"Chris" - den ersten Sprachassistent für Autofahrer von "German Autolabs" (Quelle: German Autolabs)
Audio: Inforadio | 04.09.2018 | Michael Voß | Bild: German Autolabs

Berliner Start-up stellt neuen Assistenten vor - Anruf auf Fingerzeig

Das Handy ist mittlerweile Unfallursache Nummer eins beim Autofahren. Ein Berliner Start-up hat nun einen Autoassistenten entwickelt, der Smartphones über einfache Gesten steuern kann. Von Michael Voß

Am Anfang steht meist eine Geschichte. Wenn sie gut ist, entsteht daraus ein neues Projekt. So sind einige sogenannte Start-ups auch schon zu Marktführern geworden. Holger Weiss, einer von zwei Gründern der Berliner Firma GermanAutoLabs, hat so eine Geschichte zu erzählen.

"Wie das häufig so ist. Die besten Ideen kommen einem, wenn man selbst ein Problem hat. In meinem Fall war es das Handy, mit dem ich mich dauernd im Auto beim Fahren selber erwischt habe.“ Mit diesem Problem steht Holger Weiss nicht alleine da. Der ADAC geht davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Autofahrer inzwischen dauerhaft ihr Handy nutzen. Es würden mittlerweile mehr Menschen im Auto am Smartphone als am Alkohol sterben, so der Automobilclub.

Holger Weiss (li), Patrick Weissert von GermanAutoLabs (Quelle: GermanAutoLabs)
Holger Weiss (li) und Patrick Weissert von GermanAutoLabs | Bild: GermanAutoLabs

Mit einer einfachen Geste die Playlist durchsuchen

Holger Weiss entwickelte daraus vor zwei Jahren die Idee von Auto-Assistent "Chris". Anders als die marktüblichen sprechenden und antwortenden digitalen Assistenten, braucht "Chris" keine Handbedienung. Fahrer oder Fahrerin steuern das Gerät berührungslos: mit Gesten der Hand. "Chris" ist wenige Zentimeter groß, kann auf der Mittelkonsole, am Rückspiegel oder an der Windschutzscheibe befestigt werden, sagt Holger Weiss: "Chris erlaubt es mir, im Fahrzeug ablenkungsreduziert mit Nachrichten, Musik, Kontakten, Anrufen und so weiter zu interagieren."

Ein Beispiel ist die Musik, die im Auto läuft. Mit einer Wischgeste, die er vor dem Display von "Chris" ausführt, kann Holger Weiss durch die Playlist gehen. Und das, ohne die Augen von der Straße zu nehmen." Die Gesten seien einfach und nach wenigen Malen probieren intuitiv zu machen: "nur rechts, links, nah, fern".

Autoassistent "Chris" (Quelle: GermanAutoLabs)
Der Blick bleibt auf Fahrbahn gerichtet | Bild: GermanAutoLabs

Viel Elektronik an Bord

"Chris" gibt die Gesten über eine App an das Smartphone weiter. Auch Anruflisten können so abgearbeitet werden, ohne die Hände ans Telefon zu legen oder den Blick von der Straße zu nehmen. Der jeweilige Name wird nach einer Wischgeste angesagt. Damit das funktioniert, hat "Chris" viel Elektronik an Bord. "Das Gerät ist ausgestattet mit mehreren Mikrofonen. Da ist ein Gestensensor drin. Es sind zwei Bluetooth-Chipsets drin, ein Lautsprecher und ein Akku und so weiter."

"Chris" lässt sich drahtlos mit jedem iPhone oder androidfähigen Handy verbinden. Es ist für jedes Auto zugelassen, da es nicht extra eingebaut werden muss. Zur Funkausstellung wurde es nun erstmals öffentlich präsentiert. Doch die Firma denkt über weitere Neuigkeiten nach.

Der andere Gründer, Patrick Weissert, spricht auf der "Shift"-Konferenz, die parallel zur Funkausstellung stattfindet. Dort treffen sich Manager großer Unternehmen und Startups, um über die Zukunft der Autos zu beraten. "Wenn wir im autonomen Fahren angekommen sind, dann ist jeder eigentlich nur noch Passagier und kein Fahrer mehr. Wie interagiert man, wie wird das Auto umgestaltet, wenn es nicht mehr um den Fahrer herum gebaut ist, sondern um die Mitfahrer?", sagt Weissert.

Das eine Projekt ist gerade am Markt angekommen, da geht es schon wieder um neue Ideen. Es könnte der Anfang einer neuen Geschichte sein.

Beitrag von Michael Voß

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5 Kommentare

  1. 5.

    Telefonieren blockiert bei tieferen Überlegungen im Gespräch die Konzentration, da man sich etwas bildlich vorstellt was im Gespräch vorkommt., ob nun mit oder ohne Assi. Am besten Störsender in alle Autos ab Werk einbauen. Dann ist Ruhe mit der Sucht.

  2. 4.

    Bin selber Smartphone Nutzer und Autofahrer.
    Aber das Handy ist für mich beim Fahren absolut Tabu. Grade im Stadtverkehr ist jede Ablenkung gefährlich. Egal ob mit Freisprecheinrichtung oder Gestensteuerung.
    Warum ist eigentlich niemend mehr in der Lage, mal ne Stunde das Smartphone in der Tasche zu lassen???
    VÖLLIG UNVERSTÄNDLICH !

  3. 3.

    Ach ne... ohne Hinschauen durch Playlisten scrollen? Wie erkenne/sehe ich dann, welche Playliste ich gewählt habe? Muss ich nun doch wieder auf ein Display schauen statt auf die Straße... Für Musik, Nachrichten und Informationen muss man auch nicht auf dem Smartphone im Auto umherwischen. Da gibts schon eine Erfindung: Autoradio! Total cooles Teil!

  4. 2.

    Ist zwar nicht meine Kragenweite, da ich weder einen Führerschein noch ein Auto besitze, doch finde ich Ihren Beitrag höchst interessant.

  5. 1.

    Noch schärfer wäre, wenn es eine Chris-App ohne Chris-Hardware gäbe. Eine "ungesehen" mitlaufende Selfie-Cam könnte Gestik direkt vor dem Smartphone sehen und auswerten - wie Chris. Mikro, Akku und Gedöns hat das Smartphone eh.

    Mich würde die Verkabelung und das Akkuladen von Chris schon nerven, wieder ein Gerät mehr... der Plunder auf der Ablage/Mittelkonsole, die ich immerhin mit meiner Familie teilen muss *stöhn* reicht eigentlich (Taschentücher, div. Sonnen/Lesebrillen, Fishermens, Parkgroschen, Handreinigungstücher, Kuli, Einkaufswagenchip, und dann CHRIS... ne!). Oder die Gerätschaften, die bevorzugt Kleinwagenbesitzer an der Mini-Windschutzscheibe befestigen, erweitert um ein neues Gerät, den CHRIS (Navi, Handy, Parkscheibe, baumelnder Duftbaum). Wenn ich einen aufgeräumten, firmenfinanzierten SUV in dunkelschwarz fahre, gibt's die Probleme wahrscheinlich nicht. Männer-Gerät also...

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