Messebesucher auf der IFA 2016 (Quelle:dpa/Gregor Fischer)
Video: rbb|24 | 07.09.2016 | Anne-Katrin Eutin | Bild: dpa

Bilanz am letzten Messetag 2016 - Die IFA kann es noch

Das Jammertal am Elektronik- und Haushaltsgerätemarkt scheint überwunden. Bei der IFA 2016 war die Stimmung gut: Luxus lässt sich wieder verkaufen. Ansonsten bekamen die Besucher vom Schnick Schnack bis zur technischen Finesse alles geboten. Von Johannes Frewel  

Bei den Herstellern von Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten herrscht gute Stimmung: Bei der weltgrößten Elektronikmesse IFA in Berlin haben sie in sechs Messetagen Bestellungen im Gegenwert von mehr als vier Milliarden Euro in ihren Orderbüchern sammeln können. Vor allem die TV-Hersteller rechnen sich nach fünf Jahren Talfahrt erstmals wieder Chancen auf wachsende Umsätze aus. Die neue Spitzenklasse der OLED-Fernseher bietet neben brillanten Bildern auch Gerätepreise, die leicht dem Zehnfachen eines Durchschnittsfernsehers entsprechen können. Das bringt Herstellern endlich wieder steigende Margen.

Das Geld sitzt wieder lockerer

Bei der IFA füllten sich Händler weltweit ihre Lager fürs Weihnachtsgeschäft. Alle gut 1.800 Aussteller hatten deshalb ihre Geräte zum Jahresende aufgepeppt, weil Verbrauchern dann das Geld erfahrungsgemäß besonders locker sitzt. Bei Smartphones legte Samsung mit dem neuen Galaxy Note 7 ein Stück Technik vor, das Experten für das derzeit beste Gerät am Markt halten. Zu haben ist das 850-Euro-Smartphone vorerst freilich nicht, obgleich Samsung als einziges Smartphone nur diese digitale Wollmilchsau zeigte, die auch eine der derzeit angesagten Brillen für virtuelle Realität mit Daten versorgt. Vereinzelt brennende Akkus bescherten Samsung zum Marktstart den Rückruf von mehr als einer Million Geräten und einen Schaden, der wahrscheinlich die Milliardengrenze übersteigt. Das bedeutet Bahn frei für Samsungs Erzrivalen Apple, der sein neues iPhone vorstellen wird, kurz nachdem die IFA 2016 ihre Tore am Mittwochabend (18 Uhr) schließt.

Die Hausgerätesparte lockt Käufer mit zahlreichen Weiterentwicklungen. Ein Hersteller demonstrierte die besondere Laufruhe seiner Waschmaschine, indem er ein Kartenhaus darauf errichtete, das auch im Betrieb nicht umfiel. Andere Hersteller locken mit vernetzten Hausgeräten, dem Kühlschrank mit Internetverbindung zum Smartphone oder der App, die darauf hinweist, wenn die Waschmaschine fertig ist. Qualität ist längst nicht mehr nur ein Marketingargument deutscher Hersteller. Die Marke Grundig befindet sich nach der Insolvenz in türkischer Hand und hat sich binnen weniger Jahre zum Vollsortimenter entwickelt, der neben Fernsehern auch die gesamte Palette von Haushaltsgeräten anbietet. Unabhängige Tests bescheinigen, dass die Marke Grundig oder andere wiederbelebte untergegangene deutsche Marken nicht nur auf Augenhöhe mit hiesigen Herstellern arbeiten, sondern auch zunehmend Testsiege abräumen.

Die A+++ könnten weniger werden

Zahlreiche Hersteller stellten die Energiesparsamkeit ihrer Geräte heraus und präsentierten stolz ihr Energielabel A+++. Weil sich bereits zu viele Hersteller mit ihren Geräten in der bislang besten Energiesparklasse tummeln, will die EU-Kommission die Anforderungen deutlich verschärfen. Dass soll Kunden ermöglichen, sich besser unter den guten und sehr guten Energiesparern zu orientieren. Teilen der Branche schmeckt das ganz und gar nicht. Um noch mehr Strom zu sparen, muss die Waschtemperatur gesenkt und die Waschzeit verlängert werden. Verbraucher müssen im Ergebnis immer länger warten, bis ihre Waschmaschine oder etwa der Geschirrspüler fertig werden. Zudem fürchten einige Hersteller den Zorn ihrer Kunden, wenn das frisch gekaufte A+++-Gerät nach der Reform der Energielabel beispielsweise nur noch die neue Klasse A erreicht.

Haartrockner für 400 Euro

Die IFA lebte auch von mehr oder weniger sinnvollen Gadgets, mit denen Aussteller um Aufmerksamkeit warben. Die VR-Brillen für virtuelle Realitäten waren bei Besuchern in den Messehallen ebenso beliebt, wie die sirrenden Flüge der zahlreichen Hobbydrohnen. Die bieten inzwischen nicht nur hochaufgelöste Video- und Fotoqualität, sondern machen Dank Geofencing auch einen Bogen um Flugverbotszonen - zumindest in der Grundeinstellung.

Wer es eher exklusiver mag, für den hielt Sony einen Edel-Walkman bereit, der mit Kopfhörer und Verstärker auf bis zu 7.500 Euro kommt. Wer in der Lage ist, den Klangunterschied zu einem guten CD-Player zu hören, dürfte so jung sein, dass er sich das Gerät kaum leisten kann. Wer es sich leisten kann - indes alt genug - sich nicht mehr auf sein volles Hörvermögen zu stützen. Ähnlich sinnvoll dürfte ein neuartiger Haartrockner für 400 Euro sein. Er macht zwar etwas weniger Lärm, trocknet aber auch nur Haare.

Deutsche Hoverboards sollen sicherer sein

Verwöhnte Wohlstandskinder dürften nach dem IFA-Besuch vor allem einen Wunsch haben: ein Hoverboard, ein elektrisch fahrendes Rollbrett. Billige Modelle aus Asien kosten um die 200, ein angeblich besonders sicheres aus Deutschland fast 600 Euro. Wenn Anna oder Kilian ihrer Mutter fünf Euro abluchsen, müssen sie Dank Hoverboard nicht mehr zu Fuß zur Eisdiele an der Ecke gehen, sondern können sich schnurrend rollen lassen und dabei noch ihr Smartphone checken. Ganz ohne Folgen dürfte die Bewegungsarmut dann aber kaum bleiben.

Zum Autor

Johannes Frewel berichtet in der Wirtschaftsredaktion von rbb-Inforadio über Märkte und Technik. Schon als Student legte er sein in den Ferien verdientes Geld in gute HiFi-Technik und erste Atari-Computer an. Er begleitet die Digitalisierung der Unterhaltungselektronik seit Jahrzehnten journalistisch. Die Branche, die sich auf der IFA präsentiert, steht durch den Innovationsschub bei Smartphones und Tablets in einem tiefgreifenden Umbruch.

Beitrag von Johannes Frewel

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