Archiv: Eine Hostess präsentiert am 04.09.2015 auf der IFA einen Kühlschrank, der per eingebauter Kamera Fotos mittels einer App auf ein Tablet oder Smartphone verschickt (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Audio: Inforadio | 30.08.2017 | Christian Sachsinger | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Lifestyle-Hausgeräte auf der IFA - Vorsicht, dein Kühlschrank hört mit!

Auf der weltweit größten Unterhaltungselektronikmesse präsentieren sich ab Freitag auch Hersteller von Haushaltsgeräten. Mit schlauen Kühlschränken und internetfähigen Waschmaschinen wollen sie die Kunden überzeugen. Dabei ist Datenschutz ein Thema.

Der Kühlschrank sendet Fotos von seinem Inhalt ans Smartphone, der Staubsauger startet per Sprachsteuerung und der Schnellkochtopf lässt sich via Bluetooth von der Couch aus beim Fernsehschauen überwachen. Das ist keine Zukunftsvision mehr, sondern ein Ausblick aufs digitale Bald – zumindest wenn es nach den Herstellern von Hausgeräten geht.

Auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, die am Freitag für Besucher öffnet, setzt sich der Trend zu selbst denkenden, miteinander vernetzten Haushaltsgeräten fort. "Vieles wird sich durchsetzen, auch wenn Verbraucher den Neuerungen oft noch skeptisch gegenüberstehen", glaubt Peter Krakau vom Prüfdienstleister TÜV Rheinland.

Früher hieß es: Energiesparen, heute: Zeitsparen

Zum zehnten Mal gehören auch Elektrohausgeräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Kaffeemaschinen zum Ausstellungsprogramm. Das große Versprechen auf der Elektronikmesse: Durch Roboter, Sprachsteuerung und Apps soll die Hausarbeit erleichtert werden. Wurde vor Jahren auf der IFA das Stromsparen hoch angespriesen, ist es nun das Zeitsparen. "Halbe Waschzeit  mehr Freizeit", wirbt etwa ein Elektronikhersteller. 65 Prozent Zeit spare, wer sein Hemd mit "Aktivsauerstoff" reinigt, wirbt ein anderer. Ein weiterer verspricht, sein Ofen backe den Kuchen bis zu 70 Prozent schneller dank elektromagnetischer Wellen, die den Garprozess überwachen.

Archiv: Energieeffiziente Waschmaschinen auf der IFA 2016 (Quelle: imago/Stefan Zeitz)
Energieeffiziente Waschmaschinen auf der IFA 2016 | Bild: imago/Stefan Zeitz

Beim Energiesparen scheint dagegen das Ende erreicht, sowohl technisch als auch beim Kundeninteresse. Nicht einmal jeder zehnte verkaufte Geschirrspüler und Kühlschrank in Europa fiel im vergangenen Jahr in die beste Effizienzklasse A+++. Die meisten Käufer gaben sich mit A+ zufrieden. Nur bei Waschmaschinen liegen die sparsamsten laut GfK vorn. "Es ist recht schwer geworden, eine gute Balance zwischen Effizienz und Nutzen zu bekommen", erklärt Reinhard Zinkann von der deutschen Hausgeräteindustrie.

Leicht steigende Umsätze bei deutschen Hausgeräteherstellern

Im ersten Halbjahr 2017 legte der Umsatz mit Hausgeräten nach Zahlen des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie um zwei Prozent zu. Allerdings fiel das Wachstum spürbar kleiner aus als im Vorjahreszeitraum. Die Branche gibt sich dennoch optimistisch, verweist auf die gute Konjunktur und den Wohnungsbau. Denn jede neue Wohnung brauche auch Herd, Kühlschrank und Kaffeemaschine. "Die ökonomischen Voraussetzungen sind nicht schlecht", sagt Branchensprecher Zinkann. Außerdem mache die digitale Technik die bislang eher dröge 'Weiße Ware' fast schon spannend, so Bosch-Geschäftsführer Harald Friedrich.

Archiv: Staubsaugender Roboter auf der IFA 2014 am Messestand von Miele (Quelle: imago/IPON)
Staubsauger-Roboter auf der IFA 2014 | Bild: imago/IPON

Digitalisierung hält Einzug – bei der Zahnbürste bis zum Kühlschrank

Hoffnungsträger der Branche sind vernetzbare Geräte. Europaweit verkauften sich im ersten Halbjahr laut GfK-Marktforschung Saugroboter gut, die sich per App steuern lassen. In Deutschland ziehen demnach auf niedrigem Niveau auch smarte Kaffeeautomaten im Verkauf an. "Die Nachfrage nach höherwertigen Geräten steigt", betont Zinkann.

Sprachassistenten wie Siri (Apple), Alexa (Amazon) oder Cortana (Microsoft) könnten künftig mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen: die Waschmaschine in Gang setzen, die Rollläden herunterfahren oder das Licht im Keller einschalten. Die digitale Technik vernetzt dabei nicht nur Haushaltsgeräte, sondern das gesamte Haus. Wolfgang Gründinger vom Bundesverband Digitale Wirtschaft geht davon aus, dass durch die Sprachassistenten der vernetzte Haushalt "in diesem Jahr in den Massenmarkt" vordringen werde. Und Amazon-Sprecher Michael Wilmes gibt sich überzeugt: "Der Sprachsteuerung gehört die Zukunft, weil es die einfachste und natürlichste Möglichkeit ist, Technik zu steuern."

Entwicklung zum vernetzten Zuhause?

Doch der Trend zum vernetzten Zuhause wurde schon lange beschworen, mit mäßigem Erfolg. Unterm Strich entfielen im ersten Halbjahr in Europa gut fünf Prozent der Haushaltsgroßgeräte-Ausgaben auf Produkte, die vernetzbar sind – weit weniger als in Asien. Außerdem fehlt es an einem gemeinsamen technischen Standard: eine gemeinsame Sprache, die Produkte unterschiedlicher Hersteller verstehen. Bosch Siemens Hausgeräte will nun mit "Home Connect" einen offenen Industriestandard etablieren, für den sich alle Partner registrieren können.

Sprachassistenten bergen Datenschutzrisiko

Neben den digitalen Spielerein ist auch Datensicherheit ein Thema auf der IFA. "Sie haben eine weitere Person am Küchentisch sitzen, die immer mithört", gibt Alexander Henschel von der Beratungsfirma Goetzpartners zu bedenken. Deshalb müsse sichergestellt sein, dass der Sprachassistent nicht von Hackern geknackt werden könne.

Einige Produkte bieten zwar Sicherheitsvorkehrungen, etwa dass nur eine Funk-zu-Funk-Verbindung vom Smartphone zum digital gesteuerten Staubsauger-Roboter eingerichtet werden kann. Dennoch: Mit der Nutzung digitaler Sprachassistenten wie Alexa oder Siri landen die Sprachebefehle für den Kühlschrank oder den Saugroboter auch in den Datenbanken der US-Konzerne Amazon, Apple, Google oder Microsoft.

Mit Informationen von Christian Sachsinger

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3 Kommentare

  1. 3.

    Zitat "Halbe Waschzeit - mehr Freizeit" Was soll denn der Blödsinn? Also ich schlage nicht meine Wäsche auf die Steine an der Spree. Während die Wäsche wäscht, habe ich Freizeit. Das Ein- und Ausräumen fällt durch die neue Technik nicht weg. Und vor allem: Was machen die Menschen mit mehr Freizeit? Online gehen und noch mehr Geräte bestellen, die angeblich mehr Freizeit bringen sollen. Und überhaupt - warum bestellen Menschen ihre Kleidung online? Um dann (kleidungstechnischer) abwechslungsreicher aus dem Haus zu gehen? Dann können sie dabei auch gleich "klassisch" einkaufen. Es ist und bleibt ein irrsinniger Kreislauf. Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass die Menschen in ferner Zukunft gar nicht mehr aus dem Bett aufzustehen brauchen. Es sei denn, mal auf die Toilette zu gehen. Falls dafür nicht auch bald eine App-Lösung gibt ...

  2. 2.

    Konsumiere, um mehr konsumieren zu können. Inhumaner Dreck!

    Nach uns die Sintflut: Energieeffizienz? Konfliktrohstoffe? Recycling? Egal!

    Früher oder später wird dieser sowieso in China produzierte Billigschrott, der zu Wucherpreisen verkauft werden soll, auf afrikanischen Müllhalden landen, wo meist junge Menschen noch Verwertbares wie Kupfer etc. aus den Elektrogeräten mittels Feuer herauszulösen versuchen, nicht ohne erhebliche Gesundheitsgefährdung und ökologisch katastrophalen Spuren in der Umgebung. Es lebe die Weltwirtschaftsordnung! Aber sich bzgl. Migrationsbewegungen beschweren und abschotten wollen, pah!

    Wäre das schön, wenn diejenigen, die dort allerhand "smarte" Technik anpreisen, selber einmal in Kriegsgebieten ohne Werkzeug in einen (Kinder-)Minenschacht steigen, um dort z.B. Koltan, Kasserit, Indium abzubauen, damit ein paar Technik-Yuppies eineinhalb Jahre den neuesten Scheiß haben. Denn länger darf es durch eingebaute Sollbruchstellen nicht halten.

  3. 1.

    Ich denke, der Datenschutz ist ein wichtiges Thema. Doch im Vergleich zu anderem gibt es noch Wichtigeres. Das ist die schleichende Dequalifikation.

    Alles, was wir gewohnt sind, in die Hand zu nehmen, erhält das menhschliche Gestaltungsvermögen, alles, was wir an technische Geräte abgeben - was sie für uns übernehmen - führt zu Bequemlichkeit und faktisch zum Einschlafen unseres Vermögens. Dass junge Menschen Koch-Apps und Back-Apps aufrufen müssen oder Feuer-Mach-Apps, um zu wissen, ob Nudeln nun in kaltes, in heißes Wasser gworfen oder in Fett gedünstet werden, ob Fett mit Zucker oder ob Mehl mit Zucker vermischt werden und dass das schwerere Holz unabdingbar auf leichteres gehört, soweit dies entsprechend durchgeglüht ist, spricht nicht unbedingt für den Erhalt menschlichen Vermögens. Eher schon dafür, zu wissen, wo was steht. Und im Ernstfall aufgeschmissen zu sein, wenn´s nicht funktioniert. Was jeder zu jeder (unpassenden) Gelegenheit beobachten kann.

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