Menschen tippen in Berlin auf ihren Handys. (Quelle: imago/Bildgehege)
Audio: Inforadio | 30.08.2017 | Johannes Frewel | Bild: imago/Bildgehege

Neue Trends auf der IFA - Das Smartphone ist so lebendig wie nie

Das Smartphone ist immer und überall dabei. Das machen sich Unternehmen der Unterhaltungselektronik zunutze - wie auf der IFA ab Freitag in Berlin zu sehen ist. Trends werden in Zukunft vor allem durch das Smartphone vorangetrieben. Doch es gibt einen Haken.

Zehn Jahre nach seiner ersten Präsentation wird das Smartphone für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Mittlerweile stehen rund 1,4 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts in Zusammenhang mit dem Smartphone. Der Umsatz beläuft sich in diesem Jahr voraussichtlich auf 45 Milliarden Euro. Das geht aus einer Studie des Digitalverbandes Bitkom [bitkom.org] hervor, die der Branchenverband gemeinsam mit der Unternehmensberatung Deloitte am Mittwoch zum Auftakt der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vorgestellt hat.

Vor allem im Handel ist Smartphone Wirtschaftsfaktor

In den nächsten fünf Jahren werden die Umsätze, die mit Hilfe der smarten Alleskönner erzielt werden, um rund ein Drittel steigen - auf mehr als 60 Milliarden Euro, fasste Klaus Böhm von Deloitte zusammen. 2022 werde das Smartphone für 1,7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung sorgen. Und das sei noch konservativ berechnet, so der Diplom-Volkswirt. Die Wirtschaftskraft der Branchen rund um das Smartphone sei bei weitem nicht erschöpft und werde weiter wachsen.

"Das Smartphone ist auch außerhalb der Geräteindustrie ein Wirtschaftsfaktor", sagte Böhm. Wachstumstreiber sei vor allem der Handel. Immer mehr Deutsche bestellten beispielsweise via Smartphone neue Kleidung bei Online-Anbietern. So könnten neue Anwendungen im Bereich der digitalen Gesundheit die Erlöse über die Handys durchaus noch steigern. "Das Smartphone ist so lebendig wie nie", sagte Bitkom-Marktexperte Timm Lutter.

Symbolfoto: Eine junge Frau vergleicht auf ihrem Smartphone Produkte einer Apotheke (Quelle: imago/Westend61)
Online können Kunden nach dem günstigsten Angebot suchen und Preise vergleichen. | Bild: imago/Westend61

Smartphone stößt entscheidende Innovationen an

In der Unterhaltungselektronik steht das Smartphone im Mittelpunkt zahlreicher Innovationen. Laut der Studie legt die klassische Unterhaltungselektronik in diesem Jahr voraussichtlich um 2,6 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro zu. Vor allem das Wachstum bei Fernsehern werde dafür verantwortlich sein, sagte Lutter.

Der Fernsehmarkt profitiert stark von neuen Technologien, etwa der Verbindung mit dem Internet und dem Video-Streaming. "Das Smartphone hat als Universaltalent in vielen Bereichen Schneisen geschlagen, aber auch viel fruchtbaren Boden hinterlassen", so Lutter.

8 von 10 Deutschen nutzen Smartphones

Acht von zehn Menschen in Deutschland nutzen laut der Studie inzwischen ein Smartphone – vor allem zum Telefonieren, Fotografieren, Filmen und Suchen im Internet. "So schnell hat bislang keine andere Technologie den Alltag so vieler Menschen verändert", sagte Böhm. Innerhalb nur eines Jahrzehnts sei das Smartphone von einem Nischenprodukt zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden. 96 Prozent der 14 bis 49-Jährigen nutzen mittlerweile ein Smartphone. Wachstumspotenzial gebe es noch bei der Generation 65 plus: Hier besitzen laut Bitkom nur 41 Prozent ein Gerät.

Absatz stagniert, Umsatz steigt

Die Verkaufszahlen der Smartphones werden im laufenden Jahr voraussichtlich aufgrund der Marktsättigung stagnieren. Für 2017 erwartet der Digitalverband, dass in Deutschland 24,07 Millionen Geräte verkauft werden. Im Vorjahr waren es noch 24,22 Millionen verkaufte Smartphones.

Der Umsatz soll hingegen um vier Prozent auf 9,77 Milliarden Euro steigen, vor allem weil größere Geräte gefragt sind. Demnach erzielt der deutsche Smartphone-Markt im laufenden Jahr voraussichtlich einen höheren Umsatz als die gesamte klassische Unterhaltungselektronik. Das Smartphone sei "das Gerät, wofür die Deutschen in den letzten Jahren am meisten Geld ausgegeben haben", so Lutter.

Ein Mann demonstriert am 17. Juli 2017 in Reutlingen eine Smart City-App, mit der unter anderem via Augmented Reality Entfernung und Richtung zu Sehenswürdigkeiten angezeigt werden (Quelle: dpa/Marijan Murat)Im baden-württembergischen Reutlingen wird Augmented Reality bereits in einer Smart City-App getestet.

Trends: Augmented Reality, künstliche Intelligenz, flexible Displays

Der Trend ist klar: Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte, die sich mit dem Smartphone vernetzen, steigen in der Käufergunst. Wie von Freitag an auf der IFA zu sehen sein wird, gibt es inzwischen eine Vielzahl an Geräten, die sich über das Handy steuern lassen. Nach Prognosen von Deloitte dürften Händler, Medienhäuser und Online-Konzerne künftig am meisten von den Smartphone-Innovationen profitieren.

Dazu zählen laut den Unternehmensberatern in den kommenden fünf Jahren: Augmented Reality, maschinelles Lernen und flexible Displays. Das Smartphone der Zukunft werde voraussichtlich einen widerstandsfähigeren Bildschirm haben und mit der nächsten Mobilfunkgeneration 5G Inhalte in hoher Geschwindigkeit übertragen und empfangen. Außerdem soll es dank standardmäßigem maschinellen Lernen intelligenter sein im Erkennen von Bild, Text und Sprache. Mittels Augmented-Reality-Anwendungen werde die reale Welt zudem vermehrt durch digitale Inhalte erweitert. Ähnlich dem Smartphone-Spiel Pokémon Go wird die Umgebung etwa durch virtuelle Informationen in einer Reiseführer-App auf dem Smartphone angereichert.

Einziges Problem: Der Akku der Zukunft fehlt noch

Eine Voraussetzung für diese Innovationen muss aber noch erfüllt werden: längere Akkulaufzeiten. Denn mit den neuen Aufgaben der Smartphones werden die Geräte mehr Strom benötigen. Wenn die Entwicklung der Akkutechnologie weiterhin nur schwer vorankommt, könnte das eine Wachstumsbremse sein, so Böhm. Die Marktreife neuer Stromspeicher-Technologien werde noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Böhm hat aber die Hoffnung, "dass mein Smartphone in naher Zukunft wieder 24 Stunden durchhält und nicht nur die sechs Stunden, die es heute in meinem Alltag hat."

Mit Informationen von Johannes Frewel

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6 Kommentare

  1. 6.

    Trotz aller berechtigter Bedenken in Bezug auf die ekzessive Nutzung von Smartphone müssen wie auch im Auge behalten, das möglicherweise durch die Folgen von Wirtschaft 4.0 Millionen Arbeitslose beschäftigt werden müssen, damit das gesellschaftliche Leben und der soziale Frieden nicht völlig den Bach herunter gehen. Die Bank ING DIBA München rechnet in einer Studie von 2015 mit 18 Millionen. Ich habe damals bei den öffentlichen Diskussionen zu Wirtschaft 4.0 (unter anderem auf einer öffentlichen Internetplattform des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales) geschwiegen, weil ich nicht weis, wie sich die etwaige Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens auf die Arbeitsbereitschaft der Bevölkerung auswirken würde Zumindest müsste so etwas durch Rechtsverordnungsermächtigung sofort rückholbar sein. Die Menschheit hätte die Produktivkräfte, weltweit den Kommunismus aufzubauen, nur der Mensch istz grösstenteils egoistisch verkorkst. Ich bin Christ, sonst wäre es zum verzweifeln

  2. 5.

    Soziale Interaktion leidet durch die Geräte. Andererseits kann ich mir auch positive Anwendungen der Verbindung von Streaming von Internetvideos auf Virtuality-Reality-Brillen vorstellen. Mit positiven Anwendungen meine ich jetzt nicht Gewaltspiele, sondern Dinge wie Reisesimulationen oder Motivationssoftware für Bewegungsmuffel, was auch gesundheitspolitisch durch die Senkung von Millardenkosten für die Behandlung der Folgen von Bewegungsmangel ins Gewicht fallen dürfte. Ich habe in diesem Sinne bei den Tagen der offenen Tür der Bundesregierung am 26./27. 8. 2017 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erfolgversprechende Gespräche geführt. Derartiges sei mit Förderung des Ministeriums in Entwicklung.

  3. 4.

    Diese ständige Displayglotzerei gab's auch schon, als Smartphones noch Zukunftsmusik waren. Ich erinnere mich gut daran, auch damals schon den Handynutzern ausgewichen zu sein, die meinten, permanent im Gehen oder Stehen SMS-Nachrichten absetzen zu müssen. Nur waren das damals gefühlt weniger Leute als heutzutage, wo wirklich fast jeder ein Smartphone hat. Ich auch, aber ich nutze das Ding NIE im Gehen - ich achte lieber auf den Weg und meine Umgebung. Ganz besonders nerven mich die Dauer-Smartphonenutzer, die vor mir an der Kasse während des Bezahlens munter weiter surfen oder telefonieren. Ist für mein Empfinden unhöflich.

  4. 3.

    Man kann diese ganzen Smartphonefreaks auch sehr irretieren, wenn man sie ganz direkt und konzentriert an+zusieht, was sie da so machen. Ich weiche keinem handygucker aus. im Ggegenteil,es macht mir Spaß und erheitert meinen Tag, wenn ich es auf nen >Zusammenstoß mankommen lasse. Oder sie direkt mit nem lauten " Huuuh" erschrecke. Am erheiternsten sind aber die, die fast mit nemm Baum oder ner Laterne kollidieren. Am nervigsten sind aber die Zeitgenossen, die so laut telefonieren, das man zwangsläufig mithören muss. Icvh gebe dann mein Missfallen darüber durch meine Mimik auch deutlich Ausdruck. Von dem hirnlosen Gesabbel was da sehr oft abgelassen wird , mal ganz zu schweigen. Ich glaube fast, etliche dieser Freaks können sich garnicht mehr richtig unterhalten.Schlimme Zeit.

  5. 2.

    @Helmut Krüger: Ach ja - wissen Sie noch, früher? Wo man in Bus & Bahn noch flirten konnte? Ist heute nicht mehr möglich, denn zum Flirten gehört ja bekanntlich Augenkontakt. Der ist aber heutzutage nicht mehr möglich, weil alle gesenkten Hauptes in ihrer Smartphonewelt "wühlen". Was die Begenungen mit den Smartphonern betrifft - ja, auch ich agiere zugerne so, wie Sie: Stehenbleiben und auf das "Hallo!" warten, wenn dann der verdutzte "Handstreichler" vor einem steht. Im ungünstigsten Falle gibt es einen leichten Rempler. Bin echt gespannt, wo das alles mal endet ...
    Ich muss Schluss machen, habe gerade ne Whatsapp ... Hahaha

  6. 1.

    Bisher sind die Nicht-Smartphone-Benutzer im öffentlichen Straßenraum den Smartphone-Benutzern immer ausgewichen. Einmal habe ich zur Probe auf´s Exempel es anders gemacht und bin einfach stehengeblieben. Plötzlich stand der Mensch erschrocken vor mir, wendete seinen Blick von dem entsprechenden Teil und hat sich ziemlich verdattert entschuldigt.

    Ein Schauspieler auf der Bühne hat´s mal ähnlich gehalten. Als das Licht erloschen war, dass nur noch die Spotlights brannten, sah er einige gesenkte, nicht aber noch oben schauende blau beleuchtete Gesichter. Er ging dann recht ruhig zu den Betreffenden hin und hat so lange gewartet, bis diese schließlich aufschauten.

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