Eine junge Frau präsentiert das neuste Resound Hörgerät. (Quelle: IFA Berlin)
Audio: Inforadio | 03.09.2017 | Marc Koch | Bild: IFA Berlin

Hörgeräte als Sprachrohr für Apps auf der IFA - Die Menschen-Flüsterer

Eine Waschmaschine sendet einen Warnhinweis als Sprachnachricht auf das Ohr eines Menschen. Diese Technik ist kein Zukunftsgeplänkel, sondern schon real. Vernetzung soll die Funktionalität technischer Hörhilfen auf die nächste Ebene bringen. Von Marc Koch

Vorbei die Zeiten, in denen Hörgeräte als fleischfarbene halbe Bananen weit über die Ohrmuschel ragten. Heute sind die akustischen Helfer winzig klein und federleicht – dafür ist ihr Innenleben aufwendig wie nie.

Längst geht es nicht mehr nur darum, Signale einfach nur zu verstärken, damit sie besser gehört werden. Das Stichwort heißt auch hier Vernetzung, erklärt Maximilian Eisenhut vom Hersteller Resound aus Münster. "Durch diese Anbindungsmöglichkeit - die Konnektivität - die zu einem Fernseher oder Smartphone hergestellt werden kann, resultieren ganz andere Möglichkeiten. So kann ein Hersteller, zum Beispiel eines Küchengerätes mit Sprachausgabe, über eine App direkt mit dem Hörgerät kommunizieren", so Eisenhut.

System kann Besucher ankündigen

Das hohe Piepen, mit dem zum Beispiel Spülmaschine oder Trockner melden, dass sie fertig sind, können Menschen mit einer Hörschädigung nicht wahrnehmen. Entsprechend vernetzt aber kann das Haushaltsgerät eine Sprachnachricht über das Smartphone ans Hörgerät schicken.  Das System kann einem Besucher melden, wenn die Klingel überhört wurde

Über drei Millionen Menschen in Deutschland tragen ein Hörgerät – aber nicht nur deswegen sind die Vernetzungs-Möglichkeiten auch für Hausgerätehersteller interessant: Resound arbeitet mit Miele zusammen, um Lösungen für die Zukunft zu entwickeln, sagt Reinhard Zinnkan, Geschäftsführer von Miele. Das Thema Sprachsteuerung spiele schon aus Bequemlichkeitsgründen eine große Rolle, berichtet Zinnkan.

Besucher beim Miele Messestand waehrend der IFA 2017 in der Messe in Berlin am 2. September 2017 (Quelle: Imago/ Emmanuele Contini)

Mit 2.000 Euro pro Ohr kein Schäppchen

Die smarten Hörgeräte arbeiten mit 3D-Technik und können auf verschiedene Raumprofile programmiert werden, je nach dem, ob der Träger gerade im Konzertsaal, in der Kneipe oder am Küchentisch ist. Alles steuerbar über eine App, die das Hörgerät auch zum Kopfhörer macht, erklärt Maximilian Eisenhut. Soviel Komfort hat natürlich seinen Preis: 1.800 bis 2.000 Euro kann ein solches Hörsystem kosten, pro Ohr wohlgemerkt.

Klar ist aber auch, das die Kombination aus Hörgerät und Smartphone Menschen, die nicht gut hören, dass Leben sehr viel leichter macht.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Lieber gesunder Menschenverstand aus Krefeld, in diesem Beitrag wird doch gar nicht gesagt, dass man irgendetwas hören muss, was man nicht hören will. Sprachansagen vom Hausgerät auf das Hörgerät müssen natürlich selektiv bzw. auf die eigenen Wünsche zugeschnitten erfolgen. Alles andere wäre Unsinn. In diesem Sinne viele Grüße von der IFA und keine Sorge: smarte Hörgeräte sind toll!

  2. 3.

    Hallo lieber Herr aus Krefeld, es wird doch gar nicht gesagt, dass Ihnen Hausgeräte etwas vermelden, was Sie nicht hören wollen. Diese Ansagen erfolgen natürlich selektiv bzw. auf die eigenen Befürfnisse zugeschnitten. Andernfalls müsste man ja tatsächlich am gesunden Menschenverstand der Enwickler zweifeln... Aber keine Sorge: Smarte Hörgeräte sind toll!

  3. 2.

    Die Nutzung dieser Mitteilungen ist wohlgemerkt kein Muss. Es ist auch nicht partout bei jedem modernen Hörgerät voreingestellt. Um diese Möglichkeiten in vollem Umfang auszuschöpfen ist schon einiges mehr nötig als ein Hörgerät und eine Spülmaschine ;)
    Aber es ist doch schön dass es solche Möglichkeiten gibt.
    Nur weil Sie diese Funktionen als Unsinn empfinden, heißt dass nicht dass es für andere nicht praktisch wäre.

  4. 1.

    Wer hat sich denn diesen Unsinn ausgedacht? Ich sitze gemütlich zuhause und schaue einen Film, höre eine CD, lese ein Buch oder unterhalte mich mit Freunden. Und dann quatschen meine Hörgeräte in mein Ohr "Trockner fertig", "Salz in Spülmaschine fehlt", "Herd zu heiß eingestellt" oder "Waschmaschine fertig"...?

    Dazu gibt es nur einen passenden Satz: Bei den Entwicklern und den unkritischen Verbreitern dieses Unsinns "piepts" wohl...

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