Auf der IFA 2018 wird eine TV-Fernbedienung mit Sprachassistent vorgestellt. (Quelle: dpa/Franziska Gabbert)
Audio: Inforadio | 05.09.2018 | Johannes Frewel | Bild: dpa/Franziska Gabbert

Optimismus trotz Umsatzdellen - IFA-Aussteller hoffen auf goldenes Herbstgeschäft

Zum Abschluss der IFA äußern sich die Aussteller traditionell optimistisch. So auch diesmal, obwohl viele Branchen im Vorfeld deutliche Umsatzdellen verzeichnen mussten. Von Johannes Frewel

Nach zehn Jahren Wachstum und Hochkonjunktur - wie lange hält der Aufschwung? Auf diese bange Frage erhielt die umsatzverwöhnte Unterhaltungselektronik- und Hausgeräteindustrie bei der IFA 2018 eine klare Antwort, die sie wenig überraschte. Schon seit Jahresbeginn zeigten sich Umsatzdellen der Branche, deren umsatzstärkste Saison das Weihnachtsgeschäft ist. Bei Unterhaltungselektronik fehlen abseits des Smartphonemarktes Kaufanreize.

Die Delle "vielleicht auch mal hinnehmen"

In der Hausgerätebranche ist die Stimmung zwar gut, die Auftragsbücher sind bestens gefüllt, der Handel verzeichnet Nachfrage für Herbstbestellungen und Kochen ist weiter im Trend. Dennoch schleicht sich erste Heiserkeit in den Jubel ein. Die Branche kämpft in Deutschland unter anderem damit, dass nach der Pleite des Herstellers Alno die Lieferfristen für Küchen stark gestiegen sind, also vorerst weniger Einbaugeräte den Weg zu Verbrauchern finden.

So verweist Siemens-Hausgerätechef Roland Hagenbucher auf eine leichte Delle seit Jahresbeginn. Dennoch sei er "sehr zuversichtlich, dass es ein goldener Herbst wird". Siemens steht mit dieser Markt-Einschätzung nicht allein. Auch Bosch erwartet ein Jahresgeschäft allenfalls auf Vorjahresniveau. "Aber nach fast zehn Jahren Marktwachstum muss man die Delle vielleicht auch mal hinnehmen", sagt der für Deutschland zuständige Bosch-Hausgerätechef Harald Friedrich, "wir sind nach der IFA ganz positiv gestimmt für das Herbstgeschäft".

Trend zu Luxus-Smartphones und Zubehör

Jobwachstum und steigende Löhne können nicht verhindern, dass traditionelle Bereiche der Branche im Strukturwandel Umsatzanteile an das Smartphone verlieren. Etwa 24 Millionen Deutsche kaufen sich jedes Jahr ein neues Smartphone und sind bereit, für neue Geräte wachsende Beträge auszugeben. Der Trend zu Luxus-Smartphones erfasst auch Lautsprecher und Kopfhörer fürs Handy.

2Bei allen Produkten, die sich vorrangig mit Smartphones verbinden lassen, ist das Feedback sehr gut", freut sich Rashid Mlis vom deutschen Kopfhörerhersteller Sennheiser. Guter Dinge im Weihnachtsgeschäft ist auch sein Premium-Rivale Beyerdynamic."Wir sind total begeistert, Kopfhörer ist ein stark wachsender Markt", feiert Günter Weidemann von Beyerdynamic den diesjährigen IFA-Auftritt seiner Marke. "Wir rechnen auch bei uns mit einem ganz deutlich wachsenden Geschäft".

Eher ein neues Tablet als ein neuer Fernseher

Während es in der Mobilsparte weiter boomt, zeigen sich ähnlich wie bei Hausgeräten auch bei den Fernsehern erste Bremsspuren am Markt. Schon zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist die Marktbelebung bei TV-Verkäufen ausgeblieben. Verbraucher konsumieren bewegte Bilder von Streamingdiensten oder aus Mediatheken zunehmend mobil. Zudem holen Smartphones und Tablets bei der Bildqualität gehörig auf, so dass der Wunsch nach einem neuen Smartphone selten zurückgestellt und dafür der TV-Neukauf aufgeschoben wird. Zumal es bei der aktuellen Bildschirmauflösung 4K und dem Nachfolger 8K noch immer an ausreichend hochaufgelösten Filmen fehlt, die erhoffte TV-Bildverbesserung also zu selten wahrnehmbar wird.

"2018 war nicht das erfolgreichste Jahr für unsere Industrie", sagt Mark Hüsges, Chef des deutschen TV-Traditionsherstellers Loewe, "das werden Ihnen andere auch bestätigen". Die Einführung eines neuen terrestrischen Digitalstandards hat die Verkäufe 2017 angetrieben - diese Umsatzlatte wird in diesem Jahr nicht wieder erreicht. 

TV-Produzenten setzen auf neue Strategien

Dennoch lief es bei der IFA besser, als viele TV-Anbieter zunächst befürchtet hatten. Verbesserte Bildqualität und Sprachsteuerung statt Fernbedienung machte Händler beim Einkauf fürs Weihnachtsgeschäft etwas mutiger als erwartet. Beim Auftragseingang scheint also wieder etwas mehr Sonne am bewölkten TV-Himmel.

Beim fränkischen TV-Produzenten Metz sorgt eine neue Strategie, die nicht mehr nur auf den Premiummarkt abzielt, für etwas Belebung. "Wir sind rundum zufrieden mit dem Ergebnis der IFA", fasst Metz-Chef Norbert Kotzbauer das Echo des Fachhandels zusammen. Auch TechniSat versucht, den Markt mit einer   Zweitmarke - Nordmende - zu erschließen. Die Händler-Dispos fürs Weihnachtsgeschäft blieben auch bei diesem deutschen TV-Hersteller hinter den Vorjahreswerten zurück. "Am Markt läuft es schlechter als im vorigen Jahr", betont TechniSat-Manager Robert Lüneberger, "wir hatten 2017 durch die DVBT2-Umstellung aber auch einen sehr beflügelten Markt".

Handelskriege und Zollbarrieren stärken Rolle der IFA

Bei den meisten Ausstellern seien die großen Erwartungen erfüllt worden, zeigt sich Hans-Joachim Kamp, Präsident des Branchenverbandes und IFA-Veranstalters gfu selbstbewusst. Tatsächlich zählte die IFA noch nie so viele internationale Aussteller wie in diesem Jahr.

Die weltweit zunehmenden Handelskriege und Importbarrieren führen dazu, dass die IFA ihr Rolle als offenes Tor zum kaufkräftigen EU-Markt vor allem für asiatische, aber auch für große US-Unternehmen gestärkt hat. Die US-Zollbarrieren für asiatische Produkte dürfte die Konkurrenzmesse Consumer Electronics Show CES in Las Vegas schwächen und die Position der IFA als weltweit bedeutendste Messe für Unterhaltungselektronik und Hausgeräte festigen.

Beitrag von Johannes Frewel

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