Archiv: Smarte Haushaltsgeräte auf der IFA 2014 (Quelle: dpa/Rainer Jensen)
Bild: dpa/Rainer Jensen

Vernetzte Geräte auf der IFA - Waschmaschine meldet hartnäckige Flecken im Hemd

Die Internationale Funkausstellung startet am Freitag auf dem Berliner Messegelände. Die weltgrößte Unterhaltungselektronikmesse will mit sprechenden Waschmaschinen und kontrastreichen OLED-Fernsehern bei den Kunden punkten. Von Johannes Frewel

Mithilfe von smarten Sprachassistenten wie Amazon Echo oder Google Home hören Geräte aufs Wort, Waschmaschinen senden den Stand ihrer Reinigungsbemühungen direkt aufs Hörgerät oder ordern bei ausgehendem Waschmittel Nachschub. Ab Freitag steht die Internationale Funkausstellung IFA in Berlin ganz im Zeichen von Vernetzung und künstlicher Intelligenz.

Die ehemals reine Unterhaltungselektronikmesse hat sich in den vergangenen zehn Jahren auch zum größten Schaufenster für intelligente Hausgeräte entwickelt – und wirbt zunehmend IT-Aussteller von der Computermesse CeBIT in Hannover ab.

IT-Unternehmen wollen verstärkt Konsumenten erreichen

Erstmals strich Branchenführer Microsoft in diesem Jahr den eigenen Stand bei der CeBIT und präsentiert sich nun bei der IFA. Diesem Trend folgen auch andere Firmen wie etwa WLAN-Routerhersteller, denen mit ihren Consumerprodukten auf der reinen Businessmesse in Hannover interessiertes Publikum fehlt. Mit knapp 250.000 Besuchern an sechs Messetagen hat die IFA ihre stark geschrumpfte Konkurrenzmesse CeBIT längst überrundet.

Besucher der Messe IFA können im Jahr 2016 durch einen von LG gebauten Tunnel aus OLED-Displays laufen. (Quelle: rbb/Michael Voß)
Panoramabild: IFA-Besucher konnten 2016 durch einen Tunnel aus OLED-Displays laufen.Bild: rbb/Michael Voß

Bestseller: hochauflösende Fernseher

Zugpferd der klassischen Unterhaltungselektronik sind nach wie vor neue hochauflösende Fernseher. Kontrastreiche und farbstarke OLED-Geräte locken Käufer mit größeren Bildschirmen und sinkenden Preisen. Allerdings hat die Branche ihre besten Zeiten hinter sich. Fanden vor einigen Jahren jährlich noch zehn Millionen neue TV-Geräte einen Käufer, würden sich die Hersteller heute freuen, wenn der Markt die Talsohle endlich überwindet und sieben Millionen Geräte durch die Scannerkassen der Händler in Deutschland gingen.

Alle 1,5 Jahre ein neues Smartphone, alle 8 Jahre ein neuer Fernseher

Zehn Jahre Smartphone haben die klassische Unterhaltungselektronik arg in Bedrängnis gebracht. Tauschen Verbraucher TV-Geräte oft erst nach sechs bis zehn Jahren aus, leisten sie sich bereits nach 18 Monaten ein neues Smartphone. Die Folgen für die Hersteller sind einschneidend. Nur gut vier Milliarden Euro geben Verbraucher bundesweit für Fernseher, jedoch fast zehn Milliarden Euro für Smartphones aus.

Die Mobilgeräte, die heute nur noch zu etwa zehn Prozent fürs Telefonieren und zu 90 Prozent für Internetkommunikation genutzt werden, haben die klassische Consumerelektronik längst überholt und in ehemals maßgeblichen Teilen zerstört. Seit 2008 sank der Verkauf von MP3-Playern von acht auf unter eine Million, der von Digitalkameras schrumpfte von neun auf zwei Millionen Geräte im Jahr. Smartphones haben die Funktionen dieser Geräte übernommen.

Ein IFA-Besucher sitzt am 08.09.2015 vor einem "Smarten Spiegel" (Quelle: rbb/Franziska Weigelt)
Ein Besucher sitzt bei der IFA 2015 vor einem smarten Spiegel.Bild:

Vernetztes Zuhause gilt als Zukunft

Wachstumsbranche ist klar das sogenannte Internet der Dinge im vernetzten Heim. Zudem verzeichnen Nischenmärkte – etwa Drohnen, Technik für virtuelle Realität oder Spaßgeräte wie Hoverboards – wachsendes Interesse.

Erstmals findet am Rande der IFA die Entwicklermesse droidcon Berlin [droidcon.de] statt, bei der sich Softwarexperten für das Google-Smartphonesystem Android austauschen. Weil die IFA auf dem Messegelände aus allen Nähten platzt, findet die Businesstochter IFA Global Markets, die Hersteller und Zulieferer zusammenbringt, an einem anderen Standort statt: in der STATION Berlin in Kreuzberg.

A+++-Label meist nicht alltagstauglich

Bei Hausgeräten werben die Anbieter mit immer geringerem Stromhunger für ihre Geräte. Doch den vermeintlichen Vorteil für Verbraucher gibt es oft nur auf dem Papier. Lediglich bei Staubsaugern attestiert die Stiftung Warentest, der angegebene und der tatsächliche Verbrauch liegen dicht beieinander.

Bei anderen Geräten haben die standardisierten Testbedingungen für Energielabels hingegen oft nicht viel mit der individuellen Alltagsnutzung zu tun. Praxisferne Testvorgaben führen vielmehr dazu, dass Hersteller überdimensionierte Geräte bauen, die durch gewisse Berechnungsverfahren auf dem Papier zum vermeintlichen Sparheld mutieren.

Digitalfernsehen hat Analog-Technik abgelöst

Ob das erste Fernsehgerät im Jahr 1928, der Volksempfänger 1933, die Compact Disc (CD) als früher digitaler Tonträger 1981 oder die hochauflösenden farbintensiven OLED-Bildschirme – seit der ersten Internationalen Funkausstellung 1924 in Berlin wurden bei der IFA zahlreiche Weltneuheiten der Unterhaltungselektronik präsentiert.

Nun wird jedoch eine Technik zu Grabe getragen: 50 Jahre PAL-Farbfernsehen. Bei der IFA 1967 drückte der damalige Außenminister und Vizekanzler Willy Brandt den roten Knopf zum Start der bunten Fernsehwelt im Westen Deutschlands. Die Digitalisierung der Fernsehnorm hat der analogen PAL-Übertragung den Stecker gezogen: Hochauflösende digitale TV-Signale für Flachbildschirme, sogenanntes HD-TV, hat PAL längst abgelöst.

Beitrag von Johannes Frewel

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1 Kommentar

  1. 1.

    "Waschmaschine meldet hartnäckige Flecken im Hemd"

    Was wie eine ungeheure Erleichterung u. Unterstützung aussieht, kehrt sich - nach allem recht "blinden" Gebrauch bezügl. der Technik - irgendwann um. Nicht der Mensch sieht und weiß etwas, sondern die Technik sieht und weiß das und der Mensch zieht sein Vermögen dazu Schritt für Schritt zurück. Bis hin zur Koch-App, die jungen Menschen sagt, dass Kartoffeln in kaltes Wasser getan werden und dann ab Beginn des Kochvorgangs ca. 20 Minuten zu kochen sind. Sonst würde so manch einer auf die Idee kommen, rohe Kartoffeln in die Mikrowelle zu tun, um sie dort zu garen und sich wundern, weshalb da nur verschrumpeltes Zeugs herauskäme.

    Bliebe mithin die Frage, wie es um das Verhältnis zwischen Menschen mit ihren Veranlagungen und ihren technischen HILFSmitteln aussieht: Als verlängerter Arm, wobei wir wissen, was unser tatsächliche Arm zu leisten imstande ist oder umgekehrt, dass wir uns FAKTISCH zu Bedienern von Maschinen dagradierten?

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