Mehr Kunden, höhere Strompreise - Berliner Stadtwerke verdienen deutlich mehr Geld

Fr 06.01.23 | 20:47 Uhr
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Ein Strommast steht vor einem Plattenbau in Berlin. (Quelle: imago-images/David Weyand)
Bild: imago-images/David Weyand

Die Berliner Stadtwerke haben 2022 deutlich mehr Geld verdient als im Jahr davor. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage des rechtspolitischen Sprecher der Linken, Sebastian Schlüsselburg, hervor, die dem rbb exklusiv vorliegt.

Demnach erzielten die Stadtwerke 2021 noch einen Extragewinn aus Windenergieanlagen von 1,2 Millionen Euro. Im Jahr darauf waren es schon insgesamt bereits 4,6 Millionen Euro, nach allen Abzügen.

Die Zahlen zeigen auch: Die Stadtwerke haben deutlich an Kunden gewonnen. Im Januar 2021 waren nur 22.000 Kunden unter Vertrag. Im November 2022 waren es schon mehr als 36.000 Kundenverträge. Auf Anfrage teilten die Stadtwerke mit, sie hätten von der Pleitewelle anderer Anbieter 2021 profitiert.

Strompreise deutlich erhöht

Gleichzeitig haben die Stadtwerke, ähnlich wie andere Energieversorger, den Preis für ihre Stromkunden massiv erhöht. Knapp zwei Drittel der Kunden müssen ab diesem Januar mehr zahlen: 52,9 Cent pro Kilowattstunde. Für manche Kunden führt dieser Strompreis zu einer Verdopplung ihrer bisherigen Kosten. Die Stadtwerke begründeten diese Preissteigerung mit deutlich erhöhten Einkaufspreisen durch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine.

Schlüsselburg fordert, dass die Stadtwerke die mehr als vier Millionen Euro Gewinn nutzen, um Kunden zu entlasten. "Wir werden zu der konkreten Entlastung die guten Gespräche in der Koalition jetzt, wo die bundesrechtlichen Rahmenbedingungen endlich feststehen, mit Hochdruck fortsetzen."

Sendung: rbb24 Inforadio, 06.01.2023, 21 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Vorgezogene überhöhte Preise mit (ausgrenzender?) angeblich lenkender Wirkung (fossiles Heizen ist unmoralisch?) spielt wem in die Karten? Nun werden die Ergebnisse schneller sichtbar als gedacht....

  2. 21.

    "Knapp zwei Drittel der Kunden müssen ab diesem Januar mehr zahlen: 52,9 Cent pro Kilowattstunde."
    Aktueller Preis laut Webseite : 58,9 cent/kWh bei monatlich kündbar.
    Bei 2 Jahresvertrag: 58,2 cent/kWh und 7% Ust; ab 04/2024 also 64,7 cent/kWh bei 19% Ust.

  3. 20.

    Dieses Preis-Wirrwarr ist völlig absurd. Ich bin auch Kunde bei den Stadtwerken, zahle aber nur 26 Cent pro Kilowattstunde. Dabei wird mein Strom genauso billig oder teuer eingekauft wie der Strom anderer Kunden.

    „Strom-Markt“ ist einfach ein bescheuertes Konzept, ganz ähnlich wie „Wettbewerb auf der Schiene“ (ich sehe da immer zwei Loks vor mir, wie sie auf einer Schiene um die Wette fahren und in den Kurven zu überholen versuchen).

  4. 19.

    Ach, der "Günther " mit seinen Einzeilern wie sie auch von Einzellern stammen können.

  5. 18.

    Das schützt auch nicht vor steigenden Stromkosten. Es sei denn, Sie erhöhen die Miete für Ihre Dachfläche. Aber vielleicht Sie haben einen Knebelvertrag unterschrieben, der das verbietet.
    Die AGB für "Eigenverbrauch von Ökostrom im Haushalt" habe ich übrigens nicht auf der Webseite der berlinerstadtbetriebe gefunden. Sehr verdächtig. Warum ist das geheim?
    https://berlinerstadtwerke.de/produkte/berlinstrom-sonne/

    Nun ja, es geht um das Tochterunternehmer EnergiePartner GmbH, das PV Anlagen errichte und betreibt. Es hat keine Webseite.

  6. 16.

    Natürlich sind die Beschaffungskosten gestiegen (auch für erneuerbare Energien). Strom wird nach dem Merit Order Prinzip gehandelt und damit nach den höchsten Herstellungskosten (Gasturbinenkraftwerk).

  7. 15.

    Na Mensch da freue ich mich aber wenn es einer Firma gut geht, das ist schön...

  8. 14.

    Preis gesteigert, Gewinn erhöht. Vielleicht wachen ja nun alle auf, die den Beteuerungen unserer Politiker zum guten (und deshalb unbedingt notwendigen) Stadtwerk geglaubt haben. Im übrigen sind auch die Netzentgelte gestiegen seit das Stromnetz wieder Berlin gehört - obwohl man uns doch damals versprochen hat, es wird billiger, sicherer und grüner! Herzlich Willkommen in der Realität

  9. 13.

    „Verdienen“ die es wirklich, oder „bekommen“ die es?

  10. 12.

    Ich bin Kunde der Berliner Stadtwerke und zahle 29.8 Cent/kwh. Der Grund dafür ist, das bei mir eine Solaranlage von denen installiert ist.

  11. 11.

    meine Erhöhung lag bei 21 cent auf 40 Cent je KWH bei den Stadtwerken, argumentiert wurde mit den erhöhten Zukaufspreisen. Wenn ich jetzt höre das Sie GEwinn machen daraus, macht mich das sauer. GEwinn ja, und auf staatlichen GEbäuden Solarplatten bauen auch ja, deshalb bin ich zu den Stadtwerken gegangen. Aber 95% Erhöhung bei steigerung des GEwinns gleichzeitig, NEIN.

  12. 10.

    Auch staatliche Übergewicht den Bürgern erstatten!

  13. 9.

    Dann gehen sie doch dagegen juristisch vor, wenn es sie stört. Werden sie aber nicht tun, sie wollten sich nur mal in diesem Internet wieder ein wenig empören.

  14. 8.

    Der Markt wird sich einpendeln und dann bekommen die Damen und Herren sicher die Quittung für ihre Abzocke. Auf Anfragen reagiert man geflissentlich nicht weil sich die mehr als Verdoppelung eben nicht erklären lässt.

  15. 7.

    Sind die Kopfschmerzen sehr stark o. ist das noch der Restalkohol vom 31.01.? Folgender Vorschlag - Sie wenden sich an an das Unternehmen und berichten uns dann ausführlichst, verständlich - ansonsten fragen Sie die Ärztin o. Pscholgin ihreres Vertrauen - Prosit ;-)

  16. 6.

    Habe ich gelesen, alles sehr ernüchternd. Das sollte ab und zu auf den Titelseiten stehen. Dort steht aber nur etwas, wenn wieder neue prozentuale Höchststände durch die Erneuerbaren erreicht werden, weil es an einem Tag mal gut funktioniert hat.

  17. 5.

    Das ist mir klar, bin ja kein Tagträumer, aber sehen Sie sich gerne die Webseite des Anbieters an. Dann erkennen Sie einen massivem Etikettenschwindel.

  18. 4.

    Zur Windkraft auch eine Recherche der NZZ:
    https://www.nzz.ch/visuals/windkraft-in-deutschland-grosse-versprechen-kleine-ertraege-ld.1710681?reduced=true

  19. 3.

    Der Strom aus Erneuerbaren ist eben nicht immer verfügbar, dann muß auf dem Markt eingekauft werden. Die Windräder drehen sich nicht immer und wieviel Solarstrom in der Nacht kommt, kann sich jeder selbst denken.

  20. 2.

    Ich versuche seit der Ankündigung zu intervenieren, per Email, per Einschreiben. Es gibt keine Reaktion. Denn wer mit regionalem Strom aus Erneuerbaren wirbt, kann keine erhöhten "Beschaffungskosten" ins Feld führen. Das ist Betrug. Ich habe die Kündigung der Lastschriftgenehmigung angekündigt, für die den Fall, dass keine Reaktion erfolgt. Auf welchem Ross sitzt die Geschäftsführung eigentlich?

  21. 1.

    Kann man Gewinn genauer spezifizieren? Ist das EBIT oder EBITDA? Oder ist sogar schon nach Abzug der Aufwendungen und Steuern (darauf könnte "nach allen Abzügen hinweisen")? Ist der Jahresvergleich inflationsbereinigt? Wieviel des Gewinns wurde in Rückstellungen gegeben, wieviel in Ausschüttungen, wieviel wurde reinvestiert in die bestehende Infrastruktur für deren Erhalt und evtl. Ausbau und Modernisierung?

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