Tops und Flops aus 93 Jahren IFA - Vom Geruchsfernsehen bis zur Laserdisc

Jedes Jahr versprechen die IFA-Ausstellung den Beginn einer neuen Technologie-Ära. Doch ein Problem ist seit dem Start der Ausstellung gleich: Nicht alles, was technisch möglich ist, wird später auch ein Verkaufsschlager. Jörg Marksteiner blickt zurück auf Erfolge und die größten Flops aus über 90 Jahren.

Ob Backofen mit WLAN, die Computeruhr fürs Handgelenk oder krumme Fernseher - was die Kunden sich wirklich wünschen, wissen die Hersteller in Wahrheit überhaupt nicht. Das sagt auch Branchenexperte Peter Weber. Er hat bei vielen der großen Elektronikmultis gearbeitet und kennt die IFA seit 50 Jahren. "Man bekommt eine direkte Rückmeldung, was den Verbrauchern eigentlich gefällt", sagt Weber. "Wo knubbeln sich die Leute und wo steht man auf leeren Ständen, weil das keinen Menschen interessiert."

Darauf achten auch die Einkäufer des Handels. "Manchmal stellt man eine neue Technologie vor und ist sehr selbstverliebt. Wenn man dann feststellt, das kommt überhaupt nicht an - weder beim Publikum noch beim Handel - dann wird das sicherlich wieder ganz schnell aus dem Sortiment genommen oder gar nicht erst eingeführt", schildert Weber seine Erfahrungen.

Das "Buntfernsehen" kam 1967

Die Liste der Flops ist lang: Geruchsfernsehen, der schnurlose Fernseher mit Henkel und Akkugerät, Handy-TV, ein Videorecorder, der automatisch Werbung rausschneidet, oder der Bildplattenspieler in den 1970ern. Später kam die Laserdisc und die Super Audio CD zu den Misserfolgen hinzu, die gezeigt wurden und ziemlich klanglos wieder verschwanden.

Highlights gab es aber auch: 1924 bei der Premiere waren es die ersten Radiogeräte, 1967 der Abschied vom Schwarz-Weiß-Fernseher. "Das war schon eine überragende Geschichte, als Willy Brandt auf den berühmten Knopf gedrückt hat und überall die bunten Lichter angingen", erinnert sich Weber, der damals dabei war. Und er verrät, dass man damals statt von Farb-Fernsehen noch von Buntfernsehen sprach.

Große technische Sprünge sind heute schwieriger

Der erste funktionsfähige CD-Player, der erste Heim-Videorecorder, Verkehrsfunk, Videotext, die DVD oder MP3-Player: Viele IFA-Neuheiten waren wirklich bahnbrechend. "Die Digitalisierung hat noch mal zu einer Ausweitung des Spektrums geführt. Es gibt völlig neue Produktgruppen, die es vor ein paar Jahren überhaupt nicht gegeben hat", sagt Branchenexperte Weber.

Er erachtet ähnlich große technische Sprünge wie früher heute als schwieriger. "Smartphones, Streamingdienste oder Fernsehen on Demand - all das ist erst durch die Digitaltechnik möglich geworden. Da kann man keine technischen Kopfstände mehr machen, man kann das nur noch weiter entwickeln." Doch das hält die Hersteller auch diesmal nicht davon ab, selbst kleine Fortschritte groß zu bewerben.

Rückblick auf 90 Jahre IFA

Über 90 Jahre Hightech

Beitrag von Jörg Marksteiner

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