Die sogenannte Heidekrautbahn fährt am 22.04.2014 in Berlin durch ein Feld in der Nähe von Pankow (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Brandenburg aktuell| 05.04.2017 | Frank Drescher | Bild: dpa

Stück der Heidekrautbahn könnte reaktiviert werden - "Alternativstrecke wäre für Brandenburg extrem wichtig"

Rund 27.000 Menschen pendeln zwischen Barnim und Berlin. Doch die Bahnverbindung ist schlecht: Bauarbeiten am Karower Kreuz sorgen für längere Fahrtzeiten, häufigeres Umsteigen und Frust. Dabei könnte leicht Abhilfe geschaffen werden. Von Dorett Kirmse

Wer als Berufspendler derzeit aus dem brandenburger Landkreis Barnim die Regionalbahn in Richtung Berlin nimmt, braucht starke Nerven. Normalerweise fährt die sogenannte Heidekrautbahn im Berufsverkehr von Groß Schönebeck bis nach Berlin-Gesundbrunnen. Allerdings endet der Zug zur Zeit in Karow, weil am Karower Kreuz noch bis April nächsten Jahres gebaut wird.

Für Pendler bedeutet das vor allem längere Fahrtzeiten. "Wenn die Abschlusszüge nicht passen, ist es schon sehr viel Zeit, die da flöten geht", berichtet eine Frau. Teils sei sie bis zu 45 Minuten länger unterwegs, heißt es von einer anderen.

Alternativstrecke im Dornröschenschlaf

Dabei gäbe es eine Alternative: Die Bahnstrecke über Mühlenbeck, Schildow und Wilhelmsruh. Seit dem Mauerbau 1961 gibt es auf der Verbindung keinen Personenverkehr mehr, lediglich für Gütertransporte werden die Schienen manchmal noch genutzt. Voraussetzung für die Reaktivierung der Strecke wäre, dass der Regionalbahnhof Wilhelmsruh wieder aufgebaut wird.

Blick auf die fast bis auf die Grundmauern niedergerissenen Gebäude des Heidekraut-Bahnhofs Wilhelmsruh (Quelle: dpa)
In Trümmern: 1961 wurde der Bahnhof Wilhelmsruh abgerissen | Bild: A0009_dpa

Eine entsprechende Baugenehmigung liegt bereits seit längerer Zeit vor. Detlef Bröcker, der Chef der Niederbarnimer Eisenbahn hat sie beantragt. In zwei Jahren könnten dort wieder Regionalzüge fahren, sagt er. Doch er baut nur, wenn die Länder Berlin und Brandenburg auch Züge bestellen. Eine Entscheidung muss her, denn in drei Jahren verfällt die Baugenehmigung.

"Ich verstehe es nicht, warum sich hier beide Länder so zieren", sagt Bröcker. "Denn wir haben hier eine Infrastruktur, die nicht nur vom Wiederaufbau relativ günstig ist, sondern auch im engeren Verflechtungsgebiet liegt und wir mit enormen Fahrgastprognosen rechnen können."

"Für uns in Brandenburg ist das extrem wichtig"

Für die Brandenburger Landesregierung wäre die Wiederinbetriebnahme der Strecke über Wilhelmsruh Parallelverkehr zu der Strecke über Karow. Außerdem, so das zuständige Potsdamer Ministerium, würden die Berliner die Strecke nur zwischen Gesundbrunnen und dem Märkischem Viertel nutzen.

Das sei absurd, sagt Klaus Siebertz von der Wandlitzer CDU. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass im Märkischen Viertel irgendjemand darauf wartet, dass die Heidekrautbahn jetzt auch Gesundbrunnen mit dem Märkischen Viertel verbindet", so Siebert. "Aber für uns in Brandenburg ist das extrem wichtig, dass wir diese Alternativstrecke bekommen, weil das Verkehrsaufkommen immer stärker steigt."

Auch für Jana Anwander wäre die Strecke dringend notwendig. Täglich pendelt sie zwischen Wandlitz und dem Märkischen Viertel in Berlin. "Als wir uns vor sieben Jahren entschieden, hier ein Haus zu kaufen, haben wir fest damit gerechnet, dass diese Strecke auch in Betrieb genommen wird." Zur Zeit nimmt Jana Anwander für ihren Weg zur Arbeit das Auto. Eine Dreiviertelstunde braucht sie für eine Strecke - würde sie die bereits bestehende Regionalbahnverbindung nutzen, bräuchte sie die doppelte Zeit und müsste vier Mal umsteigen.

Beitrag von Dorett Kirmse

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