33.

    Bürger, kauft Fleisch! Für die Zeiten des Mangels, der Bevormundung, Vorschriften, Verbote und der Verächtlichmachung.
    Wer schon im Winter frieren soll, soll wenigstens richtig essen.

  5. 32.

    Also ich kenne nur Menschen die Fleisch essen, ein Kaninchen, oder eine Schildkröte frisst Salat und Möhren.

  6. 31.

    Es geht doch niemanden etwas an, wieviel Fleisch man "frißt" (was für ein Ausdruck)
    Mich interessiert es auch nicht, wenn manche Menschen zu Karnickeln mutieren.

  7. 30.

    Der Aldi bietet auch Fleisch aus Haltungsform 3 und 4 an, beispielsweise unserer Edeka bietet 3 nicht an.

  8. 29.

    Und auch arme Menschen dürfen Fleisch essen."
    Aber klar doch.
    Immer kommt man mit vermeintlich legitimierenden "Argumenten".
    Hier ist es jetzt die Sorge um die armen Menschen, die ja auch Fleisch essen sollen.
    Man stellt sich direkt vor, wie die Armen bei den Tafeln nach Fleisch anstehen.
    Könnte es nicht eher sein, das man einfach Bock auf billiges Quälfleisch hat, das aber nicht so gerne zugeben möchte?
    Ist in etwa so, wenn der SUV-Fahrer damit argumentiert, das er allzeit freie Fahrt haben muss, weil er ja seine Omma besuchen will. Und die Krankenwagen nicht zu vergessen.

  9. 28.

    einen Teil holt man sich aus der anderen Tasche ja wieder z.b. Milch !

  10. 27.

    Haben Sie den Artikel hierzu auch bis zu Ende durchgelesen? Ich glaube kaum. Denn dann wäre Ihnen aufgefallen wer hier das Billigfleisch liefert. Gutes und hochwertig qualitatives Fleisch hatte schon immer seinen Preis. Und früher hieß es nicht umsonst“Sonntagsbraten“ am Familientisch. Täglich Fleisch zu verzehren, zudem Schweinefleisch, ist gar nicht gesund. Aber das gehört ja jetzt hier nicht hin. Die Grill Saison hat begonnen. Also schlagt Euch den Wanst voll mit Billigfleisch.

  11. 26.

    Woher wollen Sie denn bitteschön wissen, ob ich nicht auch wenig Geld habe? Schon mal auf den Gedanken gekommen, dass es auch Menschen mit wenig Geld gibt, die sich nicht 24 Stunden am Tag beschweren, aber trotzdem ihr Leben auf die Reihe bekommen?

  12. 25.

    Na vielleicht merken die Bauern ja was und produzieren weniger Fleisch. Besser für die Umwelt wäre es allemal. Lieber nur einmal die Woche Fleisch, aber dafür von glücklichen Tieren.

  13. 23.

    Übergewicht kommt nicht nur vom Essen, aber wenn, dann von Pizza, Pasta & Co. und nicht von z.B. Hähnchensteaks.
    Wenn ich in die Kühltruhen im Supermarkt schaue, nehmen Pizzen und andere Fertiggerichte den größten Teil ein...

  14. 22.

    Das wäre tatsächlich ein fairer Preis. Aber wehe man nimmt dem Deutschen sein Fleisch bzw den in Deutschland lebenden, die einen essen Schwein, die anderen Rind. Beide Konsumenten haben eins gemein, die fressen zuviel Fleisch.

  15. 21.

    Die bösen bösen Discounter prügeln täglich die lieben Kunden zu den Fleischtheken und zwingen sie, sowas ekeliges, wie Fleisch zu kaufen!
    Also wirklich, man sollte die Schuld nicht immer bei anderen suchen!

  16. 20.

    Hat das vielleicht jemand hier gelesen?

    Viele Verbraucher reagierten auf die Teuerung. Eine repräsentative Forsa-Umfrage ergab, dass seit Anfang des Jahres 42 Prozent der Deutschen ihren Fleisch- und Fischkonsum wegen der massiv gestiegenen Preise eingeschränkt haben.

    Das bedeutet Umsatzeinbruch - auch für die lieben Landwirte (also weiter jammern).
    Der Trick dran ist, die Nachfrage steigern, danach das Angebot anpassen und dann den Preis "überholen" lassen.

    Ist ja so schwer... Aber für die Medien mal so'ne Nummer im Sommer, wenn sonst nüscht so los iss...

  17. 19.

    Wer ist der Tierquäler?
    Der der glückliche Schweine schlachtet oder der der unglückliche von ihrem Leiden erlöst?
    Ist nicht von mir aus einem Trailer irgendwo im TV für irgendeinen Film.

  18. 17.

    Was drückt das Wort "News" in der Überschrift aus, was sich mit "Nachrichten" nicht sagen lässt?

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