Telefunken-Radio in Vintage-Optik (Quelle: imago)
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Telefunken vermietet seinen Namen - Wenn Firmennamen die Firma überleben

Wenn Firmen verschwinden, bleibt oft noch die Erinnerungen an den Namen. Von der Dresdner Bank gibt es noch genau eine Filiale, natürlich in Dresden. Der Rest heißt so, wie der Käufer: Commerzbank. Andere bekannte Namen - wie Telefunken - tauchen hingegen plötzlich wieder auf. Von Michael Voß

Es gibt kaum ein Unternehmen, das mit der deutschen Rundfunkgeschichte und mit der Berliner Funkausstellung so eng verbunden ist, wie Telefunken. Auf der diesjährigen IFA zeigt Telefunken neben E-Bikes, Audiogeräten und Livestyle-Produkten erstmals kleine Haushaltsgeräte wie Toaster und Wasserkocher. Sie erweitern das Sortiment, nachdem vor einem Jahr bereits die großen Geräte wie Kühlschränke hinzugekommen waren.

Gegründet auf Geheiß des Kaisers

Im Jahr 1903 führt die drahtlose Nachrichtentechnik auf Befehl von Kaiser Wilhelm II. 1903 zur Gründung der "Gesellschaft für drahtlose Telegraphie". Das Unternehmen gehört zu je 50 Prozent den beiden Mutterkonzernen Siemens & Halske und AEG, um Streitigkeiten um Patente zu beenden. Im Telegraphenverkehr heißt es dann nur noch kurz "Telefunken". Der Firmenname ist geboren. Elektronenröhren, Radioapparate, Radare und Fernseher entstehen in den Fabriken der Berliner Firma.

1928 ist das Unternehmen bei der 5. Großen Deutschen Funkausstellung dabei. Später entsteht der erste deutsche Einheitsfernseher. In den 60er Jahren folgt die Fusion mit der Muttergesellschaft AEG – damit endet die eigenständige Existenz von Telefunken. Die wiederum werden 1985 von Daimler-Benz geschluckt. Viele Jahre bleiben die Namensrechte dann ungenutzt in einer Schublade.

Telefunken vermietet seinen Namen

Heute gibt es eine neue Firma namens "Telefunken Licenses" – statt einer fünfstelligen Anzahl von Mitarbeitern ist es nur noch eine zweistellige Zahl. Und dahinter steht eine völlig neue Geschäftsidee, wie der aktuelle Chef, Christian Mayer, erklärt: "In der Vergangenheit war Telefunken ein Hersteller. Das ist heute anders. Seit 2007 haben wir in den Bereichen TV, Audio Telekommunikation, Haushaltsgräte ein globales Markenlizenzgeschäft auf Basis der sehr hohen Bekanntheit und des Markenimages aufgebaut."

Konkret heißt das: Man vermietet sozusagen den Namen Telefunken an Hersteller, die nicht so bekannt sind, und verdient an den Lizenzgebühren. Trotzdem werde die Qualität streng überwacht, sagt Christian Mayer. "Telefunken steht seit 113 Jahren für Qualität, Innovation, deutsche Ingenieurskunst". Und dieses Image soll erhalten bleiben. Deshalb gibt es strenge Auflagen. "Wir müssen sicherstellen, dass die Lizenznehmer, die wir in unserem Portfolio haben, tatsächlich in der Tradition unserer Markenwerte Produkte entwickeln und vertreiben", so Mayer.

Doch diese Firmen - derzeit gibt es 40 Lizenznehmer - sind alle eigenständig. Telefunken kann keinen konkreten Druck auf sie ausüben, erklärt Christian Mayer.  

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1 Kommentar

  1. 1.

    Die Telefunken war von Anfang an eine Tochtergesellschaft der Siemens & Halske (Vorläufer der Siemens AG) und der AEG. Sie war nie ein wirklich eigenständiges Unternehmen und wurde 1967 komplett von der AEG übernommen (fusioniert).
    Siehe dazu: >> https://de.wikipedia.org/wiki/Telefunken und dort vorhandene Quellen.
    Zitat:
    "Als die beiden Unternehmen begannen, sich um die Patente zu streiten, schlichtete Kaiser Wilhelm II.: Auf sein Drängen gründeten am 27. Mai 1903 in Berlin Siemens & Halske und die AEG als Gemeinschaftsunternehmen zu gleichen Teilen die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., System Telefunken... . Erster technischer Direktor war Georg Graf von Arco. Telefunken, die Telegrammadresse der Gesellschaft, wurde als Warenzeichen am 11. November 1903 beim Kaiserlichen Patentamt eingetragen. Mit der Unternehmensgründung legten am Beginn des Zeitalters der Funk- und Nachrichtentechnik die Unternehmen S & H und AEG ihre Kenntnisse und Aktivitäten zusammen."

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