Zukunft der Warenhauskette ungewiss - Buero.de zieht Angebot für Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen zurück

Fr 23.12.22 | 21:12 Uhr
  16
Das Kaufhaus Galeria Kaufhof am 24.10.2022 am Alexanderplatz in Berlin Mitte. (Quelle: dpa/XAMAX)
Audio: rbb24 Inforadio | 23.12.2022 | Nachrichten | Bild: dpa/XAMAX

Mindestens 40 Filialen wird die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof in Deutschland schließen müssen. Der Onlinehändler buero.de wollte knapp 50 Standorte übernehmen, doch jetzt macht der Schreibwarenspezialist einen Rückzieher.

  • Online-Schreibwarenhändler buero.de verzichtet auf Galeria-Übernahme
  • Warenhauskette berichtet von weiteren Interessenten
  • Konkretes über Filialschließungen wohl frühestens im Januar

Der Onlinehändler buero.de hat sein Angebot zur Übernahme von knapp 50 Filialen des angeschlagenen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof zurückgenommen. "Wir haben unser Angebot für die 47 Filialen in der Tat zurückgezogen", sagte buero.de-Chef Markus Schön am Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Zu den 47 Filialen gehörte auch jene in Cottbus.

"Die Gerüchte über viel weitergehende Schließungen und die in diesem Zusammenhang in den letzten Tagen für uns deutlich gewordene Konfliktlage führen zu veränderten Rahmenbedingungen, die für uns nicht akzeptabel sind", teilte er weiterhin mit. Das hätten die Gremien nach mehrstündigen Sitzungen entschieden. Zuvor hatten andere Medien berichtet.

Galeria-Betriebsrat zeigt sich enttäuscht - Weitere Angebote liegen aber vor

Der Betriebsrat des angeschlagenen Warenhauskonzerns hat sich über die Entscheidung von buero.de enttäuscht gezeigt. Es sei ein bisschen frustrierend, dass so schnell das Handtuch geschmissen wurde, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ettl. Die ersten Gespräche seien konstruktiv gewesen.

Galeria Karstadt Kaufhof hatte am Mittwoch mitgeteilt, ein erstes Übernahmeangebot für eine Reihe von Filialen erhalten zu haben. Dieses bestehe nach wie vor, sagte der Sprecher des Handelsriesen am Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Noch vor Weihnachten erwarte das Unternehmen weitere Angebote von mehreren anderen Interessenten. Zu den Namen der Interessenten und zur Frage, für welche Häuser sich die potenziellen Investoren interessierten, wollte der Sprecher aus Vertraulichkeitsgründen nicht Stellung nehmen.

Der letzte große deutsche Warenhauskonzern hatte Ende Oktober erneut Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Galeria-Chef Miguel Müllenbach sagte damals, das zuletzt noch 131 Warenhäuser umfassende Filialnetz müsse im Zuge des Schutzschirmverfahrens "um mindestens ein Drittel reduziert werden". Damit stünden mehr als 40 Warenhäuser zur Disposition.

12 Filialen in Berlin, zwei in Brandenburg

Wie viele und welche Filialen geschlossen werden sollen, darüber ist nach Angaben des Galeria-Sprechers noch nicht entschieden. Das Unternehmen sei derzeit in Gesprächen mit den Vermietern. Dabei gehe es neben der Miete selbst auch um weitere Fragen wie zum Beispiel eine mögliche Verkleinerung der Mietfläche, energetische Sanierungen oder Modernisierungs- und Baumaßnahmen.

Ob ein Standort erhalten bleiben könne, werde auch stark von diesen Gesprächen abhängig sein. "Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Januars des kommenden Jahres Klarheit darüber geben wird", sagte der Sprecher.

Der Konzern hat bundesweit 17.000 Mitarbeiter und betreibt seine noch 131 Warenhäuser in 97 deutschen Städten.

In Berlin gibt es noch zwei Galeria-Kaufhof-Filialen (Ring-Center und Alexanderplatz) sowie sieben Galeria-Karstadt-Häuser (Hermannplatz, Tempelhofer Damm, Müllerstraße, Kurfürstendamm, Schloßstraße, Wilmersdorfer Straße, Carl-Schurz-Straße) und eine Galeria-Filiale in Tegel (Gorkistraße).

In Brandenburg gibt es in Potsdam (Brandenburger Straße) und in Cottbus (August-Bebel-Straße) jeweils eine Galeria-Karstadt-Filiale.

Seit März 2019 traten Karstadt und Kaufhof unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Im Januar 2020 wurden die beiden Unternehmen zu einem Unternehmen verschmolzen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 23.12.2022, 7 Uhr

16 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 16.

    Um dich als kleinen Selbstständigen geht es gar nicht! Dazu bringst du schlicht und einfach keinen Umsatz! Thing Big! Unternehmen mit MEHR als 100 oder besser noch ab 250 Mitarbeitern sind die Zielgruppe. Die wollen nicht das dunkelste Licht. Macht auch keinen Sinn, denn die kleinen rennen eh zu Amazon oder kaufen gleich beim Discounter.

  2. 15.

    Ich hätte das nicht geschrieben, wenn ich nicht in den letzten Monaten ständig Zeit damit verplempert hätte, durch die Läden zu rennen, Dinge nicht zu bekommen und schließlich doch im Netz zu bestellen. Angefangen von einem Kirschentsteiner, über eine kleine Thermoskanne für den Kaffeevollautomaten, einen langen, warmen Hausmantel und Wasserfilter. Ich war jedes Mal sowohl in Tempelhof, als auch in der Schloßstraße unterwegs. Und jedes Mal denk ich, warum tu ich mir das noch an? Bei Karstadt gibt es jede Menge Haushaltsartikel von WMF zu hohen Preisen, aber wenig Zeug für den alltäglichen Bedarf. Stoffe gibt es übrigens bei Karstadt schon lange nicht mehr. Dafür wurden die Parfümerien in den Erdgeschossen immer größer und teurer.

  3. 14.

    Vermuten wir auch. Seit Jahren immer die gleichen Ankündigungen online und offline besser, flexibler und kundenfreundlicher zu werden.
    Doch es wurde immer schlimmer.

    Das dahinter keine Absicht stecken soll, kann man eigentlich nicht glauben.

    Das passiert wenn man eine Einzelhandelskette an einen unseriösen Immobilieninvestor verkauft.

  4. 13.

    Wo sind die ca. 680 Millionen € Staatshilfe hin?

    Wenn nun dennoch im nächsten Jahr sehr viele Menschen zum Arbeitsamt müssen?
    Diese Hilfe muss doch an Bedingungen geknüpft worden sein?

  5. 12.

    "Schade, dass es immer schwerer wird, alltägliche Dinge vor Ort zu kaufen, die früher zum Sortiment von Kaufhäusern gehörten, wie Kurzwaren, einfaches Küchenzubehör und Stoffe."
    Gibt es alles zum Beispiel bei Karstadt in der Schlossstraße...

  6. 11.

    Das geht noch weiter. Das Essen ist schrecklich, das Frühstücksbuffet nicht mehr das, was es mal war.
    Die Verkäufer sind allesamt sehr freundlich und sehr älter. Es wurden sämtliche Kassen weggenommen und man soll sich 10 Minuten im EG oder der 2. Etage anstellen. Benko hat vermutlich nie ein Fortbestehen gewollt, sondern Karstadt systematisch in den Abgrund gesteuert.
    Mir tun sämtliche Angestellten sehr sehr leid. Die geben/gaben ihr Bestes, ohne zu ahnen, dass das gar keinen Einfluss hatte.

  7. 10.

    Vielleicht war es gut so. Schaut man sich Adler an, die von Zeitfracht übernommen wurden, hat es gar nichts genutzt. Deren Pleite wird trotzdem kommen.

  8. 9.

    Ja, und? Wie viele Menschen benötigen denn deshalb mehr Büroartikel, die sie nun da bestellen? Selbst ich als Selbständige hole das bisschen Druckerpapier, das ich alle Jubeljahre mal brauche bei Bedarf in irgendeinem Laden. Firmen mit hohem Bedarf haben meist ihre Lieferanten und wechseln nicht, weil sie mal einen anderen Namen hören. Vielleicht hat buero.de sich einfach verkalkuliert. Der Betrieb der großen Häuser kostet schließlich was. Schade, dass es immer schwerer wird, alltägliche Dinge vor Ort zu kaufen, die früher zum Sortiment von Kaufhäusern gehörten, wie Kurzwaren, einfaches Küchenzubehör und Stoffe.

  9. 8.

    Jepp! Treffend analysiert.
    Alle meine Bekannten, die in der freien Wirtschaft was mit Großeinkauf Bürozeugs zu tun haben, kannten diesen Anbieter vorher nicht. Da vielen bisher nur andere Namen von preiswerten Großhandelsketten für Büro- und Schreibkram.

  10. 7.

    Kleiner Tipp zur Aufzählung der Standorte im Artikel: Galeria-Karstadt Kaufhäuser hat es nie gegeben. Es gab als Marke (nicht Firmenbezeichnung) Karstadt und Galeria Kaufhof. Nach der Fusion sollte die gemeinsame Marke zum Schluss nur noch "Galeria" heißen. Ohne Karstadt oder Kaufhof. Die alten Namen wollte man beerdigen. Allerdings hat man es nicht geschafft (oder nicht gewollt?) die Schriftzüge an den Kaufhäusern entsprechend auszutauchen.

    So gibt es heute noch "Galeria"-Filialen, wo von draußen ganz groß "Karstadt" drauf steht - wie in den 80er Jahren. Vielleicht hat man von Anfang an darauf spekuliert, diese Läden dicht zu machen. Das würde erklären, warum man viele Standorte nicht konsequent umbenannt hat. Lohnt sich ja nicht, wenn die Filiale sowieso auf der Abschussliste steht. Markentechnisch macht diese Chaos aus drei Namen ja keinen Sinn: Kaufhof, Karstadt, Galeria - wo ist man da überhaupt. Draußen steht Karstadt dran, drinnen Galeria, usw,

  11. 6.

    Nun ja, Genaues weiß man allerdings auch nicht, wie Büro24 die Häuser gestalten wollte. Das wurde ,zumindest mir nicht bekannt, nämlich nicht kommuniziert. Auch die Aussicht auf weitere Interessenten sagt genau was aus? Nüscht. Weil da auch keine Kommunikation erfolgt, was wie da geplant ist etc..
    Lassen wir uns überraschen, wie das sich entwickelt. Und „Alles wird gut“ sehe ich in dem Fall eher nicht.

  12. 5.

    Ich glaube, da wollte buero.de sich einfach nur ins Gespräch bringen. Reine PR-Nummer. Vorher war der Laden vielerorts völlig unbekannt. "Dank" Galeria Kaufhof-Karstadt gab es nun bundesweite Berichterstattung - völlig kostenlos. Der PR-Plan hat also bestens geklappt.

  13. 4.

    Taktisch sehr klug von Buero.de, einfacher und günstiger hätten sie nicht besser Werbung machen können.
    Bin der Meinung die hatten von Anfang an kein Interesse aber habe gefühlte tausende male den Namen Buero.de gehört...….

  14. 3.

    Das war mir sowas von klar! Schon bei der ersten Meldung hatte ich dahinter eine Promotionaktion erahnt. Und alle Medien sind schön darauf reingefallen. Hoffentlich kommen jetzt die wahren Interessenten zum Zug, damit die Mitarbeiter ihre Jobs behalten. @büro.dä das ist mal sowas von schwach, auf den Rücken der Leute eure Taschen zu füllen, pfui!

  15. 2.

    Wahscheinlich alles nur eine PR Aktion.

  16. 1.

    Früher war ich ein treuer Karstadt Kunde am Kurfüstendamm. Aber leider, leider war schon lange zu spüren wie faul dieser Apfel schon geworden ist. Angefangen oben im Speiserestaurant. Die Mitarbeiter* innen nur noch wenig motiviert. Eigentlich finde ich das sehr,sehr schade.

Nächster Artikel